Die Territoriale Entwicklung der Fuggerherrschaften in Süddeutschland
Vorbemerkung
Diese zusammenfassende Geschichtsdarstellung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und wissenschaftliche Qualität. Sie soll lediglich Abläufe und Zusammenhänge darstellen, um die Entwicklung mit dem Schwerpunkt auf Mittelschwaben – insbesondere den Raum Ulm / Weißenhorn / Günzburg – nachzuvollziehen. Sie wurde großenteils mit KI erstellt und kann daher grundsätzlich mit Fehlern behaftet sein.
Der Artikel stellt schwerpunktmäßig die territoriale Entwicklung und Ausbreitung der Fugger dar und beinhaltet bewusst keine vollständige Genealogie. Es sind mit Ausnahmen nur diejenigen Personen aufgeführt, die die Herrschaften innehatten.
Die genealogischen Stammbaumdaten stammen aus der Stammbaumforschung von H. Wember:
https://gw.geneanet.org/hwember1?lang=de&n=fugger&p=anton&type=tree.
Für den vorliegenden Artikel wurde ein zusammenfassender agnatischer Stammbaum der Herrschaftslinien erstellt. Die einzelnen Personen sind hierbei in ein Koordinatensystem eingebettet, welche bei den angegebenen Lebensdaten der Herrscher in den Artikeln angegeben sind und so eine leichtere Zuordnung der Personen im Stammbaum ermöglichen.
Die jeweiligen Orte der Herrschaften sind über die Funktion ‚Lageplan‘ in einer OpenStreetMap zu finden.
Falsche Zuordnungen oder Schreibweisen können vorkommen, für Korrekturen bin ich dankbar. Quellen sind nur bei direkter Übernahme schriftlicher Publikationen angegeben. Im Übrigen wurde der Artikel schwerpunktmäßig mit KI erarbeitet.
Zur besseren Lesbarkeit der Tabellen wird empfohlen, diese als pdf herunterzuladen, wo sie leichter zu vergrößern sind.




Herkunft und Entwicklung bis 1575, Generation 1-6
Der Grundstock zur Territorialherrschaft der Fugger, die seinerzeit zu den reichsten und einflussreichsten Personen gehörten, wurde von Jakob Fugger dem Reichen gelegt.
Die Herrschaftsbereiche gehen zum größten Teil auf die Erwerbungen Jakob Fuggers des Reichen von 1507-1525 zurück, ergänzt durch die Erwerbungen Anton Fuggers während der Zeit des Kondominiums. Spätere Erwerbungen durch die Inhaber einzelner Linien sind bei diesen separat aufgeführt. Da es sich bei dem Besitz auch um viele Kleingebiete handelt, sind nicht alle Flächen lückenlos aufgeführt. Die Erwerbungen selbst liegen in tabellarischer Form vor.
Der älteste bekannte Stammvater der Fugger ist Hans Fugger (AD4), vermutlich um 1320 geboren. Er wanderte 1367 aus dem Dorf Graben auf dem Lechfeld nach Augsburg ein. Er etablierte sich als Weber und Tuchhändler, erwarb das Bürgerrecht und stieg in die Zunftvorstände auf.
Er hatte drei Söhne, von denen Ulrich und Klaus in der 1.-3. Folgegeneration im Mannesstamm ausstarben. Es verblieb der Sohn Hans (1350-1408, AD7), der 1370 das Bürgerrecht als Weber in Augsburg erhielt. Er hatte aus zwei Ehen 5 männliche Nachkommen. Nur die beiden Söhne Andreas (1397-1459) und Jakob (1398-1469, AD 10) hatten Nachkommen. Andreas war Weber, Goldschmied und Fernhändler. Jakob war seit 1453 Mitglied des großen Rates von Augsburg, 1455-56 Richter in Augsburg und ab 1462 Mitglied der Augsburger Kaufmannszunft.
Diese beiden Söhne gründeten die zwei Stammlinien der Fugger, die nach ihren Wappen ‚Fugger vom Reh‘ von Andreas und ‚Fugger von der Lilie‘ von Jakob abstammen. Wir beschäftigen uns hier jetzt ausschließlich mit der Linie Fugger von der Lilie.
Die Linie Fugger von der Lilie
Jakob führte das väterliche Textil- und Handelsgeschäft mit großem Geschick weiter und gehörte bald zu den wohlhabendsten Bürgern Augsburgs. Er legte das Fundament für den Einstieg in den Bergbau und Finanzhandel. Er hatte 5 Söhne: Ulrich, Markus, Peter, Georg und Jakob
Der älteste war Ulrich (1441-1510, B13), Mitglied des hohen Rats und der Kaufmannszunft. Er war leitender Gesellschafter der Firma ‚Ulrich Fugger und Gebrüder zu Augsburg‘. Er leitete die Zentrale in Augsburg und fädelte die Geschäfte mit den Habsburgern ein. Sein Stamm endete aber schon in der ersten Folgegeneration. Für die Herrschaftsentwicklung hat nur sein Sohn Hieronymus (1499-1538, B16) eine gewisse Bedeutung, weil er bis zu seinem Tod 1538 auch Teilhaber des ‚Immobilienpools‘ war, der von seinem Onkel Jakob geschaffen war.
Der zweitälteste Sohn Markus (1448-1478) trat eine geistliche Laufbahn an und war u.a. Domherr in Augsburg und Probst in Regensburg und Freising. Der dritte der Brüder, Peter (1450-1473) starb schon mit 23 Jahren.
Georg Fugger (1453-1506, AD13) leitete die wichtige Filiale in Nürnberg und koordinierte den Fernhandel.
Der jüngste Sohn war Jakob (1459-1525, BB13), Mitglied des Großen Rats und ab 1514 Zunftmeister der Kaufleute in Augsburg. Er war das Genie der Familie. Er übernahm später nach dem Tod seiner Brüder die Alleinführung und baute das Bergbau- und Bankenimperium aus.
Gründung der ‚‘Firma‘ Fugger
Die drei Brüder gründeten eine der ersten urkundlich belegten offenen Handelsgesellschaften (OHG) in Europa. Alle drei brachten ihr Vermögen ein, arbeiteten eng zusammen und teilten die Gewinne. Ulrich Fugger knüpfte die ersten Kontakte zum Habsburger König (und späteren Kaiser) Maximilian I. Durch Kredite an das Königshaus sicherten sich die Brüder politischen Einfluss und lukrative Privilegien. Jakob Fugger erkannte das Potenzial des Bergbaus. Während Georg den Handel über Nürnberg organisierte, sicherte sich Jakob die Schürfrechte für Silber in Tirol (Schwaz) und Kupfer in Ungarn. Dadurch kontrollierten die Brüder zeitweise den europäischen Kupfermarkt.
Aufbau der Herrschaftsbereiche
Die Brüder Ulrich, Georg und Jakob betrieben die Firma gemeinsam. Jakob erkannte auch die Möglichkeiten einer möglichst großen wirtschaftlichen Machtbasis durch Immobilienbesitz und legte die Gewinne zielgerichtet an. So erwarb er als erstes 1507 die Herrschaft Kirchberg-Weißenhorn mit den Vogteirechten am Kloster Wiblingen und der abgegangenen Burg Marstetten, 1509 Schmiechen und 1514 Biberbach.
Jakob Fugger, genanntder Reiche (1459-1525, BB13) war zwar durch sein kaufmännisches Geschick der Gründer des Handelshauses, da er jedoch keine Kinder hatte, war er nicht der genealogische Stammvater und steht daher im Stammbaum etwas abseits. Die biologische Familiengründung verlief über seinen Bruder Georg (1453-1506, AD13). Dieser starb zwar schon 1506, hatte aber mit seinen Söhnen Markus, Anton und Raymund drei erbfähige Söhne.
Nach Jakobs Tod ging der Besitz an diese drei Neffen, weil deren Vater Georg ja bereits 1506 gestorben war. Der Besitz wurde verwaltungstechnisch zwar aufgeteilt, das Eigentum war aber weiter gemeinschaftlich.
Markus (1488-1511) trat ein geistliches Amt an und war in vielen Diözesen im Dienst, z.B. in Würzburg, Passau, Liegnitz, Bamberg, Regensburg und Augsburg. Wegen des Zölibats hatte er keine Nachkommen.
Anton (1493-1560, AC16) und Raymund (1489-1535, AD16) teilten sich die Erbschaft und wurden fortan als Antonius-Linie und Raymund-Linie geführt.
Bis 1575 wurden alle Herrschaften gemeinsam verwaltet. Das war unter den Brüdern Anton und Raimund noch problemlos, aber auf der Cousin-Ebene mit 7 Cousins traten doch nach Antons Tod 1560 Spannungen auf.
Diese wurden noch dadurch verstärkt, dass Johann Jakob (1516-1575, AD19) 1563 einen grandiosen Konkurs hinlegte, den einzigen, den die Fugger je erleben musste. Johann Jakob starb 1575. Zudem hatte sich Ulrich (1526-1584, BA19) durch seine Konvertierung zu Protestantismus quasi selbst enterbt.
Hans Jakob Fugger war ein hochgebildeter, humanistisch interessierter Patrizier. Er sammelte Kunst und baute eine weltberühmte Bibliothek auf, lebte jedoch weit über seine Verhältnisse. Zusammen mit seinem Bruder Ulrich Fugger häufte er immense private Schulden an. Im Jahr 1562 flüchtete Ulrich Fugger hochverschuldet aus Augsburg. Ein Jahr später, 1563, kollabierte auch das Finanzgerüst von Hans Jakob Fugger. Seine privaten Gläubiger forderten ihr Geld zurück, das er nicht aufbringen konnte. Aufgrund dieses massiven privaten Konkurses und um den Ruf des Familienunternehmens nicht komplett zu ruinieren, wurde Hans Jakob Fugger 1563 gezwungen, sich vollständig aus der Firmenleitung der Fugger zurückzuziehenund Augsburg zu verlassen. Obwohl er wirtschaftlich ruiniert war, retteten ihn sein hoher sozialer Status und sein Intellekt. Er ging nach München an den bayerischen Hof. Herzog Albrecht V., der seine Bildung und Kunstexpertisen schätzte, machte ihn zum Rat und 1573 sogar zum Präsidenten der Hofkammer (dem Finanzministerium Bayerns). Seine kostbare private Bibliothek bildete später einen der Grundstöcke für die heutige Bayerische Staatsbibliothek.
Nach dem Konkurs wurde das Immobilien-Vermögen unter den verbleibenden fünf Cousins möglichst gerecht und einvernehmlich geteilt. Die Anteile Johann Jakobs wurden eingezogen, um daraus den Konkurs abzumildern.
Hierbei entstanden die Linien, die später teilweise stärker unterteilt oder nach Erbfällen zusammengelegt wurden, wobei das Primogenitur-Prinzip angewandt wurde und nur die Männer erbberechtigt waren.
Entwicklung ab1575, Generation 7-19
A Die Linie Kirchberg-Weißenhorn
Die Linie Kirchberg-Weißenhorn ging an Raymunds Söhne Georg (1518-1569, AO19), Kirchberg, Christoph (1520-1579, AZ19), Kirchberg und Dietenheim/Brandenburg (1539) sowie Ulrich (1526-1584, BA19), Weißenhorn. Weil Georg zur Zeit der Erbteilung bereits verstorben war, gingen die Herrschaften gleich an seine Söhne Philipp Eduard (1546-1648, AO22), Weißenhorn, und Octavianus Secundus (1549-1600, AT22), Kirchberg, Anton (1552-1616, AW22) bekam das erst 1582 erworbene Hainhofen und Raymund (1553-1606, AX22), Dietenheim/Brandenburg und Obenhausen. Der fünfte Sohn Johann Georg (1556-1585, AY22) war zur Zeit der Erbteilung noch nicht volljährig und starb auch schon 1585.
Christoph und Ulrich starben 1579 bzw. 1584, so dass deren Anteile gleich auch an ihre Neffen fielen. Sulmentingen wurde dabei 1579 an den Neffen Trajan (1571-1609, AN22), einen Sohn Johann Jakobs, abgegeben.
B Die Linie Babenhausen
Die Linie Babenhausen ging an Antons Sohn Jakob III (1542-1598, U16) mit Babenhausen (1538), Pleß (1546) und Boos (1551). Heimertingen kam 1589 zu dieser Linie hinzu.
C Die Linie Nordendorf
Lageplan
Die Linie Nordendorf gründete Markus Fugger (1529-1597, D19) mit den Orten Biberbach (1514), Oberndorf (1533), Niederalfingen (1551) und der Reichspflege Wörth (1536). Das namensgebende Nordendorf erwarb Markus erst 1580 hinzu.
D Die Linie Glött
Lageplan
Die Linie Glött stammt von Johann (Hans) Fugger (1531-1598, N19) ab. Er erhielt zusammen mit Glött (1537) die Orte Dürrlauingen (1533), Kirchheim (1551), Schmiechen (1509), Mickhausen (1528) Stettenfels (1551) und Duttenstein (1515) hinzu.
Später kamen die Herrschaften Bollweiler und Ortenberg im Elsass (1612) hinzu sowie das in Niederbayern abgelegene Hilgartsberg (1616).
In der nächsten Generation spaltete sich die Linie weiter auf.
E Die Linie Kirchheim
Lageplan
Die Linie Kirchheim wurde von Hans‘ Sohn Markus (1564-1614, G22) gegründet, der beim Tod des Vaters 1598 Kirchheim und Schmiechen erhielt.
1598 wurde diese Herrschaft um die Orte Mattsies und Türkenfeld erweitert.
F Die Linie Mickhausen
Lageplan
Die Linie Mickhausen stammt auch von Johann (Hans) Fugger (1531-1598, N19) ab. Sie entstand eigentlich erst in der übernächsten Generation, als Hans‘ Enkel Otto Heinrich (1592-1644, I25) das Erbe antrat.
Neben Mickhausen (1528) mit Anried (1544) kamen später Grönenbach (1612), Schwindegg (1655), Möhren (1703) und Gundelsheim (1711) hinzu.
G Die Linien Zinneberg und Sulmentingen
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Die Herrschaft Pfirt im Elsass gehörte insofern nicht zur Verteilmasse der Aufteilung 1575, weil die Pfandschaft über Pfirt schon 1540 unmittelbar von Johann Jakob (1516-1575, AD19) erworben, aber schon 1567 wieder eingelöst wurde.
Ähnlich lag es auch bei Taufkirchen, was 1544 unmittelbar von Johann Jakob erworben worden war und Sulmentingen mit Kauf im Jahr 1550.
Später kamen noch die Orte Schwabmünchen und Adelshofen (1580), Zinneberg (1596) und Göttersdorf (1666) hinzu.
H Die Linie Wellenburg
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Die Linie Wellenburg entstand 1598, als nach Jakob III Tod seinem Sohn Hieronymus (1584-1633, AA22) – damals noch nicht volljährig – Wellenburg und Rettenbach zugeteilt wurde. Nachdem sein Bruder Georg (1577-1643, U22) 1643 kinderlos verstarb, ging dessen Eigentum an Tratzberg (1589), Wasserburg (1592) und Leeder (1595) an diese Linie mit Hieronymus‘ Sohn Leopold (1620-1662, AA25).
J Blumenthal
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Einen Sonderfall stellt das Schloss Blumenthal bei Aichach dar. Dieses Schloss kam erst 1806 als Entschädigung für die Gebietsverluste nach dem Reichsdeputationshauptschluss zu den Fuggern.
S Fuggersche Familienstiftung
Lageplan
Auch die Fuggersche Familienstiftung wurde schon vor 1575 ins Leben gerufen. So stammen die Sozial- und Sanitätsstiftungen aus den Jahren 1521-1558 und die Kirchlichen und Sakralstiftungen ebenfalls von 1521. Auch der Ort Lauterbrunn (heute Gemeinde Heretsried, Landkreis Augsburg) wurde bereits im Jahr 1573 von den Marschällen von Pappenheim an die Fugger verkauft.


