Gestern und Heute

Weißenhorn von Südwesten um 1900

[1]Heimatmuseum Weißenhorn [Foto: Heimatmuseum]

Das ist eines der ältesten Fotos von Weißenhorn. Wenn man sich heute an den Standort des Fotografen stellt, sieht man von der Stadt: Nichts! Daher ist das Foto ein gutes Beispiel dafür, was sich in 100 Jahren alles verändert.

Standort

Der Fotograf stand in der Emershofer Str., ungefähr zwischen den heutigen Gebäuden Emershofer Str. 33 und 49. Vorne mündet ein Verbindungsgraben von der Ost- zur Westroth, den es seit der Rothregulierung ca. 1912 nicht mehr gibt. Ganz links ist die Molfenter-Villa (Illerberger Str. 20) zu sehen. Der große Baum davor (eine Eiche?) steht heute auch nicht mehr, er wurde 1910 noch als Naturdenkmal aufgenommen. Es ist nicht bekannt, wann er gefällt wurde, auf den Luftbildern von 1944 ist er nicht mehr vorhanden.

Heute verläuft über die Bildmitte die Südtangente, dahinter das Freibad und alles ist stark eingegrünt. Das ist das bemerkenswerteste an diesem Bild, es zeigt, wie spärlich vor 100 Jahren die Begrünung war. Jeder verfügbare Quadratmeter wurde landwirtschaftlich genutzt. Auch die Rothinsel an der Illerberger Str. ist noch nicht als Garten angelegt, dies geschah erst nach 1897.

Aufnahmezeitpunkt

Das Datum der Aufnahme ist nicht überliefert, auch die Person im Vordergrund ist unbekannt. Es wird vermutet, dass das Foto um 1899 entstand. Der rechts neben der Molfenter-Villa IL20 sichtbare Stadel in der Herzog-Ludwig-Str. 8 wurde 1899 genehmigt, die helle Dachfläche lässt vermuten, dass zum Aufnahmezeitpunkt das Dach nur verschalt, aber noch nicht gedeckt war.

Gebäude

Die Molfenter-Villa Illerberger Str. 20 wurde 1889 erbaut. Der Stadel Herzog-Ludwig-Str. 8 wurde schon erwähnt. Daneben ist noch die Altbebauung auf Wettbach 13 zu erkennen, das heutige Haus wurde erst 1911 erbaut.

Vorgängerbebauung Wettbach 13

Gut erkennbar in Bildmitte die Häusergruppe Illerberger Str. 10+12 mit Herzog-Ludwig-Str. 2+4, rechts daneben der Bauhofstadel von 1880. Diese Gebäude stehen auch heute noch. Weiter rechts dann der Stadel des Gasthofs Deutscher Kaiser, Illerberger Str. 9, mit dem alten Austragshaus in der Grimmgasse. Schlösser und Kirche muss man wohl nicht extra erwähnen.

Quellen:

Quellen:
1 Heimatmuseum Weißenhorn [Foto: Heimatmuseum]
2 Stadtarchiv Weißenhorn [Foto: Heimatmuseum]

One Comment

  • L. Bidmon

    Hallo Herr Günther,

    vielen Dank für Ihre gründlich erarbeiteten und sehr informativen Seiten.

    Die Aufnahme Weißenhorns von Südwesten dürfte um die Jahrhundertwende im Auftrag der “Ansichtskarten- und Devotionalienindustrie” entstanden sein. Sie findet sich auf Bierkrügen, Biergläsern, kleinen messinggefassten Glaskästchen und gläsernen Briefbeschwerern.
    Wahrscheinlich ist sie zusammen mit der Aufnahme von Nordwesten mit Blick vom Dachgeschoss der Zimmermannvilla über die Bahnhofstraße zum Nordwestpanorama der Altstadt entstanden. Dieses Bild ist auf Ansichtskarten sehr häufig, die Südwestansicht dagegen ist selten. Das liegt wohl daran, dass das Format nicht passt, auch zeigt der große Vordergrund mit den Wiesen die Stadt zu ländlich. Diese Aufnahme ist deshalb auf den Karten immer im Vordergrund beschnitten, so dass man eben noch den Kopf des Mannes sieht. Die Ansicht mit den erhöhten Schlossgebäuden, von ihrer ganzen Breite her und zusammen mit der Kirche, ergibt ein eindrucksvolles Bild. Es ist schade, dass dieses Bild heute für den von Westen kommenden Besucher Weißenhorns verloren ist.

    Die fast baumlose Landschaft und Stadt war bis etwa 1900 der Normalzustand. Die enge Bebauung, die schlecht isolierten Häuser und das knappe Brennmaterial zwangen die Bewohner jeden Sonnenstrahl zu suchen. Baumschatten war dabei mehr als hinderlich. Selbst in der freien Flur hatte die sonstige landwirtschaftliche Nutzung Vorrang. Bäume hatten ihren Platz im Wald. Ob unsere heutige Einstellung dazu auf Dauer Bestand hat, man denke nur an 5 große Gingkobäume allein im Schlosshof, zudem nur wenige Meter von den Gebäuden entfernt, wird sich zeigen.
    Viele Grüße

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