Gewerbe,  Straßen

Die Josef-Kögel-Straße – Gewerbeflächen ab 1920

Die Josef-Kögel-Str. entstand im Zuge des Eisenbahnbaus um 1875 um die westlich der Eisenbahn gelegenen landwirtschaftlichen Flächen erschließen zu können. Wegen der Nähe zur Eisenbahn siedelten sich hier zu Beginn des 20. Jhdts. einige Gewerbebetriebe an.

Städtebauliche Entwicklung

Unter Vorlage eines Baulinienplanentwurfs beantragte der Landwirt Johann Jedelhauser am 10.04.1920 den Bau eines Wohnhauses (Josef-Kögel-Str. 4). In der Sitzung am 04.06.1920 setzte der Stadtrat die Baulinie in der Josef-Kögel-Str. (Fl.Nr. 1674-1676) mit einer Straßenbreite 10,50 m fest. Auf dem Eisenbahngrundstück war bereits ein Fahrweg vorhanden. Die Stadt setzte aber mit 10,50 m Breite eine eigene Erschließungsfläche fest, falls der Weg auf dem Bahngelände einmal aufgelassen werden sollte. Die Eigentümer erhielten aber das Recht, diesen Streifen weiterhin unentgeltlich zu bewirtschaften. Er ist heute noch im Katasterplan zu erkennen. Am 15.07.1921 traf die Stadt mit den Grundeigentümern Vereinbarungen zur Sicherung der Baulinie in der Josef-Kögel-Str. Am 21.07.1922 erfolgte die endgültige Baulinienfestsetzung mit einer Straßenbreite von 10 m und einer Vorgartenbreite von 2,5 m. Am 29.03.1923 wurden die Grunderwerbe protokolliert und am 06.06.1924 vermessen.

Bei der Straßennamensfestlegung im Jahr 1921 wurde die Straße nach Josef Kögel, kgl. Stiftskanoniker und Professor, benannt. Josef Kögel wurde 1841 in Weißenhorn geboren und 1886 ordiniert. Er wurde königlicher Stiftskanoniker und Professor in München. Der spätere Domprobst und päpstliche Hausprälat richtete eine Stiftung zur Unterstützung hiesiger Theologiestudenten ein.

1988 wurde die Straße ausgebaut und 1999 auf der Ostseite mit einem Geh- und Radweg versehen. Im Zuge der Reaktivierung der Eisenbahnstrecke wurde nördlich des Bahnhofsgebäudes eine Fußgängerquerung von der Herzog-Georg-Str. zur Josef-Kögel-Str. angelegt, die den schon vorher bestehenden illegalen Trampelpfad ersetzte.

Die einzelnen Grundstücke

Josef-Kögel-Str. 3 – ehemaliger Lokschuppen

Das Grundstück gehört zu dem 1876 an die Bahn abgetretenen Gelände. Zur Unterbringung der Lokomotiven erhielt die Station einen Lokschuppen. Es ist hier der einzig bekannte Fall, dass dieser Lokschuppen Plätze für zwei Lokomotiven hintereinander erhielt. Angebaut an den Lokschuppen wurde ein turmartiges Wasserhaus, d.h. ein Reservoir für das Wasser der Lokomotiven. Das Speisewasser wurde dem Grundwasser entnommen, da Weißenhorn im 19.Jhdt. noch keine zentrale Wasserversorgung besaß. 1913 erfolgte der Anschluss des Maschinenhauses an das städt. Wassernetz. Die Eisenbahnverwaltung garantierte eine Abnahme von 440 m³ Wasser im Jahr bei 60 M Wasserzins. Da die Lokomotiven zu Beginn des Betriebs noch mit Torf beheizt wurden, erbaute man neben dem Maschinenhaus eine Torfremise zur Lagerung des Brennmaterials. Später kam ein Kohlenbansen hinzu.

Der Lokschuppen wurde um 1950 abgebrochen. Während er auf den Luftbildern der brit. Luftaufklärung von 1944 noch eindeutig zu lokalisieren ist, finden sich 1957 hier nur noch Fundamentreste. Die Fläche lag nach Abbruch des Lokschuppens lange Zeit brach. Teilflächen wurden kleingärtnerisch genutzt.

Im Zuge der Reaktivierung der Eisenbahnstrecke wurden die nicht unmittelbar dem Eisenbahnverkehr dienenden Flächen von der Bundesimmobilienverwaltung an die Stadt verkauft. Bei der Aufplanung des Geländes wurde darauf geachtet, dass von hier später auch evtl. wieder eine Beladung von Eisenbahnwagen stattfinden kann. Die Fläche wird daher zurzeit nur als Lagerfläche vermietet.

Josef-Kögel-Str. 4 – Landwirtschaft Jedelhauser

Unter Vorlage eines Baulinienplanentwurfs beantragt der Landwirt Johann Jedelhauser den Bau eines Wohnhauses (Josef-Kögel-Str. 4). Dieser Bauantrag ist im Bauantragsverzeichnis nicht enthalten. Im Lageplan zur Baulinienfestsetzung ist westlich eine Scheune als Bestand eingetragen, für die ebenfalls kein Bauantrag verzeichnet ist. Vermutlich wurde der Stadel ohne Genehmigung erbaut und nach dem Brand 1928 an anderem Standort neu errichtet.

1921 baut Johann Jedelhauser eine Remise an das Wohnhaus an. 1922 stimmt der Stadtrat einem Tekturplan nicht zu, da der bereits errichtete Stadel nicht den baupolizeilichen Vorschriften entspricht. 1923 wird eine Stallung angebaut.

1928 brannte die Scheune ab, wurde wieder aufgebaut und durch den Anbau einer Remise erweitert.

Am 13.09.1944 wurde das Anwesen durch 7 Bomben schwer beschädigt.

Josef-Kögel-Str. 6 – Skifabrik Laupheimer

Die Firma Anton Laupheimer begann 1891 in der Wagnerei Günzburger Straße 10 Ski herzustellen. 1902 erschien der erste Fabrikationskatalog. 1912 erhielt Anton Laupheimer auf der internationalen Wintersportausstellung in Wien die erste Goldmedaille für seine vortrefflichen Erzeugnisse. 1919 war die Firma mit Rodelschlitten und Skiern auf der Leipziger Messe vertreten. Im Jahr 1922 beantragte Anton Laupheimer den Bau einer Fabrik auf dem Grundstück Josef-Kögel-Str. 6. Der Stadtrat war bereit, die Baulinienplanung unter den gleichen Bedingungen wie bei Jedelhauser zu erweitern.

1923 baute Laupheimer eine Holztrockenhütte und ein Nebengebäude. Der Bauantrag für den Fabrikneubau datiert von 1922, die Fertigstellung wurde erst zum 15.07.1925 gemeldet. Die Bauaufsichtsbehörde stellt einige Mängel fest, die bis 01.07.1926 behoben werden mussten. Zu der Baumaßnahme gehörte auch der Neubau eines stattlichen Wohnhauses. 1925 kamen ein Skilager und eine Abortanlage hinzu. 1927 wurden weitere An- und Umbauten vorgenommen.

Das Sägewerk Haas auf dem südlich angrenzenden Grundstück ging wohl in der Weltwirtschaftskrise in
Konkurs und wurde daraufhin von der Fa. Laupheimer übernommen. Das Wohnhaus Josef-Kögel-Str. 8 des Heinrich Haas wurde mit einem eigenen Grundstück abgeteilt.

1930 und 1934 wurden die Betriebsanlagen nochmals erweitert. Auch während der Kriegsjahre ging die Produktion weiter. Laupheimer statte sowohl die deutsche Olympiamannschaft als auch die Wehrmacht mit Skiern aus. Mit den Erfolgen warb man auf dem Briefkopf und ließ eine idealisierte Firmenansicht lithografieren.

Laupheimer stellte auch Ski-Rohlinge aus Hickory-Holz her und verkaufte diese zur Weiterverarbeitung an andere Hersteller. Das Rohmaterial wurde in Form von Baumstämmen mit der Eisenbahn angeliefert.

Um Lagerfläche für das Holzmaterial zu erhalten, wurde in den 40er-Jahren ein Grundstück an der Rudolf-Diesel-Str. als Lagerfläche genutzt und mit einem Feldbahngleis angebunden.

Bei dem Bombenangriff am 13.09.1944 blieb die Fa. Laupheimer weitgehend unbeschädigt.

Nach dem Krieg wurde schnell die Produktion wieder aufgenommen und hierzu die Betriebsanlagen erweitert. 1946 wurde eine Holztrockenanlage in Betrieb genommen, 1951/52 wurden Werkstätten angebaut und 1954 ein Generatorraum und ein Späne-Silo.

1957 wurde ein weiterer Anbau an die Fabrik vorgenommen. Am 11.11.1957 entstand ein Großbrand, der schwere Schäden verursachte. Eine Halle wurde komplett zerstört. Im folgenden Jahr 1958 wurde die Halle wieder aufgebaut.

Anfang der 70er-Jahre wurde der hohe gemauerte Kamin nicht mehr benötigt und durch eine Sprengung abgebaut.

1974 wurde noch ein Holzlagerschuppen gebaut. Die Firma geriet Mitte der 70er-Jahre in finanzielle Schwierigkeiten. Der Markt veränderte sich und die saisonale Auslastung führte zu Problemen. Der Seniorchef zog sich zurück und der Sohn versuchte, durch Aufbau weiterer Produkte (Tennisschläger) den drohenden Konkurs abzuwenden. Dies gelang jedoch nicht. Der Betrieb in der Josef-Kögel-Str. wurde aufgegeben und verkauft. 1978 baute Laupheimer in der Robert-Bosch-Str. 8 ein neues Fabrikationsgebäude. Aus der Konkursmasse entstand eine neue Firma: Weißenhorner Sportgeräte GmbH. Doch auch diese konnte sich langfristig nicht am Markt etablieren. Das neue Werksgebäude wurde an die Fa. Oetinger verkauft.

Der Standort in der Josef-Kögel-Str. wurde von der Spedition Gerstlauer aufgekauft und zu einem Logistik-Terminal umgebaut. 1978 wurde die Sägerei zu einer Lkw-Abstellhalle umfunktioniert.

Um 1985 wurde das Arbeiterwohnhaus Am Eisenbahnweiher 14 abgebrochen.

1992/93 wurde eine neue Umschlaghalle hinzugebaut.

2018 gab die Spedition Gerstlauer ihren Standort in der Josef-Kögel-Str. auf und entwickelte an der Autobahnausfahrt Vöhringen/Weißenhorn an der A 7 einen neuen Standort.

Josef-Kögel-Str. 8 – Sägewerk Haas

Im Jahr 1922, zeitgleich mit den Ansiedlungsplänen der Fa. Laupheimer auf Josef-Kögel-Str. 6 erwarb die Fa. Heinrich Haas hier ein Grundstück und beantragte den Bau eines Sägewerks mit Wohnhaus. Am 19.08.1922 wurde auch ein Gleisanschluss an die Eisenbahn beantragt. Dieser Gleisanschluss kam jedoch nicht zustande. Die Fa. Haas benutzte das auf der anderen Straßenseite liegende Freiladegleis beim Bahnhof und verlegte 1923 nur Rollbahngeleise für den Holztransport.

1923 erbaute Heinrich Haas Am Eisenbahnweiher 14 ein Arbeiterwohnhaus mit zwei Wohnungen.

1924 errichtete Haas eine Autogarage. Die Inflation setzte dem jungen Unternehmen stark zu. Der Straßenausbau der Josef-Kögel-Str. musste 1924 schon über eine notarielle Sicherheitsleistung für die Straßenherstellung abgesichert werden. Die Firma ging in Konkurs. Das Gelände mit den Betriebsgebäuden wurde von der benachbarten Firma Laupheimer aufgekauft und in deren Betrieb eingegliedert.

Die weitere Entwicklung des Grundstücks ist unter Josef-Kögel-Str. 6 behandelt.

Josef-Kögel-Str. 18

Das Grundstück wurde an der Kreuzung mit dem Eisenbahnweiher vor 1945 mit einem landwirtsch. Stadel unbekannten Baujahrs bebaut. Dieser wurde ca. 1955 abgebrochen, 1957 sind nur noch die Fundamente zu sehen.

1975 entwickelte sich hier ein Fuhrunternehmen, welches eine Lkw-Garage erbaute. Das Grundstück wird bis heute als Standort einer Spedition genutzt.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.