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Historische Weißenhorner Gastwirtschaften

„Wenn der Teufel neben jede Kirche ein Wirtshaus baut, dann war er in Weißenhorn besonders fleißig!“ Dieser fast sarkastische Satz stammt aus einem unveröffentlichten Manuskript von Eduard Mährer um 1950 im Stadtarchiv Weißenhorn. Nun ja, Weißenhorn blickt auf eine alte Brautradition zurück und beherbergte insgesamt 21 Brauereien in seinen Mauern, von denen im Spitzenjahr 1799 17 gleichzeitig in Betrieb waren. Über die Jahre hinweg bis heute sind insgesamt 66 Gaststätten bekannt. Interessant ist, dass sich die Zahl der gleichzeitig aktiven Gastwirtschaften seit 1716 konstant um 25 hielt. Auch heute noch finden wir 23 Lokale in Weißenhorn, wenn sich auch der Schwerpunkt auf kleinere Cafés, Bistrots, Pizzerien und Kebap-Lokale verschoben hat.

Die ersten Wirtschaften bis 1600

Die einzelnen Geschichten der Gebäude sind unter deren Adresse separat behandelt und können einzeln aufgerufen werden. Der Artikel beruht teilweise auf unveröffentlichten Manuskripten des Heimatforschers Eduard Wylicil aus den 50er-Jahren. Die Manuskripte wurden dem aktuellen Forschungsstand angebracht.

Die ersten Wirtschaften in Weißenhorn lassen sich nur schwer feststellen. Das Stadtbuch vom Jahre 1474, das die Ordnung für die einzelnen Gewerbe festsetzt, enthält in dem Kapitel „Von der wiert wegen“ wohl genaue Vorschriften über das Weinschenken, aber keine Silbe vom Bierbrauen. In den Steuerverzeichnissen sind meist keine Berufe vermerkt. Es sieht so aus, dass die Konzessionierung der Brauereien wohl erst 1594 eingeführt wurde, vorher konnte scheinbar jeder brauen, wobei es auch keine Aufsicht über die Qualität gab. Es gab zwar ab 1516 das sog. Bayerische Reinheitsgebot mit einem Vorläufer durch Herzog Georg den Reichen von 1493, aber zumindest in der Stadt Weißenhorn ist keine frühere Kontrolle und Konzessionierung als 1594 bekannt.

Die älteste erwähnte Wirtschaft in Weißenhorn ist die sog. ‚Schmidtsche Herberge‘ vor dem Oberen Tor. Ab 1548 ist dieses Anwesen als ‚Schmidt’sche Herberge‘ bezeichnet und gehörte der Fam. Schmidt ab 1538. Vielleicht war es auch schon früher unter Alexi Seitz ein Gasthaus. Es muss sich um ein sehr großes Anwesen gehandelt haben, denn der letzte Eigentümer Wilhelm Schmidt war mit einem Steuersatz von 28 fl im Jahr einer der größten Steuerzahler und daher wohl auch einer der reichsten Bürger in Weißenhorn. Die Steuerlisten der Oberen Vorstadt beginnen immer mit diesem Anwesen. Dies ist entweder seiner Bedeutung geschuldet oder lässt eine etwas abseitigere Lage vermuten. Der Standort dieses Anwesens konnte noch nicht genau bestimmt werden.

1581 verstarb der Wirt Wilhelm Schmidt. Im Steuerbuch B 84 ist im Jahr 1581 eingetragen ‚Wilhelm Schmidts Erb Herr Doctor Albrecht und Michel Paul Schmidt‘. Während wir einen Dr. Albrecht in Weißenhorn nicht finden (er lebte scheinbar nicht hier) finden wir Michael Paul Schmidt ab 1587 auf dem Haus Hauptstr. 7 und die alte Herberge am Hauptplatz ist nicht mehr erwähnt. 1594 sind die Fugger als Eigentümer genannt ‚Herr Philipp Eduardt Fuggh Freyherr zu Kirchperg und Weissenhorn (?) sein Gnediger Herr mer Auß herrh. Bauernß gart (vorher Wilhelm Schmidt)‘ Die Fugger haben das Anwesen zwischen 1581 und 1594 erworben und auf diesem Gelände ihr heute noch stehendes Gartenschlösschen (jetzt Kammerlanderstr. 3) errichtet. [1]Im Fuggerarchiv Dillingen taucht die Schmidtsche Herberg mit Garten in den Rechnungsbüchern FA 77.1.3 – 77.1.9 der Jahre 1603-1610 auf. Ab 1595 ist auf dem Haus Hauptplatz 6 ein Martin Schmidt (Sohn oder Bruder des Michael Paul Schmidt) verzeichnet, der hier die Brautradition der Familie fortführt. 1633 erhält sein Sohn oder Bruder Hans Schmidt auf dem Haus Hauptplatz 8 ebenfalls ein Braurecht. Die Gaststätte auf Hauptplatz 6 bestand bis 1697, als der benachbarte Lammwirt Michael Stigele das Haus mit Braurecht für 850 fl, mit der Braugerechtigkeit, von seinem Vetter Hans Benz, Bürger und Bierbräuer, erwarb. Er verkauft alles vorhandene Bräuzeug samt 10 Faß Bier, den eisernen Ofen samt den Schäfflen, den kupfernen Kragen auch alles Branntweinbrennzeug samt den Ständern und Fässlein, 2 Messinghahnen, 3 kupferne Maß und einen Trichter etc.

Nachdem das Lamm auch bereits 1556 als Wirtschaft erwähnt ist, bestanden an dieser Stelle also 3 Gastwirtschaften nebeneinander. Das Gasthaus auf Hauptplatz 8 wurde 1674 aufgegeben, das Braurecht wurde auf das Gasthaus Kanne, Memminger Str. 11, übertragen.

Das Gasthaus ‚Zum Ritter Georg‘ in der Memminger Str. 4 wird auch ab 1556 als Gastwirtschaft erwähnt, Wirt war ein Hans Schlegel aus Ulm. Das Gebäude steht heute noch, wurde aber bereits 1919 als Gaststätte aufgegeben.

Weitere Bräuer werden im Steuerverzeichnis 1556 genannt. Es sind dies das Gasthaus Lamm am Hauptplatz 7 und die Braugaststätte des Hans Leichtle in der Heilig-Geist-Str. 2, von der aber nie ein Name genannt wurde. Während das Lamm bis heute existiert und somit die älteste Brauerei und das seit längster Zeit als Gastwirtschaft geführte Lokal ist, wurde die Brauerei Leichtle (später Roth) 1674 aufgegeben und deren Braurecht auf den Gasthof Löwen übertragen.

Auch 1556 werden mit Joachim Bertele auf Memminger Str. 18 und Martin Müller auf Wettbach 7 zwei weitere Wirte genannt ohne dass an anderer Stelle auch ein Hinweis auf eine Gastwirtschaft zu finden ist. An beiden Stellen könnte es sein, dass sich hier zwei Gastwirtschaften befunden haben, die aber bereits 1567 im nächsten Steuerbuch nicht mehr erwähnt werden.

Eine weitere unsichere Gaststättenzuordnung haben wir von 1567-1610 auf dem Haus Günzburger Str. 1. Hier werden die Eigentümer Hans Mayer und Ulrich Mayer als Köche bezeichnet, ohne dass in anderen Quellen die Existenz einer Wirtschaft nachgewiesen werden kann. Erst 1636 wird hier mit Michael Linckh explizit ein Wirt des späteren Gasthauses Stern erwähnt.

Sicher ist, dass zwischen 1562 und 1567 Anton Roth am Kirchplatz 6 das Bräuhaus erbaute, nach dem Lamm die zweitälteste Brauereigaststätte der Stadt.

Auf der Stadtwirtschaft Hauptstr. 28 ist ab 1594 Andreas Baur als Eigentümer verzeichnet, bei der Beschreibung des Anwesens wird ein Bräuhaus erwähnt. Demnach gehört auch die Stadtwirtschaft zu den ältesten Gasthäusern in Weißenhorn. Ab jetzt gab es 7 Gaststätten in Weißenhorn.

1594 ordnete die Stadt das Brauwesen neu und vergab Konzessionen für das Brauen (siehe Kapitel Konzessionen). Demnach gab es vor 1614 nur noch 5 alte Brauereien, das Lamm, das Brauhaus Leichtle, das Bräuhaus und den Stadtwirt. Hinzu kam die erst 1595 erwähnte, als Ersatz für die Schmidtsche Herberge neu entstandene Brauerei am Hauptplatz 6, deren Name nicht überliefert ist und die die Braurechte der Schmidtschen Herberge übernommen hatte, sie wurde von derselben Familie geführt.

Die Blüte der Brauereigründungen 1600-1700

Ab 1614 haben wir über die Steuerbücher eine abschließende Auflistung aller Gastwirtschaften und Brauereien. Zu den bereits erwähnten Brauereien kamen ab 1614 noch der Pflug (Günzburger Str. 4) hinzu, der wohl eine der bestehenden Konzessionen übernommen hatte. Auch die Sonne wird 1614 erstmals als Schankwirtschaft bezeichnet, ein Braurecht wird nicht erwähnt. 1633 kam eine neue namenlose Brauereigaststätte am Hauptplatz 8 durch die Familie Schmidt (HP06) hinzu, 1636 der Gasthof Stern definitiv als Brauerei (Günzburger Str. 1) und die Brauerei zum Kreuz am Ortsrand von Grafertshofen (Memminger Str. 54). Im Jahr 1651 kamen gleich vier Brauereien hinzu, der Rote Ochsen (Günzburger Str. 2), das Rössle (Reichenbacher Str. 5), der Storchen (Reichenbacher Str. 11, ebenfalls von der Bräuerfamilie Schmidt) und der Grüne Baum (Schulstr. 1) und 1654 mit dem Schwarzen Adler (Memminger Str. 7) und der Brauerei Glocke (Memminger Str. 29) noch einmal zwei weitere. Vielleicht ist diese Gründungswelle auch als Befreiung nach dem dreißigjährigen Krieg anzusehen. Nun waren es schon 13 Brauereien und 2 Schankwirtschaften.

Doch die Gründungsphase war noch nicht vorbei. 1660 kamen mit dem Bären (Hauptstr. 21) und dem Löwen (Martin-Kuen-Str. 5) zwei weitere Brauereien hinzu, wobei man Bären nicht weiß, ob das Braurecht von 1594 nicht doch zeitweise ausgeübt wurde ohne eine richtige Gastwirtschaft zu führen. Der Löwen übernahm zwischen 1660 und 1674 das Braurecht des Brauhauses Leichtle, welches seinen Betrieb einstellte. Auch die beiden Brauereien Hauptplatz 6 und 8 stellten 1674 bzw. 1697 ihren Betrieb ein und verkauften ihre Braugerechtigkeiten. Der zwischen beiden liegende Lammwirt übernahm die Braugerechtigkeit von Hauptplatz 8 und avancierte damit zur damals größten Weißenhorner Brauerei. Das Braurecht von Hauptplatz 8 wurde von dem Kannengießer Hans Dietsch auf Memminger Str. 11 erworben, dessen Sohn beim Engelwirt Linckh ab 1669 das Bräuerhandwerk erlernt hatte und nun hier eine eigene Brauerei eröffnete, die er in Erinnerung an den Beruf des Vaters Gasthaus Kanne nannte.

Hier wurde jetzt die Brauerei Engel genannt, in der Hans Dietsch ab 1669 das Bräuerhandwerk gelernt habe. Im Steuerbuch wird Hans Linckh aber erst 1674 als Käufer des Engel und das erste Mal ein Braurecht erwähnt. Es ist also durchaus möglich, dass der Engel schon früher als Brauerei bestanden hat und Linckh ein angestellter Bräuer des Eigentümers Hans Christoph Wagner war. Immerhin hat das Haus bereits von 1548-1567 dem Anton Roth gehört, welcher zwischen 1562 und 1567 das Bräuhaus erbaute. Von 1584-1601 war das Haus im Besitz der Familie Kretz, auch einer bekannten Bräuerfamilie der Stadt.

Außerdem erscheint im Steuerbuch 1660 auf der Memminger Str. 24 eine nicht weiter dokumentierte Wirtschaft, da hier ausdrücklich eine neu erbaute Bräustatt verzeichnet wird, weswegen die Steuergrundlage des Gebäudes um 100 fl heraufgesetzt wird. Diese Bräustatt erscheint aber später nicht mehr wieder, obwohl schon seit 1650 alle Braurechte immer verzeichnet sind.

Eine Sonderstellung nimmt die sogenannte ‚Blumenwirtschaft‘ (Reichenbacher Str. 8) ein, da sie eigentlich illegal war. Die Kapuziner brauten in ihrem 1671 eingeweihten Kloster ihr eigenes Bier, das sie nach damaligem Recht aber nicht verkaufen durften. Der Sonnenwirt Seitz, Hauptstr. 12, kaufte 1660 die ehem. Stahlschützenhütte (Reichenbacher Str. 8) als Stadel. Er hatte keine eigene Brauerei und musste daher das Bier bei den konzessionierten Weißenhorner Brauereien einkaufen. Um diesem Monopol zu entgehen, kaufte er das Bier wohl bei den Mönchen ein, die hierdurch eine zusätzliche Einnahmequelle erhielten. Im Steuerbuch ist die ehem. Stahlschützenhütte erwähnt beim Sonnenwirt, nun bezeichnet als des ‚Blumenwürths und seinem Nebenstädelin‘. Die Blumenwirtschaft führte zu Protest in der Bürgerschaft, besonders bei den anderen Wirten. Gegen Johann Seitz wollte man wohl wegen seiner sozialen Stellung nicht vorgehen, aber beim Verkauf der Hütte an Christoph Lutzenberger und der nachfolgenden Verpachtung des Stadels an den Nagelschmied Melchior Müller (RB15) verpflichtete man diesen, kein Bier auszuschenken. Diese Auflage war möglich, weil die Stadt den Stadel um 1682 wieder erwarb und um 1692 weiterverkaufte. So währte diese Wirtschaft nicht lange.

Im Jahr 1674 werden der Engel (Hauptstr. 9) und der Kantenwirt (Kanne, Memminger Str. 11) offiziell als Brauerei geführt und 1684 eröffnete die Traube am Kirchplatz 8 eine weitere Schankwirtschaft. So zählte die Stadt um 1700 16 aktive Brauereien und 3 Schankwirtschaften.

Dafür schied das Bräuhaus aus den öffentlichen Brauereien aus. Um 1654/55 zeigten die Fugger sich an dem Gebäude unmittelbar neben ihrem Schloss interessiert und kauften es dem Eigentümer Christoph Nusser ab. Nusser errichtete mit dem Kaufpreis das Gasthaus mit Brauerei Zur Glocke in der Memminger Str. 29. Der Stadt gefiel dieser Verkauf gar nicht. Sie fürchtete die Konkurrenz für die örtlichen Wirte, wenn die Herrschaft selbst Bier verkaufte. Am 04.10.1658 schloss man einen Vergleich mit den Fuggern, dass sie in ihrer erkauften Bräustatt Bier brauen dürfen, jedoch nur für ihre Hofhaltung und die Bediensteten. Den Untertanen soll es nicht verboten sein, bei den Wirten in der Stadt ihr Bier zu trinken und das Bier fassweise zu kaufen. Ebenso sollen sie nicht gehindert sein, Malz und Gerste auf den feilen Markt zu bringen. Der Magistrat verbot den Bürgern, hier Bier zu kaufen, zumindest wurden die Betroffenen geächtet.

Konsolidierung des Brauwesens 1700-1800

Im 18. Jahrhundert kommen nur noch zwei Brauereien hinzu, 1706 der Hirsch (Hauptstr. 24) und 1716 der Hasen (Hauptstr. 13). Der Hirsch übte sein Braurecht aber nur bis 1739 aus. Am 05.11.1739 verkaufte der Hirschwirt Jakob Frick sein Braurecht an seinen Nachbarn, den Stadtwirt Beyhel (Hauptstr. 28), für 100 fl, „so daß auf ewige Zeit diese Bräugerechtigkeit weder auf sein noch ein anderes Haus gezogen werden kann, sondern gänzlich aufgehoben sein soll“; der „Hirsch“ bleibt Weinwirtschaft und Posthalterei.

Beim Gasthof Hasen ist es ähnlich wie beim Bären: hier bestand zwar auch schon seit 1594 ein Braurecht, aber in den folgenden 122 Jahren wird das Gebäude nie als Wirtschaft oder Braustätte erwähnt. 1623 kauft es Johann Zeller, Sekretarius zu Wettenhausen, der hier bestimmt nicht gebraut hat und 1636 ist das Anwesen im Steuerbuch gestrichen. Evtl. war das Haus baufällig oder abgebrochen. 1651 wird das Haus von Andreas Rueß neu erbaut und Ende der 1660er-Jahre von Hans Link erworben. Dieser ist der Sohn des Sternwirts Michael Link und seit mind. 1669 auf dem Engel als Bräuer tätig, hat also hier wohl auch nicht gebraut. 1674 kauft er den Engel und zieht dorthin. Er verkauft den Hasen an Wilhelm Rueß, wieder ist kein Beruf genannt oder ein anderer Hinweis auf eine Wirtschaft. Etwas vor 1710 geht das Haus an seinen Sohn Johannes über und 1716 wird erstmals ein Hasenwirt erwähnt.

1702 entsteht mit dem Goldenen Ochsen (Schnaggele, Memminger Str. 21) eine weitere Schankwirtschaft und von 1714-1716 wird im Amtshaus Memminger Str. 10 die Kronenwirtschaft betrieben. Schließlich eröffnet 1754 in der Günzburger Str. 5 die Schankwirtschaft Hecht.

Mit 17 Brauereien und 6 Schankwirtschaften erreicht die Stadt um 1799 die größte Dichte an Lokalen.

Konkurrenzkampf und Ausbau der Brauereien im 19. Jahrhundert

Logisch, dass sich in einer so kleinen Stadt wie Weißenhorn keine 17 Brauereien halten können. So gaben zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Brauereien Stern, Pflug und Grüner Baum ihren Betrieb auf und wurden auch als Gastwirtschaft geschlossen. 1818 schloss auch der Hecht seine Schankwirtschaft. Um 1839 hörte der Adler in der Memminger Str. 7 mit dem Brauen auf und um 1865 gab auch die Kantenwirtschaft die Brauerei auf. Ein neuer Eigentümer baute um 1865 das Haus Hollstr. 9 zu einer Schankwirtschaft um und betrieb diese unter dem alten Namen ‚Zur Kanne‘. Die alte Wirtschaft in der Memminger Str. wurde zu einer Wagnerei umgebaut.

Es gab aber auch Neuanfänge im 19. Jhdt. 1865 erwirbt Xaver Böck die ehem. äußere Badstube Illerberger Str. 9 und baut diese zu der Gaststätte ‚Deutscher Kaiser‘ um. Böck eröffnete hier die damals erste und einzige Most-Kelterei im Landkreis. 1866 eröffnete Josef Hartung die kleine Gastwirtschaft Post am Rothweg, sie schloss aber bereits wieder 1888, als ihr Betreiber die benachbarte Bahnhofsrestauration übernehmen konnte. Diese war 1878 im Zuge der Eröffnung der Eisenbahn gebaut worden und hatte von Beginn an einen Biergarten dabei.

Umbauten und Erweiterungen

Mit den Gaststätten konnte offenbar gutes Geld verdient werden. So wollten sich die Gaststätten auch immer besser präsentieren und bauten ihre Gaststätten um oder gleich neu.

Der Gasthof Bären wurde 1825 um 3,20 m nach Westen erweitert und der Gasthof Hasen baute 1839 eine neue Brauerei im Hintergebäude und 1845 einen Stadel mit Mälzerei in der Östl. Promenade 15. 1853 wurde das ganze Gasthaus als repräsentativer dreigeschossiger Bau neoklassizistisch neu erbaut. Schon 1840 hatte der Hasenwirt an der Reichenbacher Str. ein Grundstück gekauft und dort einen Lagerkeller mit Schankstätte, den sog. Hasenkeller, erbaut.

Nach dem Verkauf seines Lagerkellers unter der Schranne 1858 an die Stadt musste der Engelwirt nach neuen Lagermöglichkeiten suchen. Er kaufte ein Grundstück an der Hagenthalerstr. bei der alten Schießstätte und baute dort wie der Hasenwirt einen Lagerkeller mit Schankstätte. welcher Engelkeller genannt wurde.

Auch der Löwenwirt baute seinen Besitz ständig aus. 1857 erwarb er das Gebäude Wettbach 8 hinzu und baute es zu Gaststallungen um. 1870 baute er einen neuen Anbau für die Brauerei hinzu, 1902 eine neue Ökonomie beim Wassergärtner (Herzog-Ludwig-Str. 12) und 1905 einen Gastgarten. 1912 wurde der gesamte Baukomplex renoviert, der Gastgarten wurde mit einem Wintergartenanbau überbaut und das Hauptgebäude erhielt einen damals modernen neobarocken Schweifgiebel. Auch die Kelleranlage in der Roggenburger Str. 44 wurde ausgebaut. 1897 wurde der Keller erweitert und ein Fasshaus hinzugebaut, 1904 kam eine Remise hinzu. Stolz wurde auf Werbepostkarten der gesamte Immobilienbesitz präsentiert.

1867 wurde auch das Gasthaus Lamm erweitert. Das Rössle wurde 1930 und die Glocke 1933 dem Beispiel des Löwen folgend mit einem Schweifgiebel modernisiert.

Ein besonderes Augenmerk lag ab Ende des 19. Jhdts. auf der Kühlung. So erneuerten 1886 das Rössle, 1888 die Glocke, 1891 das Kreuz, 1895 der Engel und 1903 der Löwen ihre Kühlanlagen. 1927 stellte das Rössle als erste Brauerei Weißenhorns auf das elektrische Kühlsystem Modell Linde um.

Lagerkeller

Schon früh reichten einigen Brauereien die eigenen Lagerkapazitäten bei ihren Gaststätten nicht aus und sie suchten nach weiteren Lagermöglichkeiten in der Stadt. Schon 1725 wurde dem Christoph Miller, Sternwirt, der Keller unter dem Oberen Tor zur Einlagerung des braunen Bieres gegen 3 fl Zins jährlich verpachtet, doch musste er alle Jahre den Lagerraum neu beantragen. Es ist nicht bekannt, wie oft diese Pacht verlängert wurde, spätestens 1799 wurde die Gaststätte und die Brauerei aber aufgegeben.

Der Engelwirt Kircher (oder ein Vorbesitzer) hatte zu unbekanntem Zeitpunkt den Keller unter der Schranne gekauft. Als man Mitte des 19. Jhdt. die Schranne abbrechen wollte um dort ein neues Rathaus zu bauen, verhandelte die Stadt mit ihm über einen Rückkauf, der dann auch 1858 gelang. Nach dem Verkauf seines Lagerkellers unter der Schranne an die Stadt benötigte er aber einen neuen Lagerkeller, den er 1858 in der Hagenthaler Str. 20 baute und der unter dem Namen Engelkeller bis 2007 bestand.

Der Ochsenwirt Mathäus Gollmitzer kaufte 1828 in der Röslestr. 2 einen alten Keller aus dem abgebrochenen Kapuzinerkloster und baute über dem Keller ein neues Fasshaus.

1840 baute der Hasenwirt an der Reichenbacher Str. 21 einen Bierlagerkeller, den sog. Hasenkeller, dem bis 1843 auch ein Biergarten mit Kegelbahn angegliedert wurde.

Die übrigen Weißenhorner Bräuer gruben sich ab 1840 in mehr oder weniger abgesprochener konzertierter Aktion neue Lagerkeller an der Roggenburger Str. Nur der Kreuzwirt baute keine neuen Keller, er hatte auf seinem Grundstück Memminger Str. 54 bereits einen doppelstöckigen Lagerkeller und hatte daher keinen zusätzlichen Lagerbedarf.

Wegen ihrer besonderen Lage, der mittlerweile völlig anderen Nutzung und ihrer städtebaulichen Bedeutung ist den Lagerkellern an der Roggenburger Str. ein gesonderter Artikel gewidmet.

Niedergang der kleinen Brauereien

Nicht alle Brauereien und Gaststätten konnten bei den steigenden Anforderungen mithalten. Viele kamen in wirtschaftliche Probleme. Ein Anzeichen des Niedergangs war ein häufiger Eigentümer- oder Pächterwechsel. Manche kamen in die Versteigerung, andere verkauften ihre Bierkontingente oder gleich die ganze Wirtschaft. Besonders die Bürger- und Engelbräu AG (B&E) Memmingen kaufte die Wirtschaften auf und pochte auch bei späteren Verkäufen immer noch auf die grundbuchmäßige Absicherung ihrer Brau- und Verkaufsrechte.

Als erste Brauerei kam der Storchen ins Straucheln. Schon 1906 wurde die Brauerei aufgegeben, die Gaststätte hielt sich noch bis 1953. 1910 gab das Lamm das Brauen auf, die Gaststätte hielt sich allerdings noch bis 2017.

1915 gab der Löwenwirt Hörmann die Brauerei aus gesundheitlichen Gründen auf. Zuerst wurde die Brauerei in eine Gesellschaft überführt, 1918 aber wurde das Bierkontingent an die Kronenbräu AG in Augsburg verkauft.

Der erste Weltkrieg brachte weitere wirtschaftliche Einschnitte. 1919 gab der Stadtwirt Brauerei und Gaststätte auf, auch die Ritterwirtschaft zum Georg (Memminger Str. 4) gab die Bewirtung auf.

1920 schloss das Kreuz seine Brauerei und 1921 hörte auch das Bräuhaus auf und verkaufte sein Bierkontingent an die Brauerei Widemann in Krumbach. Der Gasthof Sonne schloss 1921 ebenfalls seine Pforten.

So waren nach dem Ende des 1. Weltkriegs nur noch 7 aktive Brauereien in Weißenhorn tätig. Doch die Weltwirtschaftskrise forderte um 1930 weitere Opfer.

Das Kreuz wurde 1932 an die B&E verkauft, ebenso wie der Adler in der Memminger Str. 7. Die Bahnhofrestauration wurde von der B&E zwar nicht erworben, B&E schloss aber 1932 auch einen Bierlieferungsvertrag mit dem Eigentümer ab. In einer Annonce von 1932 preist die Brauerei ihre Ausschänke an. 1936 kaufte die B&E schließlich auch noch das Rössle, schloss die Brauerei und wurde dadurch der Platzhirsch bei den hiesigen Bierverkäufern.

Der Hirsch überlebte den 2. Weltkrieg nicht und schloss um 1940, das Kreuz folgte 1947 und wurde zu einer Großbäckerei umgebaut. 1948 machte der Engel seine Brauerei dicht und 1953 hörte auch die Storchenwirtschaft auf.

Es blieben 4 Brauereien über: der Bären, der Ochsen, die Glocke und der Hasen. Bären und Ochsen hörten um 1965 mit dem Brauen auf, blieben aber Gaststätten. Die Glocke versuchte 1960 mit einem Gaststättenneubau ihre Bedeutung zu vergrößern, gab aber auch um 1977 die Brauerei auf.

Es verblieb der Hasen. Dieser baute 1971 sogar noch eine neue moderne Brauerei beim Hasenkeller und renovierte 1983 das Gasthaus. 1986 zerstörte aber ein Feuer den Hasenkeller und die Flaschenabfüllung. Das Gebäude wurde zwar wieder aufgebaut, die Brauerei ging aber nicht mehr in Betrieb. So endete die umfangreiche Brauereigeschichte der Stadt Weißenhorn relativ abrupt.

Leider konnten sich aber auch die meisten anderen Weißenhorner Traditionswirtschaften nicht halten und verschwanden nach und nach. 1975 schon hörte die Bahnhofsrestauration auf und wurde 1985 abgebrochen. 1975 wurde auch das Gebäude des Gasthofs Kreuz abgebrochen. 1978 schloss das Bräuhaus am Kirchplatz und wurde von einem Supermarkt umgenutzt. 1995 machte die Glocke dicht, das Gebäude wurde umgenutzt. Seit 1996 wird das Schnaggele als Pension geführt.

Nach dem Jahr 2000 ging es rasant abwärts, es fehlte an Gastwirten, die bereit waren eine solche Gaststätte zu führen, es fehlte an Bedienungspersonal und es fehlte an Kunden, weil sich die Gastronomiekultur tiefgreifend änderte. Manche Wirtschaften wurden von den teils alten Eigentümern noch so lange unregelmäßig betrieben, wie es gesundheitlich ging. Um 2000 gab der Ochsen die Bewirtung auf und wurde 2017 abgebrochen. 2005 schloss das Rössle, wurde von der Stadt erworben, steht aber seitdem leer. 2006 musste der Engelkeller einer Wohnbebauung weichen. 2010 wurde der Engel geschlossen, verkauft und zu einem Fitness-Center umgebaut. 2017 war für das Lamm das Ende, das Lokal wird aber als ‚Haus der Vereine‘ weitergeführt. Auch 2017 wurde der Hasenkeller abgebrochen und machte Platz für 2 Supermärkte. 2018 gab der letzte Pächter auf dem Hasen auf, das Lokal steht seitdem leer. 2019 schloss der Löwen wegen Personalmangel, das Gebäude wurde mittlerweile verkauft. Der Bären wurde 1983 zu einer Pilsstube umgebaut, die aber 2020 auch wegen der Corona-Pandemie schließen musste. Das Gebäude wurde an einen Investor verkauft.

Nur die Traube und der Deutsche Kaiser blieben als Gaststätte bestehen.

Quellen:

Quellen:
1 Im Fuggerarchiv Dillingen taucht die Schmidtsche Herberg mit Garten in den Rechnungsbüchern FA 77.1.3 – 77.1.9 der Jahre 1603-1610 auf.

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