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Das ehem. Gasthaus Stern – Günzburger Str. 1

Das erste Haus am Beginn der Günzburger Straße beheimatete von 1636-1799 das Gasthaus mit Brauerei ‚Stern‘. Es wurde mehrfach umgebaut, war Gerberei und Metzgerei. Es hatte den Hausnamen ‚Beim Siearagerber‘.

Erstbebauung

Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar. 1465 beginnt die Reihe mit Conrat Löhlin, der bis 1497 hier genannt wird, 1499 sind es Stepfan Miller und Lienhart Ziegler. 1502 wechselt Stefan Miller auf die Untere Mühle. 1508 sind Leonhart Ziegler und Jheronime Häckl genannt. Im Jahr 1517 wird die Liegenschaft als zwei Haushälften
beschrieben. Es ist davon auszugehen, dass dies auch früher schon so war. Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor. Jheronimus Häckl finden wir 1548 auf Schmiedplatz 2 wieder. Er muss also zwischen 1518 und 1548 dorthin gewechselt sein. Außerdem wird ihm noch das Baugrundstück Heilig-Geist-Str. 5 zugeschrieben.

Die Reihe der ab 1548 genannten Eigentümer beginnt mit Jörg Leberwurst, 1551 Jörg, Adam und Barthlome Leberwurst und 1553 Jörg und Adam Leberwurst, der Teil des Barthlome Leberwurst wurde verkauft an Thomas Schwarz. 1556 heißen die Eigentümer Hans Jäger und Christherr Pauer, 1559 hans Jäger alleine, 1562 gefolgt von Jorig Schlösser.

1567 tritt ein Hans Mayer auf, dessen Beruf als Koch angegeben wird. Auch 1578 wird ein Ulrich Mayer als Koch bezeichnet. Es ist nicht sicher, ob aus dieser Berufsangabe schon die Existenz einer Gaststätte angenommen werden kann, denn 1581 wird Ulrich Mayer als Seiler bezeichnet. 1610 stehen Ulrich Mayers Witwe und Caspar Sayler in den Büchern, Caspar bzw. seine Witwe bleiben bis 1632.

Im Jahr 1632 heißt der neue Eigentümer Michael Linckh, ab 1636 wird er als Wirt gelistet. 1651 wird sein Steuerwert von 407 fl um 100 fl erhöht, ‚wegen seiner neugebauten Bräustatt‘. Von 1636 bis 1651 war der „Stern“ also nur eine Wirtschaft ohne Brauerei. Linckh dürfte vor 1660 gestorben sein, denn wir finden seinen Namen nicht mehr in den Büchern.

1660 übernimmt der Bräuer Hans Miller Behausung, Städel und Gärten mit einem Wert von 850 fl. 1674 ist (der Sohn?) Georg Müller Eigentümer, er wird ab 1682 auch als Bürgermeister genannt. Ein Bruder des Georg Miller, Christoph Miller, heiratet 1708 die Witwe Maria des Lammwirts und übernimmt deren Lokal. 1714 stirbt Georg Müller und sein Sohn Christoph wird Eigentümer.

Neubebauung 1716

1716 wird der Steuerwert von 850 fl ‚wegen dem neuen Bau‘ um weitere 200 fl erhöht. Das heutige Haus wurde demnach 1716 errichtet. Christoph Müller erwirbt 1716 auch einen an das Haus Untere Mühlstr. 6x (Ferdinand Fischer) angebauten Stadel, den Joseph Fuchslocher (Peter-Arnold-Str. 4) 1716 gekauft hat, vielleicht als Lagergebäude während seines Hausneubaus. Anschließend gibt er den Stadel an Ferdinand Fischer zurück (ist rebahsiert worden).

1736 wird Christoph Müller als Sternwirt benannt. 1766 wird seine Witwe Ursula Eigentümerin, danach wird das Anwesen verkauft.

Der Gasthof Stern stand unmittelbar neben dem ehem. Unteren Zollhaus. Am 31.01.1737 wird eine Vereinbarung über die Zufahrt auf der Seite des Zollhauses getroffen. Den 31ten Jans 1737 ist Ihm Mither die eine Hofstatt neben Statt Zohlhauß und Ihm wie auch ein Saul am Zohlhauß woran das Thor hanget zu dem Widerruft von PP Rath verdinget.

Zum 01.08.1768 übernimmt Anton Stempfle den Stern durch Kauf. Stempfle dürfte ein Sohn des vormaligen Sonnenwirts Peter Stempfle sein. 1770 ist Ulrich Hornung als Bierbräuer beim Stern benannt. Aus dieser Formulierung wird geschlossen, dass Hornung hier nur Pächter war. Am 16.09.1784 erscheint mit Alois Widemann Sohn des Hirschwirts Joh. Ant. Widemann, ein neuer Eigentümer. Widemann erlernte das Bräuerhandwerk, von 1783 ist eine Anstellung beim ‚Schefflerwirt‘ in Augsburg belegt. 1784 kehrt er nach Weißenhorn zurück und kauft mit seinem ausgezahlten Erbe den ‚Stern‘.

Alois Wiedemann geriet 1786 in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Es wurde ein Gantprozess geführt, an dessen Ende der Verkauf oder die Versteigerung der Wirtschaft stand. Im Einwohnerverzeichnis ist 1786 Michael Hornung eingetragen. Vielleicht war Ulrich Hornung sein Vater und Michael auch nur Pächter, es könnte aber auch ein Schreib- oder Lesefehler vorliegen und es sich um Michael Hartung handeln, den Sohn des Adlerwirts Josef Hartung, dessen Großmutter eine geb. Miller vom Stern war, der genau zu diesem Zeitpunkt auch den Adler übernahm. Am 28.05.1793 ist mit Franz Seiler noch einmal jemand auf der Wirtschaft, bis 1799 die Gaststätte aufgegeben wurde.

Am 05.06.1799 übernimmt der Rotgerber Peter Ried das Haus und baut es nach den Bedürfnissen seines Gewerbes um. Mit Johann Kurz erscheint ab 29.10.1815 ein weiterer Rotgerber auf diesem Haus. Am 19.10.1848 wird die Gerberei auf den Sohn Franz (*10.08.1818) und dessen Ehefrau Anna überschrieben. Unter der Fam. Kurz sind einige Baumaßnahmen am Gebäude dokumentiert. 1838 möchte der Rotgerber Joh. Kurz (der zu dieser Zeit Bürgermeister war) den in seinem Garten befindlichen Stadel abbrechen und in Verlängerung seines Hauses nach Westen ein neues Ökonomiegebäude mit trapezförmigem Grundriss errichten. Das LG Roggenburg erteilt hierzu am 09.04.1838 die Genehmigung. 1861 wird der Stadel nach Norden bis zur Grenze der Mühlgasse (Gutenberggasse) in Fachwerkbauweise verlängert.

Im Jahr 1875 steht bereits der Gerber Michael Deibler in den Akten, der Zeitpunkt des Eigentumsübergangs ist nicht berkannt. 1921 ist (der Sohn?) Anton Deibler Inhaber der Gerberei. Anton war aber wohl auch Metzger, denn 1924 wird der An- u. Einbau eines Schlacht-, Wurst- und Kühlraums durch Anton Deibler beantragt. Um 1930 geht die Metzgerei an den Metzger Leonhard Kotter über, während Deibler in das neu erworbene Haus Roggenburger Str. 38 übersiedelt. Leonhard Kotter vergößert 1948 seinen Laden und erneuert 1957 den Giebel mit Einbau neuer Fenster.

Für das Jahr 1965 ist ein Nachbarstreit aktenkundig, indem sich der Nachbar, Konditormeister Heinrich (Bahnhofstr. 4) beschwert, dass der Metzgermeister Leonhard Kotter ohne Genehmigung seinen Schweinestall verlegt hat und dieser nun nur noch 2 m Abstand zu seinem Grundstück aufweist. Der Gestank sei für ihn geschäftsschädigend. Das Landratsamt ordnet daraufhin per Bescheid den Metzger Kotter an, die Öffnungsmöglichkeit der Stallfenster abzustellen.

1969 wird das Gebäude nochmals umgebaut, hierbei kommen Metallfenster zum Einsatz. Die Metzgerei wird vom Metzger Kohnle übernommen. Im Jahr 2019 wird der Laden aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben.

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