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Wettbach 17

Ein Haus in zweiter Reihe, das auch einmal dem Maler Leonhard Kuen gehörte, später einen Stahlwarenladen und eine Weinwirtschaft beherbergte.

Erste Vorgängerbebauung bis 1493

Das Haus muss schon vor 1465 bestanden haben. Es ist aber nicht nachzuvollziehen, welcher nicht identifizierte Eigentümer aus dem Steuerbuch 1465 hier zuzuordnen ist. Erstmals kann 1486 ein Conrat Waydman zugeordnet werden. Waydmans Sohn Johannes war zu dieser Zeit Pfarrer in Weißenhorn (bereits seit 1470). 1492 ist Cunrad Waydmans Kind pfleg genannt, das bedeutet, dass Conrat Waydman gestorben war und der Besitz von verordneten Pflegern für die Kinder verwaltet wurde.

Am 24.10.1493 entstand im Bereich des Hl.-Geist-Stadels ein Großbrand, dem neben dem Stadel vier weitere Häuser zum Opfer fielen. Der Brand brach hier im Haus [Conrad] Waydman, Wettbach 17, aus. Es ist nicht offensichtlich, warum gerade von diesem Haus aus sich das Feuer auf den Spitalstadel ausbreitete. Vielleicht stand der Stadel damals näher an dem Haus als die spätere Bebauung. Conrad Waidmans Kindspfleg findet sich 1496 auf dem Haus Martin-Kuen-Str. 2 wieder. Somit war das Vermögen auf dieses Haus übertragen worden, denn von 1496-1517 ist das Haus im Steuerbuch B 83 nicht enthalten. Es wurde offenbar nach dem Brand abgebrochen und nicht wieder aufgebaut.

Zweite Vorgängerbebauung

In den Steuerverzeichnissen bis 1517 ist das Haus in keiner Form erwähnt, weder mit einem Eigentümer noch als Nachbargebäude. Es wird daraus geschlossen, dass das Haus zwischen 1518 und 1526 neu erbaut wurde. Aus 1527 ist eine Urkunde überliefert, in welcher Moritz Simon an Johann Langh, Landgerberey, Haus und Hofraite zwischen der Schlachtmetzg und Apollonia Mengoß Gutern verkauft. Das Haus muss demnach zwischen 1518 und 1527 erbaut worden sein. Es ist nicht bekannt, ab wann das Haus geteilt wurde. 1548 sind jedenfalls zwei Einheiten festzustellen.

Hinterer Teil, Hs.Nr. 61

1548 ist der Tuchscherer Mathias Zech als Eigentümer genannt, ab 1570 seine Witwe. 1572 kauft der Schlosser Hans Schmid[terler] diese Haushälfte, wobei ihm seit 1570 schon die andere Hälfte gehört, womit er Alleineigentümer des ganzen Hauses wird. 1581 übernimmt Thoman Krautheim diese Haushälfte, Hans Schmidt behält die andere. Ab 1598 ist Christoph Wimpfers Witwe (vom Vorderhaus) Alleineigentümer beider Hälften. 1614 ist das Haus wiederum geteilt, die hintere Hälfte gehört Ferdinand Baumann mit einem Wert von 200 fl; 1636 ist seine Witwe Eigentümerin.

Um 1650 wird Hans Saur als Eigentümer bei einem Wert von nur noch 105 fl genannt. Wie in vielen Fällen dürfte der Wertverlust mit dem 30-jährigen Krieg zusammenhängen. Hans Saur ist letztmals 1682 genannt, um 1690 gehört das Haus dem Seile Jörg Wörsing jun. In den 1760er-Jahren übernimmt der Sohn, Franz Wersing, Schneider, den Besitz, gefolgt von seiner Witwe.

Am 24.07.1766 gehört das Haus Hans Jörg Krez, die Witwe Magdalena Wörsing bleibt aber hier im Haus und ist auch noch 1786 im Einwohnerverzeichnis zu finden. Am 22.05.1793 werden beide Haushälften an den Maler Leonard Kuen verkauft.

Vorderer Teil, Hs.Nr. 60

Hier beginnt der Eigentümernachweis 1548 mit Mathias Walpach, dem auch das Haus Memminger Str. 9 gehört. 1551 finden wir Lorenz Bader, 1567 Hans Jäger und 1570 den Schlosser Hans Schmid, der 1572 auch die andere Haushälfte kauft und so Alleineigentümer wird. 1581 kauft Thomam Krautheim die andere Haushälfte und Hans Schmid bleibt auf dieser Hälfte. 1594 kommt Christoff Wimpfer von Martin-Kuen-Str. 4 auf das Haus wahrscheinlich als Austrag. 1595 ist er schon gestorben und seine Witwe wird Eigentümerin. Von 1598-1614 ist sie Eigentümerin beider Hälften, aber 1617 ist auch sie gestorben und die Haushälfte geht an die Erben. Diese verkaufen um 1620 an Hans Höß sen. dessen Witwe ab 1636 Eigentümerin wird. Danach erwirbt der Büchsenmacher Georg Paur das Haus, 1660 dessen Witwe und 1664 wieder ein Georg Paur, wobei es sich hier nur um den Sohn handeln kann. Der Wert des Hauses lag 1614 noch bei 208 fl und stand 1664 wohl durch den 30-jährigen Krieg nur noch mit 112 fl zu Buche.

1674 ist der Binder Martin Stengle Eigentümer und 1683 der Schuster Hans Jörg Hintäger. Nach seinem Tod 1725 wird das Erbe aufgeteilt. Es folgt zunächst Jacob Hüberle, danach der Kupferschmied Christoph Lutzenberger, der bis zum 01.01.1755 das Haus besitzt, als es an den Lodweber Michael Steegmann verkauft wird. Josef Ganser kauft am 10.11.1762 das Haus und seine Witwe besitzt es um 1786. Am 22.05.1793 werden beide Haushälften an den Maler Leonard Kuen verkauft.

Neubau 1793

Leonhard Kuen ist der Sohn des Malers Franz Josef Kuen von der Hauptstr. 22. Im Steuerbuch steht der Zusatz: beide halbe Häuser in einem gebaut. Daraus wird geschlossen, dass Kuen das Haus neu erbaut hat. Kuen bewohnt das Haus allerdings nur bis 1799. Am 05.01.1799 wird das Haus an den Säckler Anton Berthold verkauft. Spätestens 1819 gehört das Haus der Witwe Regina Gilardon, von der wir leider nicht wissen, wo sie herkam, denn der Name erscheint vorher nicht in Weißenhorn. Frau Gilardon bewohnt das Haus allerdings nicht alleine, die Namen der Mitbewohner können bei Interesse dem beil. Datenblatt entnommen werden. 1831 wird das Haus an den Lumpensammler Meinrad Albrecht verkauft und Frau Gilardon wird zur Mieterin bis 1843.

Am 09.10.1845 wird der Lodner Johann Kast neuer Eigentümer. Mit einem Bauantrag von 1854 möchte der Loderer Johann Kast seinen Westgiebel wegen Baufälligkeit erneuern und um 5′ (1,46 m) in Richtung der Stadtmauer erweitern, um seinen Abtritt und seinen Schweinestall mit in das Haus zu integrieren. Die Stadt erklärt sich bereit, den in Anspruch zu nehmenden Gemeindegrund kostenlos herzugeben. 1865 baut Kast einen Laden in das Haus ein, allerdings noch ohne Schaufenster. Der Laden erhält eine eigene Türe vom Wettbach aus. 1882 hat sich Johann Kast zur Ruhe gesetzt und wird als Privatier geführt.

Noch vor 1894 erwirbt der Messerschmied Friedrich Wagner das Haus. Er verkauft seine Messer in diesem Laden, für den er ein Schaufenster einbaut. Er behält das Haus bis ca. 1930, als es vom Zimmermann Georg Hertle erworben wird. Frau Hertle führt den vorhandenen Laden zunächst als Gemischtwarenhandel weiter und erneuert ihn 1954. Ab 1959 bis ca. 1975 vertreibt Georg Hertle in dem Laden Stahlwaren. 1997 wird das Haus verkauft, saniert und im EG eine Weinstube ‚Weinblatt‘ eingerichtet. Die Weinstube hielt sich allerdings nicht lange. Das Haus wurde wieder verkauft und zu einem Wohnhaus zurückgebaut.

Quellen:

Quellen:
1 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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