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Der Hauptplatz – Archäologische Funde

Begleitend zum Ausbau des Hauptplatzes von 2009-2010 fanden archäologische Untersuchungen statt. Auch schon 1975 wurden parallel zum damaligen Ausbau Untersuchungen durchgeführt, allerdings nicht unter wissenschaftlicher Aufsicht. Es wurde versucht, diese Funde mit der Stadtentwicklung in Einklang zu bringen.

Untersuchungen 1976

Im April 1976 wurde der nördliche Hauptplatz bis zur Fortsetzung in die Reichenbacher Str. von Straßenbauamt ausgebaut. Parallel hierzu führte der Heimatforscher Hans Burkhart Grabungen durch, bei denen er einen kleinen Keller sowie mehrere Fundamentreste entdeckte. Diese kartierte er auf Millimeterpapier, allerdings ohne triangoläre Einmessung. Neben dem Keller fand er eine Abfallgrube (?), in der er Glasreste und Krautstrüncke fand. Weiter wurden diese Funde nicht dokumentiert. Burkhart schrieb den Keller dem in der Thoman-Chronik genannten Haus des Peter Seitz zu, was mit Sicherheit falsch ist. Das Haus des Peter Seitz muss sich weiter östlich befunden haben (siehe hierzu ‚Die Vorgängerbebauung am Hauptplatz‚.

Untersuchungen 2009

Die Untersuchungen während des Hauptplatzausbaus fanden durch ein archäologisches Fachbüro statt. Weil die Untersuchungen aber nur parallel zu den laufenden Bauarbeiten stattfinden konnten, standen die Grabungen unter einem enormen Zeitdruck. Viele Befunde konnten nicht weiter verfolgt werden, so dass nach den Grabungen noch viele Fragen offen sind und aufgrund der bruchstückhaften Befunde keine wissenschaftlich fundierte Aussage möglich ist. Viele Befunde lassen sich auch nicht hypothetisch einem Bauwerk oder einer Nutzung zuordnen.

Zwischen den Brückenfundamenten wurde eine Fläche mit Ziegelboden freigelegt. Dieser Ziegelboden unter der Fahrbahnschicht kann eigentlich nicht zur Straße gehören. Mit einigem Vorbehalt könnte der Ziegelboden hier dem Haus des 1488 abgebrochenen Haus des Peter Seitz zugeordnet werden, welches zum Bau der Befestigungsanlagen beseitigt wurde. Korrespondierende Mauerreste wurden allerdings nicht gefunden.

Die mehrfach angeschnittenen gemauerten Kanäle des 19. Jahrhundert sind weniger von Interesse, da sie auch durch zeitgenössische Planzeichnungen eindeutig zugeordnet werden können und somit keine neuen Erkenntnisse über die Stadtentwicklung und frühere Bebauungen ergeben. Ähnlich verhält es sich mit den beiden Brunnen vor den Gebäuden Hauptplatz 2 und Memminger Str. 2, die beide bereits im Urkataster 1823 an der richtigen Stelle dargestellt sind und deren Vorhandensein nun bewiesen wurde.

Der Stadtgraben wurde durch einen Geländeschnitt schön dokumentiert und entspricht der vermuteten Lage nach den Darstellungen des Urkatasters. Die im Grabungsbericht angesprochene Grabenverfüllung mit Brandschutt ist weiterhin nicht erklärbar. Der einzige größere Stadtbrand im Bereich des Hl.-Geist-Spitals ist für das Jahr 1493 belegt. Zu diesem Zeitpunkt war die 1487-88 neu angelegte Stadtbefestigung mit dem Oberen Tor noch so neu, dass eine Grabenverfüllung mit diesem Brandschutt sehr unwahrscheinlich ist. Diese Frage bleibt weiterhin ungeklärt.

Der von Burkhart 1976 aufgedeckte Keller war 2009 nicht mehr vorhanden. Der Keller wurde nach den vom ihm aufgenommenen Maßen in die Gesamtdarstellung der archäologischen Grabungen eingefügt und vervollständigt so die Befunde. Die westlich dokumentierten Fundamentreste wurden auch 2009 wieder aufgedeckt und ordentlich eingemessen. Die Zuordnung zu einer Brücke über den Graben ist glaubhaft.

Der 1976 aufgedeckte Keller und die 2009 ergrabenen Töpfergruben (die wohl mit Sicherheit überdacht waren) lassen sich mit einiger Sicherheit zur Lage eines Gebäudes zusammenführen.

Nicht geklärt werden konnten die Mauerstrukturen im nördlichen Bereich des Hauptplatzes an der Einmündung zur Fuggerstraße. (In der Mitte verläuft ein moderner Kabelkanal!)

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