F 4 Schwindegg 1655-1816
Das im oberbayerischen Isental gelegene Schloss Schwindegg (Landkreis Mühldorf am Inn) gehörte ebenfalls eine lange Zeit zur Fugger-Familie. Die Fugger besaßen und verwalteten das prächtige Renaissance-Wasserschloss und die dazugehörige Hofmark für rund 160 Jahre, von 1655 bis 1816).
Das im späten 16. Jahrhundert von Sebastian von Haunsperg errichtete Schloss Schwindegg gelangte über Herzog Albrecht VI. von Bayern anteilig in den Besitz der adligen Familie Hörwarth (Herwarth) von Hohenburg.
Im Jahr 1655 heiratete Graf Franz Benno II. Fugger (1636–1670, AF28), der bereits Herr zu Taufkirchen war, die Erbtochter Anna Regina Freiin von Herwarth und Schwindegg. Auf diesem Weg kam die Herrschaft über Schwindegg an das Haus Fugger. Da die Ehe zwischen Franz Benno II. und Anna Regina kinderlos blieb, veräußerte die Witwe den Besitz im Jahr 1701 an die Söhne eines einflussreichen Verwandten, den kurbayerischen Obersthofmeister Graf Paul Fugger (1637–1701, L28), dem auch das nahegelegene Mickhausen gehörte.
Pius Joseph Graf Fugger (1680–1732, L 31) und Karl Joseph (1674-1705, M31) besaßen das Schloss je zur Hälfte. Nach Karl Josephs Tod fiel dessen Hälfte an seinen Bruder, so dass beide Hälften wieder vereint waren.
Johann Ludwig Graf Fugger (1700–1779, M34): Da Pius Josephs einziger Sohn Geistlicher wurde, ging das Erbe 1732 an dessen Neffen Johann Ludwig über. Er führte den Besitz durch das 18. Jahrhundert.
Joseph Franz Xaver Graf Fugger (1731–1804, M37): Er war der letzte Fugger-Graf, der zu Lebzeiten fest über die Hofmark Schwindegg gebot.
Nach dem Tod von Joseph Franz Xaver geriet das Erbe in die Wirren der napoleonischen Zeit und der Auflösung der alten Feudalstrukturen. Formell wurde zwar noch Karl Anton (1776-1848, I37) Herrscher über Schwindegg, aber weil die Verwaltung der Hofmarken wirtschaftlich immer unrentabler wurde, entschlossen sich die Erben im Jahr 1816 zum endgültigen Schritt: Sie verkauften Schloss und Hofmark Schwindegg an die adlige Familie von Moreau. Damit endete die Fugger-Ära in Schwindegg nach über anderthalb Jahrhunderten.
Nach der Fugger-Herrschaft
Die Familie von Moreau trennte sich 1851 von dem Schlosskomplex. Neuer Eigentümer wurde der einstige Schlossverwalter Josef Fischer. In den darauffolgenden Jahrzehnten wechselte das Anwesen häufiger den Besitzer und wurde teilweise baulich verändert.
1912 kauften der Kyffhäuserbund und der Bayerische Veteranen- und Kriegerverein das Wasserschloss und nutzten es als Erholungsstätte.
Während des NS-Regimes wurde die historische Anlage zweckentfremdet und diente als SA-Führerschule.
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss dringend für die medizinische Versorgung benötigt. Der Landkreis Mühldorf richtete darin ein Kreiskrankenhaus ein, das bis Mitte der 1950er-Jahre bestand.
Seit 1956 befand sich das Schloss wieder dauerhaft in wechselndem Privatbesitz. Um den drohenden Verfall des historisch wertvollen Renaissancebaus zu stoppen, erwarb der Architekt Franz Schilke den Gesamtkomplex. 1980 wurde das Schloss umfassend saniert und zu einer noblen Eigentumswohnanlage umgebaut.


