Historie

F 3 Grönenbach 1612-1696

Lageplan

Auch das markante Hohe Schloss in Bad Grönenbach im Allgäu gehörte eine Zeitlang der Fugger-Familie. Diese Herrschaft wurde jedoch nicht gekauft, sondern kam durch Heirat in den Familienbesitz.

Die Herrschaft Grönenbach stand zuvor lange Zeit unter der Ägide der Reichserbmarschälle von Pappenheim. Als der dortige Herrscher Alexander II. von Pappenheim starb, vermachte er den Besitz seiner Tochter Anna von Pappenheim. Da diese mit Graf Otto Heinrich Fugger von Kirchberg und zu Weißenhorn (1592–1644, I25) verheiratet war, fiel die Herrschaft 1612 erblich an die Familie Fugger. Auch das nahegelegene Rittergut Hetzlinshofen, das die Pappenheimer zuvor von den Memminger Patriziern Stebenhaber erworben hatten, gehörte ebenfalls zu diesem neuen Allgäu-Verbund.

Die Fugger regierten von 1612 bis 1695 über die Gemeinde. Ab 1628 ließen sie das Hohe Schloss zu einem repräsentativen Burgschloss ausbauen.

Die Regierungszeit von Otto Heinrich Fugger war von Krisen geprägt. In den Jahren 1632 und 1633 nahmen schwedische Truppen das Hohe Schloss ein und plünderten es sowie den Markt Grönenbach heftig aus.

Da die erste Ehe zwischen Otto Heinrich und Anna von Pappenheim kinderlos blieb, wurde die Herrschaft nach seinem Tod zunächst von seiner zweiten Ehefrau Maria Elisabeth von Waldburg (+1660) und seinem Sohn Bonaventura (1619-1693, N28) weitergeführt.

1689 trat Bonaventura wegen anhaltender, zermürbender Konflikte mit den dortigen Untertanen und konfessionellen Spannungen und im Zuge einer innerfamiliären Vermögensumschichtung Grönenbach an seinen jüngeren Bruder Paul ab. Die Belastungen und langwierigen Prozesse gingen Bonaventura so sehr an die Substanz, dass von ihm der berühmte, verzweifelte Ausspruch überliefert ist ….dass es ihm lieber wäre, er hätte Grönenbach nie gesehen!“

Für kurze Zeit (von 1689 bis 1692) hielt Paul Fugger somit wieder beide Herrschaften – Mickhausen und Grönenbach – in einer einzigen Hand. Da die Schuldenlasten aus dem Dreißigjährigen Krieg und Pauls teure Bautätigkeiten in Mickhausen jedoch drückten, verkaufte Paul die Allgäuer Herrschaft Grönenbach bereits 1692 dauerhaft an das Fürststift Kempten, während er sich ganz auf den Ausbau von Mickhausen konzentrierte.

Nach der Fuggerherrschaft

Im Jahr 1695 erlosch das Lehensrecht der Fugger ohnehin endgültig, und das Fürststift Kempten zog die Herrschaft Grönenbach wieder ein.

Von 1695-1803 wurde das Hohe Schloss als Sommerresidenz des Fürststifts Kempten genutzt.

Mit der Säkularisation 1803 und dem Reichsdeputationshauptschluss 1806 wurde das geistliche Fürststift aufgelöst und das Schloss fiel an den bayerischen Staat. Von 1803 bis 1878 zog das Landgericht Grönenbach in die geschichtsträchtigen Mauern ein. Nach einer Justizreform im Jahr 1878 wurde das Gericht jedoch dauerhaft nach Memmingen verlegt, und das Schloss stand zunächst leer.

Im Jahr 1881 kaufte der hessische Hoffotograf Wilhelm Cronenberg das leere Schloss. Er rettete das Gebäude vor dem Verfall und richtete darin eine weithin bekannte Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie ein.

1901 erwarb der Priester Dominikus Ringeisen das Anwesen 1901 für die von ihm gegründete St.-Josefs-Kongregation (Kloster Ursberg). Fast ein Jahrhundert lang – von 1901 bis 1996 – diente das Schloss daraufhin als Wohn-, Arbeits- und Pflegeheim für behinderte Erwachsene. In den Jahren 1947 bis 1951 unterzogen die Ursberger Schwestern das gesamte Schloss einer dringend notwendigen Innen- und Außensanierung. Nachdem das Schlossgebäude aber Ende des 20 Jahrhunderts für eine Unterbringung Behinderter nicht mehr zeitgemäß war, verkaufte die St.-Josephs-Kongregation den gesamten Besitz 1996 an die Marktgemeinde Grönenbach. Diese nutzte das Schloss teilweise als Kulturelles Gebäude. Allerdings hatte der Markt Grönenbach für eine Nutzung des Gebäudes weder den Bedarf noch die finanziellen Mittel.

Mit dem Verkauf an die private Scheidtweiler-Gruppe im Jahr 2021 ging das Anwesen schließlich in die heutige Phase über, in der das einstige Fugger- und Fürstabt-Schloss zu einem Hotel umgestaltet werden sollte. Der überraschende Konkurs der Fa. Jako im November 2025, die als Generalunternehmer die Sanierung übernehmen sollte, warf das Projekt zurück. Zurzeit ist die Zukunft des Schlosses ungewiss.

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