Historie

J Blumenthal 1806-2006

Lageplan

Die Schlossanlage Blumenthal im Ecknachtal bei Aichach (im heutigen Landkreis Aichach-Friedberg) kam erst 1806 in den Besitz der Fugger. Es gehörte zunächst 550 Jahre lang dem Deutschherrenorden (Kommende Blumenthal).

Vermutlich um 1254 erwarb der Deutsche Orden die einstige Hofmark Blumenthal und baute sie zu einer bedeutenden Komturei aus. Die Ordensritter prägten den Ort massiv, bauten das Wasserschloss aus und errichteten unter anderem die barocke Schlosskapelle St. Maria.

Infolge der napoleonischen Umgestaltung Süddeutschlands, des Friedens von Pressburg 1803 und der nachfolgenden Säkularisation beschlagnahmte das Kurfürstentum (und spätere Königreich) Bayern Ende 1805 die Besitztümer des Deutschen Ordens. Die Komturei Blumenthal fiel somit an die bayerische Krone.

Graf Joseph Maria Fugger (1753–1820, S40) stand zu diesem Zeitpunkt der Dietenheim-Brandenburgischen Linie vor. Im Jahr 1806 ging die Landeshoheit über seine schwäbischen Stammlande Dietenheim und Brandenburg an Bayern über. Um den Grafen für diesen Verlust an politischer Souveränität zu entschädigen, wurde der bisherige Lehensverband abgelöst und im Wege eines Tausches auf das säkularisierte Schlossgut Blumenthal im bayerischen Landgericht Aichach übertragen.

1806 übergab das Herzogtum Bayern das Gut an Graf Joseph Maria als Entschädigung oder neuen Wohnsitz. Joseph Maria nutzte das damalige, von Wassergräben umgebene vierseitige Wasserschloss bis zu seinem Tod im Jahr 1820 als privaten herrschaftlichen Wohnsitz.

Joseph Maria erhielt Blumenthal somit als Kompensationsobjekt vom bayerischen Staat und nutzte das damalige, von Wassergräben umgebene vierseitige Wasserschloss fortan als Wohnsitz. Er hielt den Besitz bis zu seinem kinderlosen Tod im Jahr 1820 als privaten herrschaftlichen Wohnsitz, woraufhin Blumenthal schließlich an die Linie Fugger-Glött überging.

Das Schloss fiel an Joseph Sebastian Eligius (1749-1826, P39), der auf Schloss Oberndorf residierte. Er zog aber nicht nach Blumenthal, sondern gab das Schloss an seinen Sohn Karl Rasso (1789-1855, P43) weiter.

Karl Rasso war durch seiner Heirat 1822 mit der bürgerlichen Aloyisia Baugger (1798-1864) eine morganatische (unstandesgemäße) Ehe eingegangen. Da sie nicht aus dem hochadeligen, ebenbürtigen Reichsadel stammte, verlor Karl Rasso für sich und all seine Nachkommen das Recht auf die Nachfolge im Majorat, dem Haupt-Erbe der Herrschaft Glött. Der jüngere Bruder Fidelis Ferdinand (1795–1876, R43) rückte nach dem Tod des Vaters im Jahr 1826 als rechtmäßiges Oberhaupt des Hauses Fugger-Glött nach. Karl Rasso wurde finanziell abgefunden und mit dem Nebengut Blumenthal ausgestattet. Seine Nachkommen bildeten fortan den bürgerlicheren/niederadeligeren Zweig Fugger-Blumenthal , der aber 1911 erlosch.

Karl Rasso prägte das Anwesen maßgeblich, indem er zwischen 1822 und 1836 das alte, vierflügelige Wasserschloss bis auf den heutigen Südtrakt abreißen und die Wassergräben zuschütten ließ. Nur der Südtrakt mit der barocken Schlosskirche St. Maria blieb erhalten.

1855 starb Karl Rasso und sein Sohn Eberhard (1824-1902, P46) übernahm das Schloss. Ihm folgten von 1902-1910 seine Söhne Karl (1857-1910, P49) und Eberhard (1866-1907, Q49). Karls Sohn Hugo (1886-1911, P52) übernahm zwar 1910 noch das Schloss, starb aber schon im darauffolgenden Jahr 1911. Da er kinderlos blieb, war diese Linie also auch erloschen.

Da dauerhaft direkte Erben fehlten, wurde das rund 800 Hektar große landwirtschaftliche Gut 1871 an die Fürstliche und Gräflich Fuggersche Stiftungsverwaltung in Augsburg übertragen

Zwischen 1911 und 1950 wurde Schloss Blumenthal in erster Linie als landwirtschaftlicher Großbetrieb und Gutshof im Eigentum der gräflichen Familie Fugger genutzt. Die weitläufigen Ökonomiegebäude und die historische Brauerei dienten der Verwaltung und dem Betrieb der fuggerischen Land- und Forstwirtschaft. Das Schloss selbst wurde in dieser Epoche als privater Wohn- und Verwaltungssitz für die herrschaftlichen Verwalter und Angestellten genutzt.

Wie viele abgelegene Schlossanlagen im ländlichen Raum Bayerns diente das Areal während des Zweiten Weltkriegs und in den direkten Nachkriegsjahren schrittweise als Zufluchtsort, Notunterkunft für Evakuierte sowie zur Unterbringung von Flüchtlingen aus den Ostgebieten.

Da das Wasserschloss nach den Kriegswirren zunehmend sanierungsbedürftig war und „im Dornröschenschlaf dämmerte“, entschlossen sich die Fuggerschen Stiftungen zu einer tiefgreifenden Nutzungsänderung. Das Schloss wurde in die Fuggerschen Stiftungen überführt und ab 1950 zu einem Alters- und Pflegeheim für adlige Bewohner umgebaut. Betreut wurden die Senioren von Ordensschwestern des Deutschen Ordens, womit sich der historische Kreis zum ursprünglichen Erbauer schloss.

Da das historische Gebäude den modernen baulichen und pflegerischen Anforderungen nicht mehr gerecht wurde, suchten die Fuggerschen Stiftungen bereits ab 1986 nach einem Käufer. Nach langem Leerstand kam im Jahr 2006die Rettung: Eine Gemeinschaft aus zunächst acht Familien kaufte das stark renovierungsbedürftige Areal den Fuggern ab. Die neuen Eigentümer wandelten das Anwesen in eine soziale, ökologische und nachhaltige Mehrgenerationen-Gemeinschaft (eine Genossenschaft) um. Heute ist das ehemalige Fuggerschloss Blumenthal vollständig saniert und beherbergt ein florierendes Schlosshotel, einen Bio-Gasthof, einen Seminarbetrieb sowie eine eigene ökologische Landwirtschaft.

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