G 3 Der Zweig Sulmentingen 1550-1735
Im Jahr 1550 kaufte Hans Jakob Fugger (1516-1575, AD19), der älteste Sohn von Raymund Fugger, das Schloss und das Dorf Untersulmetingen vom Ulmer Patrizier Hieronymus Roth von Schreckenstein für die gesamte ‚Firma Fugger‘. 1555 vereinbarten die Fugger zudem mit der Landvogtei Schwaben das Recht auf die hohe Gerichtsbarkeit vor Ort.
Nach dem Kauf wurde die Herrschaft zunächst Christoph Fugger (1520-1579, AZ19), einem Sohn Raymunds (1553-1606, AX22), zusammen mit Kirchberg und Brandenburg zugeschrieben.
Nach Johann Jakobs folgenschwerem Konkurs 1564 regelte das Stammhaus die finanziellen Folgen. Hierbei wurde die Herrschaft Sulmentingen eingezogen und wurde von den anderen Familienmitgliedern zwangsverwaltet.
Als Johann Jakobs Sohn Trajan (1571-1609, AN22) volljährig wurde, wollte er seinen Status als eigenständiger Grundherr wiederherstellen. Da er selbst kein Vermögen mehr besaß, nutzte er die strategische Heiratsallianz mit Regina von Freyberg im Jahr 1596. Mit der immensen Mitgift aus dem Hause Freyberg und durch Verträge mit seinem Cousin Konstantin I. gelang es Trajan ab 1595/1596, die Ortsherrschaft und das Schloss Untersulmentingen aus der Hand des Stammhauses/der Verwandtschaft rechtlich „zurückzukaufen“ bzw. exklusiv für sich zu beanspruchen. Als Trajan jedoch schon 1609 ohne überlebende Söhne starb, griff das Fideikommiss-Recht erneut: Die mühsam konsolidierte Herrschaft Untersulmentingen fiel automatisch wieder an den finanzstärkeren Cousin zurück, der sie mitfinanziert hatte – an Konstantin I. (1569-1627, AF22), der ab diesem Moment Untersulmentingen und sein eigenes Gut Zinneberg in einer Hand hielt.
Die Fugger hielten den Besitz fast zwei Jahrhunderte lang, bis sie Schloss und Dorf aufgrund finanzieller Probleme im Jahr 1728 verpfändeten und 1735 schließlich dauerhaft an das Kloster Ochsenhausen verkauften.
Nach dem Tod Konstantin I 1627 wurde das Erbe unter den Brüdern aufgeteilt. Der älteste Sohn Franz Benno I (AF25) erhielt Taufkirchen, Konstantin II (AI25) erhielt Untersulmentingen und Johann Friedrich (AL25) bekam Zinneberg mit Adelshofen.
Also wurde Konstantin II (1604-1695, AI25) die Herrschaft Sulmentingen überschrieben. Er zog danach auf das schwäbische Familiengut Sulmentingen (Untersulmetingen) und begründete dort die eigenständige Linie Fugger-Sulmentingen.
Konstantin II heiratete 1629 in erster Ehe Anna Elisabeth von Alten- und Neuen-Frauenhofen.
Aus dieser Ehe erwuchsen die Söhne Ferdinand (1630-1700, AI28) und Carl Constantin (1640-1701, AJ28). Diese verwalteten die Herrschaft gemeinsam.
Nach Ferdinands Tod 1700 und Carl Constantins Tod 1701 wurde der Besitz von den Cousins Raymund (1671-1727, AI31), Maximilian (1673-1738, AJ31 und Karl (1685-1755, AK31) nacheinander beherrscht. Von 1701-1727 herrschte Raymund, von 1727-1738 Maximilian und von 1738-1755 Karl. Alle hatten keine oder zumindest keine männlichen Nachfolger. Damit war die Sulmentinger Linie ausgestorben.
Bereits im Vorfeld des Aussterbens (während der fortschreitenden Verschuldung und des Niedergangs dieser Teil-Linie) wurden weite Teile der Herrschaft verpfändet. Schließlich wurde Sulmetingen im Jahr 1735 vollständig als freies Eigentum an das Reichskloster Ochsenhausen verkauft.
Nach der Fuggerherrschaft
Da der Verkauf an das Kloster Ochsenhausen bereits rechtskräftig vollzogen war, erloschen mit Karls Tod im Jahr 1755 auch die letzten nominellen, persönlichen Wohn- und Herrschaftsrechte der Fugger vor Ort endgültig.
Das Klosteramt Sulmetingen verblieb 1735–1803unter der Ägide der Reichsabtei Ochsenhausen. Das dortige dreigeschossige Schloss wurde von den Äbten prachtvoll modernisiert und als klösterlicher Verwaltungssitz genutzt.
Im Zuge der Säkularisation 1803 fiel der gesamte Ochsenhausener Besitz – und damit auch Sulmetingen – an den berühmten Fürsten von Metternich-Winneburg.
Metternich verkaufte die Standesherrschaft rasch an das Haus Thurn und Taxis weiter, bevor das Gebiet 1806 schließlich nach dem Reichsdeputations-hauptschluss unter die Hoheit des neuen Königreichs Württemberg (Oberamt Biberach) gestellt wurde.


