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Das Gasthaus Schönblick – Roggenburger Str. 46

Das Gasthaus Schönblick entstand 1929 durch einen Neubau als Ausflugsgaststätte, nachdem ein Vorgängerbau abgebrannt war. Es wird heute als Privathaus genutzt.

Im Bereich der östlichen Roggenburger Str. wurden ab ca. 1840 von den Weißenhorner Brauereien Bierkeller errichtet. An dieser Stelle befand sich der Bierkeller der Löwenbrauerei (Martin-Kuen-Str. 5), den der Löwenwirt Hörmann um 1882 dem Stadtwirt Xaver Ege abkaufte. Hörmann gab 1915 die Brauerei auf, spätestens 1918 wurde die Brauerei komplett stillgelegt. Der Postsekretär Christian Beck hatte bereits 1921 in den Kelleroberbau des Löwenkeller (Roggenburger Str. 44) eine Wohnung eingebaut. 1927 wurde noch das Sommerhaus des Löwenkeller um einen Anbau mit Kegelbahn erweitert. Es ist noch nicht geklärt, ob auch schon diese Gebäude als Wirtschaft genutzt wurden. (Die Geschichte der Bierkeller an der Roggenburger Str. wird in einem gesonderten Artikel behandelt.)

Am 10.06.19921 stellte der Oberpostassistent Christian Beck den Antrag auf Einbau einer Wohnung in einen Kelleroberbau an der Roggenburger Straße. Wegen der akuten Wohnungsnot stellte ihm die Stadt für den Wohnungsbau ein Gemeindedarlehen von 1750 M in Aussicht. 1926 zäunte er das Gelände ein und 1927 errichtete er einen Anbau an das Sommerhaus. Der Anbau bestand aus einer Schankstätte und einer offenen Kegelbahn.

Um 1928 brannte das Gebäude ab. 1929 stellte Christian Beck, Postsekretär, den Antrag auf Wiederaufbau des abgebrannten Wohnhauses. Der Ersatzbau wurde aber nicht an derselben Stelle, sondern etwas weiter westlich errichtet. Scheinbar konnte Beck aber die Mittel für den Neubau nicht aufbringen. Ihm sprang Karl stiegele bei, der am 28.05.1929 sein Café Martin-Kuen-Str. 5 (Gasthaus Löwen) an Sylvest Wegele verkauft hatte. Stiegele kaufte den Neubau in der Roggenburger Str. Zwei Jahre später konnte Beck das Haus wieder zurückkaufen.

Am 06.06.1930 beantragte Karl Stiegele die Gaststättenkonzession und beabsichtigte hier eine Fremdenpension einzurichten. Das Gesuch wurde zunächst zurückgestellt. Am 20.06.1930 wurde die Gaststättenkonzession für ein Café an den Konditor Stiegele erteilt, die Transferierung der Taferngerechtigkeit (Recht zur Gästebeherbergung) von Hauptstr. 12 (ehem. Gasthaus Sonne) hierher wurde aber abgelehnt, weil bei der großen Zahl hier vorhandener Gastwirtschaften ein Bedürfnis zur Neuerrichtung einer Gastwirtschaft an der äußersten Grenze des bebauten Teils der Roggenburger Str. nicht anerkannt werden kann. Am 11.07.1930 wurde der Transferierung der Taferngerechtsame von dann doch zugestimmt, weil Stiegele eine Fremdenpension einrichten will und eine solche bisher nicht vorhanden ist.

Am sog. Schönblick befanden sich noch in den 30er-Jahren die Eisgalgen, an denen im Winter das Eis für die Brauereikeller ‚gezüchtet‘ wurde.

Am 04.12.1931 kaufte Christian Beck die Gaststätte von Karl und Adelheid Stiegele zurück. Die Stadt verzichtete auf die Ausübung ihres Vorkaufsrechts. Am gleichen Tag erhielt Theres Beck die Gaststättenkonzession zum Fortbetrieb der Gastwirtschaft Schönblick. Diese entwickelte sich in den 30er-Jahren zu einer vielbesuchten Ausflugsgaststätte.

Im Jahr 1939 verlegte die kgl. priv. Schützengesellschaft ihre Schießanlage von der Hasenwiese (Reichenbacher Str. 21a) nach hierher. Die Gaststätte diente dann auch als Vereinslokal der Schützen. Diese waren aber mit dem Standort nicht recht glücklich. Der Schießstand am Schönblick wurde schon ab 1954 nicht mehr voll genutzt. Die Schützen richteten sich ein Heim im Gasthof Rössle ein, ab 30.06.1973 traf man sich in der Rose in Grafertshofen.

Es ist nicht dokumentiert, zu welchem Zeitpunkt der Gaststättenbetrieb aufhörte. Schon 1959 wird die Gaststätte als solche nicht mehr im Adressbuich erwähnt. Christian Beck bleibt bis mind. 1968 Eigentümer, danach wird das Gebäude vermietet. Um 1985 wird es verkauft, umgebaut und modernisiert, hierbei wurden die Fenster erneuert. Der neue Eigentümer betreibt auf dem Grundstück eine private Pferdehaltung.

Der Früher freie Blick auf das Gebäude ist mittlerweile durch die Neubauten an der Roggenburger Str. verdeckt.

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