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Die Hausgruppe Mariengasse 1 -3/ Hasengasse 4

Das Haus wurde im Rahmen der Sanierungsarbeiten bauforscherisch untersucht. Hierbei wurde das Holzwerk des Obergeschosses auf 1430 datiert und stellt damit eines der ältesten erhaltenen Häuser in der Stadt dar. Die Untersuchungen ergaben, dass auch das Erdgeschoss ursprünglich in Fachwerk konstruiert war und das Obergeschoss zur Straße An der Mauer hin auskragte. Das Dachwerk wurde auf 1470 datiert, es ergab sich aber kein Hinweis darauf, warum das Dach 40 Jahre jünger als das Obergeschoss ist. Eine so lange Bauzeit ist unwahrscheinlich und auf einen Brand deuteten keine anderen Spuren hin.

Mariengasse 1

Die Eigentümer vor 1475 sind archivalisch nicht feststellbar. Im ältesten Steuerverzeichnis B 38-15 von 1475 können Ulrich Pairs Erben hier zugeordnet werden. 1496 sind es Herr Thoman Seitz und Peter Praun, 1499 Herr Thoman Seitz, Hans Betz Schuster und Cristoff Symon, dieser vorher Martin-Kuen-Str. 1. Der Zusatz ‚Herr‘ besagt die Stellung als Ratsherr. 1502 sind Cristoff Symon, Jörgen Symons Witwe und Lienhardt Ostertag hier steuerpflichtig, 1505 Lienhardt Ostertag, Jacob Viegler und Lienhardt Klayber. 1508 gehört dem Seiler Jacob Ostertag das Haus alleine. Ostertag wechselt 1510 auf Martin-Kuen-Str. 2, an seiner statt erscheinen Georig Rentz und Bernharden Harders Witib als Eigentümer.

Sitz der Stadtkanzlei

Ab 1511 sind dem Haus keine Eigentümer mehr zuzuordnen. Es ist daher anzunehmen, dass das Haus ab 1511 als Stadtschreiberei genutzt wurde. Bis dahin dürfte die Stadtschreiberei im sog. Steuerstüble in der Schranne untergebracht gewesen sein. Ab 1614 wird die Lage der Gebäude in den Steuerbüchern durch die Angaben des linken und rechten Nachbarn eindeutig bezeichnet. So wird auch das Haus Mariengasse 1 als ‚Gemainer Stadt Stadtschreibereihaus‘ hier eindeutig genannt und bis zum Steuerbuch B 92-4 im Jahr 1682 so wiederholt.

Am 14.01.1690 kauft die Stadt von H. Dr. Hans Jacob Geiger das Haus Hauptstr. 5 für 1500 fl und verlegt die Stadtschreiberei dorthin. Anschließend wurde die alte Stadtschreiberei Mariengasse 1 an BM Hans Link als Privateigentum verkauft, das Datum ist nicht dokumentiert. 1694 wird Hannß Linck, Bürgermeister, als Eigentümer des Hauses mit einem Wert von 300 fl genannt.

1694 wird das alte Haus wieder als Stadtschreiberei genutzt, hierzu im Steuerbuch die Anmerkung: 1694 Ist die Behausung sambt dem eisernen Ofen von Ihm H. Bergermstr Linck d Stadt wid iberlassen word. Es ist nicht zu klären, aus welchen Gründen die Stadt die alte Stadtschreiberei wieder nutzte, evtl. während der Um- oder Neubauphase der neuen Kanzlei Hauptstr. 5.

Nutzung als Privathaus

Am 16.11.1706 kauft der Stadtschreiber Franz Xaver Huber die Behausung, Wert 300 fl, als Privathaus.

Ab 1716 wurde der Lodweber Franz Fauhlaber neuer Eigentümer, danach seine Witwe, die wohl 1769 starb, wonach die Verlassenschaft geregelt wurde. Franz Faulhaber hatte drei Söhne, von denen einer ins Reichsstift Neresheim eintrat und dort als Pater Urbik Prior wurde. Das Haus fiel am 23.05.1769 an den Sohn Dominicus, Tuchmacher, der es seinem Bruder Johann überließ. Johann starb 1778 kinderlos, woraufhin Dominicus seinen Bruder Pater Urbik bat, ihm die Hälfte des Erbteils zurückzugeben, da er verarmt sei. Nach Dominicus‘ Tod 23.03.1783 forderte die Reichsabtei Neresheim den Erbteil zurück. So wurde das Haus für 460 fl an den Schreiner Leonhard Merkle verkauft.

Am 10.01.1795 übernahm der Schreiner Michael Bodenmiller das Haus, ihm folgte ab 03.09.1842 der Schreiner Konrad Kunzmann. Kunzmann erwarb am 31.01.1863 den alten Pfarrhof in der Konrad-Huber-Str. 3. Das Haus wurde von Josef Erhardt, Sohn des Faßmalers Mathias Erhardt (Seb.-Sailer-Str. 1) erworben, der Zeitpunkt ist nicht überliefert. Erhardt kaufte am 01.07.1875 das Nachbarhaus Mariengasse 1 hinzu, brach dieses bis auf den Keller ab und erbaute auf dem Grundstück ein Werkstattgebäude, welches er baulich mit dem Altbau verband. Diese Verbindung geschah handwerklich nicht einwandfrei, was erhebliche Setzungen an dem alten Haus zur Folge hatte. Im Rahmen dieses Umbaus wurde das Haus geteilt. Das abgeteilte Gebäude erhielt die Bezeichnung Hasengasse 4.

Der Hausteil Hasengasse 4

Bei der Teilung des Gebäudes 1875 erwarb eine Frau Magdalena W. (?) die Haushälfte. 1882 ging der Hausteil an den Bader Leopold Heckenberger über. 1887 baute Ferdinand Hess einen Viktualienladen ein. Ihm folgte im Jahr 1906 der Kürschner Alois Habisreitinger. Von 1922-1948 beheimatete das Haus den Kurzwarenladen von Elise und Kreszenz Schmid.

1948 war die Putzmacherin Anna Hauff mit ihrem Hutgeschäft in diesem Laden. Frau Hauff blieb dort fast 40 Jahre. 1984 erwarb die Volksbank Weißenhorn, der die andere Hälfte des Hauses besaß, auch diesen Teil und verfügte nun über das ganze Gebäude. Hiermit sicherte sich die Bank den Zugriff auf die zukünftige Entwicklung.

Der Hausteil Mariengasse 1

Der Dekorationsmaler Josef Ehrhardt baute 1881 einen Abort an und errichtete eine Hofmauer als Abgrenzung zum abgeteilten Haus Hasengasse 4.

Am 04.06.1890 übernahm die Tochter Creszenz Erhardt das Haus und verkaufte es (oder die Erben) 1901 an den Mechaniker Paul Gutter. [3]Die Familie Gutter brachte mehrere erfolgreiche Mechaniker hervor, die teilweise bis heute tätige Firmen betrieben: Johann Gutter; Memminger Str. 91, 1864-1952; Ludwig Gutter; Obere Mühlstr. 12, … Continue reading [4]Paul Gutter stellte 1901 einen Bauantrag für eine Wohnhauserweiterung. Die Zuordnung dieses Bauantrags ist nicht ganz gesichert. Den Einträgen nach bezieht sich der Bauantrag auf das Anwesen Östl. … Continue reading Um1921/22 konnte Paul Gutter das Anwesen Günzburger Str. 15 von Julius Langenstein [5]Die Firma Langenstein, Teilhaber Julius Langenstein und Anton Kling, stellte ab 1909 in der Günzburger Straße 15 Rechen und Gabeln her. 1914 verlagerte er den Betrieb in die Maria-Theresia-Str. 8-16 erwerben und verlegte seinen Betrieb dorthin.

Das Haus in der Mariengasse wurde von Karl Aubele erworben, der in der Hauptstr. 14 einen Eisenwarenladen betrieb. Hierbei lagerte er seine Eisenträger ständig auf der Straßenfläche der Mariengasse, was ständig zu Ärger mit den Anwohnern führte. Nach dem Erwerb des Hauses MG01 konnte er sein Material jetzt dort lagern. 1926 baut er eine WC-Anlage für seine Arbeiter in das Haus ein. Als die Firma in der Weltwirtschaftskrise in finanzielle Schwierigkeiten geriet, übernahm der Darlehenskassenverein (Vorläufer der Volksbank Weißenhorn mit Geschäftslokal in der Östl. Promenade 9, also direkter Nachbar) die Immobilie.

Sanierung des Gebäudes

Die Volksbank blieb Eigentümerin des Gebäudes. Der bauliche Zustand des Gebäudes verschlechterte sich in den 1980er-Jahren zusehend. Die Bank versuchte, Interessenten für eine Sanierung im Rahmen der beginnenden Altstadtsanierung zu finden. So führte auch Stbm. Günther an dem Gebäude Untersuchungen und Freilegungen durch. Wegen der damals aber noch spärlich fließenden staatl. Zuschüsse konnte kein Bauwilliger gefunden werden. 1991 fanden sich zwei Interessenten, die das Haus kauften und es als Renditeobjekt in ein Mehrfamilienhaus umbauen wollten. Wegen der massiven Eingriffe in die denkmalgeschützte Bausubstanz fand der Bauantrag aber keine Zustimmung. Im Jahr 2000 stellten die beiden Eigentümer einen Abbruchantrag, der aber nicht genehmigt wurde. Die Eigentümer des Gebäudes zerstritten sich über den Weg zur Sanierung des Gebäudes. Einer der beiden Eigentümer beantragte dann die Versteigerung zur Auflösung der Eigentümergemeinschaft.

In der Versteigerung erwarb ein Immobilienhändler das Gebäude und versuchte es selber zu vermarkten. Die Bausubstanz war mittlerweile so weit geschädigt, dass die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war. Am 18.05.2004 ordnete das Landratsamt Sicherungsmaßnahmen an.

Im Jahr 2005 fand sich in zwei Familien endlich eine Bauherrengemeinschaft, die das wertvolle Haus fachgerecht instandsetzen wollte. Architekt Rolf Jürgen Müthe leitete die Sanierung und führte das Haus wieder auf wesentliche Merkmale seines Ursprungs zurück. Im Rahmen der Städtebauförderung wurde die Maßnahme nennenswert bezuschusst. Mit einem Tag der offenen Tür wurde das sanierte Haus am 07.09.2007 der Öffentlichkeit vorgestellt. Besonders interessant war die wiederhergestellte Bohlenstube im 1.OG. Im Jahr 2008 wurde die Sanierung mit einem Preis des Bezirks Schwaben ausgezeichnet.

Das Haus Mariengasse 3 (Abbruch 1875)

Das Haus Mariengasse 3 zählte auch zu den ältesten Häusern der Stadt. Eigentümer vor 1475 sind archivalisch nicht feststellbar. 1475 ist Michel Döcker als Eigentümer eingetragen, 1492 Barbara Dekrin (Schreibweise!), ab 1496 Michael Decker und Peter Hanser. Dieser, später Hausser geschrieben, blieb bis 1507.

1507 ging das Gebäude in kirchlichen Besitz über, das Haus wird ‚Unser Frauen Kaplan‘ genannt. Diese Bezeichnung führte bis dato das Haus Reichenbacher Str. 11, im Nachbarbeschrieb von RB13 ‚Unser lieben Frauen Haus‚ genannt. In den folgenden Jahren findet sich kein Hinweis mehr auf diese Nutzung. Es wird daher angenommen, dass zuerst nur der Kaplan das Haus hier bezog und später auch das Haus als Pfründhaus, d.h. als Armenhaus und Altenheim, hierher verlegt wurde, denn 1548 wird es in B 304-2 ‚unser frauen pfrundt hauß‚ und ‚Unser Caplan‚ genannt. Die Einwohner der versch. Sozialgebäude sind in den Steuerlisten immer am Ende des Bauquartiers ohne Bezug zu Gebäuden aufgeführt. Sie wechseln sehr häufig. Da diese Namen keine Bedeutung für die Stadt- und Baugeschichte haben, wird hier auf eine Aufzählung der Namen verzichtet.

Ab 1614 wird das Haus in den Steuerlisten neuerer Form bei den Nachbarbeschrieben als „ULF(Unser-lieben-Frau) Pfründhaus“ erwähnt. [6]Mit Unser-Lieben-Frau ist gemeinhin die Gottesmutter Maria gemeint Die Erwähnung wird 1636 wiederholt. Die Straßenbezeichnung „Mariengasse“ könnte auf diese Nutzung zurückzuführen sein.

1610 wird mit Anton Roth erstmals eine Privatperson erwähnt, wahrscheinlich Kauf des nördlichen Hausteils an der Hasengasse. Für den bisher in diesem Haus wohnhaften Kaplan dürfte zu dieser Zeit das Kaplanhaus An der Mauer 15 erbaut worden sein. 1614 wird das Haus als Eigentum des Metzgers Anton Roth bezeichnet, Behausung sambt ain Stadel darhinder, Wert 800 fl. Der Stadel befand sich auf der nördlichen Straßenseite der Hasengasse, zwischen HA01 und HA 03.

Um 1636 wurde das Haus Sebastian-Seiler-Str. 2 von der Spitalstiftung gekauft oder ihr vermacht. Möglicherweise wurde dieses Haus dann als Armenhaus genutzt, denn das Haus hier wurde als Armenhaus aufgegeben und fortan privat genutzt.

Eine Hungersnot im Jahr 1634, eine Pestepidemie 1635 und ein Hochwasser um 1636 führten im Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen im Rahmen des 30-jährigen Krieges in unserem Gebiet zu großen Zerstörungen und zu Armut. Insgesamt konnten 32 Haushalte ihren finanziellen Verpflichtungen mehr nachkommen und kamen in die Gant (Privatinsolvenz mit Versteigerung). In zwei großen Gantprozessen am 06.08.1637 und am 21.07.1639 wurde das Eigentum liquidiert, so auch dieses Haus.

1638 erscheint der Wagner Jacob Gallbronner als neuer Eigentümer. Er hat das Haus aus der Gant erworben. Jacob Gallbronner erwirbt 1651 zu seinem Anwesen und dem Stadel nördlich der Hasengasse auch noch die Hofstatt (unbebautes Baugrundstück) westlich seines Hauses (Hasengasse 2) und die Hofstatt des abgebrochenen Anwesens An der Mauer 11 hinzu. Der Stadel auf Hasengasse 1a wird gestrichen, vermutl. abgebrochen, und das Grundstück zusammen mit dem Grundstück An der Mauer 11 zu einer Hofstatt aufgewertet. Noch in der Laufzeit des Steuerbuchs B 89 (1651-1660) wird die Hofstatt Hasengasse 1a mit An der Mauer 11 zuerst an Christoph Bader jun. (Hauptstr. 14) und danach an den Maler Jerg Sälzlin (An der Mauer 13) weiterverkauft. 1660 wird die Hofstatt Hasengasse 2 Lorenz Allgeuer (Hauptstr. 18) zugeschrieben.

Mit Melchior Lutzenberger, ebenfalls Wagner, hat das Anwesen ab 1674 einen neuen Eigentümer. Die Stadelhofstatt Hasengasse 1a gehört weiterhin zu dem Anwesen, Wert 25 fl; die Hofstatt An der Mauer 11 wurde wieder abgetrennt und gehört nun Hans Reyer. Am 21.10.1725 wurde der Bäcker Jörg Thalhofer (wohl Sohn des Schuhmachers Georg Thalhofer, HS19) neuer Eigentümer, er heiratet Rosina Matt von Biberachzell. Johann Thalhofer (wohl auch ein gleichnamiger Sohn) ist bis 1800 hier genannt, ab 10.10.1800 der Bäcker Josef Thalhofer (ein Sohn?).

Ab 16.07.1806 heißt der neue Eigentümer Josef Eberle, ab 1818 Leonhard Lutzenberger. Mit dem 05.05.1829 ist wieder ein Bäcker hier ansässig, Anton Klotz. 1869 ist Thomas Klotz und 1875 Gregor Klotz verzeichnet, Söhne oder Erben.

Am 01.07.1875 erwirbt Josef Erhardt, Maler (Sohn des Malers Mathias Ehrhardt, Seb.-Seiler-Str. 1) das Haus. Er bricht es ab, nur der Keller bleibt erhalten. An dieser Stelle baut Erhardt ein neues Wirtschaftgebäude, verbindet dieses mit dem haus Mariengasse 1 und nutzt beide Häuser gemeinsam.

Quellen:

Quellen:
1 Staatsarchiv Augsburg
2 Stadtarchiv Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn
3 Die Familie Gutter brachte mehrere erfolgreiche Mechaniker hervor, die teilweise bis heute tätige Firmen betrieben: Johann Gutter; Memminger Str. 91, 1864-1952; Ludwig Gutter; Obere Mühlstr. 12, 1901-heute; Johann bzw. Ludwig Gutter, Lohmühle 1, 1882-1906; F.X. Gutter, Schulstr. 39, 1927-1986
4 Paul Gutter stellte 1901 einen Bauantrag für eine Wohnhauserweiterung. Die Zuordnung dieses Bauantrags ist nicht ganz gesichert. Den Einträgen nach bezieht sich der Bauantrag auf das Anwesen Östl. Promenade 11. Hier ist Paul Gutter aber nie gemeldet. Hypothese: Paul Gutter suchte um 1901 nach einem Objekt, wollte ÖP11 kaufen und umbauen, konnte dann aber MG01 kaufen und siedelte sich hier an. Der Umbau von ÖP11 unterblieb daher.
5 Die Firma Langenstein, Teilhaber Julius Langenstein und Anton Kling, stellte ab 1909 in der Günzburger Straße 15 Rechen und Gabeln her. 1914 verlagerte er den Betrieb in die Maria-Theresia-Str. 8-16
6 Mit Unser-Lieben-Frau ist gemeinhin die Gottesmutter Maria gemeint

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