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Die alte Lateinschule am Kirchplatz

Direkt neben der alten Stadtpfarrkirche stand das älteste Schulhaus der Stadt, die alte Lateinschule. Sie wurde bereits 1475 erwähnt und befand sich hier bis 1817. 1850 wurde es abgebrochen. Heute steht hier die Stadtpfarrkirche.

Der Artikel befasst sich vorwiegend mit der reinen Baugeschichte des Gebäudes – der Entwicklung des Schulwesens ist ein eigener Artikel vorbehalten.

Die erste Lateinschule

Das Haus dürfte vor 1475 erbaut worden sein, die Schulmeister vor 1475 sind aber nicht benannt. In diesem Jahr wird im Zinsbuch der Liebfrauenpfleg hier ein Peter Koch als Schulmeister genannt. Demnach muss die Schule hier 1475 schon bestanden haben. Weitere Informationen über den Lehrauftrag enthält das Archiv nicht.

1496 wird ohne Namensnennung ein Schulmeister erwähnt, 1498 wird er als Caspar Klockh, Schulmaist, benannt. 1502 wird wieder nur ein Schulmeister ohne Namensnennung erwähnt. 1507 wird ohne Namen eine Schulmeisterin genannt, wahrscheinlich handelte es sich um eine Witwe, denn eine weibliche Lehrerin war damals nicht denkbar. Ab 1508 wird der Schulmeister in den Steuerlisten nicht mehr erwähnt.

Die zweite Lateinschule

Die nächste Erwähnung eines Schulhauses findet im Jahr 1590 statt. In der Urkunde U 232.1 wird ein Vergleich mit der Fugg. Herrschaft über den Neubau einer Lateinschule und die Vermehrung des Lehrerpersonals geschlossen, in welchem das obere Schulhaus für baufällig erklärt wird. Graf Philipp Eduard Fugger gab für einen Neubau 100 Gulden. Auch wenn weitere Dokumente hierfür noch nicht gefunden wurden, kann man doch davon ausgehen, dass das Haus nach diesem Vergleich neu erbaut wurde.

Im Akt P 44 (Pflegschaften) wird ein Praeceptor Fridolin Müller gennant, der 1749 gestorben ist und dessen Erbe an seine Töchter Maria Barbara und Maria Anna verteilt wurde. Als Präzeptor wurden Lehrer an höheren Schulen oder Lateinschulen bezeichnet. Eine genau örtliche Zuordnung ist dem Akt nicht zu entnehmen.

Aus dem Jahr 1777 stammt eine Aufstellung und Beschreibung aller städt. Liegenschaften. Hierin ist auch die Lateinschule klar enthalten. das Lateinische Schuhl Hauß ist etwas kleiner aber wohl gebaut, des Redceptors und Chorregents wohnung im Wert von 600 fl.

Hier ist das Gebäude als Lateinschule bezeichnet. Das Deutsche Schulhaus befand sich in der Martin-Kuen-Str. x (später Bräuhaus des Gasthofs Engel), welches als Schlachthaus (Stadtmetzg) diente und erst 1729 als „gemeiner Stadt Schulhaus“ bezeichnet wird. Es ist nicht klar, ob es vorher überhaupt schon ein Schulhaus an dieser Stelle betrieben wurde.

1816 erbaute die Stadt in der Schulstr. 5 das erste neuzeitliche Schulgebäude. Danach versteigerte die Stadt die beiden anderen Schulhäuser meistbietend, da sie nun entbehrlich waren.

Privatnutzung als Bäckerei

Für das obere Schulhaus gab Stadtpfarrer Knappich im Namen des Bäckers Johann Schön mit 1605 fl das höchste Gebot ab. Das untere Schulhaus wurde von Niklas Klotz (Engelwirt) für 930 fl ersteigert.

Der Bäcker Schön arbeitete bis 1837 hier, als Xaver Ried als Schwiegersohn die Bäckerei übernahm. Marianne Schön, wohl die Witwe des Johann Schön, wohnte weiter in diesem Haus.

1843 stellte die Stadt Überlegungen zum Bau eines neuen Pfarrhofs an. Der Magistrat griff die Idee des Stadtpfarrers für einen Neubau am 22.11.1844 auf. Es sollte versucht werden, den Pfarrhof gegen das Haus des Bäckers Ried hinter der Kirche (ehem. Hs.Nr. 156) zu tauschen und an die Kray (jetzt Kirchplatz 2, altes Rathaus) den neuen Pfarrhof anzubauen. Am 28.11.1844 verhandelte man mit dem Bäckermeister Xaver Ried, der sich mit dem Tausch und der Zahlung eines Aufgeldes von 800 fl einverstanden erklärte. Die Vereinbarung enthielt noch weitere Klarstellungen.

Die Diskussionen über die Modalitäten des Ankaufs sind im Artikel über den Pfarrhofneubau dargestellt. Letztlich einigte man sich und kaufte das Haus am 15.09.1849 für 2500 fl. Xaver Ried, Bäcker und Ehefrau Marianne kauften am 16.09.1849 das Haus Memminger Str. 35 und zogen dorthin

Im folgenden Jahr, am Montag, 04.03.1850 Vormittags 9 Uhr, wurde das ehemalige auf dem Kirchplatz stehende Bäcker Xaver Riedsche Hauß dahier in der Magistrats-Kanzlei auf den Abbruch versteigert. Meistbietender war der Schuhmachermeister Anton Schmid mit 177 fl. Da der Schätzpreis von 200 fl mit diesem Gebot nicht erreicht wurde, wurde ein neuer Versteigerungstermin auf den 11. März anberaumt. Das Meistgebot gab dieses Mal Josef Abt mit 226 fl ab, an welchen das Haus auch übergeben wurde.

Durch den Abbruch des Hauses stand nun die Giebelseite des benachbarten Mesnerhauses frei. Die Kirchenverwaltung beantragte daher beim Magistrat am 25.05.1850, dass dieser Giebel auf Kosten der Stadt neu verputzt werde, weil der Giebel jetzt einen „Höchst widerlichen“ Anblick habe. Der Magistrat stimmte diesem Antrag zu, die Gemeindebevollmächtigten lehnten die Maßnahme jedoch ab, weil zwar die Pfarrkirche arm sei, die St.-Leohard-Stiftung aber genug Geld habe, diese Arbeit selbst zu bezahlen. Die Kirchenverwaltung zeigte sich befremdet über das Verhalten der GB und erklärte, die St.-Leonhard-Stiftung könne nichts zu den Kosten beitragen, da es sich um eine selbstständige Körperschaft handle. Wenn die Stadt die Kosten des Verputzes nicht übernehme, müsse der Giebel so bleiben, sofern nicht die Sicherheit dadurch betroffen sei. In einer gemeinsamen Sitzung von Magistrat und GB am 26.05.1850 wurde die Angelegenheit nochmals beraten, worauf die GB dem Verputz zustimmten.

Der Pfarrhof wurde allerdings nicht an diese Stelle gebaut. Der Platz blieb zunächst leer. Nachdem aber am 22.02.1859 die alte Stadtpfarrkirche einstürzte, brauchte man Platz für einen Neubau. Jetzt war man froh, dass man dieses Grundstück bereits im Eigentum hatte und es für den Neubau verwenden konnte.

Quellen:

Quellen:
1 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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