G 6 Linie Zinneberg 1596-1825
Die Fugger kamen 1596 durch eine Heiratsallianz in den Besitz von Zinneberg.
Die Hofmark und das Schloss Zinneberg befanden sich Ende des 16. Jahrhunderts im Besitz des herzoglich-bayerischen Rates Joachim von Pienzenau. Als dieser im Jahr 1596 verstarb, hinterließ er eine junge Witwe, Anna Maria Münich von Münchsdorf. Um den Besitz und die Hofmark administrativ und rechtlich abzusichern, entschloss sich die 27-jährige Witwe Anna noch im nämlichen Jahr 1596 zur Wiederverheiratung. Sie ging die Ehe mit dem jungen Konstantin I. Freiherr Fugger zu Kirchberg und Weißenhorn (1569-1627, AF22) ein. Durch diese Ehe brachte Anna von Pienzenau die gesamte Herrschaft Zinneberg als Heiratsgut in die Verbindung ein. Zinneberg wechselte damit offiziell in das Eigentum der Fugger und bildete das Fundament für den eigenständigen, 230 Jahre lang blühenden Zweig Fugger-Zinneberg.
1596 wurden die Verträge für die Hochzeit zwischen Anna Maria Münich von Münchsdorf und Konstantin I. Freiherr Fugger zu Kirchberg und Weißenhorn ausgearbeitet. Am 17.11.1597 fand dann die offizielle Hochzeit statt.
Konstantin I hatte zumindest 2 Söhne, die die Geschichte der Linie Zinneberg stark beeinflussten, Konstantin II und Johann Friedrich. Konstantin erhielt den Besitz Sulmentingen (siehe unten), den sein Vater aus der Weißenhorner Linie in die Ehe eingebracht hatte. 1676 entwickelte sich aus diesem Zweig die jüngere Nordendorf-Linie. Johann Friedrich übernahm 1627 die Linie Zinneberg.
Die Linie Zinneberg 1596-1825
Johann Friedrich Graf Fugger zu Zinneberg (14. Oktober 1609 – 5. November 1669, AL25) übernahm 1627 das Schlossgut Zinneberg. Er steuerte die Herrschaft durch die verheerende Spätphase des Dreißigjährigen Krieges und die darauffolgende Pestzeit. Unter seiner Regentschaft eskalierten die Konflikte mit den Untertanen massiv, da er Frondienste und den Zehent unerbittlich einforderte. Er lag zudem im Dauerstreit mit dem Pfarrer von Glonn. Gleichzeitig war er Kämmerer der bayerischen Kurfürsten.
Johann Friedrich heiratete 1633 in erster Ehe Maria von Gumppenberg und 1640 in zweiter Ehe Maria von Pranckh. Dieser Ehe entspross sein Sohn Johann Paris (1642-1696, AL28), der nach Konstantins Tod 1669 sein Nachfolger wurde. Johann Paris starb aber1696 kinderlos.
Johann Paris jüngerer Bruder Adam Konstantin (1645-1690, AM28) heiratete 1672 Elisabeth Johanna von Fränking, mit der ihm 1677 ein Sohn geschenkt wurde.
Weil Adam Konstantin schon 5 Jahre vor Johann Paris gestorben war, ging das Erbe an Adams Sohn Maximilian Joseph Graf Fugger zu Kirchberg und Weißenhorn, Herr zu Zinneberg (10. Oktober 1677 – 16. Juni 1751, AM31) war bei der Erbschaft erst 19 Jahre alt. Bis zur Volljährigkeit im Jahr 1698 stand er unter Vormundschaft. Unter seiner Ägide festigte sich der Status von Zinneberg als fester ländlicher Stützpunkt der weitverzweigten Familie.
Maximilian heiratete 1711 Ferdinande Anna Henriette de Glymes de Brabant. Nach deren frühem Tod ging er mit Maria Judith Gräfin von Törring-Jettenbach eine zweite Ehe ein. Aus dieser Ehe entstammt sein Sohn Ignaz Joseph Cajetan als Nachfolger.
Ignaz Joseph Cajetan (1720-1791, AM34) trat 1751 die Herrschaft an. Er ehelichte 1752 Maria von Haimhausen. Ignaz stieg bis zum kurbayerischen Minister auf. Er besaß großen politischen Einfluss unter den Kurfürsten Karl Albrecht (dem späteren Kaiser Karl VII.) und Max III. Joseph. Um seine Macht und seinen Status in der Residenzstadt zu demonstrieren, ließ er zwischen 1741 und 1760 ein prachtvolles Stadtpalais in der Münchner Theatinerstraße errichten – das Palais Fugger-Zinneberg. Entworfen wurde es vom berühmten Hofbaumeister François de Cuvilliés im eleganten Rokokostil.


Ignaz war zweimal verheiratet (zuerst mit einer Gräfin zu Solms-Sonnenwalde). Seine Tochter Maria Anna Josepha war eine stadtbekannte Schönheit in München, für die Kurfürst Karl Albrecht zeitweise den Bau des Palais mitsponserte. Mit seiner zweiten Frau Maria von Haimhausen hatte Ignaz einen Sohn, Johann Baptist (1768-1795, AM37). Dieser trat zwar 1791 noch die Herrschaft an, starb aber schon 1795. Er war unverheiratet und kinderlos. Daher starb mit ihm die Linie Zinneberg im Mannesstamm aus.
Verwaltung und Verkauf
Da Schloss Zinneberg ein sogenanntes Familienfideikommiss (ein unteilbares, geschütztes Familiengut) war, fiel es beim kinderlosen Tod eines Inhabers nicht an Fremde, sondern automatisch an die nächsten männlichen Verwandten innerhalb des Gesamthauses Fugger. So fiel Zinneberg an die vier Brüder Max Joseph (1759-1804, AH37), Emanuel (1761-1845, AI37), Moritz Gabriel (1768-1816, AK37) und Joh. Nepomuk (1766-1838, AJ37) [Söhne des Graf Moritz (1733-1783, AH34,) Linie Göttersdorf, zurückgehend auf den gemeinsamen Ur-Ur-Großvater Franz Benno I (1603-1652, AF25)]. Diese Brüder hatten nun die verbliebenen Herrschaften Göttersdorf, Zinnenberg und Adelshofen gemeinsam als Kondominium inne. Max Joseph verstarb 1804 und Moritz Gabriel verstarb 1816.
Da diese Cousins jedoch in Schwaben ansässig waren, zog nie wieder ein Graf Fugger dauerhaft fest auf Schloss Zinneberg ein. Sie überließen das Gut den Verwaltern, bis Johann Nepomuk es 1825 schließlich endgültig veräußerte.
Graf Emanuel (vollständig Johann Emanuel) übernahm formal die Herrschaft. Da er und sein Bruder das Schloss aber nicht mehr selbst bewohnten, setzten sie Verwalter (Administratoren) ein. Emanuel erwirkte 1820 auch die Erlaubnis für das dortige Patrimonialgericht. Graf Johann Nepomuk war der Mit- bzw. Nacherbe. Da Emanuel unverheiratet blieb, lag es schließlich an Johann Nepomuk, den endgültigen Schlussstrich zu ziehen.
Am 1. September 1825 verkaufte Johann Nepomuk Graf Fugger das Schloss Zinneberg und Adelshofen schließlich für 180.000 Gulden an die bayerische Kurfürstenwitwe Maria Leopoldine von Österreich-Este.
Maria Leopoldine von Österreich-Este
Maria Leopoldine von Österreich-Este wurde am 10.12.1776 in Mailand geboren und entstammte dem Hochadel. Ihr Vater war Erzherzog Ferdinand Karl von Österreich, ein Sohn von Kaiserin Maria Theresia und Generalgouverneur der Lombardei. Ihre Mutter war Maria Beatrice d’Este, die Erbin des Herzogtums Modena. Die Verbindung ihrer Eltern begründete die habsburgische Nebenlinie Österreich-Este. Aus rein politischen Gründen arrangierte der Wiener Hof im Jahr 1795 die Hochzeit der gerade einmal 18-jährigen Maria Leopoldine mit dem 70-jährigen kurbayerischen Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern. Die Ehe wurde zum Skandal. Die willensstarke junge Kurfürstin verweigerte dem exakt 52 Jahre älteren Ehemann das gemeinsame Bett. Die Ehe blieb völlig kinderlos. Als Karl Theodor 1799 im Sterben lag, stellte sich Maria Leopoldine gegen die Interessen ihrer eigenen habsburgischen Familie. Sie verweigerte Österreich die Unterschrift zur Abtretung bayerischer Gebiete und verhalf stattdessen dem wittelsbachischen Thronfolger Max I. Joseph auf den Thron. Damit rettete sie die Unabhängigkeit Bayerns.
Nach dem Tod Karl Theodors im Jahr 1799 war Maria Leopoldine eine junge, extrem wohlhabende Witwe. Sie bewies ein enormes wirtschaftliches Talent, spekulierte erfolgreich an der Börse und kaufte hochrentable Landgüter (darunter Stepperg). Am 14. November 1804 ging sie eine zweite, rein private Ehe ein: Sie heiratete Ludwig Graf von Arco (1773–1854, T43). Diese Ehe war eine unstandesgemäße Verbindung (eine morganatische Ehe). Dass eine verwitwete Kurfürstin aus dem Hause Habsburg einen einfachen (wenn auch uradeligen) Grafen heiratete, verstieß massiv gegen das Hofprotokoll. Sie zog sich deshalb weitgehend vom Münchner Hofleben auf ihre Güter zurück. Nach dem Kauf Zinnebergs 1825 führten sie den Namen ‚von Arco-Zinneberg‘.
Aus dieser glücklichen und harmonischen Ehe gingen drei Kinder hervor, Alois Nikolaus Graf von Arco-Stepperg (1808–1891) und der spätere Schlossherr von Zinneberg, Maximilian Joseph Graf von Arco-Zinneberg (1811–1885, T46) – der Begründer der Linie Arco-Zinneberg.
Leopoldine übergab das Schloss 1833 als vorgezogenes Erbe an ihren jüngeren Sohn, Maximilian Graf von Arco (1811–1885). Dieser nannte sich fortan zur Unterscheidung von anderen Familienzweigen Graf von Arco-Zinneberg. Er ließ das Schloss im großartigen klassizistischen Stil (u. a. durch Leo von Klenze) umgestalten.
Maria Leopoldine starb 1848 mit 71 Jahren bei einem Verkehrsunfall, als ein schweres Salzfuhrwerk ihre Kutsche rammte und sie dabei tödlich verletzt wurde.
Die neue Linie von Arco-Zinneberg ab 1804
Maximilian Graf von Arco (1811–1885, T46) heiratete 1833 Leopoldine Gräfin von Waldburg-Zeil. Dem Paar entstammt der Sohn Ludwig Graf von Arco-Zinneberg (3. Januar 1840 – 20. November 1882, T49), der Prinzessin Josephine von Lobkowicz (1853–1898) heiratete. Ludwig starb noch vor seinem Vater und trat daher kein Erbe an.
Deren Sohn Ferdinand Maria Joseph Maximilian Graf von und zu Arco-Zinneberg (1882-1940, T52) wurde am 10.09.1882 in Maxlrain geboren. Ferdinands Leben war von schweren familiären Schicksalsschlägen geprägt. Seine erste Ehefrau, Maria Angela Gräfin von Spee, mit der er drei Kinder hatte, verstarb 1928 sehr jung. Am 3. Oktober 1929 ging Ferdinand seine zweite Ehe ein und heiratete Maria Gräfin Fugger von Glött (29. April 1894 – 13. März 1935, S52), eine Tochter von Carl Ernst Fürst Fugger von Glött (R49). Damit heiratete Ferdinand in eine Stammlinie des Hauses Fugger ein (Fugger-Glött).
Aus dieser Verbindung mit Maria Fugger-Glött gingen die zwei Söhne Karl (1931–1990) und Albert (1932–2020) hervor.
Marias Bruder, Joseph Ernst Fürst Fugger von Glött (1895–1981, R52) – ein bekannter Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 und späterer CSU-Bundestagsabgeordneter –, blieb kinderlos. Da die Linie Fugger-Glött im Mannesstamm vom Aussterben bedroht war, adoptierte Joseph Ernst seinen Neffen Albert, den Sohn von Ferdinand und Maria)1. Albert nahm daraufhin den Namen Graf Fugger von Glött an und übernahm das geschichtsträchtige Fuggerschloss Kirchheim in Schwaben. So floss über diese Ehe das Erbe der Fugger und der Arco-Zinnebergs wieder in einer Person zusammen.
- siehe hierzu E 1 – Kirchheim ↩︎


