E 2 Schmiechen 1509-1809
Schmiechen ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Aichach-Friedberg in Bayern, die historisch eine bedeutende Rolle im Herrschaftsgebiet der Fugger spielte. Schmiechen gehört zu den ältesten Erwerbungen Jakobs des Reichen (1459-1525 AR13). Bereits 1506 erhielt er das Schloss und die Hofmark Schmiechen zunächst als Pfand von Kaiser Maximilian I. Am 24. August 1509 kaufte er den Besitz für 6.200 Gulden vollständig auf. Schmiechen gehörte, trotz der großen Distanz, zum Stamm der Herrschaft Kirchheim.
Die Fugger bauten das Wasserschloss Schmiechen großzügig aus. Unter Jakobs Neffen Hans Fugger wurden erhebliche Summen investiert, sodass zeitgenössische Chroniken um 1598 von einem „Schönen Schloss“ berichteten. Die Fugger wurden nach und nach zu Grundherren von fast ganz Schmiechen und Unterbergen.
Auch Schmiechen traf der Dreißigjährige Krieg schwer: Fast alle Häuser wurden niedergebrannt und das Schloss geplündert.
Bis 1644 gehörte Schmiechen unmittelbar zur Herrschaft Kirchheim. Dann löste Johann Eusebius (1617-1672, G28) Schmiechen aus dem Verbund und übergab es seinem Cousin Bonaventura (1619-1693, N28).
Nach Bonaventuras Tod ging Schmiechen 1693 in der Erbfolge an dessen Sohn Maximilian Joseph (1661-1731, N31). Dieser hatte schon 1672 das Erbe von Kirchheim angetreten und herrschte nun über Kirchheim und Schmiechen.
1731 erbte Maximilians ältester Sohn Aloys (1696-1773, O34) die gesamte Herrschaft. Aloys entschied sich jedoch für ein Leben abseits der Politik und des anstrengenden Regierungsalltags. Daher verzichtete er 1732 zu Gunsten seines Bruders Cajetan Joseph Anton Fugger (1697-1764, N34) auf die Vertretung und Führung der Hauptlinie. Als Ausgleich für diesen Verzicht zog sich Aloysius auf das kleinere Wasserschloss Schmiechen zurück. Er lebte dort bis zu seinem Tod im Jahr 1773 als Privatmann und widmete sich unter anderem dem Ausbau der lokalen Wallfahrtskirche Maria Kappel.
Schmiechen wurde von dann ab wieder mit Kirchheim gemeinsam beherrscht.
Im Zuge der napoleonischen Kriege wurde Europa nach dem Frieden von Lunéville 1801 im nachfolgenden Reichsdeputationshauptschluss 1803 neu geordnet. Der kirchliche Besitz wurde säkularisiert, die Standesherrschaften wurden mediatisiert, d.h., sie verloren ihre wesentlichen politischen Rechte und somit auch einen großen Teil ihrer wirtschaftlichen Grundlagen. Es verblieb ihnen zwar ihr Privateigentum an Grundbesitz, verloren aber allen politischen Einfluss. 1806 wurde dieser Vorgang mit der Installation des Königreichs Bayern beendet.
Infolgedessen verkaufte Joseph Hugo Graf Fugger (1763-1840, N40) im Jahr 1809 das komplette Schloss. Das ehemals prächtige Renaissanceschloss befand sich zu diesem Zeitpunkt nach den harten Belastungen der Koalitionskriege in einem völlig ruinösen und unbewohnbaren Zustand.
Joseph Hugo verkaufte das marode Schloss an den letzten Fürstbischof von Augsburg, Clemens Wenzelslaus von Sachsen. Da der Bischof kurz darauf verstarb, wechselte das Schloss bereits 1812 erneut den Besitzer und ging an den königlich bayerischen Geheimen Rat Klemens von Thünefeld über. Dieser ließ das stark verfallene Hauptgebäude im Jahr 1827 schließlich bis auf einen heute noch erhaltenen Rest abbrechen.
Im Jahr 1937 starb die Familie von Thünefeld im Mannesstamm aus. Das verbliebene Schlossareal ging durch Erbschaft an Clara von Leonrod über. Ihr Sohn war Ludwig Freiherr von Leonrod (1906–1944).
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Anwesen an die Nachkommen über und befindet sich heute im Privatbesitz der Familie von Wiedersperg-Leonrod. Die Überreste wurden von den Eigentümern liebevoll restauriert. Vom einstigen Wasserschloss der Fugger zeugen heute noch der markante, solitäre Schlossbau sowie Reste des alten Wassergrabens.


