Straßen

Straßen und Hausnummern

1786 wurden die Häuser in Weißenhorn erstmals auf Anweisung der Vorderösterreichischen Regierung mit Hausnummern versehen und hierüber ein Einwohnerverzeichnis [1]B 76, Häuser- und Familientabellen angelegt. Beginnend mit dem Schloss als Hs.Nr. 1 wurden die Gebäude fortlaufend nummeriert. In diesem ersten Einwohnerverzeichnis sind die Liegenschaften beschrieben und nicht nur die Eigentümer genannt, sondern auch alle Familienmitglieder und auch die anderen Hausgenossen. Alle Personen sind mit Beruf, Stand und Alter genannt, so dass wir nun erstmals eine genaue Angabe über die Einwohner-, Sozial- und Erwerbsstruktur haben. Bereits ab 1754 mussten die Gemeinden regelmäßig sog. ‚Seelenbeschriebe‘ an die Regierung abgeben, in die in vorgegebene Formulare die Zahl der Einwohner, die Altersstruktur, die Vermögensverhältnisse, aber auch der Viehbestand und anderes einzutragen war. Namentlich war dort aber nur der Haushaltungsvorstand genannt; erst ab 1786 wurden alle Bewohner genannt.

Nach der Neuordnung Europas nach den napoleonischen Kriegen und der Installation des Königreichs Bayern 1806 änderten sich die Verhältnisse grundlegend, es entstand ein modernes Staatsgebilde, das in seinen Grundzügen bis heute so fortbesteht. Durch die Säkularisation entfielen die Steuerzahlungen an die kirchlichen Institutionen vollständig. Die staatlichen Steuern wurden von den neu geschaffenen Rentämtern [Finanzämtern] eingezogen, die Eigentumsverhältnisse von Grund und Boden wurden in Grundbüchern erfasst. Verkäufe mussten von Notaren protokolliert werden. Die Einwohner wurden von den Gemeinden erfasst und registriert. Zudem wurde das ganze Land systematisch vermessen und in Katasterplänen dargestellt. Hierbei erhielt jedes Grundstück eine eigene Flurnummer, die im Grunde genommen bis heute gilt. Für das Stadtgebiet wurde 1824 ein eigenes Ortsblatt im Maßstab 1:2500 geschaffen, welches in unregelmäßigen Abständen neu lithographiert wurde.


Über die Einwohner wurden in unregelmäßigen Abständen ab 1818 neue Listen, meist im Zusammenhang mit Volkszählungen (A 261) angelegt, worin die Haushaltungsvorstände mit ihrem Beruf und der jeweiligen Hausnummer aufgeführt sind.


1882 war die Hausnummernzählung durch viele Neubauten so unübersichtlich geworden, dass eine Neunummerierung stattfand. Eine Gegenüberstellung der alten und neuen Hausnummern erleichterte die Zuordnung. Dieses Hausnummernverzeichnis wurde erstmals gedruckt, und zwar vom Buchdrucker Hugo Eschwig, An der Mauer 3 (1978 abgebrochen).

Im Jahr 1906 hatte sich schon wieder so viel geändert, dass das Hausnummernverzeichnis neu aufgelegt werden musste. Die Eschwig’sche Buchdruckerei war inzwischen von den Gebr. Mareis übernommen worden, die das örtliche Druckereiwesen nun über die nächsten 100 Jahre hinweg bestimmen sollten. In der Neuauflage, ganz im Jugendstil gehalten, war nicht nur der gesamte Amtsbezirk enthalten, sondern auch auch Werbung der örtlichen Betriebe. Im neuen Adressbuch waren nicht nur die Eigentümer, sondern auch die Haushaltungsvorstände der anderen Mitbürger enthalten.

Bereits im Jahr 1907 beschloss der Magistrat auf Vorschlag der Gemeindebevollmächtigten, die Straßen mit Namen zu versehen [2]SRS 18/07 v. 03.07.1907. Obwohl man damals schon eine Kommission einberief, dauerte es noch bis 1921, dass der Stadtrat definitiv eine Kommission zur Wahl von Straßennamen einsetzte, die ihre Vorschläge am 03.06.1921 vorlegte, die auch gebilligt wurden. Am 01.07.1921 wurden die neuen Straßennamensschilder bestellt. Nun war auch wieder ein neues Adressbuch fällig, welches die Stadt bezuschusste. Jetzt waren wieder nur die Eigentümer aufgeführt.


Etwa 10 Jahre später wurde im Jahr 1932 erneut ein Adressbuch aufgelegt, gestalterisch wieder auf der Höhe der Zeit. Wieder konnten im Adressbuch nicht nur die Eigentümer, sondern auch die anderen volljährigen Mitbürger gefunden werden. In den 30er-Jahren wurden einige Straßen im Geiste der neuen Machthaber umbenannt, so die Hauptstraße und der Hauptplatz. Diese Umbenennungen wurden nach dem Krieg wieder rückgängig gemacht. Nur die Querstraße, für welche 1928 der Name ‚Ebertstr.‘ (nach dem ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert) gewählt wurde und die 1933 in ‚Querstraße‘ umbenannt wurde (weil nach der Machtergreifung durch die NSDAP keine Straße mehr nach SPD-Politikern benannt werden sollte) behielt ihren neuen Namen.

1948 legte die Stadt nach den Wirren des Krieges erneut ein Adressbuch auf, welches wieder alle volljährigen Mitbürger erfasste, aber nur noch auf die Stadt bezogen war.

In den kommenden Jahren gab es kein städtisches Adressbuch mehr. Dafür wurden auf Kreisebene Adressbücher veröffentlicht, die natürlich die Stadt beinhalteten. Diese Bücher liegen aus den Jahren 1959, 1964 und 1968 vor.

1977 erschien wieder ein lokales Adressbuch für Weißenhorn und Umgebung, nun mittlerweile erweitert um die eingemeindeten Ortsteile. Dieses Adressbuch erfuhr Neuauflagen in den Jahren 1984, 1997 und 2015. Danach war das Interesse an der Privatsphäre der Bürger so hoch, dass keine Neuauflage von Adressbüchern mehr erschien.

Quellen:

Quellen:
1 B 76, Häuser- und Familientabellen
2 SRS 18/07 v. 03.07.1907

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