Historie

F 1    Mickhausen   1528-1848

Lageplan

Die reichsritterschaftliche Herrschaft Mickhausen (auch Staudenschloss genannt) liegt südwestlich von Augsburg inmitten der Staudenlandschaft. Sie bildete historisch über Generationen hinweg einen eigenen Zweig innerhalb des Raymund-Stammes der Fugger von der Lilie. Aufgrund von mehreren Erbteilungen und dem späteren Aussterben einzelner Familienzweige wechselten die herrschenden Inhaber innerhalb der weitverzweigten Familie.

Die Herrschaft wurde am 3. Juni 1528 von Raymund Fugger (1489-1535, AD16) erworben. Er nutzte seine Position als kaiserlicher Hauptgeldgeber aus und kaufte die Ortsherrschaft von Erzherzog Ferdinand von Österreich (dem späteren Kaiser). Ferdinand behielt sich lediglich das Jagdrecht vor, übertrug den Fuggern jedoch die niedere Gerichtsbarkeit sowie das Steuerrecht. In den Jahren 1535/36 ließ Raymund anstelle des alten Herrensitzes derer von Freyberg das bis heute existierende Schloss Mickhausen errichten. Hier starb er auch am 03.12.1535. 1532 konnte er auch 11 Sölden in Münsterhausen kaufen.

Zum Kern der Herrschaft gehörte Mickhausen mit Münster, Kreuzanger und Rielhofen. 1544 erwarb Anton Fugger (1493-1560, AC16) Anried (D2) und Engertshofen hinzu und 1546 noch Langenneufnach von dem Augsburger Patrizier Matthäus Ehem II.

Johann Jakob hatte zwar Mickhausen und die damit verbundenen Orte gekauft, aber die Familiengüter der Fugger wurden zu dieser Zeit als gesamthändiges Gut (Fideikommiss) verwaltet, um eine Zersplitterung des Besitzes zu verhindern. Die reale Führung und die Herrschaft über Mickhausen ging 1536 direkt an Raymunds Bruder Anton Fugger (1493-1580, AC16) über. Anton zahlte seine Neffen (darunter Johann Jakob) aus bzw. übernahm die Vormundschaft und die Herrschaftsrechte.

Unter Anton Fugger wurde das Schloss Mickhausen vollendet und glanzvoll ausgebaut. Anton leitete von hier aus Teile seines weltweiten Imperiums. Nach Antons Tod im Jahr 1560 blieb der Besitz zunächst noch im gemeinsamen Familienpool.

Herrschaft nach 1575

Nach dem tragischen Konkurs Johann Jakobs (1516-1575, AD19) im Jahr 1563 fiel die Herrschaft Mickhausen (zusammen mit Kirchheim und Glött) in der großen Erbteilung von 1575 an Antons zweiten Sohn Hans (Johann) Fugger, (1531–1598, N19). Er wurde als großer Botaniker bekannt und legte in Mickhausen einen berühmten Renaissance- und Exotengarten an.

Nach Hans‘ Tod ging Mickhausen an seinen Sohn Christoph Fugger von der Lilie (1566–1615, N22) über. Dessen Sohn wiederum war der berühmte Graf Otto Heinrich Fugger (1592–1644, I25), ein hochrangiger kaiserlicher Generalfeldzeugmeister und Anführer der Katholischen Liga.

Unter Otto Heinrich erlebte Mickhausen die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges. Schwedische Truppen plünderten die Region. Das von Anton Fugger einst prachtvoll installierte, weithin glänzende Kupferdach des Schlosses wurde in dieser Zeit komplett heruntergerissen und als Kriegsbeute geraubt.

Ottheinrichs Sohn Paul Graf Fugger (1637-1701, L28) war beim Tod des Vaters erst 7 Jahre alt. Daher wurde wie üblich ein Vormund aus dem Kreis der Familie eingesetzt. Das war in diesem Fall seine Mutter Maria Elisabeth von Waldburg-Zeil und sein älterer Bruder Bonaventura.

Das war in diesem Fall besonders notwendig, denn der noch minderjährige Paul erhielt 1643 über seinen Großonkel Georg (1577-1643, U22) ein enormes Erbe. Georgs Vater Jakob III (1542-1598, U19) hatte 1570 die Tochter des Reichspfennigmeister Georg Ilsung, Anna Ilsung, geheiratet. Daher erbte Georg riesige Vermögenswerte und Herrschaften (wie Wasserburg und Tratzberg), die so in diesen Familienzweig kamen. Georg starb 1643 kinderlos. Da alle seine erbberechtigten Geschwister schon gestorben waren, fiel das Erbe bei seinem Tod an Paul (1637-1701, L28). Hierbei wurde nicht nur die Verwandtschaftslinie geändert, sondern wegen der unterschiedlichen Lebensdaten eine ganze Generation! Die Vormünder mussten also nicht nur das kleine Mickhausen verwalten, sondern ein komplexes, länderübergreifendes Güterreich absichern, bis Paul im Jahr 1661 die Volljährigkeit erreichte und die Herrschaften offiziell selbst übernahm.

Paul wurde kurbayerischer Obersthofmeister. Er baute das Mickhauser Schloss von 1691 bis 1695 prachtvoll um. Paul war zweimal verheiratet. In erster Ehe 1666 mit Maria Claudia Hausmann von Namedy († 1684) und 1685 in zweiter Ehe mit Anna Maria Katharina Gräfin di San Germano d’Aglié († 1718).

Einschub: Grönenbach (F 3) 1612-1696

Da nach dem Erlöschen der Kirchheimer Linie 1672 sein Bruder Sebastian (1620-1677, I28) Kirchheim erhielt, aber schon 1677 starb, übernahm Bonaventura (1619-1693, N28) 1678 auch diese Herrschaft.

1689 trat Bonaventura wegen anhaltender, zermürbender Konflikte mit den dortigen Untertanen und konfessionellen Spannungen und im Zuge einer innerfamiliären Vermögensumschichtung Grönenbach an seinen jüngeren Bruder Paul ab.

Für kurze Zeit (von 1689 bis 1692) hielt Paul Fugger somit wieder beide Herrschaften – Mickhausen und Grönenbach – in einer einzigen Hand. Da die Schuldenlasten aus dem Dreißigjährigen Krieg und Pauls teure Bautätigkeiten in Mickhausen jedoch drückten, verkaufte Paul die Allgäuer Herrschaft Grönenbach bereits 1692 dauerhaft an das Fürststift Kempten, während er sich ganz auf den Ausbau von Mickhausen konzentrierte.

1701 kaufte Paul noch die oberbayerische Hofmark Schwindegg.

Das Erbe wurde 1687 auf die Söhne Carl Joseph Graf Fugger (1674–1705, M31), Pius Joseph Graf Fugger (1680–1732, L 31) aufgeteilt.

Als Erstgeborener trat Carl Joseph die direkte Nachfolge im Hauptteil des Erbes an. Da die Herrschaften wirtschaftlich eng miteinander verwoben waren, einigten sich die Brüder zunächst auf eine gemeinschaftliche Verwaltung bzw. eine Teilung der Güter in ideelle Hälften. Carl Joseph starb aber schon jung im Alter von 31 Jahren 1705.

Pius Joseph erhielt die Teile Mickhausens und Schwindeggs seines Bruders Carl Joseph und lenkte damit faktisch die Gesamtherrschaft über Mickhausen und Schwindegg als Regent.

Pius Joseph hatte zwar einen Sohn namens Franz Josef (1706-1777), der wurde aber Pfarrer zu Mickhausen und war demzufolge nicht erbfähig. So kamen 1732 Mickhausen und Schwindegg an seinen Neffen Johann Ludwig (1700-1779, M34).

Dieser hatte wiederum einen Sohn Joseph Xaver (1731-1804, M37), der das Erbe antrat. Beide Söhne Joseph Xavers starben aber schon vor dem Vater, so dass die ursprüngliche Linie Fugger-Mickhausen 1804 ausstarb.

Dies hatte zur Folge, dass die Herrschaften Schwindegg, Mickhausen und das Staudenschloss per Erbvertrag an die nächste überlebende Verwandtschaft – die jüngere Linie Fugger-Nordendorf – fiel.

Der Übergang an Fugger-Nordendorf und der Verlust der Herrschaft

Nach dem Aussterben der Mickhauser Linie im Jahr 1804 fiel der gesamte Besitz im Erbgang an die jüngere Familienlinie Fugger-Nordendorf. Karl Anton Graf Fugger-Nordendorf (1776-1848, I37) übernahm das Gut. Unter seiner Inhaberschaft wurde die politische und landesherrliche Souveränität von Mickhausen im Zuge der Mediatisierung 1806 aufgehoben und dem Königreich Bayern als Lehen unterstellt.

Das Schloss und die Ländereien blieben zwar privates Eigentum der Fugger-Nordendorf-Linie, jedoch war diese stark verschuldet. 1842/43 verkaufte Karl Anton Graf Fugger-Nordendorf den gesamten verbliebenen Privatbesitz und das Staudenschloss an den Grafen Albert von Rechberg-Rothenlöwen, wodurch das Kapitel der Fugger in Mickhausen endgültig schloss.

Karl Anton gab zwischen 1824 und 1832 aufgrund immenser wirtschaftlicher Schwierigkeiten und familiärer Erbauseinandersetzungen die Verwaltung und die Nutzungsrechte von Mickhausen an Emanuel Fugger (1761-1845, AI37) aus der noch existierenden Zinneberger Linie bis zum Verkauf des Schlosses 1842/43 ab.

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