Projektbeschreibung

Das Projekt: Gebäudeatlas Weißenhorn

Stadtgeschichte ist Häusergeschichte

Die Geschichte der Stadt Weißenhorn ist schon mehrfach aufgeschrieben worden. Beginnend mit der ersten Weißenhorner Historie des Nikolaus Thoman von 1533[1], der Stadtgeschichte des Joseph Holl von 1904[2], den Bildern aus der Vergangenheit des Eduard Wylicil von 1958[3] bis hin zu der umfangreichen Geschichte der Stadt Weißenhorn des Hans Burkhart aus dem Jahr 1988[4] haben schon viele Heimatforscher aus ihrer Zeit heraus einen Blick in die Vergangenheit gewagt. Ergänzt wurden diese Bücher durch zahllose Einzelveröffentlichungen verschiedener Verfasser zu bestimmten Themen.

Der Schwerpunkt der Werke lag hierbei vorwiegend auf historischen Ereignissen, Herrschaftsgeschichte und politischen Ereignissen. Bei den Gebäuden wurden meist nur die bedeutenden öffentlichen Bauten behandelt. Eine Stadt besteht aber überwiegend aus privaten Gebäuden auch einfacher Bürger, aus Straßen, Wegen und Plätzen, aus Gärten, Wasserläufen und Wäldern. Die Stadtgeschichte zeigt die Entwicklung von Bauflächen, den Ausbau der Infrastruktur, die Lösung sozialer Probleme und das gesellschaftliche zusammenleben der Menschen einschließlich ihrer Freizeitgestaltung.

Der Gebäudeatlas geht nun aus einem anderen Blickwinkel an die Stadtgeschichte heran und stellt die Gebäude und deren Einwohner in den Mittelpunkt. Politische und historische Ereignisse werden nur insoweit erwähnt, wie sie unmittelbaren Einfluss auf die Stadtgeschichte haben.

Im Gebäudeatlas der Stadt Weißenhorn wird also versucht, die Baugeschichte eines jeden Hauses in Weißenhorn darzustellen. Dies soll für die Jahre bis 1950 lückenlos erfolgen, also auch mittlerweile nicht mehr bestehende Gebäude umfassen. Gebäude nach 1950 werden nur behandelt, wenn es sich um öffentliche Gebäude oder besondere private oder gewerbliche Bauten handelt oder ihre Baugeschichte aus anderen Gründen wichtig erscheint. Demnach werden nicht alle neuen Einfamilienhäuser in den Baugebieten aufgeführt. Aus Datenschutzgründen werden ab 1970 keine genauen Aktenzeichen der Baugenehmigungen mehr genannt, auch wurden keine Eigentümerangaben mehr gemacht, es sei denn es handelt sich um allgemein bekannte Geschäftsnamen, Investoren/Bauträger oder andere allgemein zugängliche Quellen, z.B. Werbung und Tagespresse. Angaben über die wirtschaftlichen Situationen (Konkurse, Insolvenzen, Gerichtsverfahren) wurden nur angeführt, wenn über die jeweilige Situation auch in der Presse berichtet wurde. Sofern es sich um private Informationen handelt, wird explizit darauf hingewiesen.

Für den Aufbau des Atlas wurden die Archivunterlagen aus dem Stadtarchiv und dem Staatsarchiv Augsburg sowie alle mir bekannten Publikationen anderer Heimatforscher ausgewertet und zusammengefasst. Durch Querverweise wurden Zusammenhänge mit anderen Gebäuden oder Personen aufgezeigt. So lassen sich Entwicklungen einzelner Familien oder Betriebe nachverfolgen. Sehr wichtig für die Forschung – zumindest der letzten 120 Jahre – war eine umfangreiche Fotosammlung, darunter sehr viele Luftaufnahmen, aus dem Bestand des Museums und aus vielen privaten Beständen, die mir dankenswerterweise zur Verfügung gestellt wurden.

Über die städtebauliche Entwicklung der Stadt Weißenhorn habe ich bereits in dem zur 850-Jahr-Feier 2010 erschienenen Buch ‚Weißenhorner Profile‘[5] publiziert. Die darin enthaltenen Forschungsergebnisse konnten nun wesentlich verdichtet und ergänzt werden. Besonders trifft dies für die zeichnerische Darstellung der Stadtpläne zu.

Die Arbeit am Gebäudeatlas hat gezeigt, dass die historischen Quellen noch nicht alle erschlossen wurden und auch gerade in der jüngeren Zeit des 20. Jhdt. noch viele Quellen unentdeckt sind. Hinzu kommen öfters auch archäologische Untersuchungen oder Bauforschungen bei Neu- und Umbaumaßnahmen. Außerdem schreitet die Geschichte fort, jedes im Gebäudeatlas behandelte Gebäude könnte schon morgen abbgebrochen werden. Da der Gebäudeatlas in dieser Form also nicht abgeschlossen sein kann, wurde für die Veröffentlichung eine Art Open-source-Projekt gewählt, bei dem für jedes Objekt ein Datenblatt besteht, welches im Internet veröffentlicht wird und welches bei Bedarf ständig der aktuellen Entwicklung angepasst werden kann. Hierdurch besteht auch die Möglichkeit, dass jedermann eigene Erfahrungen und Beiträge (über die Redaktion des Blogs) beisteuern kann um hierdurch das Wissen über die Häusergeschichte noch zu vertiefen.

Tauchen Sie also jetzt ein in die spannende Lektüre über die Weißenhorn Häuser!


[1] Quelle [17]

[2] Quelle [13]

[3] Quelle [18]

[4] Quelle [1]

[5] Quelle [22]