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Wettbach 1

Das Haus Wettbach 1 war Amtshaus der Ortsherrschaft, Haus der Roggenburger Äbte, Schlosserei und nun Wohn- und Geschäftshaus. Kurze Zeit war hier auch das Café Zartbitter. Erfahren Sie etwas über die städtebauliche Bedeutung und den Sinn der Altstadtsanierung.

Vorgängerbebauung

Das Haus diente zuerst als Kastnerhaus der Ortsherrschaft. Als Kastner wurde damals der Verwalter der Herrschaft bezeichnet. Es ist nicht bekannt, ob das Haus Eigentum der Herrschaft war oder Privateigentum des Kastners. Der erste genannte Kastner war 1496 Peter Schnewinckler. Eigentümer vor 1496 sind archivalisch nicht feststellbar. 1505 wird das Haus nur noch Kastnerhaus genannt, ohne Namensangabe eines Bewohners. Im Zinsbuch 1507 wird Peter Schneewinkler als Eigentümer des Gebäudes MM43 genannt. Es ist nicht zu klären, ob es sich dabei nur um Eigentum gehandelt hat oder ob er auch dort gewohnt hat. 1516 ist Peter Schneewinkler hier alter Castner genannt. Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor. 1516 wird auch ein Stadel zum Kastnerhaus genannt, wobei es sich um die spätere Fugg. Fronfeste bzw. ihren Vorgängerbau handeln dürfte.

Nachdem die Fugger im Jahr 1508 die Ortsherrschaft übernommen hatten, suchten sie wohl nach einem eigenen Standort für ihre Verwaltung. Sicher ist, dass 1548 die Fugg. Verwaltung im Bereich der Memminger Str. 28 ihren Sitz hatte. 1508 wurde dieses Haus verkauft ohne Nennung des Käufers. Daher ist es gut möglich, dass die Fugger bereits 1508 dort ihre Verwaltung einrichteten und das alte Haus Wettbach 1 dann zum Privathaus wurde. Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor. 1548 ist Melchior Lingkh (Zingkh) als Eigentümer genannt und Anton Tiesch als Vorbesitzer. 1553 ist das Grundstück in der Steuerliste nicht mehr erwähnt.

Neubebauung 1556

Roggenburger Haus

1556 wurde das Haus (oder Grundstück) vom Roggenburger Abt erworben, um in Notzeiten für sein Konvent einen sicheren Platz innerhalb der befestigten Stadt zu haben. Daher wurde es auch als „Roggenburger Haus“ bezeichnet. Des Erwidgen und Gaistlich Haus Her Johanni Capto zue Roggenburgers Behausung. Das Kloster Roggenburg besaß aber auch in Ulm in der Nähe der Wengenkirche ein Haus, um auch dort Unterkunft während etwaiger Geschäfte zu haben. Das Kloster Roggenburg hatte auch schon vor 1556 ein Haus in Weißenhorn. Dieses war in der Stadt kleineren Orts, vermutlich An der Mauer 13 zuzuordnen. Es ist anzunehmen, dass das Kloster nach Erwerb des Hauses im Wettbach einen Neubau errichtete. Die Steuerlast betrug fortan konstant 7 fl. 1572 ist keine Steuerpflicht vermerkt, von 1575-1632 nur noch 4 fl jährlich. Das Kloster Roggenburg wird letztmals im Steuerbuch 1674 als Eigentümer genannt und 1689 nicht mehr. Der Verkauf des Hauses muss also während dieser Zeit stattgefunden haben.

Handwerkerhaus

1689 ist der Bortenwirker Sebastian Zühlhart als Eigentümer genannt, der Wert wird auf 400 fl taxiert. 1706 wird der Schönfärber Antoni Faulhaber neuer Eigentümer, 1716 ist noch eine Mang als Nebengebäude erwähnt. Am 18.10.1719 heiratet Anton Faulhaber in 2. Ehe Maria Strobel, Tochter des Schwarzadlerwirts Eustach Strobel in Günzburg. Anton Faulhaber stirbt 1734, das Erbe wird aufgeteilt. Das Erbe der unmündigen Kinder Theresia und Gottfried wird bis 1738 von verordneten Pflegern verwaltet.

Maria Faulhaber, verwitwete Färberin, verkauft am 08.07.1734 das Haus Wettbach 1 an den Goldschmied Nicolaus Mensma aus Amsterdam für 620 fl. Der kunstreiche Herr Mensma heiratet die wohledle Jungfrau Maria Antonia Kircher von Dietenheim, Schwägerin (Schwester seiner Frau) des Hans Jacob Kuen. 1748 zieht Johann Jakob Kuen nach Übergabe seines Hauses Hauptstr. 22 an seinen Sohn Franz Martin Kuen auf das Haus Wettbach 1, wohl aufs Altenteil. Nach 1760 verkauft die Witwe von Johann Jakob Kuen, Klara Kircher, das Haus Wettbach 1 weiter an den Handelsmann Johann Britzger, das Datum ist nicht überliefert. Johann Britzger kauft am 03.10.1766 das gegenüberliegende Haus Wettbach 2 und zieht dorthin.

Auf Wettbach 1 ist ab 1766 der Maler Thomas Haberes Eigentümer, er dürfte der Sohn des Malers Stephan
Haberes, Memminger Str. 22, gewesen sein. Ab 01.12.1787 ist Anton Buchmüller Eigentümer, nur 3 Monate später kommt der Uhrmacher Philipp Stigele am 04.03.1788 auf das Haus. Dieses geht am 01.12.1789 auf seinen Sohn Anton Stiegele über, der als Schlosser geführt wird. Nun bleibt bis 1960 hier eine Schlosserei.

Am 14.07.1831 verkauft Anton Stiegele an den Schlosser Balthasar Hilber von Krumbach. Anton Stiegele bleibt als Pfründner hier wohnhaft. Balthasar Hilber stirbt am 24.07.1847, wonach seine Witwe Maria das Haus übernimmt. Am 15.10.1854 übernimmt der Schlosser Kaspar Rembold und seine Ehefrau Magdalena die Schlosserei. Maria Hilber bleibt weiter hier wohnhaft, daher könnte es sich bei Kaspar Rembold um den Schwiegersohn handeln. Im Jahr 1873 kommt mit Alois Hilber, Schlosser, und Ehefrau Walburga, geb. Schneider wieder der Name Hilber zurück.

Bis 1906 ist Alois Hilber im Adressbuch, 1922 ist es Karl Hilber. 1924 möchte Karl Hilber den Platz vor seinem Haus besser nutzen und beantragt eine Verlegung des Kanalschachts. Die Kosten für die Kanalschachtverlegung beim Hilber’schen Anwesen werden gem. Stadtratsbeschluss auf die Stadtkasse übernommen. Falls die dortigen Anwesensbesitzer ein Trottoir wünschen, haben sie die Randsteinkosten zu tragen. 1929 wird ein solcher Gehweg gebaut. 1932 möchte Karl Hilber den Bereich zwischen Wohnhaus und Grenze überdachen. Der Stadtrat stimmt zu, zur Vermeidung von Schneelöchern sei eine entsprechende Verwahrung anzubringen. Das Gebälk dürfe nicht auf die Mauer zum Schloss aufgelegt werden. 1933 hat Hilber hat eine Blechstanze zur Herstellung von Rechen angeschafft. Der Nachbar beschwert sich beim Bezirksamt wegen der Lautstärke und der Erschütterungen. Nach einer Baukontrolle sieht das Bezirksamt aber keinen Grund zum Einschreiten. 1939 beginnt Hilber ohne Genehmigung mit dem Bau eines Schuppens im Schlossgrabenbereich. Der Bau wird eingestellt und eine Genehmigung wegen der Lage im Stadtgrabenbereich aus Gründen des Denkmalschutzes versagt. Auch 1945 baut Hilber wieder eigenmächtig. Er hat in seiner Werkstatt ein Fenster ohne Genehmigung eingebaut. Das Fenster wird widerruflich nachträglich genehmigt.

Um 1955 gibt Karl Hilber die Schlosserei auf. Die Firma Ludwig Schuler baut von 1956 bis 1960 in der Hilberschen Schlosserei im Wettbach ihre patentierten Rolladen-Einbaukästen. 1961 wurde die Fertigung in das neue Werk an der Dietschstraße verlegt. Karl Hilber starb am 18.01.1960. Das Haus wurde von der Stadt aufgekauft, aber wegen des schlechten Zustandes nicht mehr genutzt. Im Jahr 1966 wurde das Haus abgebrochen.

Interimsnutzung

Im Jahr 1970 stellte die Stadt 5 Fertiggaragen auf dem abgeräumten Grundstück auf. Die Schuppen der ehem. Schlosserei an der Stadtmauer blieben stehen. Nachdem 1979 auch das rückwärtige Brauereigebäude des Brauhauses Kirchplatz 6 abgebrochen wurde, entstand hier eine öde ungepflegte Fläche im Herzen der Stadt unmittelbar neben dem Fuggerschloss, die auf viel Kritik bei den Bürgern stieß und oft als ‚Schandfleck‘ tituliert wurde. Diese offensichtlichen städtebaulichen Missstände führten u.a. dazu, dass sich die Stadt ab ca. 1982 vermehrt um eine Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm bemühte, um die Altstadtsanierung durchzuführen. 1984 wurde der Architekt Dr. Friedhelm Amslinger mit der Ausarbeitung eines Rahmenplans beauftragt. Dieser sah u.a. auch eine Wiederbebauung des Grundstücks Wettbach 1 und des hinteren Bräuhauses vor.

Neubau 1987

Im Jahr 1984 wurde das Grundstück Wettbach 1 an einen örtlichen Bauträger verkauft, der 1985 den Plan über eine Neubebauung mit einem modern gestalteten und gegliederten Baukörper mit drei angereihten Giebeln einreichte. Diese Bebauung stieß zunächst auf einigen Widerstand, da die alte Bebauung giebelständig war. Da sich aber die angereihten Giebel nach Meinung der Fachleute doch ganz gut den beiden eng stehenden Giebeln von Wettbach 3+5 anpassen, wurde die Bebauung genehmigt und bis 1987 durchgeführt. Im Zuge des Neubaus wurde auch die zum Fuggerschloss gehörige alte Waschküche abgebrochen und in diesem Bereich beim Ausbau des Schlossgrabens ein Fußweg mit Brücke zum Altstadtparkplatz angelegt.

Das erste Baukonzept sah im EG eine gastronomische Nutzung vor. Es fand sich auch im örtlichen Buchhändler ein Pächter, der das ‚Café Zartbitter‘ als literarisches Café mit Kunstorientierung führen wollte. Um dem Café die Nutzung einer Außengastronomie zu ermöglichen, wurde im Zuge des Ausbaus des Schlossplatzes 1988 hier eine Fläche mit Buchsbaum umgrenzt sowie ein Baum gepflanzt. Damals war eine möglichst grüne Gestaltung des Schlossplatzes und der Randbereiche der Straße Wettbach vorgesehen. Dieses Konzept wurde beim endgültigen Ausbau des Schlossplatzes 2015/16 vollständig aufgegeben und die Grünfläche der technisch gepflasterten Feuerwehrzufahrt geopfert. Der Baum blieb zwar erhalten, wurde aber im Kronenbereich auch unterpflastert.

Dem Café war in dieser Form leider kein Erfolg beschieden. Nach zeitweisem Leerstand gelang es auch einem Nachfolger um 2002 unter dem Namen Café Kolibri nicht, das Lokal dauerhaft einzuführen. Daher wurde die gastronomische Nutzung aufgegeben und das Lokal zu einem Büro umgebaut. Es beherbergt zurzeit ein Bestattungsunternehmen.

Der Laden im südl. Teil des Gebäudes war anfangs auch mehrfach kurzfristig vermietet. Mit der Übernahme durch ein Design-Studio konnte aber doch eine stabile Nutzung erreicht werden.

(Siehe hierzu auch die Artikel über die Altstadtsanierung, das Bräuhaus Kirchplatz 6, den Kirchplatz, die Stadtmauer und die Sanierung der Schlösser.)

Quellen:

Quellen:
1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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