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Der Gasthof Bären – Hauptstr. 21

Der Bären ist eine der Traditionswirtschaften in Weißenhorn und war bis 2020 als Gaststätte in Betrieb. Er war früher das Zunftlokal der Bäcker, Müller, Maurer, Zimmerleute und Kaminfeger. Die Bärenfigur des Gasthausschildes trägt die Zunftzeichen.

Erstbebauung vor 1656

Als ersten dokumentierten Eigentümer des Gebäudes haben wir im Jahr 1465 Burkhard Maler. Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar. Von 1496-1514 ist Hanns Schneider als Eigentümer genannt (neben anderen Miteigentümern), 1515 folgt ihm sein Sohn Georg Schneider. Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor.

1548 wird Simon Seitz Witwe genannt, d.h., Simon Seitz muss vor 1548 das Haus übernommen haben. Der Name Seitz führt zu einer der ältesten Familien in Weißenhorn, der Verwandtschaftsbezug kann aber nicht geklärt werden.

Zwischen 1551 und 1556 ist das Haus in den Steuerbüchern nicht vermerkt. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Doppelbesitz des Hans Leichtle mit Heilig-Geist-Str. 2, der Bezug konnte aber noch nicht bewiesen werden. Hans Leichtle tritt 1556 dort mit einem Doppelbesitz in Erscheinung. Seinen Namen findet man vor 1556 bei der Vorgängerbebauung des Bräuhauses Kirchplatz 6. Wylicil benennt für diese Zeit Jacob Beck als Eigentümer, leider ohne die Quelle anzugeben. Beck gehört mit 37 fl Steuerlast zu den vermögenden Bürgern der Stadt und könnte durchaus neben Hauptstraße 3 und 5 noch weitere Gebäude besessen haben. Sicher ist die Zuordnung für das Jahr 1556. Hier gehören dem Bierwirt Hans Laitle die Gebäude Heilig-Geist-Str. 2 und Hauptstr. 21. Da das Haus Heilig-Geist-Str. 2 als Brauereigasthof geführt wurde wird nicht angenommen, dass sich damals auch auf Hauptstr. 21 eine Wirtschaft befunden hat.

1572 gehört das Haus Conrad Mayer und ab 1581 dem Barbierer Jörg Waydtmann. 1607 folgt ihm sein Sohn Georg Waydtman. Ab dem Jahr 1614 werden die Steuerbücher genauer geführt und die Liegenschaft beschrieben: Behausung, Hofraithen und Stadel so auch Hausrecht hat; Wert 500 fl. Mit dem Hausrecht ist das Grundstück Bärengasse 1a gemeint. 1620 ist Georg Waydtman gestorben, seine Witwe übernimmt den Besitz, ab 1623 zusammen mit Wolff Waydtman, vermutlich einem Bruder, denn 1629 übernimmt Wolffs Tochter Sophia den Besitz. 1651 ist Sophia Waydtman immer noch Eigentümerin, es ist aber kein Gebäudewert mehr angegeben, was auf ein leeres Grundstück schließen lässt.

In den folgenden Jahren wird das Grundstück Christoph Bader jung zugeschrieben; er ist wohl der Bauherr eines Neubaus, der mit nur 260 fl Wert angesetzt ist, vielleicht zur Zeit der Steuerfestsetzung nur Bauplatz. Item ein Behausung in der Stadt am größeren Ort stoß hinder Uf Martin Treuen und vorne laßt die gemaingasse, sain zwo Hoffstatt und 2 Hausgerechtigkeit. Christoph Baders Vater ist einer der größten Immobilienbesitzer zu dieser Zeit. Ihm gehören die Gebäude Hauptstr. 14 und 21, Hauptplatz 1 und Hasengasse 1.

Neubau 1656

1656 wurde das Haus neu erbaut (dendrochronologische Datierung). Auch im Steuerbuch 1660 ist für das Nachbarhaus BG02 vermerkt: neben Christoph Baders neuerbauter Behausung. Für das Haus Hauptstr. 21 ist 1660 der Metzger Christoph Müller mit einem Wert von 800 fl als Eigentümer gennannt. Erstmals erwähnt ist jetzt eine Braugerechtigkeit, für die zusammen mit dem Stadel in Bärengasse 1a 150 fl an Wert zugeschlagen werden. Somit ist die Brauerei seit 1660 belegt.

Im Jahr 1674 ist der Metzger Bernhard Roth als Eigentümer benannt. Bei ihm dürfte es sich um einen Nachkommen des Bernhart Roth handeln, der bis 1635 das Bräuhaus Kirchplatz 6 führte. Ihm folgt 1679 Andreas Roth. In ihm kann man einen Sohn des Ochsenwirts Andreas Roth, GZ02, vermuten. Als Andreas Roth stirbt, bleibt um 1686 seine Witwe Ursula verschuldet zurück.

1690 ist Claus Stigelin auf dem Bären registriert, ab 1692 seine Witwe. Claus Stigelin könnte mit dem Lammwirt Christoph Stigele verwandt sein. 1701 ist schließlich der Bräuer Johann Miller neuer Bärenwirt. In Johann Miller wird ein Nachkomme des Sternwirts Georg Müller vermutet. Er lässt 1706 die geschnitzte Bärenfigur als Hauszeichen herstellen. Auch lässt er zwischen 1718/19 umfangreiche Reparaturarbeiten am Dachwerk vornehmen (dendrochronologische Datierung). 1716 wird Miller als Beernwürth tituliert, es ist die erste Erwähnung des Namens. Vom Nachbargrundstück Bärengasse 1a wird eine halbe Hofstatt mit Stadel hierher übertragen und mit 175 fl Wert angesetzt.

Johann Miller stirbt am 07.01.1730. Schon am 31.01.1730 heiratet seine Witwe Barbara den Brauer Antoni Meister, von Laupheim gebürtig, und bringt ihm ihre Behausung, Bräuhaus, 2 Stadeln und Garten zu.

Die halbe Hofstatt Bärengasse 1a führt zu einem längeren Nachbarstreit, der am 27.03.1736 beigelegt werden kann: Am 27ten Marty 1736 wurde zw. Jacob Marckthaler und Anthoni Maister die Hofreithin halbe weiters verglichen, daß im Hoff an Marckthalers Behausung ein Pfahl in strahl. Stadlhoff ? Keifel und Hans Silberbaur geschlaz, In dar hinaus vom Gassen ein Stein gesetzt, alwohin 12 Schuh seynd, folgl war immer disen 4 Markhen gegen der Maisters Stadel ligt, oder Ihm Maister aigen zugehört, trahent synd. Zusätzlich erhält Anton Meister am 13.10.1743 die Erlaubnis, das Überwasser aus dem benachbarten öffentlichen Brunnen in sein Haus einzuleiten: Laut Raths Prothocolli dd 13:ten octobr. 1741 ist auf Billiches anhalten von PP Rath Anthoni Maister Behrenwürth das abwasser von dem Tectem Röhr-Casten auf dessen Cösten in sein Kuchl richten zu dürfen verwilliget, doch solcher gestalten, daß im fall nur der Mindistr Anstand sich äusseren möchte, Er Maister dan so widerumb selbst abzustellen gehalten seyn solle. [1]Als Überwasser wird das Wasser bezeichnet, was bei einem Laufwasserbrunnen ungenutzt abfließt.

1742 stirbt Barbara Meister. Ihr Vermögen wird aufgeteilt. Anton Meister heiratet daraufhin am 07.01.1743 die ledige Anna Maria Harder von Westerstetten in 2. Ehe.

In den 1740er-Jahren erscheint Joseph Tanner als Wirt. Seine Herkunft ist nicht beschrieben, der Name Tanner wird sonst in Weißenhorn nicht geführt. Möglicherweise hat Tanner die Witwe des Anton Meister geheiratet und so die Wirtschaft übernommen, vielleicht war er aber auch nur Pächter der Wirtschaft, denn am 06.04.1787 erscheint der Sohn des Anton Meister, ebenfalls Anton, als Besitzer. Zusätzlich wird ein Bräuer Josef Mayer genannt. Hierbei handelt es sich um den Sohn des Bräuhauspächters Anton Mayer, der den Bären kommisarisch führt, weil Anton Meister kein Bräuer ist. Ein Bruder, Franz Martin Meister, starb am 06.04.1787 ledig. Das Erbe wurde aufgeteilt und besteuert.

Am 08.02.1800 heiratet Josef Eberle des Laupheimischen Kapitels Pedellen Ferdinand Eberles ehelich lediger Sohn von Schnirpflingen, macht das Ansuchen, nachdem er Gelegenheit gefunden, sich mit Rosalia Meisterin, verwitibtn Bärenwirtin allhier zu verheiraten die Witwe des Anton Meister. Die Immobilie ist beschrieben als Behausung, Hofraithin und Stadel, so auch Hausrecht hat, sambt der Braugerechtigkeit, nebst Jakob Marckthalers halben Hofraiten und Stadel.

Bei Josef Wagner, der am 29.03.1802 auf den Bären kommt, ist nicht beschrieben, wie er zu diesem Eigentum gelangte, ob durch Kauf oder Heirat der Tochter, denn 1819 wird seine Witwe Kreszentia genannt. Josef Wagner dürfte ein Sohn des Glockenwirts Anton Wagner gewesen sein. Der halbe Stadel in der Bärengasse wird am 08.10.1806 an Anton Kordeler für 600 fl verkauft.

Am 11.01.1821 heiratet Josef Meier; Sohn der hiesigen Gräfl. Fuggerschen Bräuhausbeständerin Maria Anna Mayer die Maria Anna Wagner, Tochter der Bärenwirtin Witwe Wagner Kreszenzia, Wert 7500 fl, nachdem er ja den Bären auch schon kommisarisch geführt hatte. 1825 wurde das Gebäude um 3,20 m nach Westen erweitert. Josef Meier kaufte 1831 den Gasthof zur Sonne, Hauptstr. 12, und zog dorthin, wo er auch Posthalter wurde.

Der Bären wurde daraufhin von der Witwe des Hasenwirts Mathias Klotz gekauft, wohl für ihre Tochter, denn diese übernimmt den Bären am 03.06.1836 und heiratet Georg Meier aus Beuren, vielleicht Verwandtschaft zu Josef Meier. Die Familie Mayer besaß dann den Bären bis zum Tod der letzten Bärenwirtin 2012.

Am 27.08.1856 heiratete Georg Mayer in 2. Ehe eine Maria Weber. Am 10.02.1883 übernahm der Sohn Max Mayer die Gastwirtschaft mit Brauerei. Er führte zahlreiche Bau- und Renovierungsarbeiten am Haus durch. Am 18.11.1889 heiratete Max Mayer Karolina Vogel. Zum 27.08.1920 erhielt der Sohn der nächsten Generation, wiederum Max Mayer, die Gaststättenkonzession.

Vor 1900 trug das Gasthaus keine Namensbeschriftung. Nach 1900 wurde der Gasthausname in einem Schriftband aufgemalt. In den 30er-Jahren wurde das Gasthaus renoviert. Hierbei wurde in der Gaststube links vom Eingang ein neues, breiteres 3-flügeliges Fenster eingebaut und eine neue Beschriftung angebracht.

Im II. Weltkrieg wurden die Keller von Hauptstr. 19 und 21 verbunden und als Luftschutzkeller genutzt. Um 1958 fand nochmals ein Generationenwechsel statt. Der neue Wirt hieß wieder Max Mayer, er heiratete Erna Beck und renovierte 1958 die Wirtschaft gründlich nach damaligem Zeitgeschmack. 1965 wurde die Brauerei aufgegeben.

Um 1979 wurde das Haus nochmals umgebaut und 1983 die Gaststätte zu einer Pilsstube umgebaut. Der Sohn des Löwenwirts, Andreas Ländle, führte ‚Andy zum Bären‘ bis zur coronabedingten Schließung 2020.

Das Gebäude wurde 2021 verkauft und soll demnächst saniert werden.

Quellen:

Quellen:
1 Als Überwasser wird das Wasser bezeichnet, was bei einem Laufwasserbrunnen ungenutzt abfließt.

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