Historie

H 3 Rettenbach 1547-1901

Lageplan

Rettenbach (heute Markt Rettenbach) liegt im heutigen Landkreis Unterallgäu (Mindelheim).

Am 14.09.1547 kaufte Anton Fugger (1493-1560, AC16) Rettenbach vom Heilig-Geist-Spital Memmingen, welches den Besitz erst drei Jahre zuvor erlangt hatte, zusammen mit dem nahegelegenen Pleß.

Anton Fugger und seine Söhne Hans und Markus erweiterten den dortigen Besitz in den Folgejahren systematisch durch geschickten Güter- und Leutetausch mit umliegenden Klöstern wie Ottobeuren und Kempten sowie dem Unterhospital Memmingen. Mit dem Erwerb des nahegelegenen Ortes Gottenau im Jahr 1584 stieg Rettenbach endgültig zum Mittelpunkt einer eigenen Fuggerherrschaft auf.


Nach dem Tod Antons 1560 wurde sein jüngster Sohn Jakob III (1542-1598, U19) Herrscher über die südlich gelegenen Territorien (darunter Babenhausen und Rettenbach). Unter seiner Ägide wurde die Herrschaft Rettenbach 1584 durch den Zukauf von Gottenau final zu einem geschlossenen Herrschafts- und Verwaltungsbezirk ausgebaut. Er ist der Stammvater der Linie Fugger-Babenhausen, in deren Besitz Rettenbach bis zum Ende des Alten Reiches und der Mediatisierung (1806) blieb.

Das im Ort befindliche, ehemalige Fuggerschloss Markt Rettenbach, ein spätmittelalterlicher Bau, der ursprünglich den Memminger Patriziern Leutkircher gehört hatte, bauten die Fugger ab Mitte des 16. Jahrhunderts aus. Es wurde von den Fuggern nicht primär als dauerhafte Residenz genutzt. Stattdessen diente es bis zur Mediatisierung als Amtshaus und Pflegamt. Von hier aus lenkten von den Fuggern eingesetzte Verwalter und Pfleger die Geschicke der lokalen Bevölkerung

Hieronymus Graf Fugger von Wellenburg (1584-1633, AA22) übernahm die offizielle Herrschaft über Rettenbach im Jahr 1598 nach dem Tod seines Vaters. Er begründete zeitgleich die eigenständige Seitenlinie Fugger-Wellenburg, zu deren Kernbesitz Rettenbach gehörte. Er regierte die Herrschaft bis zu seinem eigenen Tod im Jahr 1633.

Es folgten Leopold (1620-1662, AA25), Franz Joachim (1658-1685, AB28) und Anton Joseph (1656-1694, AA28).

Nach dem Tod von Anton Joseph Graf Fugger von Wellenburg am 26. Januar 1694 übernahm sein einziger Sohn Maximilian (1682-1717, AA31) die Nachfolge über den Besitzkomplex der Seitenlinie Fugger-Wellenburg, zu dem auch die Herrschaft Rettenbach gehörte.

Da sein Vater bereits im Alter von nur 37 Jahren verstarb, trat Maximiliandas Erbe über Rettenbach, Wellenburg, Wasserburg, Biberbach und Welden an. Da er beim Tod des Vaters erst etwa 11 oder 12 Jahre alt war, stand die Herrschaft zunächst vermutlich unter Vormundschaft (unter anderem durch seine Mutter Maria Anna Franziska Freiin von Neuhaus). Maximilian Anton heiratete 1705 Maria Theresia Gräfin Truchseß von Waldburg-Zeil (1690–1762). Er regierte die Herrschaften bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1717.

Joseph Maria (1714-1764, AA34) war der Sohn von Maximilian Anton und übernahm die Herrschaften nach dessen Tod. Joseph Maria verstarb 1764 vollkommen kinderlos.

Mit dem kinderlosen Tod von Joseph Maria erlosch die gesamte Linie Fugger-Wellenburg im Mannesstamm. Gemäß den familiären Erbverträgen (dem Fuggerschen Fideikommiss) fiel die Herrschaft Rettenbach (zusammen mit Wellenburg und Wasserburg) daraufhin an die gräfliche Hauptlinie Fugger-Babenhausen zurück, die den Ort bis zum Ende der Feudalzeit (1806/1848) besaß.

Anselm Victorian (1729-1793, X34), der erste Herrscher aus der Babenhauser Linie, erteilte auf Bitten seines Rettenbacher Verwalters Franz Xaver von Zwerger im Jahr 1790 die Erlaubnis, im Ort Jahrmärkte abzuhalten. Am 21. April 1791 fand der erste Markttag statt – das historische Fundament für den heutigen Namen Markt Rettenbach

Anselm Maria (1766-1821, X37) übernahm die Herrschaft 1793 als regierender Graf. Im Jahr 1803 erreichte er einen historischen Höhepunkt, als er von Kaiser Franz II. in den erblichen Reichsfürstenstand erhoben wurde – ab diesem Zeitpunkt nannte sich die Linie Fürst Fugger von Babenhausen.

In seine Regierungszeit fiel das Ende der politischen Eigenständigkeit. 1806 verlor er durch die Eingliederung des Fürstentums in das Königreich Bayern die Landeshoheit über seine Gebiete (einschließlich Rettenbach). Ab 1806 war er kein politischer Landesherr mehr, behielt aber als Grundherr die privaten Besitzrechte und die niedere Justizhoheit (Patrimonialgerichtsbarkeit) noch bis 1848.

Nach dem Tod seines Vaters übernahm Anton Anselm Fürst Fugger (1800-1836, X40) 1821 die Verwaltung der umfangreichen standesherrlichen Güter und des Privatbesitzes. Als erblicher Reichsrat der bayerischen Krone sicherte er den Einfluss der Familie im neuen bayerischen Staat und verwaltete auch das Amtshaus (Schloss) Rettenbach.

Von 1836-1848 herrschte noch Leopold Fürst Fugger (1824-1885, X43) über Babenhausen und Rettenbach. In seine Zeit fiel die Revolution von 1848. Mit den Märzgesetzen von 1848 wurden in ganz Bayern sämtliche verbliebenen Adelsvorrechte, die Patrimonialgerichte und die feudale Grundherrschaft endgültig und ersatzlos aufgehoben. Damit endete im Jahr 1848 nach genau 301 Jahren (seit dem Kauf durch Anton Fugger 1547) jede Form von herrschaftlicher oder juristischer Gewalt der Fugger über die Bürger von Rettenbach.

Das Schlossgebäude selbst blieb danach reiner Privatbesitz der Familie, bis es 1901 an die Gemeinde verkauft wurde. Seit 2025 dient es als Rathaus der Gemeinde.

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