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Gaststättennamen und Wirtshausschilder

Jede Gaststätte hat heute einen Namen und wirbt mehr oder weniger auffällig für sich. Das war aber nicht immer so! Wo kommen die Namen her und wie hat man früher geworben?

Heute ist es uns selbstverständlich, dass jede Wirtschaft einen Namen hat und bei der Suche nach dem passenden Namen ist man mittlerweile sehr erfinderisch und experimentierfreudig. Das war aber nicht immer so. Von den älteren Wirtschaften, die nicht mehr bestehen, sind die Namen nicht mehr bekannt, allenfalls wurden sie nach ihrem Inhaber benannt, wie z.B. die Schmid’sche Herberge beim ehem. Fuggergarten.

Die älteste Namensnennung einer Weißenhorner Wirtschaft bezeichnet 1629 den Gasthof Sonne in der Hauptstr. 12. 1636 wird erstmals das Gasthaus Memminger Str. 4 unter dem Namen ‚Zum Ritter St. Georg‘ genannt. Hier kann es sich aber auch um eine volkstümliche Benennung mit Bezug auf den Namen des Besitzers, Georg Bader, handeln.  Auch der Gasthof Kreuz wird bereits 1651 als Kreuzwirt bezeichnet.

Anfang des 18. Jahrhunderts forderte die Österreichische Regierung die Kennzeichnung der Gasthöfe, damit diese von den Ordonanzreitern leichter zu finden seien. Diese Forderung wurde letztlich in der Verordnung von Landsberg 1717 festgeschrieben. So erhielten die Gasthöfe Namen und Wirtshausschilder. Nachfolgend ist die erste Erwähnung der jeweiligen Namen in den Akten genannt, die eigentliche Namensgebung kann durchaus früher gewesen sein.

1702 wird der ‚Goldene Ochsen‘ (Schnaggele) genannt, 1706 der ‚Adler‘, 1716 die Stadtwirtschaft, der ‚Hirsch‚, der ‚Hasen‘, der ‚Engel‘, der ‚Bären‘ und die ‚Kanne‘, 1721 der ‚Pflug‘, 1729 das ‚Lamm‘, 1732 der ‚Storch‘, 1734 der ‚Rote Ochsen‘, 1736 der ‚Stern‚, um 1765 der ‚Hecht‘ und der ‚Grüne Baum‘, 1779 das ‚Weiße Rössel‘ und zuletzt 1787 das Bräuhaus. Selbstredend, dass alle späteren Gastwirtschaften von Anfang an einen zugkräftigen Namen bekamen.

Die Namensgebung orientierte sich an der Lebenswelt der damaligen Bevölkerung. So wurden in erster Linie Namen aus der Tierwelt gewählt, besonders, wenn sie noch einen Bezug zur Religion hatten. Wir finden die Symbole der 4 Evangelisten (Löwe, Adler, Ochsen (Stier) und Engel), das Lamm[Gottes] und den Ritter St. Georg. Sonne und Stern können sich auf die Religion oder den Tagesablauf beziehen, das Kreuz kann von einem Wegkreuz an der Straßengabelung Memminger Str./St.-Wendelin-Str. abgeleitet sein. Storch, Hecht, Hirsch und Hase beziehen sich auf häufig gesehene Tiere, der Pflug und der Grüne Baum auf die Landwirtschaft und die Traube auf den Wein. Die Glocke mag an die Sperrstunde erinnern. Nur die Kanne ist klar abzuleiten: der Vorbesitzer des Gebäudes war Kannengießer und stellte die Kannen für das Bier her. Warum man sie meist aber ‚Kante‘ schrieb und nannte, konnte nicht geklärt werden.

Ob alle Gaststätten damals neben dem Namen auch ein Wirtshausschild bekamen ist unbekannt. Fotografisch dokumentiert sind auf alten Fotos nur wenige der alten Wirtshausschilder, und das meist in schlechter Qualität, weil das Hauptaugenmerk des Fotografen nicht auf dem Wirtshausschild ruhte.

Der Grüne Baum, der Stern, der Pflug und der Hirsch bestanden zu der Zeit, als man mit dem Fotografieren anfing, schon nicht mehr, so dass wir nicht wissen, ob sie einmal solche Schilder besessen haben. Das Lamm, der Hasen, der Storchen, das Bräuhaus und die Stadtwirtschaft besaßen schon Anfang des 20. Jhdt. keine Ausleger mehr, wenn sie überhaupt einmal welche besaßen.

Der Engel hatte kein Wirtshausschild, aber einen Engel aus Blech auf dem Blendgiebel, der allerdings auch schon auf Fotos aus den 20er-Jahren nicht mehr zu sehen ist.

Von der Sonne ist auch kein Wirtshausschild bekannt, aber eine Sonnenblume aus Blech als Giebelzier.

Der Adler besaß früher einmal ein Wirtshausschild, welches heute im Heimatmuseum ausgestellt ist. Sein ‚Vogel‘ wurde mit nur 47/47 cm Größe aber scheinbar als so mickrig angesehen, dass man ihn im Volksmund ‚Spatzentoni‘ verhöhnte. Auf einem Foto um 1900 ist kein Ausleger mehr zu sehen (nicht zu verwechseln mit der Straßenlaterne!). Das 1969 im Zuge der Renovierung angebrachte Wirtshausschild hatte keinen gestalterischen Anspruch, ebensowenig wie die spätere Werbung der Pilsstube im Adler.

Einfache Wirtshausschilder aus Blech hatten der Hirsch und die Glocke. Der Hirsch hatte auch noch eine Wetterfahne aus Blech. Die Glocke erhielt einen neuen zeitgenössischen Ausleger, der aber auch keinen gestalterischen Anspruch aufwies.

Von der alten Kanne in der Memminger Str. ist kein Wirtshausschild bekannt, aber die neue Kanne in der Hollstr. Hatte noch in den 30er-Jahren eine Blechkanne auf ihrem Ausleger.

Der Rote Ochsen in der Günzburger Str. und der Gasthof Kreuz hatten schmiedeeiserne Ausleger, die fotografisch nur unzureichend dokumentiert sind und nicht erhalten wurden. Der Rote Ochsen bekam nach der Renovierung 1959 ein neues beleuchtetes Wirtshausschild, welches später auch noch durch ein genormtes Schild der Hacker-Pschorr Brauerei aus München ersetzt wurde.

Der große schmiedeeiserne Ausleger am Ritter St. Georg in der Memminger Straße wurde fotografiert, dann aber abgebaut und im Museum aufgehängt.

Der heute am Museum angebrachte Ausleger stammt vom Gasthaus Adler in Oberhausen. Er wurde 1986 umgearbeitet und an seinem neuen Ort aufgehängt.

Es sind aber auch einige Wirtshausschilder erhalten geblieben.

Der Gasthof Löwen zeigt heute noch einen vergoldeten Löwen auf einem schmiedeeisernen Untergestell. Das Original wurde um 1970 leider von einem Lkw angefahren und anschließend erneuert, wobei man aber auf eine gute handwerkliche Arbeit Wert legte. Neu war der ‚Weintrinker‘ in der Rosette am Gebäude. Nachdem im Jahr 1925 dem Vorgänger des Löwenwirts, dem Cafétier Stiegele die Anbringung eines Hinweisschildes an der Schranne erlaubt wurde, erhielt auch der Löwenwirt Wegele eine solche Erlaubnis und brachte 1946 an der Schranne einen schmiedeeisernen Ausleger an. Der Ausleger wurde zu unbekanntem Zeitpunkt in der Beschriftung angepasst.

Auch am Goldenen Ochsen (Schnaggele) ist der vergoldete Ochs noch vorhanden, obwohl sich hier schon länger keine Gastwirtschaft mehr befindet. Zudem trägt das Schnaggele eine mit 1986 datierte Wetterfahne mit den Initialen A.W., Anton Walser als damaliger Besitzer der Wirtschaft.

Ein vergoldetes Pferd war auch bis ca. 1995 noch am Ausleger des Rössle in der Reichenbacher Str. vorhanden. Unter dem Vorwand der Reparatur wurde die Figur abmontiert und wahrscheinlich irgendwo verscherbelt. Ein paar Jahre blieb der nackte Ausleger noch und wurde bei der Fassadenrenovierung dann abgebaut. Interessant ist hier, wie sich auch die Beschriftung des Leuchtkastens im Laufe der Zeit änderte und angepasst wurde.

Am Bären ist die Figur des auf einem Fass sitzenden Bären mit den Zunftzeichen der Maurer, Zimmerleute, Müller und Bäcker in den Pfoten noch erhalten. Der Bären war einst Zunftlokal dieser Berufe. Auch die Wetterfahne auf dem Giebel mit einem Bären ist noch vorhanden. Die Bärenfigur ist allerdings nicht alt, sie wurde um 1935 erneuert, auch wenn sie auf der Maurerkelle mit 1706 bezeichnet ist. Wahrscheinlich hat man bei der Neuanfertigung des Bären die alten Zunftzeichen wiederverwendet. Alte Fotos zeigen noch die alte Figur. Diese stand und saß nicht auf dem Fass. Sie hatte allerding nicht viel mit einem Bären gemein, vielleicht war sie aber auch nur stark abgewittert.

An der Weinstube ‚Zum guten Tropfen‘ der Fam. Hinträger in der Günzburger Str. 8 hat man in den 30er-Jahren auch einen Ausleger angebracht, der noch auf die damalige Küferei verweist.

Der große schmiedeeiserne Ausleger an der Traube wurde erst 1957 angebracht. Früher hatte die Traube keinen Ausleger.

Die neueren Gaststätten brachten zwar für sich auch Werbeanlagen an, aufwändige und künstlerisch gestaltete Ausleger waren aber nicht mehr in Mode. Nur die Bäckerei Reißler in der Memminger Str., obwohl keine Wirtschaft, ließ bei ihrem Neubau 1980 einen schmiedeeisernen Ausleger anbringen.

Quellen:

Quellen:
1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17 Heimatmuseum Weißenhorn; Foto: Heimatmuseum Weißenhorn

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