Historischer Abriss

Historischer Abriss

Weißenhorn als älteste und einzige historische Stadt im Landkreis Neu-Ulm blickt auf eine über 850-jährige bewegte Geschichte zurück. Eine alamannische Besiedlung ist durch Funde belegt, eine römische Siedlung (Venaxomodorum) wurde mehrfach vermutet, bisher aber nicht bewiesen. Erste urkundliche Erwähnung findet die Stadt im Jahre 1160 bei der Einweihung der ersten Klosterkirche in Roggenburg. Der Name „Weißenhorn“ leitet sich von den Herren von Marstetten und Neuffen ab, welche im Frühmittelalter die Herrschaft innehatten und die drei Jagdhörner in ihrem Wappen führten. Nachdem dieses Geschlecht 1342 im Mannesstamm erlosch, kam Weißenhorn an die bayerischen Herzöge, die es 1376 an die Herren von Rechberg verpfändeten. Die regelmäßige Anlage der Stadt mit Herrschaftsbereich im Süden, Hauptstraße und fischgrätartigen Nebengassen lässt auf eine geplante Siedlung schließen. Schon zu jener Zeit bestanden größere Siedlungsbereiche außerhalb der Stadtbefestigung (Obere Vorstadt und Untere Vorstadt). 1390 wird die Schranne als Kaufhaus erwähnt, was die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt im Mittelalter unterstreicht. Nach fast 100-jähriger Rechberg-Herrschaft löste Herzog Ludwig von Bayern-Landshut 1473 die Pfandschaft ein und gab der Stadt mit dem sog. Stadtbuch eine freiheitliche Stadtordnung. Über seinen Sohn Herzog Georg gelangte die Stadt im Landshuter Erbfolgestreit an Kaiser Maximilian, der den Herrschaftskomplex Kirchberg-Weißenhorn 1507 an den Augsburger Bürger Jakob Fugger übertrug. Die Fugger prägten die nächsten 500 Jahre die Geschichte der Stadt. Sie ließen auf Wunsch des Kaisers 1535 neben dem alten „Neuffenschloss“ das neue „Fuggerschloss“ erbauen. Durch den Ausbau der Barchentweberei (seit 1479 ist die Barchentschau im Wollhaus, heute Museum, belegt) erlebte die Stadt im 16. Jahrhundert ihre größte wirtschaftliche Blüte und machte durch die Qualität ihrer Waren sogar der benachbarten freien Reichsstadt Ulm erhebliche Konkurrenz. Durch Intervention beim Kaiser erreichten die Ulmer, dass die Fugger gegen eine Abstandszahlung die Weberei in Weißenhorn aufgaben. Im 17. Jahrhundert wurde ein Kapuzinerklosters gegründet. Auch das sonst baufreudige Barock hinterließ, abgesehen von der Barockisierung der Schlösser, wenig originäre Spuren im Stadtbild. Dafür brachte die Stadt mit den Malern Franz Martin Kuen und Konrad Huber sowie dem Dichter Sebastian Sailer bedeutende Künstler dieser Zeit hervor.

1806 wurde Weißenhorn dem neugeschaffenen Königreich Bayern zugesprochen. Das Kapuzinerkloster wurde in der Säkularisation aufgehoben und abgebrochen. Mit dem Bau des Krankenhauses 1835 außerhalb der Stadt begann die bauliche Entwicklung des 19. Jahrhunderts. Die Stadtmauer einschließlich dreier Stadttürme wurde abgebrochen. Zu dieser Zeit stellte Weißenhorn noch den wirtschaftlichen und politischen Mittelpunkt des heutigen Landkreises dar. Fortschrittliche Kräfte in der Stadt versuchten seit 1855 den Anschluss an das Eisenbahnnetz. Die ursprünglich favorisierte Streckenführung der Verbindung nach Memmingen durch das Rothtal scheiterte nicht zuletzt an Schwierigkeiten des Grunderwerbes. Für Weißenhorn blieb nach vielen Eingaben nur der Anschluss über eine Vicinalbahn nach Senden übrig. Diese wurde 1878 eröffnet und ermöglichte auch Weißenhorn eine Teilnahme am Eisenbahnverkehr. Der Bau der Eisenbahn im Westen der Stadt verbrauchte nicht nur eine große Fläche, sondern gab der Stadt auch eine neue Ausrichtung. Die Bahnhofstraße und die Östliche Promenade, die auf der Fläche der zugefüllten Stadtgräben entstanden, setzten eine stetige bauliche Entwicklung in Gang. Im Bereich des Bahnhofs entwickelten sich Ende des 19. Jhdts. erste Gewerbeflächen. Mit dem Umbau des Zehentstadels zu einem Theater und dem Bau der Stadthalle kam die Stadt dem kulturellen Bedürfnis des Bürgertums um die Jahrhundertwende nach. Weitere Siedlungstätigkeit fand im 19. Jh. in den Bereichen Schulstr., Kammerlanderstr. und Nikolaus-Thoman-Straße statt.

Diese Siedlungsentwicklung wurde zu Beginn des 20. Jhdts. kontinuierlich fortgesetzt. 1924 versuchte die Stadt das erste Mal, ihre zukünftige bauliche Entwicklung durch einen Baulinienplan zu ordnen. Nach diesem entstanden in den nächsten Jahren die Wohnsiedlungen im Hagenthal und an der Richard-Wagner-Straße. 1930 wurde ein Freibad in der Roth errichtet. Im 2. Weltkrieg wurde die Stadt nicht stark in Mitleidenschaft gezogen. Zerstörungen beschränkten sich im Wesentlichen auf das Lufttanklager im Eschach und den Bahnhofsbereich.

Zwischen 1945 und 1950 wuchs die Stadtbevölkerung durch den Zuzug von Heimatvertriebenen um 83%. Die hieraus entstehende Wohnungsnot wurde durch Neubausiedlungen im Eschach und im Bereich Lenbachstraße gemildert. Seit den 50er-Jahren verzeichnet Weißenhorn eine kontinuierliche Bevölkerungszunahme.

Weitere neue Baugebiete entstanden in der Folgezeit auf den östlichen Hängen der Stadt. Wenn die Stadt auch, besonders gegen Ende des 20. Jhdts., ihrer Mittelpunktsfunktion weiter verlustig ging, indem durch Verwaltungsreformen zunehmend Behörden aus der Stadt abgezogen wurden, wuchs doch der Wohnwert erheblich. Heute gilt Weißenhorn als bevorzugter Wohnstandort und weist durch eine vernünftige Baulandpolitik einen steten Zuzug auf. Die Infrastruktureinrichtungen hielten mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt. Durch die Gebietsreform 1972 und 1978 wuchs die Stadt um 10 Ortsteile. Seit den 80er-Jahren wurde nicht nur die Altstadt durch deren Sanierung aufgewertet, sondern auch die Verkehrsstruktur verbessert (Südtangente und Kreisverkehre). Die bisherige disperse Siedlungsstruktur konnte zu einem geschlossenen Siedlungsraum zusammengefasst werden.

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