C 3 Biberbach 1514-1987
C 3 Biberbach 1514-1597
Im Spätmittelalter war Biberbach (zusammen mit der dazugehörigen Burg Markt) im Besitz der Marschälle von Pappenheim. Im Jahr 1514 kaufte Jakob Fugger „der Reiche“ (1459-1525, BB13) die gesamte Herrschaft Biberbach für die damals stattliche Summe von 32.000 Gulden.
Zeitgleich wurde Jakob von Kaiser Maximilian I. in den Grafenstand erhoben. Jakob ließ die alte Wehranlage der Burg Markt umgehend zum repräsentativen Fuggerschloss Biberbach-Markt ausbauen, der markante Bergfried und der Onoldsbacher Turm zeugen heute noch davon.
Nach Jakobs Tod 1525 ging Biberbach an seinen Neffen Anton Fugger (1493-1580, AC16). Bei der großen Erbteilung 1575 kam Biberbach zusammen mit Oberndorf und Wörth an Markus (Marx) Graf Fugger von der Lilie, Herr zu Nordendorf , (* 14. Februar 1529 in Augsburg; † 18.04.1597 in Augsburg, D19).
(Artikel zur Vorgeschichte; Fugger Nordendorf)
C 3 Biberbach 1597-1676
Die eigene Linie Biberbach entstand erst 1597, als nach Markus Tod 1597 seine Söhne Georg, Anton, Philipp und Albrecht den Nordendorfer Komplex unter sich aufteilten. Durch diese Aufteilung entstanden im Lech-Donau-Winkel vier separate, nach den Hauptorten benannte Fugger-Linien, die jedoch im Laufe des 17. Jahrhunderts nach und nach im Mannesstamm wieder erloschen und letztlich im Jahr 1676 wieder an andere Fugger-Linien (Glött, Mickhausen und Wellenburg) zurückfielen.
Nach Markus‘ Tod 1597 trat Philipp (1567-1601, E22) das Erbe von Biberbach an. Er bekam ein kompaktes Herrschaftsgebiet westlich des Lechs, mit Biberbach (Hauptort mit Burg Markt), Ehingen, Lauterbrunn (heute zu Heretsried), Eisenbrechtshofen (gehörte zur Herrschaft Biberbach) und Markt (mit der gleichnamigen Burg oberhalb von Biberbach).
Philipp Graf Fugger wurde am 19.06.1567 geboren und starb am 2. April 1601 im Alter von 33 Jahren. Er war zunächst Priester und Probst in Augsburg St.Moritz. 1592 resignierte er jedoch und heiratete am 21.11.1594 Barbara Fugger von Weißenhorn (1577–1605). Er hinterließ bei seinem frühen Tod den gemeinsamen Sohn Marquard (1595–1655), der nach einer Vormundschaft nach Erreichen der Volljährigkeit 1616 die Herrschaft übernahm.
1601 trat sein Sohn Marquard (1595-1655, E25) das Erbe an. Da er damals aber erst 6 Jahre alt war, stand er noch bis 1616 unter Vormundschaft. Marquard heiratete 1624 Maria Christina Gräfin von Oettingen-Wallerstein (1596-1662).
Er stieg zu einer bedeutenden Persönlichkeit im Heiligen Römischen Reich auf, war kaiserlicher Rat, Kämmerer sowie Obersthofmeister der Kaiserin. Er ließ während der Kipper- und Wipperzeit (1622/23)1 zusammen mit seinem Cousin Nikolaus eigene Münzen in der Herrschaft prägen.
Doch Marquards Sohn Marx (Marcus / Markus) Philipp Graf Fugger, geboren 1620, verstarb bereits im Alter von nur 22 Jahren, noch vor dem Antritt nennenswerter Herrschaftsfunktionen und hinterließ keine Nachkommen. Deswegen fiel der Besitz nach Marquards Tod 1655 vertragsgemäß an seinen Cousin Nikolaus (1596-1676, C25).
Da jedoch auch dessen Linie ohne männlichen Erbfolger blieb, war die Markus-Linie 1676 agnatisch ausgestorben. So fiel die Herrschaft Nordendorf an die anderen verbliebenen Hauptstämme des Hauses Fugger. Biberbach kam hierbei an die Linie Wellenburg.
- Als Kipper- und Wipperzeit (ca. 1619 bis 1623) wurde eine Phase extremer Geldentwertung und Hyperinflation im Heiligen Römischen Reich zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges bezeichnet. Der Begriff leitet sich von den Wörtern „kippen“ (Geldstücke aussondern oder die Waage neigen) und „wippen“ (das Auf- und Abwackeln der Waagschalen beim Wiegen) ab]. ↩︎
C 3 Biberbach in der Linie Wellenburg, 1676-1987
Zusammen mit Welden kam Biberbach als Erbe an die Hauptlinie Wellenburg. Die Brüder Anton Joseph (1656-1694, AA28) und Franz Joachim (1658-1685, AB28), beide zur Zeit des Erbes noch unter Vormundschaft stehend, übernahmen zusammen mit Welden die Erbschaft. Nach Franz Joachims Tod 1685 führte Anton Joseph beide Orte zusammen. Ab diesem Zeitpunkt nannte sich dieser Zweig offiziell „Fugger zu Wellenburg, Wasserburg, Biberbach und Welden“.
Biberbach war nun in dieser Linie gebunden. Es folgte als Herrscher Maximilian Anton Graf Fugger zu Wellenburg (* 11. Mai 1682; † 4. Juli 1717, AA31). Er war der Sohn Anton Josephs und übernahm 1694 nach dessen Tod die Herrschaft. Er vermählte sich am 24. November 1705 mit Maria Theresia Freiin von Waldburg zu Zeil (* 1690; † 1762).
Der letzte Inhaber, Joseph Maria Graf Fugger von Wellenburg (1714–1764, AA34), starb 1764 kinderlos.
Während Welden 1764 als erloschenes Lehen an Österreich zurückfiel, blieb Biberbach (als Allod/Eigengut) fest im Besitz der Fugger. Die Babenhauser Hauptlinie (Fugger-Babenhausen) trat das Erbe an.
Die Fugger-Herrschaft über Biberbach endete schließlich im Jahr 1806 mit der Mediatisierung. Die Herrschaftsrechte wurden aufgelöst und Biberbach wurde in das neue Königreich Bayern eingegliedert. Das Schloss und Teile der Ländereien blieben jedoch noch lange Zeit im Privatbesitz der Fürsten Fugger-Babenhausen.
Da die Schlossanlage im 19. Jahrhundert ihre Funktion als Verwaltungs- und Herrschaftszentrum verlor, lohnte sich der immense Unterhalt für die Familie Fugger nicht mehr. Im Jahr 1852 entschlossen sich die Eigentümer zu einem drastischen Rückbau: Die ungenutzten barocken Schloss- und Ökonomiegebäude wurden weitgehend abgebrochen. Stehen blieben nur die weithin sichtbaren, massiven Wehrelemente der mittelalterlich-frühneuzeitlichen Anlage: der mächtige, weiße Bergfried (acht Stockwerke, über 30 Meter hoch), die Ringmauern sowie der Onoldsbacher Turm.
Die ausgedehnten forst- und landwirtschaftlichen Flächen rund um den Burgberg verblieben noch für lange Zeit als privates Eigentum (Realgut) im Besitz des Hauses Fugger-Babenhausen und wurden forstwirtschaftlich genutzt. Erst im Laufe des späten 19. und des 20. Jahrhunderts wurden Teile der Ländereien parzelliert, verpachtet oder an lokale Landwirte und die Gemeinde veräußert. Der westliche Teil der Vorburg entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer Anlage, die heute unter anderem als Reitstall genutzt wird.
Nachdem die verbliebenen Burgbauten jahrzehntelang verfielen, kaufte der Augsburger Unternehmer Paul Mannert im Jahr 1987 die historische Anlage aus dem Besitz der Fugger. Er sanierte den Burgberg und die verbliebenen Türme aufwendig und bewahrte sie vor dem Verfall. Heute befindet sich die Burg Markt in privatem Besitz (unter anderem bewohnt von der Familie Fries). Der Burghof ist für die Öffentlichkeit kostenlos zugänglich und der markante Bergfried gilt als das Wahrzeichen des Schmuttertals.


