Historie

H  Tratzberg – Wasserburg – Leeder

Diese drei recht unterschiedlichen und weit voneinander entfernt liegenden Herrschaften blieben zusammen immer in einer Hand. Die Herren entstammen der Babenhauser Linie und gehen auf Jakob III (1542-1598, U19) zurück.

H 4 Tratzberg 1589-1657

Lageplan

Das hoch über dem Inntal gelegene Jagdschloss Tratzberg fiel 1589 über einen Erbgang an die Fugger.

Jakob III (1542-1598, U19) hatte 1570 Anna Ilsung von Tratzberg, die Tochter des Reichspfennigmeisters Georg Ilsung von Tratzberg, geheiratet. Über diese Linie fiel nach Georg Ilsungs Tod 1589 die Erbschaft über Tratzberg an Jakobs und Annas Sohn Georg (1577-1643, U22).

Als Georg 1643 ohne männlichen Erben starb, fiel Tratzberg an Graf Leopold (1620-1662, AA25), den Sohn seines Onkels Hieronymus (1584-1633, AA22).

Die geografisch abseitige Lage Tratzbergs in Tirol bei Innsbruck passte aber nicht ins fuggersche Portfolio. Leopold Fugger verkaufte das Schloss daher 1657 an den mit ihm verschwägerten Konstantin Imhoff (aus der bekannten Augsburger Patrizierfamilie) und dessen Tante Barbara Filin.

Im Jahr 1689 zerstörte eine Schneelawine die bergseitigen Dächer des Schlosses. Im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges (1703) fielen zudem bayerische Truppen in Tirol ein und beschädigten das Schloss schwer, woraufhin es zeitweise nur noch als Lazarett/Spital genutzt wurde.

Im Jahr 1731 erwarb Josef Ignaz Reichsfreiherr von Tannenberg die angeschlagene Herrschaft und rettete sie vorerst.

Seit 1848 ist das Schloss bis heute im Besitz der Grafen Enzenberg.

H 5 Wasserburg 1592-1755

Lageplan

Die reichsritterschaftliche Herrschaft Wasserburg (am Bodensee) markierte den am weitesten nach Süden vorgeschobenen Punkt des fuggerschen Territoriums. Sie gehörte zum Jakob-Stamm (Fugger-Babenhausen bzw. Wellenburg) und wurde über Generationen hinweg als eigenständige Linie geführt, bis sie schließlich im 18. Jahrhundert an Österreich abgetreten werden musste.

Unter den Fuggern wandelte sich Wasserburg von einer wehrhaften, militärischen Inselfestung zu einem repräsentativen Renaissance-Herrschaftssitz. Um Kosten zu sparen, ließen die Fugger 1720 die historische Zugbrücke abbauen und schütteten einen Damm auf – dadurch wurde die einstige Insel zur heutigen Halbinsel.

Am 26. August 1592 erwarb Jakob Fugger III „der Jüngere“ (1542-1598, U19) die hochverschuldete reichsritterschaftliche Herrschaft. Verkäufer waren die Grafen von Montfort, denen Jakob zuvor bereits mehrfach finanziell unter die Arme gegriffen hatte. Mit dem Kauf übernahmen die Fugger auch die wichtige Blutgerichtsbarkeit in der Region. Jakob Fugger erbaute das herrschaftliche Gerichtshaus / Malhaus sowie die Fuggermühle am Bichelweiher.

Das Erbe übernahm Jakobs Sohn Georg Graf Fugger, Herr zu Wasserburg, Leeder und Tratzberg (1577-1643, U22). Er war Landvogt in Schwaben und errichtete in Wasserburg eine eigene Münzstätte für Tiroler Silber. Er schloss 1623 eine Ehe mit Anna Maria (Maria Augusta) Freiin von Törring-Jettenbach († 1636).

Georg starb 1643 ohne männliche Erben. Die Herrschaft über Wasserburg fiel an seinen Neffen Leopold Graf Fugger (1620–1662, AA28), den Sohn seines Bruders Hieronymus.

Leopold wirkte meist als Oberststallmeister in Innsbruck, während sein Oberamtmann in Wasserburg folgenschwere Hexenprozesse leitete. Er war seit 1651 mit Maria Johanna Gräfin von Königsegg-Aulendorf (* 1633; † 1678) verheiratet.

Mit Leopolds Sohn Anton Joseph Graf Fugger (1652-1693, AA28) setzte sich die Herrschaft fort. Seine Ehefrau war Maria Anna Elisabeth Gräfin von Toerring-Seefeld (* 1659; † 1739), die er 1679 geheiratet hatte.

Da Anton Joseph 1694 verstarb, reichte er die Inhaberschaft der Herrschaft Wasserburg an seinen eigenen, damals erst elfjährigen Sohn Maximilian Anton Aegidius Graf Fugger (1682–1717, AA31; verheiratet mit Maria Theresia von Waldburg-Zeil) weiter. Bis zur Volljährigkeit hatte Maximilian Anton einen Vormund.

Mit deren Sohn Joseph Maria Graf Fugger (1714-1764, AA35) endete die Fuggerzeit in Wasserburg. Joseph Maria heiratete 1735 Maria Antonia Fugger (1719-1780, J35) und stellte so eine Verbindung zur Linie Nordendorf her, die aber wegen seines kinderlosen Todes 1764 keine Wirkung mehr erbrachte.

Im Februar 1750 vernichtete ein verheerender Brand den gesamten Westflügel des Schlosses Wasserburg. Geplagt von immensen Wiederaufbaukosten und privaten Schulden sah sich Graf Joseph Maria Fugger gezwungen, die Herrschaft abzutreten. Im Jahr 1755 (formell in Verträgen teils bis 1763 verschleppt) verkaufte er die gesamte Halbinsel und die Herrschaftsrechte an das Erzhaus Österreich (die Habsburger). Wasserburg wurde daraufhin vorderösterreichisch und verblieb dort für rund 50 Jahre, bevor es im Zuge der napoleonischen Umordnungen 1805/06 an das Königreich Bayern fiel.

H 6 Leeder 1595-1661

Lageplan

Die reichsritterschaftliche Herrschaft Leeder (gelegen im heutigen Fuchstal, Landkreis Landsberg am Lech) gehörte historisch zum Jakob-Stamm (Fugger-Babenhausen) und bildete über mehrere Jahrzehnte hinweg ein wichtiges Bindeglied im schwäbischen Güterbesitz der Familie.

Die Herrschaft Leeder wurde im Jahr 1595 käuflich erworben. Käufer war Jakob III. Fugger, Herr zu Babenhausen (1542–1598, U19). Er kaufte den hochverschuldeten Besitz von den Herren von Schrofenstein, um das fuggersche Herrschaftsgebiet weiter nach Osten in Richtung Lech auszudehnen.

Nach Jakobs frühem Tod 1598 ging Leeder an seinen Sohn Georg Graf Fugger (1577–1643, U22). Dieser führte fortan den offiziellen Titel „Herr zu Wasserburg, Leeder und Tratzberg. Leeder blieb also im Verbund mit Wasserburg und Tratzberg.

Nach Georgs Tod 1643 fiel Leeder – genau wie die Herrschaften Wasserburg und Tratzberg – an seinen minderjährigen Neffen Leopold Graf Fugger (1620–1662, AA25) aus der Wellenburger Linie.

Im Gegensatz zu Wasserburg blieb Leeder jedoch nicht lange im Familienbesitz. Nach dem Dreißigjährigen Krieg litt dieser spezifische Güterkomplex unter massiven wirtschaftlichen Problemen und hohen Schulden.

Im Jahr 1661 (nach Erreichung der Volljährigkeit Leopolds beziehungsweise während der Bereinigung der hinterlassenen Schuldenlasten) sah sich die Familie gezwungen, die Herrschaft Leeder wieder zu veräußern. Käufer war das Hochstift Augsburg (das Fürstbistum Augsburg). Leeder wurde daraufhin zu einem bischöflichen Pflegamt umgewandelt und verblieb dort bis zur Säkularisation 1802/03.

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