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Das Lufttanklager ‘Horntal’ im Eschach

Von 1938 – 1945 wurde für die Luftwaffe des III. Reiches in Weißenhorn ein Tanklager für Flugbenzin betrieben. Hierdurch wurde Weißenhorn auch für Luftangriffe der Alliierten interessant und mehrfach bombardiert. Der Artikel geht auf die Hintergründe, den Bau und Betrieb des Tanklagers sowie die verschiedenen Nutzungen nach dem 2. Weltkrieg ein. Das Lufttanklager ist die Keimzelle des heutigen Industriegebiets und einer der städtebaulich interessantesten Bereiche der Stadt.

Vorbemerkungen

Das sehr komplexe Thema wird in mehreren Einzelartikeln behandelt, die durch Links miteinander verbunden sind. Der erste Artikel befasst sich mit dem Tanklager an sich, ein weiterer mit den politischen und organisatorischen Hintergründen. Der Entwicklung nach dem Krieg ist ein gesonderter Artikel gewidmet, ein weiterer der aktuellen Entwicklung. Die relevanten Gebäude werden in Einzelbeiträgen behandelt und sind untereinander bei Bedarf verknüpft.

Das Thema des Lufttanklagers wurde schon in mehreren Veröffentlichungen behandelt. Zum einen ist dies der Artikel ‘Das Lufttanklager und die Bombardierung Weißenhorns’ von Karl Hartung im Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen, Jg. 1996 und besonders die sehr detaillierte Facharbeit des damaligen Gymnasiasten Timo Dauner aus dem Jahr 1990. Diese Bearbeitungen werden teilweise wörtlich übernommen. Vielen Dank auch Herrn Ralf Kull, Weißenhorn, für die Zurverfügungstellung von Bild- und Sachmaterial sowie ergänzende Informationen.

Der vorliegende Artikel basiert in großen Teilen auf diesen bekannten Veröffentlichungen, führt diese zusammen und ergänzt sie durch neue Forschungsergebnisse. Erstmals wurde hier versucht, die Entwicklung auch in Planzeichnungen anschaulich und nachvollziehbar zu machen, wobei der Schwerpunkt auf der baugeschichtlichen und städtebaulichen Darstellung liegt. So sind alle Baulichkeiten in ihrer Entwicklung bis heute dargestellt.

Die Geschichte des LTL 1/VII Horntal in Weißenhorn

Schon recht bald nach der sog. ‘Machtübernahme’ begannen die neuen Machthaber zielgerichtet Vorbereitungen für einen zu erwartenden Krieg. In erster Linie mussten zuerst Strukturen geschaffen werden, mit denen das erforderliche Kriegsgerät hergestellt und dann auch betrieben werden konnte. Man wusste sehr schnell, dass eine ausreichende und gut organisierte Kraftstoffversorgung Grundlage für alle zukünftigen militärischen Operationen war. Hierzu wurde unter dem harmlosen Decknamen ‘Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft mbH (Wifo)’ mit Sitz in Berlin im August 1934 eine Organisation zum Zwecke der Beschaffung, Bevorratung und des Transports strategischer Rohstoffreserven für den Kriegsfall gegründet (siehe gesonderten Artikel). Die von der Wifo betriebenen Tanklager hatten Decknamen, für Weißenhorn wurde ‘Horntal’ bestimmt.

Standortentscheidung und Grunderwerb

Warum Weißenhorn?

Die Gründe, warum sich die Wifo für den Standort Weißenhorn entschied, sind nicht genannt. Wir müssen also versuchen, diese Entscheidung nachzuvollziehen. Wenn man die Karte des Luftgaus VII betrachtet, wird einem die außerordentlich zentrale Lage des Lagers sofort deutlich.

Hinzu kommt die günstige Lage zum Bahnknoten Ulm, weil damals die meisten Güter noch auf der Schiene transportiert wurden. In Ulm verbinden sich die Eisenbahnstrecken Karlsruhe-Stuttgart-Ulm-München-Salzburg, die Südbahn Ulm-Friedrichshafen, die Bahn in den Schwarzwald über Mengen-Donaueschingen nach Freiburg, die Illertalbahn über Memmingen nach Kempten und die Brenztalbahn in Richtung Aalen. So konnten alle Luftwaffen-Flugplätze des Luftgaus über die Schiene versorgt werden.

Zudem liegt Weißenhorn an einer leistungsfähigen Nebenbahnstrecke mit nur 1,66% Steigungen, die aber nur wenig Verkehr aufwies und so genügend Zeit für Rangieraufgaben ließ. Das große zusammenhängende Waldgebiet im Eschach war nicht in Privatbesitz, war abgesetzt von der Siedlung und ermöglichte den Bau einer gut getarnten Anlage im Wald.

Die strategischen Gedanken waren richtig, erst 1944 wurde das Tanklager von den Alliierten entdeckt und erst nach mehreren Angriffen im April 1945 vernichtet.

Die Grundstücke werden erworben

Die Vorgänge um den Grunderwerb für das Tanklager lassen sich nur aus den erhaltenen Ratsprotokollen rekonstruieren. Die Originalakten in Weißenhorn wurden zu unbekanntem Zeitpunkt vernichtet. Die Ratsprotokolle sind als reine Beschlussprotokolle geführt, teilweise mit kurzem Sachvortrag, aber ohne Wortmeldungen.

Mit dem Gesetz zur Regelung des Landbedarfs der öffentlichen Hand (besonders des Militärs) vom 29.03.1935 wurde die Rechtsgrundlage für den öffentlichen Grunderwerb geschaffen. Für die Durchsetzung wurde die Reichsstelle für Landbeschaffung gegründet, die nur dem Reichswehrminister (ab 21.05.1935 Reichskriegsminister) unterstand und die alle Mittel bis hin zur Enteignung erhielt, die Landbeschaffung auch durchzusetzen.

Am 16.09.1936 trat die Wifo (Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft mbH) wegen Ankauf des Waldes im Eschach an die Stadt heran und stellte am 12.01.1937 einen offiziellen Kaufantrag. Die Stadt verlangte mit Beschluss vom 29.01.1937 zur Vorbereitung der Verkaufsverhandlungen eine amtliche Schätzung des Bodenwerts und eine forstamtliche Schätzung des Waldwerts. Zu den Verkaufsverhandlungen sollten Beigeordneter Jedelhauser und Ratsherr Bär zugezogen werden. Die Stadt wollte den Verlust des Waldes durch Ankauf von Waldflächen an anderer Stelle kompensieren. Da zurzeit der Ankauf von Waldungen in Größe von 70-100 Tgw. aber nicht möglich war, bestand im Rat Einverständnis damit, dass mit dem Eschach-Kauferlös in erster Linie das E-Werk als städt. Werk übernommen werde. Soweit der Kauferlös für diesen Zweck nicht benötigt werden sollte, käme in zweiter Linie die außerordentliche Tilgung von Schulden in Betracht. Aus dem Ertrag des E-Werks sollte nach und nach ein Grundstücksfonds angelegt werden. Sobald ein Waldbestand in der Nähe käuflich sei, sollte dieser aus Mitteln des Grundstücksfonds angekauft werden, um Ersatz für die abgegebene Fläche in der Waldabteilung Eschach zu schaffen.

Das Grundstück im Eschach wurde vom Gutachter am 31.03.1937 auf 2.950 RM/ha ohne Waldbestand geschätzt worden (ca. 112.000 RM). Die Stadt forderte einen Kaufpreis von 3.600 RM/ha. Hiermit war die Wifo aber nicht einverstanden. Am 30.07.1937 beharrte die Stadt aber auf ihrer Kaufpreisforderung von 3.600 RM/ha Grund, nachdem Gleisanschlussmöglichkeit bestehe und der Grund in nächster Nähe des Bahnhofs liege. Am 21.10.1937 einigte man sich mit der Wifo auf einen Kaufpreis von 120.000 RM für eine Fläche von 139.500 m² “da die Grundabtretung einerseits nicht umgangen werden kann, andererseits im Wege des Enteignungsverfahrens nach Lage der Sache mit einer niedrigeren Entschädigungssumme gerechnet werden muss“. Die Stadt sah also ein, dass sie in der gegebenen Situation keine guten Karten für einen höheren Kaufpreis hatte.

Parallel zum Grunderwerb war die Wifo aber auch schon in die Planung eingetreten und baute bereits am 31.03.1937 Anlagen zur Stromversorgung des Gebiets.

Für die Erschließung des Gebiets musste auch eine leistungsfähige Straße gebaut werden. Diese musste an die Ulmer Str. angebunden werden – die Illerberger Straße hatte damals nur eine untergeordnete Bedeutung. Die Grundstücksanlieger an der Leibi sahen hierin eine Chance und wünschten am 30.07.1937 eine Regulierung des Baches. Hierzu sollten die Reißler’schen und Seifert’schen Wiesen [1]Die Grundstücke hatten die FlNr. 1035 und 1036. Leider sind keine Katasterpläne mit Fl.Nr. aus dieser Zeit vorhanden, so dass diese Grundstücke noch nicht lokalisiert werden konnten nördlich des Eschachs angekauft werden. Nachdem die Wifo aber gezwungen war, die Leibi zu verbreitern und tiefer zu legen, um das Abwasser aus der Eschachanlage ableiten zu können, erübrigte es sich, einen Regulierungsantrag seitens der Grundstückseigentümer zu stellen. Die Straßenbaufirma Ziegler aus Ulm erhielt den Auftrag für die Straßen im Eschach. Sie erwarb dazu das Grundstück Seifert zur Kiesgewinnung.

Am 01.02.1938 wurde der Notariatsvertrag mit der Wifo abgeschlossen, 140.114 m² für 117.300 RM. Das Geld wurde als Sonderrücklage zur Ablösung der Forstrechte angelegt. Am 07.10.1938 erwarb die Stadt die Grundstücke Seifert (Fl.Nr. 1035) für 372 RM und Reißler (Fl.Nr. 1036) für 526 RM.

Am 07.10.1938 berichtete der Bürgermeister dem Stadtrat, dass der Kaufpreis von der Wifo noch nicht eingegangen sei. Die Wifo wolle aber den östl. gelegenen Waldzipfel für die Erbauung des Verwaltungsgebäudes zusätzlich erwerben. Am 29.12.1938 stellte das Luftgaukommando VII den Antrag, den nördl. angrenzenden Teil der Eschachwaldung nach Schätzung anzukaufen. Diesem Wunsch – oder Forderung – entsprach der Stadtrat am 29.04.1939 zu einem Schätzwert von 112.000 RM.

Am 18.12.1939 wurde der Grunderwerb dann abgeschlossen. An die Wifo wurden 14,71 ha Wald und Wiese für 117.300 RM abgetreten. Zur Erweiterung des Tanklagers wurden vom Eschachwald nördl. des Lagers weitere 9,8 ha mit einem Schätzwert von 112.000 RM weggemessen. Die Wifo benötigte von den verkauften Flächen jetzt 2,8 ha weniger. Die Stadt nahm die Flächen zu den gleichen Bedingungen zurück. Allerdings wurde der Wald dort bereits gerodet, was den Preis senke.

Am 20.12.1940 wurde dem Stadtrat berichtet, das Luftgaukommando habe die Grundstücke immer noch nicht bezahlt. Es ist nicht vermerkt, ob und wann die Zahlung nun einging. Vermutlich wurde der Preis nicht bezahlt, zumindest war der Grunderwerb im Grundbuch noch nicht vollzogen, weshalb die Stadt nach dem Ende des Krieges auch wieder die Verfügungsgewalt über die nördlichen Grundstücke bekam. Die restlichen Grundstücke kamen unter treuhänderische Verwaltung (siehe hierzu besonderen Artikel).

Am 22.12.1941 wurde das Grundstück Fl.Nr. 1033 (Feldtörle) an das Lufttanklager verpachtet. Auf diesem Grundstück wurden einige Flak-Türme errichtet.

Bau des Lufttanklagers

Über den Bau des Lufttanklagers sind fast keine Unterlagen greifbar. Das Projekt unterlag der Geheimhaltung, Fotografien waren verboten. Es sind keine Planzeichnungen der Bauzeit vorhanden.

Bereits am 29.01.1937 begann die Wifo – noch vor Abschluss des Grunderwerbs – die Stromversorgung im Eschach aufzubauen. Der Strom wurde von den BEW geliefert. Dies führte zu einer Auseinandersetzung mit der Stadt, weil die Stadt damals im Streit wegen der Stromversorgungsrechte mit den BEW lag. Sie hielt den Vertrag mit den BEW bereits 1926 für abgelaufen und beanspruchte das alleinige Stromversorgungsrecht für das städt. E-Werk. Die Stadt erhob 1938 Feststellungsklage beim LG München, dass die BEW nicht berechtigt sei, ohne Zustimmung der Stadt elektrische Energie auf der Gmkg. Weißenhorn abzugeben. Diese Klage war aber sogar nach dem Krieg 1946 noch nicht entschieden! (siehe hierzu besonderen Artikel [noch nicht veröffentlicht])

Im November 1937 erhielt die Straßenbaufirma Ziegler aus Ulm den Auftrag für die Straßen im Lufttanklager. Sie erwarb dazu das Grundstück Seifert zur Kiesgewinnung.

Eine der ersten Baumaßnahmen war die Begradigung und Regulierung der Leibi. Die Leibi entspringt im Bereich der heutigen Steinheilstraße, d.h., hier sammelt sich das Oberflächenwasser eines größeren Einzugsbereichs und wird ab hier in einem definierten Lauf weitergeleitet. Eine Quelle im eigentlichen Sinne gibt es nicht, allenfalls eine Verbindung zum hier hoch anstehenden Grundwasser. Weil die Wasserführung hier nur gering und nicht gleichmäßig ist, war der Bachlauf flach und stark mäandernd. Für das Lagergelände musste das Oberflächenwasser – welches bis dahin versickerte – abgeleitet werden. Dieser vermehrte Zulauf erforderte die Vergrößerung des Bachbetts und dessen Tieferlegung, damit das Wasser aus den Kanälen überhaupt abgeleitet werden konnte. Dies erforderte den Ausbau der Leibi bis zur Unterquerung der Ulmer Str. In dieser Form besteht die Leibi bis heute.

Die Frage der Wasserversorgung des Geländes wurde seitens der Stadt am 29.12.1938 zurückgestellt. Leider konnten noch keine Akten über den Anschluss des Eschachs an die städt. Wasserversorgung gefunden werden. Es wird aber angenommen, dass ein Anschluss an das städt. Netz erfolgte, denn beim Bau der Eschachsiedlung und später wird kein Wasserleitungsbau erwähnt. Möglicherweise erfolgte die Wasserversorgung im Zusammenhang mit dem Bau der südl. Erschließungsstraße (heutige Adolf-Wolf-Str.).

Am 29.12.1938 berichtet der Bürgermeister dem Stadtrat, dass auf der Wiese zwischen Bahn und dem Eschachwald durch den Reichsfiskus Luftfahrt eine für schweren Fuhrverkehr befestigte Straße mit einer Breite von 5,5 m für den öffentlichen Verkehr hergestellt werden soll (heutige Adolf-Wolf-Str.). Am 22.12.1941 gewährte der Stadtrat für den Ausbau der südlichen Zufahrtsstraße zum Lufttanklager 500 RM Zuschuss an die Wifo.

1940 wurde die 1937 erbaute Erschließungsstraße zur Ulmer Str. (heutige Daimlerstr.) erweitert und geteert. Hierzu war Grunderwerb nötig, der am 20.12.1940 vollzogen wurde. Die Kosten trug die Wifo.

Weitere Angaben zu den Bauarbeiten im Lufttanklager finden sich nicht. Nach persönlichen Aussagen von ehem. Betriebsangehörigen [2]Im Rahmen einer Facharbeit führte der Schüler Timo Dauner des NKG Anfang der 90er-Jahre persönliche Gespräche mit den Herren Fritz Bosch und Josef Enzler, die hier ungeprüft zitiert werden sei das Gelände schon vor dem ersten Spatenstich im Herbst 1937 durch berittene SS gesichert worden, die jeden, der dort nichts zu suchen hatte, verscheuchte. Die Bevölkerung hielt sich, wie zu dieser Zeit üblich, aus Angst vor Repressalien zurück. Einheimische Arbeitskräfte wurden nur für untergeordnete Arbeiten verwendet, die Bauarbeiten wurden durch weit entfernte Firmen, genannt wird eine Fa. Brandt aus Saarbrücken, ausgeführt. Hiermit wollte man so wenig wie möglich Informationen an die Bevölkerung kommen lassen.

Der Bau der Anlagen erfolgte außerordentlich schnell. Nach nur gut einem Jahr Bauzeit wurde die Anlage bereits am 01.12.1938 an die Luftwaffe übergeben. In einem Leistungsbericht des Lufttanklagers durch dessen Kommandeur Lt. Lischka aus dem Jahr 1943 heißt es: ‘Der Bauzustand bei der Übergabe war keinesfalls vollständig, sondern so, dass der Dienststellenleiter gerade in der Lage war, die Aufgaben eines LTL zu erfüllen. In der Folgezeit wurde die Dienststelle ausgebaut und technisch vervollkommnet. Der Ausbau wurde zum größten Teil von der Einheit selbst durchgeführt.

Zu diesen Eigenleistungen gehörte z.B. die Erweiterung der Gleisanlage um 800 m, sowie Planung und Bau einer Betriebswerkstätte mit Schlosserei, Schmiede, Elektrowerkstätte, Malerei und Tischlerei. Auch erfolgte die Entwässerung der Fläche durch ein Kanalsystem in Eigenleistung.

Bestand des Lufttanklagers

Es wurde im folgenden versucht, aus neueren Planzeichnungen und durch Auswertung der zahlreichen Luftbilder (siehe hierzu Kapitel Angriffe) die Anlage zu rekonstruieren und ihr diejenigen Nutzungen zuzuordnen, die in versch. Texten erwähnt sind. Teilweise waren diese Anlagen noch bis zur Aufgabe des Tanklagers durch die Bundeswehr Ende der 90er-Jahre vorhanden.

1. Gleisanlagen

Das Lufttanklager wurde durch zwei Anschlüsse im Abstand von ca. 800 m an die Nebenbahnstrecke Senden-Weißenhorn angebunden. Die Anschlüsse wurden durch Schutzweichen (1.4) gesichert, damit unabhängig vom regulären Eisenbahnverkehr innerhalb des Lagers rangiert werden konnte. Kernstück der Anlage war der sog. Verladebahnhof (1.1) mit 3 Gleisen, von denen eines für die Beladung und eines für die Entladung der Kesselwagen benutzt wurde. Das dritte Gleis diente als Umfahrgleis. Hier befanden sich die Anschlüsse für die Pumpen. Auf jedem Gleis konnten 8 EKW (Einheitskesselwagen) abgestellt werden. Der Bahnhof war mit einer betonierten Auffangwanne für evtl. auslaufendes Benzin versehen. Am Ende des Bahnhofs war eine Gleiswaage (1.3) zur Kontrolle des zul. Gewichts vorhanden. Der Verladebahnhof war durch ein Tarngerüst überdeckt und so der direkten Sicht von oben entzogen.

Das Lager besaß eine eigene Werkslok, eine sog. Wehrmachtslokomotive, die später bei der Deutschen Bundesbahn als Typ V 36 bezeichnet wurde. Zur Betriebszeit im Lager trug die Lok keine eigene Baureihenbezeichnung. Für diese Lokomotive stand außerhalb der Betriebszeiten ein eigener Lokschuppen (1.2) zur Verfügung.

Gleichzeitig mit dem Bau der Gleisanlagen im Tanklager wurde auch der Bahnhof Weißenhorn umgebaut. Hier wurden zwei Hinterstellgleise mit je ca. 180 m Nutzlänge hinzugebaut (1.5). So konnten auf jedem Gleis bis zu 20 EKW hinterstellt werden, bevor sie von der Werkslok hier abgezogen und zur Verarbeitung ins Lager gebracht wurden. Auch die Hinterstellgleise waren mit Tarngerüsten versehen.

Als man im Betrieb feststellte, dass der Rangiervorgang zwischen Lager und Bahnhof zu viel Zeit beanspruchte, baute man in Eigenleistung ein weiteres ca. 400 m langes Abstellgleis innerhalb des Lagerbereichs (1.6).

2. Betriebsanlagen

Um das Benzin zu lagern und aufzuarbeiten waren mehrere technische Anlagen erforderlich. Das ankommende Benzin wurde in die unterirdische Tank- und Mischanlage (UTA) (2.1) eingeleitet. Das Fassungsvermögen dieser Anlage ist leider nicht dokumentiert. Von dort wurde es zur Mischplatte (2.2) befördert, wo es mit dem im Ethylkeller (2.3) gelagerten Bleitetraethyl vermischt und dann in die Hochtanks (2.4) zur Lagerung gepumpt wurde. Es waren 13 Hochtanks vorhanden, von denen 11 ein Fassungsvermögen von je 600 m³ und zwei ein solches von 300 m³ hatten. Die Hochtanks waren etwas in den Boden eingegraben und über der Erde mit einer Ziegelmauer versehen, die von außen angeschüttet war, um sie gegen Beschuss und Schrapnelle zu schützen. Die Tanks hatten untereinander einen Abstand von ca. 70 m.

Von den als geheim eingestuften Anlagen sind keine Außenaufnahmen überliefert. Die Bunker überdauerten aber die Bombardierung und wurden später von der Bundeswehr weiter benutzt. Vor deren Abbruch wurden 2003 noch Bestandsfotos gefertigt.

Für die Benzinleitungen auf dem Gelände war ein eigenes Pumpenhaus (2.5) gebaut worden. Die Pumpen förderten das fertige Flugbenzin von den Tanks zu den 8 Abfüllstellen im Verladebahnhof (1.1), zur Abfüllanlage für Fassbenzin (2.6) und zu den 12 Zapfstellen für Straßenfahrzeuge (2.8). Die Benzinfässer, die nach Gebrauch wieder leer zurückgeführt wurden, konnten in der Fassspülanlage gereinigt und im Fassschuppen (2.7) gelagert werden.

Für die Energieversorgung der Anlage mit Warmwasser für diese Arbeiten war ein Kesselhaus (2.9) vorhanden.

3. Sicherheitsanlagen

Der Umgang mit dem feuergefährlichen Benzin erforderte natürlich auch gewisse Sicherheitsanlagen für den Notfall. Diese bestanden zuerst aus einem 50 m³ fassenden Löschteich mit Wasserpumpstation (3.1) und einer Löschstation unmittelbar am Verladebahnhof (3.2). Am Beginn der heutigen Adolf-Wolf-Str. wurde außerhalb des Zaunes, nur durch einen Weg getrennt, für die Werksfeuerwehr ein Gerätehaus gebaut (3.3) und ein modernes Löschfahrzeug angeschafft.

Zur Sicherung der Elektrizitätsversorgung stand ein Notstromaggregat (3.3) zur Verfügung.

4. Betriebsgebäude

Die Betriebsgebäude wurden bis auf die Werkstatt und die Waldvilla als wertige Massivbauten in zeitgemäßer Gestaltung erbaut. Sie sind heute noch erhalten und werden genutzt. Deren Baugeschichte ist jeweils in einem gesonderten Blatt behandelt.

4.1 Werkstattgebäude

Im Werkstattgebäude, welches durch die Belegschaft selbst um 1940 errichtet wurde, waren die Schlosserei, die Schmiede, die Malerei, die Tischlerei und die Elektrowerkstatt untergebracht. Nach dem Krieg wurde es zunächst als mech. Werkstätte genutzt und 1965 durch die Fa. Oetinger übernommen. Es wurde 1997 abgebrochen.

4.2 Laborgebäude

Das Labor hatte die Aufgabe, die Qualität des hergestellten Flugbenzins zu überwachen und, soweit hier technisch möglich, die Effektivität des Treibstoffs zu steigern. Das Gebäude wurde nach dem Krieg von der Fa. Oetinger übernommen und wird bis heute als Labor benutzt.

4.3 Wirtschafts- und Sozialgebäude

In diesem Gebäude befanden sich die Unterkünfte der Soldaten, die Dusch- und Waschräume, die Küche mit Speisesaal, in diesem ein Offiziersbereich und die Verwaltungsräume. Auf den umgebenden Freiflächen konnte die Freizeit verbracht werden. Das Gebäude blieb unbeschädigt und wurde nach dem Krieg als Lehrerinnen-Bildungsanstalt verwendet, bis es 1962 von der Bundeswehr übernommen und als Lager genutzt wurde (siehe bes. Artikel). Nach Aufgabe der militärischen Nutzung kaufte ein Medienunternehmer das Haus, sanierte es und nutzt es als Bürogebäude.

4,4 Stabsgebäude

Im Stabsgebäude war die militärische Führung mit Büros und Wohnräumen der Offiziere untergebracht.

4.5 Arzthaus

Das Arzthaus diente zur medizinischen Versorgung in Notfällen und war auf die Behandlung eventueller Verletzungen und Krankheiten durch das hochgiftige Bleitetraethyl ausgerichtet. Es fungierte außerdem als Revier für erkrankte Mitarbeiter.

Stabsgebäude und Arzthaus gehörten nach dem Krieg auch zu den Gebäuden der Lehrerinnenbildungsanstalt und ab 1962 als Lagergebäude zum Korpsdepot. Nach Aufgabe der militärischen Nutzung gingen die Gebäude an die Polizei über, die sie sanierte, umbaute und seitdem als Polizeiinspektion nützt.

4.6 Kommandantenvilla – ‘Waldvilla’

Der Lagerkommandant hatte abgesetzt vom Lager außerhalb der Umzäunung ein eigenes Wohnhaus, im Volksmund ‘Waldvilla’ genannt. Er konnte hier mit seiner Familie wohnen, wobei hierüber nichts weiteres bekannt ist. Es handelte sich um ein kleines Wohnhaus, vermutlich in Fachwerkkonstruktion. Das Haus blieb im Krieg unbeschädigt. Der erste Kommandant des Lagers, OTL Walter Bronisch wohnte hier. Nach dem vertuschten Betriebsunfall 1942 wurde er an die Ostfront versetzt, dort aber noch zum Oberst befördert. Auch der technische Leiter des Lagers, Major Erwin Lohrmann, wurde nach dem Unfall versetzt, und zwar zum Deutschen Afrikakorps. Beide kamen nach dem Krieg wieder nach Weißenhorn zurück. Lohrmann bewohnte bereits ab 1948 die Waldvilla, Bronisch war auch ab 1948 in Weißenhorn wieder gemeldet, 1959 auch wieder in der Waldvilla. Am 18.07.1958 brannte die Waldvilla ab. Die Stadt stimmte dem Wiederaufbau zwar mit Hinweis auf die Vertragslage nicht zu, dennoch wurde das Haus wieder gerichtet und weiter bewohnt. Erich Lohrmann wohnte hier bis mind. 1964. Am 14.02.1964 beschwerte sich die Stadt, dass Haus ohne Zustimmung weitervermietet wurde. Die Stromversorgung sei zu kappen. 1968 ist Lohrmann nur noch als Besitzer, wohnhaft in Düsseldorf, verzeichnet. Das Haus wurde zu unbekanntem Zeitpunkt aufgegeben und abgebrochen. Die Fundamente wurden um 2017 im Zuge der Erschließung des Gewerbegebiets Birkholz entfernt.

4.7 Garagen

Für die verschiedenen Fahrzeuge des Lagers waren im nördl. Eingangsbereich einige Garagen in einfacher Holzkonstruktion vorhanden.

3. Militärische Schutzmaßnahmen

Die militärischen Schutzmaßnahmen des Lagers waren vergleichsweise gering. Selbstredend war das Gelände umzäunt, hinter dem Zaun gab es eine Wachgang für die Wachmannschaften mit Hunden sowie einige Schützenstellungen. Die hauptsächliche Schutzmaßnahme waren insgesamt 8 Flaktürme. Diese wurden nach dem Krieg beseitigt. Die Fundamente sind teilweise heute noch vorhanden.

Diese Flaktürme (acht von ihnen) lagen außerhalb der Anlage in unmittelbarer Nähe bis hin zu einigen hundert Meter entfernt. Ein weiterer Turm (wahrscheinlich Turm 9) lag in der Nähe der Mischplatte, also innerhalb des Lagers (Lagerbericht, 1939, s.2). Es wäre möglich, dass dieser als Zentrale und Feuerleitturm diente, mit entsprechenden Gerätschaften und einer erfahrenen Besatzung. Alle Türme standen im Wald und nur die Plattform mit dem Geschütz, von dicken Holzbohlen mit Magazinen der Einsatzmunition umgeben, ragte über die Baumkronen hinaus. Unterhalb der Plattform (erreichbar über eine Freitreppe) lag eine Baracke mit Schlafmöglichkeiten und Telefonanschluss als Aufenthaltsraum für die Geschützbesatzung. Alle Türme waren in einer Ringleitung zusammengeschlossen und konnten über das Telefon von der Zentrale Befehle erhalten sowie den eigenen Status durchgeben. Über eine zwischen den vier Stützpfeilern (Baumstämme?) gelegene Wendeltreppe mit 150 Stufen war der Turm vom Boden aus zu erreichen, wo er auf vier massiven Betonfundamenten stand. Diese Fundamente sind teilweise heute noch sichtbar oder kamen bei Bauarbeiten zum Vorschein (Bau des Regenrückhalteteiches im südl. Eschach 2010). Das Haus Schlesier Weg 8 in der Eschachsiedlung wurde um einen Fundamentblock herumgebaut.

Aufgaben des Lufttanklagers

Die Grundaufgabe des Tanklagers bestand darin, das aus den Raffinerien (z.B. Leuna-Werke in Sachsen-Anhalt) angelieferte Rohbenzin so zu veredeln, dass es als Flugbenzin mit mind. 80 Oktan brauchbar wurde. Hierzu wurde dem Benzin das hochgiftige Bleitetraethyl zugesetzt. Auf der sog. Mischplatte (2.2) wurde das Rohbenzin mit den Zusatzstoffen durch ein Rührwerk vermischt, auf die Qualität überprüft und bis zum Weitertransport in Hochtanks gelagert. Von dort kam das fertige Flugbenzin mit Eisenbahnkesselwagen oder Straßenfahrzeugen an die entsprechenden Wehrmachtsteile.

Mit dem fortschreitenden Krieg erweiterte sich das Spektrum der Aufgaben. Nach dem Kriegseintritt Italiens und Beginn des Afrikafeldzugs stieg der Bedarf an Fassbenzin, da der Treibstoff nicht mit Kesselwagen nach Nordafrika transportiert werden konnte. Hierfür wurde im Lager eine Fassabfüll- und reinigungsanlage gebaut, die in dieser Größe für Deutschland einmalig war [49]Leistungsbericht des LTL, 1943. Das LTL wurde auch zuständig für die Benzinversorgung des Deutschen Afrikakorps (DAK). Die Benzinfässer wurden mit dem Zug nach Reggio Calabria transportiert, dort auf ein Schiff verladen und nach Bengasi verbracht, wo die Luftwaffe einen Feldflugplatz eingerichtet hatte. So mögen noch heute zurückgelassene Benzinfässer aus Weißenhorn in der Cyrenaika herumliegen! Es wurde auch (unbestätigt) berichtet, Kesselwagen aus Weißenhorn seien bis nach Odessa gelangt.

Ein weiterer Aufgabenbereich war ab 1943 die Versorgung mit Schmierstoffen, Motorenöl und Waffenfetten. Diese Schmierstoffe wurden nicht hier hergestellt, sie wurden in fertiger Form angeliefert, gelagert, ggfs. umgefüllt und an die Einsatzstellen weitergeleitet. Hierzu wurde eine Ölabfüllanlage entworfen und gebaut, bestehend aus einem Luterhitzer mit 12.000 Kcal/h, einer Ausdampfanlage und einer Ölabdrückanlage. Hierdurch konnten 700 Fässer à 200 l an einem Tag abgefüllt werden.

In einem eigenen Laborgebäude (4.2) wurde die Qualität des Benzins überwacht und nach Möglichkeiten der Effizienzsteigerung geforscht.

Das Lager versorgte die Truppen direkt und stellte keine strategische Reserve dar. So sind in den Leistungsblättern deutliche Spitzen während der jeweiligen Militäroffensiven zu verzeichnen. Die Verdichtung der militärischen Handlungen gegen Ende des Krieges führte zu immer größerem Versorgungsbedarf der Einsatztruppen. So entstand eine Dauerbelastung, für die das Lager nicht ausgelegt war.

Betriebstechnischer Ablauf

Die beschriebenen Aufgaben erforderten einen hohen Transportaufwand auch innerhalb des Lagers. Hierzu waren umfangreiche Gleisanlagen im Lager vorhanden und zwei Hinterstellgleise im Bahnhof Weißenhorn. Diese Hinterstellgleise wurden wohl 1938 gebaut und hatten eine Nutzlänge von je 180 m. Für den Bau der Gleise wurde der damals noch vorhandene Eisenbahnweiher teilweise verfüllt und der Lagerschuppen der Fa. Hogg (Am Eisenbahnweiher 2) von 1918 musste abgebrochen werden.

Auf jedem Gleis konnten bis zu 20 zweiachsige Eisenbahnkesselwagen abgestellt werden. Die damaligen Kesselwagen hatten eine Ladekapazität je nach Typ zwischen 20 und 30 m³, so dass ein Zug durchschnittlich 500 m³ Benzin geladen hatte. Voll beladen brachte es ein solcher Zug auf ein Gewicht von 600-800 t, was den Lokomotiven in der 1:60 Steigung (1,66%) nach Witzighausen schon einiges abverlangte.

Die Streckenlokomotive der Reichsbahn brachte einen Zug nach Weißenhorn, stellte ihn auf den Hinterstellgleisen ab und nahm einen Zug mit veredeltem Flugbenzin wieder mit. Es ist nicht bekannt, wo diese Züge zu größeren Transporten auf der Hauptstrecke zusammengestellt wurden. Diese Tankwagenzüge dürften außerhalb der planmäßigen Güterzugfahrpläne geführt worden sein, denn auch sonst wurden ja damals noch die meisten Güter über die Schiene befördert. Ein Foto der 40er-Jahre zeigt den Weißenhorner Bahnhof gut befüllt.

Als Streckenlokomotiven sind die Baureihen 54.15 (bay G 3/4H) sowie die Einheitslokomotive BR 86 belegt, die zu dieser Zeit beim Bw Neu-Ulm beheimatet waren. Ein Einsatz der ab 1939 in Dienst gestellten BR 50 wäre möglich, ist aber nicht belegt. Bei gleicher Leistung dürfte die BR 86 mit ihren 4 angetriebenen Achsen der nur dreifach-gekuppelten BR 54.15 am Berg etwas überlegen gewesen sein. In einem persönlichen Bericht (Johann Seitz, ehem. Lokführer im LTL) wird erzählt, die Werkslok habe der Streckenlok auf der Steigung öfters Nachschub geleistet. Der reguläre Fahrplanbetrieb als GmP wurde von den bay. GtL 4/4 (BR 98.8-9) und bay. PtL 3/4 [ehem. D XI] (BR 98.4-5) abgewickelt.

Für den Rangierverkehr hatte das LTL eine eigene Rangierlokomotive vom Typ der Wehrmachtslokomotive WR 360 C 14, welche später bei der DB als V 36 bezeichnet wurde. In den Betriebspausen und zur Wartung war für diese Lokomotive ein eigener Lokschuppen vorhanden.

Die Werkslokomotive holte, wenn kein anderer Fahrplanbetrieb auf der Strecke stattfand, im Bahnhof bis zu 8 EKW ab und stellte diesen Zug zur Entladung auf dem Verladebahnhof des LTL ab. Da das LTL über keine eigenen Signale verfügte, müssten die Fahrten vom und zum Bahnhof Weißenhorn jedes Mal über einen separaten schriftlichen Fahrauftrag erfolgt sein. Es wird bezweifelt, dass dieser Aufwand mehrmals am Tag betrieben wurde. Wahrscheinlich erfolgte eine fernmündliche Freigabe der Fahrt durch den Bahnhofvorsteher. Über Zwischenfälle ist nichts bekannt.

Der Verladebahnhof besaß 3 Gleise, eines zur Beladung und eines zur Entladung. Das dritte Gleis diente als Umfahrgleis. Der Verladebahnhof war beidseitig an die Strecke angebunden, so dass keine Sägefahrten notwendig waren und die Wagen immer gezogen werden konnten. Um einen Rangierbetrieb innerhalb des Lagers unabhängig vom Fahrplanbetrieb auf der Strecke durchführen zu können, waren die beiden Streckenanschlüsse durch Schutzweichen abgesichert.

Die mit aufgearbeitetem Flugbenzin gefüllten Kesselwagen wurden auf die gleiche Weise wieder zum Bahnhof Weißenhorn überstellt. Nach einiger Zeit hielt man die Überstellung der relativ kurzen 8-Wagen-Züge für zu zeitaufwändig, weil die Überstellungen ja nur außerhalb des Fahrplanbetriebs möglich waren. Die Belegschaft des LTL baute daher in eigener Regie ein ca. 400 m langes Abstellgleis auf dem Gelände, so dass jetzt ganze Züge im Lager abgestellt werden konnten, was die Rangierarbeit deutlich vereinfachte. [56]Der Leistungsbericht des LTL spricht zwar von 800 m, meint hier aber wohl 800 m Schienen, nicht Gleise!

Zum Lager wurden aber nicht nur Kesselwagen gefahren, sondern auch gedeckte Güterwagen und offene Güterwagen. Die Verladung der Fässer z.B. erfolgte z.B. auf O-Wagen. Auch sonst dürften andere Wagen eingesetzt worden sein, z.B. für den Baustoff- oder Fahrzeugtransport. Es ist auch nicht bekannt, auf welche Weise und von wo das hochgiftige Bleitetraethyl zugeführt wurde. Die Werkslok benötigte Dieselkraftstoff, der auch von außen herangeschafft werden musste.

Neben den 8 Pumpanschlüssen im Verladebahnhof verfügte das Lager über 12 Zapfstellen für Straßenfahrzeuge, wo Tanklastwagen beladen werden konnten, welche die näher gelegenen Flugplätze anfuhren.

Betriebsunfall 1942

Zur Be- und Entladung der Kesselwagen standen je 8 Pumpanschlüsse zur Verfügung. Dies führte 1942 zum einzigen bekannten Betriebsunfall im Lager.

Bei der Befüllung eines aus Kesselwagen bestehenden Zugs mit Flugbenzin sollte einer der insgesamt neun Wagen von den restlichen getrennt werden. Ohne dies jedoch zu tun, gab der Rangierer das Zeichen zur Abfahrt und so wurden alle acht in Betrieb befindlichen Zapfsäulen abgerissen. Da es nicht möglich war, die Zapfsäulen vor Ort abzuschalten, musste ein Wärter der UTA herbeigerufen werden und schließlich wieder in die Pumpstation zurück, um die Pumpen abzustellen.

Die Folge war der Austritt einer großen Menge an verbleitem Flugbenzin, welches in das Erdreich sickerte. Das Benzin kam nach einiger Zeit wieder im Feuerlöschteich zum Vorschein. Um es ohne großes Aufsehen schnell loszuwerden, wurde der Weißenhorner Bevölkerung gestattet, es abzuschöpfen. Oberstleutnant Bronisch meldete diesen Vorfall nicht seiner vorgesetzten Stelle, was nach dem Bekanntwerden zur Versetzung des gesamten Lagerstabs führte. Oberstleutnant Bronisch kam an die Ostfront, wurde dort aber noch zum Oberst befördert. Major Lohrmann wurde ins DAK (Deutsches Afrika Korps) versetzt. Beide kamen nach dem Krieg wieder nach Weißenhorn zurück und bewohnten die sog. Waldvilla (4.6).

Wenn man bedenkt, wie viel Benzin nötig gewesen sein muss, um die Grundfläche des Feuerlöschteichs soweit aufzufüllen, dass es sich lohnte, das Benzin mit primitiven Mitteln abzuschöpfen, so wird das Ausmaß des Unfalls nur allzu deutlich. Das Benzin hätte genauso gut in die Leibi fließen können oder das Grundwasser verseuchen können. Es wurden damals jedoch keine weiteren Auswirkungen des Unfalls festgestellt. Über gesundheitliche Schädigungen der Beteiligten wurde auch nichts bekannt.

Sicherheitsmaßnahmen im Lufttanklager

Im Lager wurde sehr großer Wert auf Unfallverhütung und Krankenbetreuung gelegt. Ohne Ausnahme wurde „die Belehrung der ganzen Gefolgschaft über Umgang mit Bleibenzin“ (Leistungsbericht des LTL, 1943, S.2) und den Umgang mit der Anlage durchgeführt. Zur Bewältigung diese Aufgabe gab es zwei so genannte „Vertrauensmänner“ (Leistungsbericht des LTL, 1943, S.4). Der o.a. Betriebsunfall 1942 hat sich im offiziellen Leistungsbericht nie ereignet. Für alle direkt mit dem Bleibenzin oder dem Ethyl Arbeitenden galt es eine Schutzkleidung zu tragen (Gasmaske, Schutzanzug, Stiefel und Handschuhe) und sich nach der Arbeit im Wirtschaftsgebäude gründlichst zu waschen (Duschen, Zähneputzen und kompletter Kleidungswechsel).Dass dies aber nicht immer eingehalten wurde zeigen z.B. auch 2 zeitgenössische Fotos, auf denen zwei direkt mit dem Benzin Arbeitende gerade einmal ihren Schutzanzug und die Gummistiefel tragen. Wenn alle Arbeitsbestimmungen wie die „10 Pflichten für sichere Arbeit“ so missachtet wurden, kann man von Glück sagen, dass es zu keinem Unglück wie einem Großbrand kam. Natürlich haben laut dem offiziellen Leistungsbericht all diese Maßnahmen „ihre Wirkung nicht verfehlt, so dass im Betrieb noch keinerlei schweren Unfälle irgendwelcher Art vorgekommen sind“. Für die Unfallbehandlung gab es auf dem Gelände ein eigenes Arzthaus mit Krankenrevier (Leistungsbericht des LTL, 1943, S.3-4). Alle Arbeiter, die mit Bleibenzin oder dem Ethyl direkt zu tun hatten, erhielten unentgeltlich einen halben Liter frische Vollmilch pro Tag (Leistungsbericht des LTL, 1943, S.6), um evtl. Schäden zu mildern. In wieweit die Milch einen wirksamen Schutz bot, ist jedoch fraglich. Die frische Vollmilch sollte wohl die Giftstoffe binden und somit die Aufnahme in den Körper verhindern. Dies würde aber voraussetzen, dass die Giftstoffe bereits in den Magen gelangt sein müssten. Bei Ethyl und Bleibenzin ist es fraglich, wie das geschehen soll. Wahrscheinlich sollte diese Maßnahme der psychischen Beruhigung der Arbeiter dienen und nicht als wirksamer Schutz.

Das Personal des Lufttanklagers

Das Lufttanklager war militärisch organisiert und unterstand der militärischen Leitung des OTL Walter Bronisch aus Straßburg. Nach dem o.a. Betriebsunfall wurde Bronisch an die Ostfront abkommandiert, an seine Stelle trat Major Heinz Girke, der 1944 durch Major Albrecht ersetzt wurde. Die technische Leitung oblag Major Lohrmann, der nach den Vorkommnissen des Unfalls an das DAK versetzt wurde. Für Lohrmann übernahm Walter Lischka die technische Leitung und ab 01.02.1945 Major Karl Rusch aus Berlin. Für das Labor war Stabsingenieur Adolf Faubel zuständig.

Die Anzahl der Arbeitskräfte und Soldaten stand unter Geheimhaltung. Erwähnt ist eine Kompaniestärke, das wären schätzungsweise 80-100 Personen, was für eine ländlich geprägte Stadt mit 6000 Einwohnern trotz all der inbegriffenen Risiken einen gewissen Wirtschaftsfaktor darstellte. Für die Erfüllung der Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des Lagers waren natürlich auch Fachkräfte nötig, alles in allem etwa 20 (Leistungsbericht des LTL, 1943, S.3). Diese Fachkräfte wurden von der WiFo und dem Militär gestellt (Auswärtige) und waren deshalb alle Angehörige des Militärs mit den entsprechenden Dienstgraden. Es waren überwiegend Berufssoldaten, die sich um die militärischen Belange der Anlage zu kümmern hatten und technisches Personal für den Betrieb der Anlage. Die Angehörigen des technischen Personals wurden im Lagerjargon „Schmalspuroffiziere“ genannt, da sie zur Abgrenzung von den Luftwaffenoffizieren nur halb so breite Schulterklappen trugen.

Hinzu kamen weitere 80 Personen als Zivilpersonal, im damaligen Sprachgebrauch ‘Gefolgschaft’ genannt. Der Leistungsbericht erwähnt, dass wegen der größtenteils im Freien bei jeder Witterung durchzuführenden Arbeiten vom Einsatz von Frauen Abstand genommen wurde. Dieser Grundsatz konnte aber mit fortschreitendem Krieg nicht durchgehalten werden, so dass zunehmend auch Frauen beschäftigt wurden, nicht nur in den Schreibstuben der Verwaltung. 1943 werden 22 Frauen erwähnt.

Die Gefolgschaft bestand aus Facharbeitern, angelernten Arbeitern und Hilfsarbeitern, sowie techn. Angestellten, Bürohilfskräften und Schreibkräften. Nach dem Frankreichfeldzug wurde etwa die Hälfte der Arbeiter zur Besetzung von Tanklagern in Frankreich abgeordnet. Die Lücken mussten durch Berufsfremde, Ungelernte und französische Kriegsgefangene ersetzt werden, deren Anteil mit 10% angegeben wird. Schon 1939 waren 12% der männlichen Arbeitskräfte zum Wehrdienst eingezogen worden.

Die Beschäftigung von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiten ist bislang nicht abschließend untersucht worden. Im Leistungsbericht ist nur von französischen Kriegsgefangenen die Rede, später kamen jedenfalls noch polnische und russische Gefangene dazu, auf einem Foto ist auch der Einsatz italienischer Zwangsarbeiter vermerkt. Für die Kriegsgefangenen gab es eine eigene umzäunte Baracke, die noch nicht genau lokalisiert werden konnte. Vermutlich war es eine der Baracken südlich der Adolf-Wolf-Str.

Mit fortschreitendem Krieg wurde die Tag- und Nachtschicht sowie Sonn- und Feiertagsarbeit eingeführt. Des Weiteren wurde das gesamte Personal „militärisch ausgebildet und eingekleidet. Nach absolvierter Ausbildung fand die Vereidigung statt […]. Das Zivilpersonal war somit bei Ertönen der Sirenen den Soldaten gleichgestellt“ (Seitz, 1979, S.3). An dieser Maßnahme ist gut die der Anlage zugemessene Bedeutung zu erkennen: selbst im Angriffsfall war es dem Personal nicht gestattet, seinen Arbeitsplatz zu verlassen und die Erfüllung seiner Aufgabe zu unterlassen. Ein solches Verhalten wäre vor einem Kriegsgericht in den meisten Fällen wohl als Fahnenflucht angesehen und entsprechend bestraft worden.

Besonders erwähnt wird, dass die Gefolgschaft geschlossen der ‘Deutschen Arbeitsfront’ angehöre, der einzigen im III. Reich zugelassenen gewerkschaftsähnlichen Bewegung.

Betreuung des Personals

Was die Arbeiter weiter anbelangt, so wurde ihrem Wohl, natürlich zum Zweck der Leistungssteigerung und Ideologisierung, große Aufmerksamkeit geschenkt. „In der Erkenntnis, dass richtige Menschenführung im Betriebe heute alles bedeutet, erblickt die Betriebsführung ihre besondere Aufgabe darin, die Fähigkeiten der Gefolgschaft zu entwickeln und die Arbeitskraft so auszunützen, dass diese Fähigkeiten zum besten Arbeitserfolg führen“ heißt es im offiziellen Leistungsbericht aus dem Jahre 1943. Diese Betreuung war, wie im Nationalsozialismus üblich, allumfassend und somit auch eine Kontrolle der Arbeiter weit über die reine Arbeit hinaus.

So wäre auch die Freizeit- und Urlaubsgestaltung der Arbeiter anzusprechen. Auch nach der Arbeit wurde eine Fülle von Möglichkeiten gestellt, um sich zu beschäftigen. Es waren verschiedene Sportarten im Angebot, „Schwimmen, Fußball, Faustball, Schießen, Kegeln und Skilauf“ erwähnt der Leistungsbericht. Zudem war noch eine von den Arbeitern gut angenommene Bücherei mit 100 Büchern vorhanden, natürlich die allgegenwärtigen Kraft-durch-Freude (KdF) Veranstaltungen und die Wehrmachtsbetreuung. Jeden Mittwoch war Kino und alle 14 Tage eine KdF-Veranstaltung. In der Freizeit wurden auch Fahrten in der Gemeinschaft durchgeführt, beispielsweise eine Fahrt zur Deutschen Kunstausstellung in München. Der Urlaub berechnete sich wie der Lohn nach Tätigkeit und Dauer der Arbeit. Dazu gab es zusätzlich noch eine große Anzahl von Sonderurlaub, unter anderem für Parteischulung, Ernteeinsatz, öffentliche Verpflichtungen, aber auch für Umzüge oder für etwaige Wahlen. Die allumfassende Fürsorge des Arbeitgebers für die Gefolgschaftsmitglieder diente natürlich dem Einfluss auf die Arbeiter und deren Kontrolle. Weiter sollten die gesunden und zufriedenen Gefolgschaftsmitglieder effektiver arbeiten und mehr leisten können.

Für die Weihnachtsbescherung kinderreicher Familien fertigten die Handwerker in ihrer Freizeit für jedes Kind bis 5 Jahren ein passendes Weihnachtsgeschenk.

Nicht unerwähnt sollen die Sozial- und Sonderleistungen bleiben, welche auch verglichen mit heutigen Standards recht hoch waren. Zu dem nach Tätigkeit und Dauer der Beschäftigung gestaffelten Lohn (55 Stunden-Woche!) hatten die „Gefolgschaftsmitglieder“ eine gesicherte Kranken-, Invaliden- und Altersversorgung. Zu dieser finanziellen Absicherung kam noch eine persönliche Betreuung im Krankenfall oder bei anderen Problemen durch den Betriebsobmann und dem Verwalter der deutschen Arbeitsfront (DAF) hinzu, die unter anderem die „Kranken durch kleine Geschenke“ erfreuen sollten. Es gab Beihilfen und Unterstützungen, falls ein Gefolgschaftsmitglied oder dessen Familie durch unverschuldete Vorkommnisse in finanzielle Notlage geraten sollte. Todesfälle, Geburten und Erkrankungen, aber auch ein einfacher Zahnersatz wurden durch diese Beihilfen abgedeckt. Zur Veranschaulichung: in den Jahren 1939 bis 1942 wurden in insgesamt 49 Fällen 5712 Reichsmark Unterstützung gezahlt und das bei einer Belegschaft von etwas über 100 Arbeitskräften. Der Mutterschutz, welcher sich erst mit dem Einsatz von Frauen im Krieg entwickelte und die Betreuung der Jugendlichen war ebenfalls fester Bestandteil der Sozial- und Sonderleistungen für die Gefolgschaftsmitglieder.

Renovierung der Stadthalle

Die Renovierung der Stadthalle im Jahr 1942 durch ‘Gefolgschaft’ des Lufttanklagers ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Abfallprodukt.

Um die „Gefolgschaftsmitglieder und der in Weißenhorn und im LTL liegenden Einheiten am kulturellen Leben (sprich an Propagandaveranstaltungen wie Film oder Theater) teilnehmen zu lassen“, suchte die Leitung des LTL eine geeignete Halle. Die „Abneigung der Belegschaft und der Soldaten gegen kulturelle Veranstaltungen aller Art“ schreibt der offizielle Leistungsbericht des LTL allein der einzigen Halle zu, die für Veranstaltungen in der Größenordnung von über 200 Personen infrage kam: die alte Turn- und Stadthalle. So kam es, dass die Leitung des LTL diese Zustände mithilfe der lagereigenen Handwerker, Soldaten und Zwangsarbeitern des Lagers, sowie Angehörigen des Reichs-Arbeitsdienstes (RAD), Flaksoldaten der Reserve-Flakgruppe 385, Sicherheits- und Hilfsdienstkräften und der Stadt Weißenhorn die Halle renovieren wollte. Die ursprüngliche Halle wird im Bericht als unschön, nüchtern und ungemütlich beschrieben, mit zwei alles verschmutzenden Kohleöfen, einer vergitterten und in tristem Grau gehaltenen Galerie, winzigen Umkleideräumen mit primitivsten Sanitäreinrichtungen und im Winter als so kalt, dass es unmöglich sei, die Halle zu nutzen. Die Renovierung beinhaltete deshalb den Einbau einer Warmluftheizung, um die Halle ganzjährig nutzbar zu machen, die Einrichtung geräumiger und gut ausgestatteter Umkleideräume, Installation einer zeitgemäßen Sanitäreinrichtung sowie das Aufhellen des Raums durch einen neuen Anstrich und Austauschs der ‘grauen’ Galerie gegen eine in Fichtenholz gehaltene Konstruktion. Im für das III. Reich typischen Propagandastil wird weiter lobend geschrieben, wie die Halle nach „Überwindung unzähliger Schwierigkeiten in einer besonders gelungenen, großen Wehrbetreuungsvorstellung eingeweiht“ wurde. Die gemeinsame Leistung der Soldaten und Arbeiter, „die begeistert bei der Sache waren um sich selbst einen schönen Gemeinschaftsraum zu bauen“, spiegelt sich in den „eifrigen Besuchern der Veranstaltungen“ wieder. Die einstige „Abneigung gegen kulturelle Veranstaltungen ist verschwunden und hat freudigem Interesse Platz gemacht“. Es wurde somit „eine angenehme Abwechslung für die hart arbeitenden und durch Bleibenzin in ihrer Gesundheit gefährdeten Arbeitern und Soldaten” geschaffen. Speziell dieser letzte Abschnitt des offiziellen Leistungsberichts zeigt, wie die von oben angeordneten Aktion, welche durch Extraarbeit und mithilfe von Zwangsarbeitern, die die Halle höchst wahrscheinlich nie wieder betreten durften, zu einer aus eigener Initiative und absolut begeistert durchgeführten Aktion der Arbeiterschaft hochstilisiert wird. Der Wunschideologie des Nationalsozialismus, einer einheitlichen und kameradschaftlichen Volksgemeinschaft mit dem Willen zur Tat, welcher alle Schwierigkeiten überwinden lässt, wird in diesem Bericht im vollen Maße genüge getan.

Abgesehen von der durchaus sinnvollen technischen Renovierung wurde die Jugendstil-Gestaltung entfernt, die offenen Galerien geschlossen und alles Holzwerk mit der Lötlampe behandelt, was der Halle ihre Eleganz nahm und zu einem extrem rustikalen Eindruck führte. In dieser Form verblieb die Stadthalle bis zur erneuten Renovierung 1990, bei der die alte Raumfassung soweit möglich wieder hergestellt wurde.

Verteidigung des Lagers

Als militärische Anlage musste das Lager natürlich geschützt werden, die militärischen Schutzmaßnahmen des Lagers waren aber vergleichsweise gering. Es gab eine private Firma, die mit meist älteren und nicht mehr wehrfähigen Männern den Schutz des Lagers übernahm. Die Angehörigen dieser Firma befanden sich in zwei Baracken an den beiden Eingängen des Lagers und gingen mit Hunden auf dem Kolonnenweg am Zaun sowie im näheren Umfeld des Lagers Patrouille. Sie waren nur für die Abschirmung des Lagers nach außen verantwortlich, der zentrale Teil des Lagers mit der UTA und den anderen technischen Einrichtungen war für sie ebenfalls Sperrgebiet. Dieser Sicherheitsdienst übernahm bis zum Kriegsende die Sicherung des Lagers. Mit dem ersten Mobilmachungstag übernahmen die Sicherung des Lagers noch zusätzlich zwei Züge Landesschützen. Diese ehemaligen Kriegsteilnehmer und altgedienten Soldaten bewährten sich für diese Aufgabe besonders, die Bewachung des LTL wurde von ihnen besonders streng durchgeführt, heißt es von offizieller Seite.

Zum Schutz des Lagers gehörte im Kriegsfall auch der aktive und passive Luftschutz. Für den aktiven Luftschutz des Lagers hatte die Lagerleitung zum Teil selbst zu sorgen, er beinhaltete das Aussuchen und Bereitstellen von Geschützstellungen. Im Lager entschied man sich zur Errichtung von Flaktürmen für leichte Flakgeschütze im nahen Umfeld um das Lager. Den anderen Teil des aktiven Luftschutzes übernahm die Luftgauverwaltung. Neben der lokalen
Verteidigung des Lagers mit leichten Flakgeschützen (IFlak), die aber nur bis zu einer Höhe von 2500 m effektiv eingesetzt werden konnten, sollte das Lager von schweren Flakeinheiten gesichert werden. Probleme bildete aber die Tatsache, dass zum 19. August 1939 erst vier Türme für die IFlak fertiggestellt worden waren und der fünfte Turm erst zum 20. September 1939 abgeschlossen wurde. Am 21. August 1939 wurden dann die Flakgeschütze auf den Türmen endlich besetzt, dabei trat jedoch ein neues Problem auf: Es waren nur Teile der Mannschaften anwesend und diese kannten sich mit den 2 cm Geschützen (M.G.C.30/L) nicht aus, so dass sie erst eingewiesen werden mussten. Der Standort für die schwere Flak (sFlak) wurde am 06. September 1939 durch die Flak-Gruppe Augsburg erkundet und ein
„ausreichenden Flakschutz“ (Lagerbericht, 1939, S.2) in Aussicht gestellt. Drei Tage später traf die 2. Batterie der Reserveflak-Gruppe 385 mit vier sFlak vom Kaliber 8,8 cm (wahrscheinlich 37/L56) ein und wurde in Attenhofen stationiert. Dieser spärliche Flakschutz wurde dann im Jahr 1940 wieder abgezogen, so dass das Lager nur noch von der eigenen lFlak geschützt wurde. Im Falle eines Angriffes wäre das Lager quasi schutzlos gewesen.

Der passive Luftschutz beinhaltete die Aufrechterhaltung der Tarnung (Tarnnetze, Farbe, Geheimhaltung, Verdunkelung, etc.) und etwaige Gegenmaßnahmen bei einem Angriff. Dafür aber lag die Feuerwache zu weit außerhalb des Lagers und man wartete immer noch auf die neuen Feuerlöschgeräte. Ansonsten war die Truppe voll einsatzbereit. Die zusehends wachsende Bedrohung durch die alliierten Luftflotten über Deutschland zwang die deutsche Führung, darauf zu reagieren, um nicht die Initiative über dem eigenen Gebiet zu verlieren. Ab dem 1. März 1943 wurde dann ein neues Kapitel im aktiven Luftschutz aufgeschlagen, so wie in vielen andern deutschen Städten und Einrichtungen: in Weißenhorn wurden zur Entlastung der kämpfenden Truppe Flakhelfer für den Einsatz im Tanklager ausgebildet. Diese Flakhelfer waren Jugendliche im Alter von 16 Jahren und stammten aus der Weißenhorner und Neu-Ulmer Oberschule. Alles in allem müssten es mindestens 40 Flakhelfer gewesen sein, da pro Geschütz fünf Mann Minimalbesatzung nötig waren (bei acht Türmen macht das 40 Mann). Der Einsatz der Flakhelfer war zeitlich begrenzt und war bei den männlichen Jugendlichen die Vorstufe des Frontdienstes. Die militärische Ausbildung wurde parallel zur Schulbildung durchgeführt. Anschließend fand eine Vereidigung statt. Die spezielle Aufgabe der Flakhelfer war, das Lager gegen Tiefflieger zu verteidigen. Um dies zu ermöglichen, wurden die schon erwähnten Flaktürme errichtet.

Die Flakstellungen wurden nie in Betrieb genommen! Der einzige Alarm in der Zeit der Flakhelfer stellte sich als Fehlalarm heraus. Am 1. April 1944 wurde dann die ganze Einheit, jetzt als leichte Heeresflak Batterie 45/VII geführt, auf den Fliegerhorst Leipheim verlegt, ohne auch nur einen einzigen Schuss abgefeuert zu haben. Am neuen Standort in Leipheim wurde aber bei einem Luftangriff ein Flakhelfer der 45. Batterie aus Weißenhorn getötet. Ab April 1944 war das Lager völlig ungeschützt und nur seine Tarnung verhinderte einen Angriff. Dies sollte sich jedoch im Jahre 1944 ändern.

Angriffe auf das Lufttanklager

Über die Luftangriffe auf Weißenhorn ist ein eigener zusammenfassender Bericht verfügbar.

Zu Kriegsbeginn schon war den Alliierten Weißenhorn als Standort eines Lufttanklagers bekannt, die gute Tarnung und die Abgeschiedenheit jedoch machten ihnen eine genaue Standortbestimmung unmöglich. Mit dem ersten Mobilmachungstag ging das LTL ebenfalls in den Kriegszustand über. Über Fernschreiben kam am 18. November 1939 vom Luftgaukommando der unverschlüsselte Befehl zu verstärkten Abwehrmaßnahmen zum Schutz vor Sabotagemaßnahmen, natürlich auch die Verdunkelung der Anlage beinhaltend. Weiter wurde zwischen der Kommandostelle und den Lagern durch Enigma verschlüsselte Funksprüchen kommuniziert. Den ganzen Krieg hindurch gab es keinen einzigen Sabotageangriff auf die Einrichtung, doch gab es Überflüge und vereinzelte, ohne Wirkung bleibende Nachtangriffe auf die Umgebung von Weißenhorn. Die fehlende Erfahrung bei Nachtangriffen und die nicht eindeutig belegte Position des LTL ließen die Bemühungen der Alliierten, das Lager schon zu Kriegsbeginn auszuschalten, fehlschlagen.

Den Krieg hindurch hatte die deutsche Treibstoffindustrie und die dazugehörige Versorgungsinfrastruktur nur einen untergeordneten Stellenwert als Angriffsziel hinter der Waffenindustrie. Die Angriffe auf die Ersterzeuger von Stahl, Kleb- oder Sprengstoffen hatten einen empfindlichen Einfluss auf die sowieso schon knappen Rohstoffe. Die Angriffe auf die Enderzeuger der Waffen hingegen hatte nur eine geringe Einschränkung dieser Produktion zur Folge. Es waren nur immer Teile der dezentralisierten Werke zu treffen, so dass im Juli 1944 die deutsche Rüstungsindustrie ihre höchste Ausstoßrate erreichte (Dr. Carr, 1976, S.62). Diese Erkenntnis der Alliierten erforderte ein Umdenken in ihrer Strategie um die Wehrmacht zu schwächen. Mit dem 12. Mai 1944 begann die große alliierte Luftoffensive zur Zerschlagung der deutschen Treibstoffindustrie. Ziel waren sowohl die großen Raffinerien wie Leuna, Brüx oder Ruhröl, im zweiten Teil der Offensive dann die Versorgungseinrichtungen. Erst zum Ende dieser Bombenoffensive geriet das LTL Weißenhorn in das Fadenkreuz der Alliierten. Für viele Weißenhorner mag die Aussage des Heimatmalers Anton Bischoff, dass das Lager für Weißenhorn eine „große Gefahr bedeutete“ (Bischof, 1947, S.2), zutreffen. Ein militärisch so wertvolles Ziel in direkter Nachbarschaft zu haben, stellte sich im Verlauf des Krieges als durchaus lebensgefährlich heraus. Die Angst der Bevölkerung war gerechtfertigt.

Am 7. August 1944 taucht das Lager erstmals auf alliierten Aufklärungsfotos eines Höhenaufklärers der 540. Squadron (SQDN) auf, ohne dass dies in den Alarmierungen verzeichnet wurde. Dieses Flugzeug machte zahlreiche Aufnahmen vom Tanklager und dessen Umgebung, wovon uns 6 Bilder vorliegen. Einen guten Monat später, am 12. September 1944 ereignete sich der erste ernsthafte Angriff mit dem wahrscheinlichen Ziel, das Weißenhorner Tanklager zu treffen. Diese Annahme wird dadurch begründet, dass die circa 20 hoch anfliegenden Feindmaschinen die Ortschaft Schießen mit Weißenhorn verwechselt haben und deshalb ihre gesamte Bombenlast in die Gemeindewiesen zwischen Schießen und Ingstetten warfen, ungefähr sieben Kilometer von Weißenhorn entfernt. Da am nächsten Tag gleich ein neuer Angriff erfolgte, liegt die Vermutung nahe, dass die Bomberbesatzungen ihren Fehler entdeckten und das Ziel nochmals angegriffen werden musste.

Luftangriff am 13.09.1944

Aus dem Tagebucheintrag Nr. 1331 des Gemeindepostens Weißenhorn (Tgb. Nr. 1331, 1944, S.1) kann folgendes entnommen werden: es handelte sich um einen Hochangriff zwischen 11.15 und 11.20, ausgeführt von circa 45 Maschinen B-24 Liberator, großen viermotorigen Bombern der 8th USAAF (United States Army Air Force) ohne Jagdschutz, gegliedert in drei Verbände. Der Angriff erfolgte aus südwestlicher Richtung, bei Grafertshofen fand eine Kursänderung Richtung Nordwesten statt und nach Abwurf von ungefähr 300 Spreng- und Brandbomben flog der Bomberverband nach Norden ab. Während des Angriffs gab es keine Abwehrmaßnahmen irgendwelcher Art. Durch einen Volltreffer in der Siedlung Lohmühle wurden insgesamt fünf Menschen verschüttet, Babette Wieländer, ihre beiden Töchter sowie zwei unbekannte polnische Kinder.

Schwere Schäden entstanden auch auf dem Bahnhofsgelände, wo 12 der 40 abgestellten und mit Benzin befüllten EKW zerstört wurden und ausbrannten. Insgesamt fielen zehn Bomben auf das Bahnhofsgelände und lösten einen Großbrand aus. Ein Tankwagen wurde durch die Wucht der Explosion in den benachbarten Eisenbahnweiher geschleudert. Nur mit Menschen- und Pferdekraft konnten die restlichen Wagen unter Lebensgefahr geborgen werden, da weder eine Lokomotive vorhanden noch ein effektives Löschen möglich war.

Die äußere Rothbrücke im Verlauf der Ulmer Straße erhielt einen Volltreffer und wurde zerstört. Auch das Anwesen Jedelhauser in der Josef-Kögel-Str.4 wurde durch 7 Bomben schwer beschädigt, ebenso das Sägewerk Molfenter an der Illerberger Str., welches in Brand geriet. Mittlere Schäden waren auch bei der Fa. Gutter in der Oberen Mühlstraße zu verzeichnen. Die leichten Gebäudeschäden waren doch recht weiträumig verteilt und gingen bis zur Richard-Wagner-Straße, Bahnhofstraße, Berggasse und nach Grafertshofen.

Das Bahnhofsgebäude erhielt an der Nordostecke einen Treffer durch eine nicht explodierende Bombe und wurde stark beschädigt. Weitere 5 Bomben schlugen im Garten der Villa Zimmermann (Bahnhofstr. 14) und im Hof der Unteren Mühle ein und richteten Schäden an Grundstück und Gebäuden an.

Der Schafstall Anich an der Illerberger Str. beim Feldtörle brannte die ganze Nacht, das Feuer war weithin sichtbar. Überhaupt verursachten die brennenden Benzin-Kesselwagen eine starke Rauchentwicklung, die lange über der Stadt stand.

Dieser Angriff hatte direkt für das Tanklager überhaupt keine Auswirkungen, da sich das Zielgebiet auf den Bereich des Weißenhorner Bahnhofs und die Flur und den Wald des Gemeindeteils Grafertshofen beschränkte. Es handelte sich bei diesem Angriff wahrscheinlich um den zweiten Versuch das Lager zu treffen. Der erste, einen Tag vorher, lag nicht einmal im Stadtgebiet von Weißenhorn. Dieser erste Angriff ließ bei der Lagerführung den Gedanken aufkommen, die Tarnung des Lagers sei aufgehoben und erweckte bei den Alliierten den Anschein, das Lager sei vernichtend getroffen.

Am 30.09.1944 machten die Alliierten wieder einen Kontrollflug über der Stadt und dokumentierten die angerichteten Schäden. Die Fotos zeigen einen Bombenteppich mit vielen Einschlägen, besonders auf freier Flur. Offenbar war man aber bei den hauptsächlich betroffenen Bereichen schon fleißig gewesen. Das Sägewerk Molfenter war schon wieder recht aufgeräumt, auch die Rothbrücke war wieder befahrbar.

Luftangriff am 18.11.1944

„Terrorangriff auf Weißenhorn“ (Tgb. Nr. 1660, 1944, S.1) heißt der Tagebucheintrag des Gendarmeriepostens Weißenhorn. An diesem Tag entdeckte ein Aufklärer der 8th USAAF nach Rangierarbeiten 20 EKW im Bahnhof Weißenhorn. Eine Stunde später, gegen 12.30 stürzten sich sechs Tiefflieger, gedeckt von 14 Jagdflugzeugen, auf die EKW. Überrascht von diesem Angriff wurde erst in diesem Moment Alarm gegeben. In dem halbstündigen Bordwaffenangriff gingen die 20 Wagen in Flammen auf und erst jetzt entdeckten die Flieger, gegen Ende des Angriffs, Teile des LTL und griffen dieses auch noch an. Ein Treffer in einem leeren Tank der Fasswaschanlage im Lager führte zu dessen Explosion mit der Konsequenz, dass die Fassspülanlage komplett abbrannte. Des Weiteren gab es nur einige leichte Beschädigungen an den umliegenden Gebäuden und Wohngebäuden, sowie die Zerstörung einer Dampflok. Es wurden keine Menschen verletzt oder getötet.

Ungefähr 20 Gebäude erlitten durch den Beschuss ebenfalls Schäden, darunter die Skifabrik Laupheimer (Josef-Kögel-Str. 6), das Lebensmittellager Huber, die Fa. Fröhler (Maria-Theresia-Str. 12) und der Güterschuppen des Bahnhofs.

Der sich auf dem Bahnhofsgelände entwickelnde Großbrand und die weithin sichtbare Rauchwolke mussten die Amerikaner wohl davon überzeugt haben, die Anlage sei nun endgültig zerstört. Es kann vermutet werden, dass die Alliierten die Anlage immer noch in direkter Nachbarschaft zum Bahnhof suchten. Die auf den Aufklärungsfotos vom 7. August 1944 eindeutig zu erkennenden Gebäude und Straßen/Schienen im tatsächlichen Tanklager konnten aber von den Luftbildauswertern eigentlich nicht übersehen werden.

Am 23.02.1945 fand wieder ein Aufklärungsflug statt, ohne dass darauf ein unmittelbarer Abgriff erfolgte.

Luftangriff am 09.04.1945

Ein Aufklärer der 541. SQDN entdeckte bei einem Überflug am 02.04.1945, dass das Tanklager offenbar noch immer nicht vollständig zerstört war. Nur 7 Tage später, am 09.04.1945, fand der schwerste und entscheidende Großangriff auf das Tanklager statt.

In zwei Angriffswellen bombardierten 24 Flugzeuge um 13:30 Uhr den südwestlichen Teil des Lagers. Dabei wurden hauptsächlich die Ein- und Auslagerungsanlage [Pumpstation und Tankstellen], sowie die Behälter westlich der Pumpstation zerstört. Die Unterfluranlage wurde zwar auch getroffen, aber nicht durchschlagen. Weitere 36 Flieger belegten in einer zweiten Welle um 15:30 Uhr den mittleren Bereich des LTL mit Spreng- und Brandbomben. Obwohl das Lager durch mehrere Flak-Türme abgesichert war, gab es – wie oben schon erwähnt – keine Gegenwehr. Um 17:00 fand ein weiterer Angriff auf den östlichen Bereich statt. Er zerstörte die Hochbehälter im östlichen Gebiet. Diese Behälter waren fast voll gefüllt, der Brand, der hier ausbrach, konnte nicht mehr gelöscht werden. Tagelang zogen über Weißenhorn die Rauchschwaden. Das Lager war total zerstört, die Bäume des Hochwaldes lagen kreuz und quer. Bei diesen drei Angriffswellen kamen acht Menschen ums Leben.

Dies waren der Lokomotivführer Albert Schwarz, die Hilfsarbeiterinnen Maria Huber und Johanna Bauer, der Pumpenwärter Michael Lehner, der Wachmann Leonhard Wiget aus Illerberg und der Wachmann Franz Berger aus Grafertshofen. Weiter ließ der Feuerwehrmann Feßler aus Führt sein Leben und von einem russischen Kriegsgefangenen wird ausgegangen, dass er ebenfalls starb (Hartung, 1996, S.7). Sein Leichnam jedoch wurde nie gefunden, es könnte also ebenfalls sein, dass er im Durcheinander des Angriffes geflohen war. Mit zwei weiteren unbekannten Toten des Angriffs und den Toten aus dem Angriff vom 13. September 1944 erhöhte sich die Zahl der Verluste auf insgesamt 20 Menschenleben.

Über die Angreifer liegen unterschiedliche Angaben vor. So wird der Angriff teilweise der 8th USAAF mit B 24 Liberator zugeschrieben, teilweise aber auch der 34e Escadre mit B 26 Martin Marauder. Ein Augenzeuge spricht auch von Marauder-Flugzeugen (Hartung, S. 402).

Die Schäden dieser Angriffe wurden laufend von Luftaufklärern dokumentiert. So liegen uns Luftbilder vom 09.04.1945 vor, die offenbar noch vor dem Angriff aufgenommen wurden, aber das LTL nur am Rande zeigen und 2 weitere Bilder vom 11.04.1945, auf dem die Einschläge und Beschädigungen gut erkennbar sind. Zeichen von Bränden oder Rauchschwaden sind aber nicht mehr zu sehen. Offenbar waren die Brände am 11.04.1945 doch schon vollständig gelöscht.

Weitere 8 Aufklärungsfotos vom 17.04.1945 und 18.04.1945 zeigen zwar die Stadt, das LTL aber nur auf einem Foto ganz am Rande. Vielleicht war man sich immer noch nicht so ganz sicher, wo das Tanklager eigentlich wirklich lag.

Zur Erinnerung und als Mahnung wurde von Kreisheimatpfleger Albert Heinle 1949 ein Bildstock mit der Inschrift „Am 13.09.1944 hat Maria ihren Schutzmantel über unsere Stadt gehalten. Königin des Friedens erflehe den Frieden!“ und einem Gemälde am heutigen Kreisverkehr vor dem Kreiskrankenhaus aufgestellt (vor dem Haus Günzburger Straße 48). Um den Toten des letzten Angriffs zu gedenken wurde im späteren Korpsdepot 262 ein Stein mit der Inschrift der Toten aufgestellt. Leider fiel dieser Gedenkstein bei der späteren Umnutzung des Geländes in ein Industriegebiet den Abbrucharbeiten zum Opfer.

Das Ende des Lufttanklagers

Nach dem schweren Luftangriff und der Zerstörung eines großen Teils der Lagerkapazitäten wurde der planmäßige Betrieb im Lager eingestellt. Schon zuvor war es durch die Lufthoheit der Alliierten kaum mehr möglich, einen geregelten Betrieb zu gewährleisten. Im Chaos des untergehenden III. Reichs war die Einsatzbereitschaft der Belegschaft nicht mehr vorhanden, da viele Arbeiter nur noch ihre Familien durch den Krieg bringen und mit ihnen überleben wollten. Eine weitere Tätigkeit im Lager war rein technisch ebenfalls nicht mehr möglich, die Führung war im Durcheinander auch nicht mehr fähig, angemessen zu reagieren und die Angst vor einem erneuten Angriff auf das Lager oder gar die Stadt ließen die Geschichte des LTL 1/VII zu Ende gehen.

Eine letzte Handlung der Lagerführung war die Auslagerung der noch vorhandenen Schmierstoffe und Benzinbestände in den Wald an der Ulmer Straße und die Versorgung zurückflutender Einheiten mit dem Restbenzin aus der UTA. Am 25. April 1945 um 15.45 Uhr erfolgte die Besetzung des Lagers durch von Westen anrückende amerikanische Truppenteile (Seitz, 1979, S.5). Das Lager wurde kampflos übergeben.

Aber nicht alles in diesen letzten Tagen des III. Reichs lief so reibungslos ab wie diese Übergabe. Nach dem Luftangriff ließ die Ordnung im Lager merklich nach und nicht nur dort. Durchziehende Soldaten, Einheimische und die in der Gegend eingesetzten Zwangsarbeiter (auch teilweise aus dem LTL) trieben sich unbehelligt herum. Anton Bischof berichtet von Soldaten, die sich nahmen, was sie brauchten, notfalls auch mit Waffengewalt und von der Plünderung des Weinkellers des Café Schönblick an der Roggenburger Str. (Bischof, 1947, S.11; Tgb. Nr. 606, 1945, S.1).

Das Schicksal der Stadt war selbst am 25. April, dem Tag als die Amerikaner kamen, noch ungewiss. Es war ein Hin und Her zwischen der Verteidigung der Stadt durch eine Handvoll Infanterie und Volkssturm und der Kapitulation. Das beherzte Eingreifen einiger Bürger am Tag des Einmarsches verhinderte, dass die schon gehissten weißen Flaggen wieder eingeholt wurden. Das wäre ein deutliches Zeichen für die drei über der Stadt kreisenden Aufklärer gewesen. Die Vernichtung der Stadt wäre innerhalb kürzester Zeit durch die amerikanische Luftwaffe geschehen. Somit endete der Zweite Weltkrieg für die Stadt Weißenhorn am Nachmittag, des 25. April 1945 um 14.00 Uhr. Ein letztes Gefecht am Galgenberg kostete noch sechs sinnlose Opfer auf deutscher Seite.

Die einmarschierten Amerikaner nutzten das immer noch in dem Tanklager verbliebene Benzin zur Versorgung ihrer Einheiten. Was mit dem ausgelagerten Benzin und den Schmierstoffen passierte, muss in einer Zeit, in der Treibstoff kaum zu haben war, nicht weiter erläutert werden. Nur acht Tage nach der Übernahme wurde einigen Angehörigen des LTL der Auftrag erteilt, mit Aufräumungsarbeiten zu beginnen. Diese wurden erst im Frühjahr 1946 abgeschlossen.

Es begann ein neues Kapitel in der Geschichte.

Quellen:

Quellen:
1 Die Grundstücke hatten die FlNr. 1035 und 1036. Leider sind keine Katasterpläne mit Fl.Nr. aus dieser Zeit vorhanden, so dass diese Grundstücke noch nicht lokalisiert werden konnten
2 Im Rahmen einer Facharbeit führte der Schüler Timo Dauner des NKG Anfang der 90er-Jahre persönliche Gespräche mit den Herren Fritz Bosch und Josef Enzler, die hier ungeprüft zitiert werden
3, 4, 5, 6, 7, 8, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32, 33, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 53, 55, 63, 64, 65, 66, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85 Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
9, 46, 47, 48, 50, 58, 59, 67, 68, 69, 70, 71 Foto: Sammlung Ralf Kull
19 Archiv Fa. Oetinger
49 Leistungsbericht des LTL, 1943
51, 61, 62 Foto: Dirnberger
52 Foto: Schwarz
54 Foto: Aigner
56 Der Leistungsbericht des LTL spricht zwar von 800 m, meint hier aber wohl 800 m Schienen, nicht Gleise!
57, 60 Sammlung Hartung, Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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