Das Schlossensemble
Lageplan
Das Schlossensemble umfasst nach einem Vorgängerbau das Alte Schloss (ab 1465), das Fuggerschloss (ab 1513) und den Zwischenbau. Die Geschichte des Schlossensembles ist sehr komplex. 1507 ging die Herschaft an die Kaufmannsfamilie Fugger über. Nachdem die Fugger infolge der Mediation nach 1848 das Schloss aufgaben und verkauften, diente es verschiedenen öffentlichen Nutzungen. Zuletzt wurden die Schlösser von 2009-2013 umfassend saniert und zum heutigen Rathaus umgebaut. Begleitend fanden archäologische und bauforscherische Untersuchungen statt.
Der vorliegende Beitrag soll sich zusammengefasst auf die wesentlichen Eckpunkte der Baugeschichte beschränken, die in weiter vertiefenden Beiträgen zur Geschichte, zur Bauforschung und zu den Sanierungsarbeiten für interessierte Leser ausführlicher dargestellt werden.
Der Vorgängerbau des Schlossensembles vor 1460
Die Schlösser – Archäologische und Bauforschung
Das Schlossensemble
Die Baugeschichte des Schlossensembles wird der Übersichtlichkeit halber in 10 Bauphasen aufgeteilt. Um den Text nicht zu überfrachten, sind zu den konkreten ausführlichen Ergebnissen der Archäologie und Bauforschung jeweils weiterführende Links vorhanden.
Inhalt
- 1 Bauphase 1 Altes Schloss 1460-1514
- 2 Bauphase 2: Neubau des Fuggerschlosses 1513-14
- 3 Bauphase 3: Saaleinbau,Treppenturm und Loggia 1565-1655
- 4 Bauphase 4: Zwischenbau 1655-1690
- 5 Bauphase 5: Anbau der Fürstenzimmer und Barockisierung 1690-1716
- 6 Bauphase 6: Barockisierung 1716-1738; bis 1850
- 7 Bauphase 7: Umbau für staatl. Behörden
- 8 Bauphase 8: Schulnutzung 1930-1972
- 9 Bauphase 9: Rathaus 1972-2009
- 10 Sanierung und Nutzung als Rathaus
Bauphase 1 Altes Schloss 1460-1514
Schlossgebäude
Das Alte Schloss, fälschlicherweise auch Neuffenschloss1 genannt, wurde um 1460 erbaut und hatte einen Vorgängerbau, der separat behandelt wird.
Im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts wurde die Stadt unter Jörg von Rechberg planmäßig ausgebaut, entwickelt und mit einer Befestigung versehen. Zu dieser Umgestaltung gehörte auch ein Neubau des Schlosses, um dieses in die neu entstehende Struktur einzubinden. Der Neubau des Schlosses wurde von Anfang an in die Stadtbefestigung einbezogen und war als Herrschaftssitz Teil der Verteidigungsanlage.




Als Baujahr des alten Schlosses wird in der Literatur 1460 genannt. Eine Urkunde hierüber existiert nicht. Eine dendrochronogische Bestimmung im Zuge der Bauforschung ergab bei den Deckenbalken über EG und 1. OG eine Datierung auf 1465/66, die Erd- und Fundamentarbeiten können durchaus schon 1460 begonnen worden sein. Der Bau des Alten Schlosses erfolgte neben dem Vorgängerbau, so dass dieser noch genutzt werden konnte. Erst nach Fertigstellung des Neubaus wurde der Vorgänger abgebrochen und das Gelände angepasst. Zwei Kellerräume des Vorgängers wurden belassen, obwohl diese sich teilweise außerhalb der Umfassungsmauern des jetzigen Schlosses befinden und auch eine andere Lage als die übrigen Bauten aufweisen. Es ist nicht überliefert, wann der Vorgängerbau abgebrochen wurde.
Die Fundamentierung des alten Schlosses erfolgte auf sog. ‚Springbögen‘ im Bereich des ehemaligen Wassergrabens. Diese Bögen waren reine Unterkonstruktionen, es entstanden keine Kellerräume.
Es handelt sich um ein typisch mittelalterliches Schlossgebäude mit mächtigen Mauern von bis zu 1,50 m Stärke. Das Schloss wies gemäß damaligen Baugepflogenheiten, nur relativ kleine Fenster auf, welche in stark abgeschrägten Fensternischen saßen. Eines dieser Fenster konnte im Zuge der Bauaufnahme im Jahr 1988 wieder entdeckt werden. Es wurde offenbar beim Bau des Zwischengebäudes (1655?) zugesetzt. Die heutige Fensterteilung entspricht dem barocken Umbau der Jahre 1725-35. Es ist nicht bekannt, ob zwischen dem mittelalterlichen Bau und der Barockisierung noch eine weitere Fassadenvariante bestanden hat.
Auch die Grundrisse und die Erschließungssituation des Alten Schlosses konnte nicht vollständig geklärt werden. Der älteste gesicherte Grundriss stammt aus dem Jahr 1850. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Struktur eines breiten Mittelflures von Anfang an so bestanden hat. Die Wände des Mittelflures bestanden aus Eichenholz-Fachwerk, von dem vielfach Reste gefunden wurden, sie sind aber nicht mehr auf die ganze Länge erhalten. Eine Treppenanlage konnte anhand der Befunde teilweise rekonstruiert werden. Im Erdgeschoss, welches von jeher nicht als Wohnebene diente, hat sich die Spur einer Treppe erhalten2, die durchaus der Erschließung des Gebäudes gedient haben könnte.
Im 1. OG sind bei der Sanierung im westlichen mittleren Raum A 1.09.3 Spuren eines großen Kamins mit Esse gefunden worden, die vermuten lassen, dass sich hier die Küche befand.
Die Dachkonstruktion stammt jedoch nicht aus der Erbauungszeit. Dennoch dürfen wir davon ausgehen, dass das Dachwerk ähnlich wie das jetzige ausgesehen hat. Der Dachstuhl des Alten Schlosses konnte dendrochronologisch auf die Jahre 1544-49 datiert werden. Er ist also jünger als das Gebäude selber und wurde erst nach dem Bau des Fuggerschlosses errichtet. Es kann spekuliert werden, ob der Dachstuhl als Teil dieser Baumaßnahme zu sehen ist oder ob er infolge anderer Einflüsse, z.B. Brand, erneuert werden musste.
Reste der bauzeitlichen Deckenkonstruktionen wurden an manchen Stellen gefunden.
Noch im Urkataster 1823/27 sind auf der Ostseite des Alten Schlosses kleinere Anbauten dargestellt, die als alte Abtritte interpretiert werden können. Im Rahmen des Umbaus 1856/62 wurden diese abgebaut, aber an dieser Stelle im Inneren des Gebäudes neue Abtritte eingebaut, die nach 1900 zu WC-Anlagen umgebaut wurden. Diese verblieben hier bis zur Sanierung 2010.
Stadtmauer
Nach Nikolaus Thoman3 wurde am 11.11.1487 mit dem Bau der Stadtmauer begonnen. Er berichtet vom Bau einer Bastei im Bereich des Schlosses im Jahr 1488. Bei Sondierungsgrabungen im Bereich der Schlösser im Jahr 2008 wurden kreisförmige Grundmauern entdeckt, die nach den weiteren archäologischen Grabungen zu dieser genannten Bastei ergänzt werden konnten. Diese Bastion wurde vor den 1488 offenbar noch stehenden Bergfried des Vorgängerbaus gelegt. Die Bastion wurde wohl auch daher erforderlich, weil das alte Schloss Fenster auf der Südseite besaß und daher eines weiteren Schutzes bedurfte. Das Gewölbe sei während des Baus einmal „gegen die Roth“ eingestürzt. Dies wird wohl auf den schlechten Baugrund im Bereich des ehemaligen Wassergrabens des Wasserschlosses zurückzuführen gewesen sein.
Die 1488-1504 errichtete Stadtmauer muss mit 6-7 m Höhe sehr mächtig gewesen sein. Die Höhe lässt sich aus dem im Fuggerschloss verbauten Teil der Mauer erschließen. Die Annahme korrespondiert mit der am Prügelturm noch sichtbaren Öffnung für den Wehrgang. Auch auf einer gemalten Stadtansicht des Jahres 1830 (Behringer, Heimatmuseum Weißenhorn) ist noch ein Teil der Stadtmauer mit dieser enormen Höhe dargestellt. Der Stadtmauer in einem Abstand von ca. 2-3 m vorgelagert war eine niedrigere Zwingermauer, welche in unregelmäßigen Abständen mit halbkreisförmigen Vorbauten verstärkt war.
Neben dem Schloss führte auf der Ostseite bei der Kirche ein Auslass aus der Stadt, der hier mit einer Brücke den Stadtgraben überquerte. Auf den alten Stadtansichten von 1555 und 1618 ist dieser Auslass dargestellt. Der Abgang war im Bereich der Bastei überwölbt und wurde bei Freilegungsarbeiten der Fundamente im Jahr 2008 wieder entdeckt. Schon 1988 war man bei den Sanierungsarbeiten der Stadtmauer auf diesen Gang gestoßen (Grabung Hans Burkhart), konnte damals aber noch nicht den Zusammenhang herstellen.


Das Wildbad
Das ehemalige Wildbad, auf der Stadtansicht von 1555 dargestellt und beschriftet, wurde gefunden. Da sich hier drei Schichten übereinander befanden, wurden die Lagen dokumentiert und anschließend abgetragen. Die Zeitstellung der verschiedenen Lagen konnte nicht genau bestimmt werden. Daher kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob schon in der Bauphase 1 ein solches Bad errichtet wurde. Näheres hierzu im Artikel über die Bauforschung.




Bauphase 2: Neubau des Fuggerschlosses 1513-14
Nachdem im Landshuter Erbfolgestreit mit dem „Kölner Spruch“ 1505 Weißenhorn an Kaiser Maximilian gefallen war, verpfändete dieser die Herrschaft Weißenhorn 1507 an den Augsburger Bürger Jakob Fugger. Hiermit beginnt die nun 500 Jahre dauernde Geschichte der Stadt Weißenhorn als Fuggerstadt. Verständlicherweise wollte Jakob Fugger sein neues Besitztum auch nach außen hin würdig vertreten wissen, und dazu diente ihm vornehmlich der Bau eines neuen Schlosses. Kaiser Maximilian hielt sich 1517-18 gelegentlich in Weißenhorn auf und nahm die Baukosten des Schlosses nachträglich auf sich.




1513-14 wurde das als „Weißer Bau“ oder „newe Behausung“ genannte Neue Schloss erbaut. Es handelte sich von Anfang an um ein dreigeschossiges repräsentatives Gebäude im beginnenden Renaissance-Stil mit einem Treppenturm am Nordost-Eck. Diese Baudaten konnten dendrochronologisch bewiesen werden. Die Datierung des Dachstuhls und der Deckenbalken fällt auf 1509-1512; die Eichenstützen im DG bestehen aus abgelagertem Holz, datiert 1481-84.
Beim Bau wurde die Stadtmauer in das Gebäude integriert, indem die Mauer auf der Südseite als Außenwand verwendet wurde. So bestand die Stadtmauer als Südwand des Fuggerschlosses im EG und 1. OG. Nur im 2.OG lag die Außenwand des Schlosses über der Stadtmauer. Die Befensterung im EG und 1.OG wurde erst nach 1779 hergestellt. Der Wehrgang innerhalb der Stadtmauer ist in Teilen noch heute vorhanden und wurde bis zuletzt als Abtritt oder Abstellraum genutzt. Auch konnte die Stadtmauer mit ihrer Blendbogen-Konstruktion und dem originalen Verputz freigelegt und geichert werden. Neben der Wendeltreppe befindet sich im EG und 1.OG ein kleiner abgemauerter Raum, der als Zugang zur Stadtmauer interpretiert wird.
Auf der Ansichtszeichnung der Stadt aus dem Jahr 1555 (s.o) sind alle Giebel der Schlösser mit Zinnen bewehrt. Auch auf dem Holzschnitt von 1618 (s.o) ist diese Form der Giebel dargestellt. Nach dem Einsturz der Stadtpfarrkirche im Jahr 1859 wurde dieses Ereignis mehrfach gemalt und gezeichnet. Auch hier sind Zinnen auf dem Neuffenschloss dargestellt, beim Fuggerschloss bei einem Bild auch, bei einem anderen jedoch nicht. Um 1862 wurden die Zinnen abgebrochen.
Am Fuggerschloss sind auf der Ansicht 1555 außerdem noch an den Giebelfußpunkten kleine Ecktürmchen dargestellt. Dass es sich hier nicht um die Phantasie des Zeichners gehandelt hat, kann bewiesen werden: Im DG des Zwischenbaus hat sich an einer Stelle im Bereich des abgeschleppten Daches des Barockanbaus der Fußpunkt eines solchen Ecktürmchens erhalten, nach dem die Dimension dieses Architekturdetails recht gut rekonstruiert werden kann. Auch am Ostgiebel des Fuggerschlosses ist heute noch der Rest eines Türmchens zu sehen, ebenso wie Reste der Lisenen, welche den Giebel gliederten. Vermutlich standen die Ecktürmchen 1690 der Abschleppung im Weg, wurden als altmodisch empfunden und beseitigt.
Beim Ausbau des neuen Ratssaals stieß man auf einen großen zugesetzten Bogen. Bei einem Vergleich mit der Stadtansicht 1555 lässt sich dieser Bogen eindeutig als Zugang zu einem Erker erklären, der auf der Stadtansicht klar zu erkennen ist. Der Bogen wurde erhalten und ist im neuen Ratssaal in den originalen Farben zu sehen. Welche Funktion dieser Erker hatte, konnte leider nicht geklärt werden, besonders auch, weil die Grundrissdisposition vor Einbau des Festsaals 1565 nicht rekonstruiert werden kann. Als ganz profane Nutzung könnte es sich hier auch nur um einen Abtritt handeln. Ebenso muss die Frage, wie lange dieser Erker die Fassade schmückte, unbeantwortet bleiben. Es ist denkbar, dass der Erker bereits mit dem Einbau des Saals abgebrochen wurde. Möglich ist aber auch, dass der Erker erst zu einer späteren Zeit entfernt wurde, als man auch in den anderen Geschossen größere Fenster einbaute.
In mehreren Räumen des Fuggerschlosses sind Unterdecken aus profilierten Balken erhalten geblieben. Die Balken weisen ein spätmittelalterliches bzw. Renaissance-Profil auf und sind in dieser Form noch in mehreren Räumen des Fuggerschlosses vorhanden.


Wasserversorgung
Die erste in der Literatur erwähnte Trinkwasserleitung Weißenhorns wurde in den Jahren 1538/39 gebaut. Anton Fugger, der von 1533 bis 1536 in Weißenhorn lebte, beteiligte sich an dieser mit 1000 fl. Hierfür bekam die Herrschaft „ain Röhrle In ds Schloß bewilliget“ (A 116/0). Diese Wasserleitung bestand bis zum Bau einer modernen Druckwasserversorgung Anfang des 20. Jhdts. Es gab des Öfteren Differenzen zwischen der Stadt und der Herrschaft über die Wasserleitung. (ausführliche Darstellung der Wasserversorgung)
Zu einem späteren unbekannten Zeitpunkt wurde im Schlosshof noch ein Grundwasserbrunnen geschlagen, der als Pump- oder Schöpfbrunnen die Wasserversorgung unterstützte. Dieser Brunnen war bis Mitte der 1960er-Jahre noch in Betrieb.
Reste der Wasserversorgung wurden bei den Sanierungsarbeiten 2008-2013 gefunden.
Weitere Ereignisse in Bauphase 2
Kurz nach Vollendung des Schlosses musste die Stadtbefestigung um die Zeit der Bauernunruhen 1525-30 verstärkt werden. Es ist möglich, dass die doppelte Befestigung der Stadt mit der Zwingermauer erst zu dieser Zeit erfolgte.
Am 20.07.1533 wurden viele Glasscheiben im Schloss und in der Kirche durch Hagelschlag zerstört.
1535 wurde die Fassade unter Anton Fugger bemalt. Dieser führte umfangreiche Bauarbeiten durch; am 29.01.1535 gestattete ihm König Ferdinand, in das Schloss 2000 fl. zu verbauen und sie zum Pfandschilling zu schlagen. Man kann davon ausgehen, dass die jetzige Fensterteilung des Neuen Schlosses noch derjenigen der Renaissancezeit entspricht.
Am 07.06.1538 fand die Hochzeit der Tochter Regina des Raimund Fugger mit Johann Jakob Freiherr von Mörsberg im Weißenhorner Schloss statt4.
1549 wurde der Dachstuhl des Alten Schlosses erneuert. Der Anlass dieser Baumaßnahme ist unbekannt. Bei der Bauforschung zur Sanierung wurde der Dachstuhl dendrochronologisch auf 1544-49 datiert.


Bauphase 3: Saaleinbau,Treppenturm und Loggia 1565-1655
Scheinbar genügte das Schloss schon bald nicht mehr dem Repräsentationsbedürfnis der Eigentümer. Im Jahr 1565 wurde das Schloss wesentlich umgebaut und im 2. Obergeschoss ein großer Festsaal eingebaut. Hierzu wurde die Dachkonstruktion abgeändert und über dem Saal ein gewaltiges Sprengwerk über zwei Geschosse eingebaut, um die Lasten der Decke nach oben abzuhängen. Das alles war gut gemeint, kräftig dimensioniert aber dennoch nur empirisch entwickelt. Das Sprengwerk erfüllte langfristig seine Aufgabe nicht, die Decke sackte ab und dies führte zu starken Verformungen.






Der Treppenturm am Fuggerschloss wurde nach den Baubefunden und der Fassadenteilung erst 1565 zusätzlich zu der innenliegenden Wendeltreppe von 1513 angebaut, um den Festgästen einen repräsentativen Zugang zum Saal anzubieten, ohne durch die Privaträume des Schlosses gehen zu müssen.
Im Raum F 0.10 wird der damalige Haupteingang des Schlosses vermutet. Die noch im Grundriss von 1850 dargestellte Situation mit einer Mitteltüre und beidseitigen schmalen Begleitfenster strahlt eine gewisse Repräsentationsfähigkeit aus, außerdem war von diesem Raum ein unmittelbarer Zugang zum Treppenturm vorhanden, der später zugesetzt wurde.
Die Zierbalken der Saaldecke sind noch alle vorhanden, so dass im Zuge der Sanierung der Schlösser diese Raumsituation wiederhergestellt werden konnte. Die Balken weisen ein spätmittelalterliches bzw. Renaissance-Profil auf und sind in dieser Form noch in anderen Räumen des Fuggerschlosses vorhanden.
Loggia als Zwischenbau
Die Baugeschichte des Zwischenbaus konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden. Habel5 vermerkt ohne Angabe einer Quelle, der beide Trakte verbindende Mittelbau sei ursprünglich (im 16. Jh.) nur ein schmaler, niedrigerer Querbau mit drei Arkaden im Erdgeschoss an der Hofseite und einem angebauten Wildbad an der Gartenseite (als eine Art Loggia) gewesen. Die Angabe der drei Arkaden entnimmt er vermutlich der o.a. zeitgenössischen Darstellung von 1618, wo eine solche Gestaltung zu sehen ist.
Das Vorhandensein von Arkaden auf der Südseite kann hinterfragt werden. Sollten solche vorhanden gewesen sein, müssten sie einer Bauphase Anfang 17. Jhdt. entstammen. Sicher ist, dass im Bereich des Zwischenbaus zuerst die Stadtmauer bestand, die ab 1513 in den Neubau des Schlosses integriert wurde. So stellt sich die Südansicht des Schlosskomplexes auch in der Zeichnung von 1555 dar. Es sieht dabei so aus, als ob die Stadtmauer hier auch in ihrer ursprünglichen Höhe von ca. 7 m verblieben ist, also nur die ersten beiden Stockwerke der Schlösser verband. Natürlich sind die Schlösser, wie auch die Kirche, auf dieser Zeichnung erheblich überhöht dargestellt, um ihre Wichtigkeit zu unterstreichen. Dennoch kann man aber erkennen, dass bei beiden Schlössern über der Mauerkrone des Verbindungsbaus noch ein weiteres Stockwerk liegt. Vielleicht bestand die Verbindung der beiden Schlösser zu diesem Zeitpunkt auch nur durch die Stadtmauer und den sie beinhaltenden Wehrgang. Es mag sein, dass man später in diesem Zwischenbereich nach Norden ein Gebäude errichtet hat, dieses könnte dann Arkaden auf der Nordseite aufgewiesen haben.
Der Holzschnitt von 1618 stellt die besagten drei Arkaden dar. Dafür ist hier aber nichts mehr von einem vorgebauten Wildbad zu sehen, und das Dach des Zwischenbaus beginnt offensichtlich auch schon über dem Erdgeschoss. Die EG-Wand der Südseite des Zwischenbaus weist vier große Bögen auf, die erhalten geblieben sind. Dies entspricht aber nicht der Struktur der alten Stadtmauer. Auch findet sich im darüberliegenden (späteren) 1. Stockwerk keine so dicke Außenwand mit innenliegendem Wehrgang mehr wie im Fuggerschloss. Dies könnte als Indiz dafür dienen, dass die Stadtmauer hier zwischen 1555 und 1618 abgebrochen und durch diese Arkaden ersetzt wurde. Hierdurch wäre der kleine Hof zwischen den beiden Schlössern nach Süden zur Sonne hin geöffnet worden und hätte einen reizvollen Innenhof abgegeben. Ähnliche Situationen sind bei anderen Schlössern aus dieser Zeit zu finden.
Ob hier nur eine Mauer mit Bogenöffnungen, eine leichte Loggia als Holzkonstruktion oder ein massives Gebäude errichtet wurde, kann nicht geklärt werden. Im Bereich des Zwischenbaus wurde innerhalb von 300 Jahren so viel umgebaut und abgeändert, dass hier keine Befunde mehr gemacht werden konnten.


Bauphase 4: Zwischenbau 1655-1690
Relativ sicheren Boden betreten wir erst wieder im Jahr 1655. In diesem Jahr Jahr wurde ein massiver Zwischenbau mit zwei Obergeschossen errichtet und der vorher offene Hof überbaut. Das Dachwerk des Zwischenbaus wurde dendrochronologisch auf dieses Jahr datiert. Anfangs betrachtete man dieses Jahr als fragwürdig, weil die Art der Konstruktion mit angeblatteten Bügen für dieses Baudatum ungewöhnlich spät erschien, wurde solches alemannisches Fachwerk doch schon im 16. Jhdt. vielerorts verboten, weil man die Schwächung des Holzes an der Verbindungsstelle für instabil hielt. Man wechselte dann mehr zur heute noch angewendeten Verbindungsform der Verzapfung. Dennoch passt diese Datierung in die Bauabfolge und konnte durch weitere dendrochronologische Untersuchungen der Balkenlagen in den anderen Geschossen gesichert werden.




Unklar bleibt die Grundrissdisposition zumindest im EG. Auch ist ungewiss, wie mit den Bögen der Loggia verfahren wurde. Möglich wäre eine offene Halle, aber auch eine Vermauerung der Bögen mit Fenstereinbau wäre vorstellbar. Sicher ist die Struktur einer tragenden Mittelwand im 1. und 2.OG mit einer unbestimmten Zimmereinteilung.
Bau der Schlossterrasse ca. 1658/61
Ein genauer Zeitpunkt des Baus der Schlossterrasse kann nicht genannt werden. Im Fuggerarchiv sind Rechnungskonvolute aus 1658 über 430 fl 41 x über Arbeiten an Stadtgraben und Zwinger vorhanden6, die dieser Baumaßnahme zugerechnet werden können. 1661 finden sich weitere Rechnungen über Unterhalt von Graben und Mauer, die wohl auch zu dieser Maßnahme gehören.
Die Zwingermauer und die Bastion von 1488 wurden hierfür teilweise abgebrochen, die Fundamente verblieben in situ und wurden 2011 wiedergefunden. Für die Anlage eines spärlichen Schlossgartens wurde in ca. 10 m Entfernung zu den Schlossbauten eine neue Mauer in der Formensprache frühbarocker Festungsarchitektur hergestellt. Der wasserführende Stadtgraben dürfte zu dieser Zeit bereits stark verlandet gewesen sein, er reduzierte sich auf ein kleinen Schlossweiher mit künstlicher Insel.




Bauphase 5: Anbau der Fürstenzimmer und Barockisierung 1690-1716
Die Barockisierung des Schlossensembles zog sich über fast 50 Jahre hin. Die Barockisierung wird wegen der baulichen Maßnahmen in zwei Phasen aufgeteilt.




Der wesentliche Umbau der Barockzeit begann 1690 mit einem südlichen Anbau für die bei Habel ‚Fürstenzimmer‚ titulierten Prunkräume an den Mittelbau. Um diesen errichten zu können, wurde die Zwingermauer der Stadtmauer abgebrochen. Vom Grund des Stadtgrabens wurden Fundamentmauern hochgezogen, deren Innenraum auch nicht als Keller genutzt wurde. Der eigentliche Keller lag, wie beim Alten Schloss, auf EG-Ebene und war mit Kreuzgewölben versehen, die leider nicht mehr vorhanden sind.
Die Decken- und Zerrbalken des Anbaus konnten dendrochronologisch auf 1689/90 datiert werden. Dieser Anbau wurde offenbar mit einem parallel zum Mittelbau verlaufenden Satteldach versehen, was Zapfenlöcher in den Zerrbalken beweisen. Die Umbauten erfolgten jedoch leider in vielen Teilen nicht fachgerecht und ohne statische Kenntnisse, so dass weitreichende Bauschäden die Folge waren. Der alte Teil des Zwischenbaus erhielt dadurch gefangene, innenliegende Räume, welche als Abstellkammern und Anheizkammern genutzt wurden und deren Gestaltung und Nutzung bis in die jüngste Zeit nicht befriedigend waren.
In das Erdgeschoss des Anbaus wurde das bisherige Wildbad integriert und etwas erweitert. Daneben wurde eine Waschküche errichtet mit einer umfangreichen gemauerten Kesselanlage zur Warmwasserbereitung.
Im 1. OG, der Beletage, wurden die eigentlichen Fürstenzimmer eingebaut. Diese fast quadratischen 35 m² großen Zimmer erhielten eine aufwändige pastellfarbig gefasste Stuckierung, die vermutlich aber erst um 1738 angebracht wurde. Dazu kam ein Vorraum mit Abtritt. Die Türen dieser Zimmer entsprachen denen des 1.OG im Neuffenschloss, was darauf schließen lässt, dass diese Räume zusammenhängend genutzt wurden. Das 2. OG hatte die gleiche Struktur, aber ohne Stuckierung.
Im gesamten Alten Schloss wurden 1662 neue Fenster eingebaut und die Fensteröffnungen wesentlich vergrößert. Unter Umständen wurden die Fenster um 1740 noch einmal erneuert. Im Treppenhaus des alten Schlosses haben sich bis heute drei eichene Fenster aus der Barockzeit erhalten, deren Zustand noch durchaus ordentlich war und die erhalten werden konnten.
1670 wurde die Stadtpfarrkirche umgebaut und barockisiert. Vermutlich in diesem Zusammenhang wurde vom Treppenhaus im 1. OG ein Übergang zur Kirche hergestellt. Es dürfte sich um einen hölzernen, gedeckten Übergang gehandelt haben. Die zugesetzte Öffnung zu diesem Gang im Schloss wurde gefunden, im Urkataster 1823/27 ist der Übergang eingetragen und dürfte bis zum Abbruch der eingestürzten Kirche 1859 bestanden haben. In einem Vergleich zwischen der Stadt und der Herrschaft wurde 1770 das Anrecht der Herrschaft auf das Oratorium festgeschrieben.
Im Alten Schloss wurde unter Einbeziehung des Mittelflures 1694 im nordwestlichen Teil des 1. OG (Raum A 1.10) ein großer, nahezu quadratischer Raum mit 80 m² geschaffen (heutiges Trauungszimmer). Zur besseren Belichtung des Raumes wurde auf der Nord- und Westseite je ein weiteres Fenster eingebaut. Die Stuckierung dieses Raumes wurde wohl erst in der Bauphase ab 1738 durchgeführt, weil über diesem Raum erst 1737 (dendro) eine zusätzliche Balkenlage eingefügt wurde.


Bauphase 6: Barockisierung 1716-1738; bis 1850
1716 wurde das Dach über dem Anbau von 1690 geändert, was als 2. Barockisierungsphase bezeichnet wird.




Das Dach über dem Anbau wurde 1690 zunächst als Satteldach ausgeführt, so dass zwei Satteldächer nebeneinander lagen. Hierdurch ergab sich eine Kehle, die man offenbar bautechnisch nicht in den Griff bekam. Im Bereich der Kehle wurden bei der Freilegung deutliche Feuchteschäden gefunden. Nach nur wenigen Jahren gab man 1716 (dendrochronologisch bestimmt) das Satteldach auf und baute ein neues Dach über dem Anbau. Dieses wurde ganz einfach vom Giebel abgeschleppt und harmoniert mit seiner flachen Neigung von 30° nicht mit den übrigen steilen Dachflächen mit 55°. Zudem wurde beim Anbau des Dachwerks recht rüde mit dem Altbestand umgegangen. Das Herausnehmen von Balken und die Abänderung der Fußpunkte führte zu Verformungen und Bauschäden.
Altes Schloss
Den wesentlichsten Eingriff in Bausubstanz und Gestaltung erlitt das Alte Schloss. Durch den Einbau eines barocken Prunktreppenhauses ab 1728 wurde die Erschließungssituation und auch die Raumaufteilung des Gebäudes wesentlich verändert. Das Treppenhaus erhielt einen dem damaligen Zeitgeschmack entsprechenden großzügigen und repräsentativen Charakter. Auf der Strecke blieb die Statik und die Stabilität. Durch die Treppe wurde die Zerrbalkenlage des Dachgeschosses auf gut einem Drittel der Gebäudelänge unterbrochen. Man versuchte zwar, durch einen vorgespannten Überzug im DG die Zugkräfte umzuleiten und auf andere Balken zu verlagern, was aber nur bedingt gelang. Der Dachfußpunkt schob sich dennoch im Verlauf der nächsten 250 Jahre bis zu 50 cm nach außen, was zu erheblicher Rissbildung und Setzungen im Gebäude führte. Da halfen auch keine dicken Außenwände. Bei der Sanierung musste daher hier eine neue Hilfskonstruktion eingefügt werden, um die Stabilität des Gebäudes wieder zu gewährleisten.
Das neue Treppenhaus führt vom Eingang des Schlosses jetzt rechtwinklig nach oben, um ab dem 1. OG in eine normale zweiläufige Treppenanlage zu wechseln. Der Eingangsraum vor dem 1. OG wirkt großzügig und weitet sich im 2. OG zu einem Repräsentationsraum, der von Segmentbögen, welche auf toskanischen gewundenen Holzstützen stehen, begrenzt wird. Der Treppenlauf in das DG wird in gleicher Form bis zum Podest durchgeführt, obwohl dort keine Stehhöhe mehr vorhanden ist. Unüblich für die barocke Treppenbaukunst ist das ungewöhnliche und unbequeme Verhältnis der Stufen zwischen Steigung und Auftritt. Überhaupt weist die Treppe eine eher grobschlächtige Ausführung auf. Die Wendel am Handlauf und die Baluster der Treppenbrüstung sind recht grob hergestellt, der Neigungswinkel der Treppenwangen entspricht nicht dem der Baluster und die Blockstufen zeigen einen unregelmäßigen Kantenverlauf. Die Vermutung, die Treppe stamme aus einem anderen Gebäude und sei hier in Zweitverwendung eingebaut, konnte bislang noch nicht erhärtet werden. Die Treppe weist große Ähnlichkeiten mit einer zeitgleichen Treppe im Hohen Schloss in Bad Grönenbach auf, welches bis 1695 ebenfalls den Fuggern gehörte.


Der 1694 neu geschaffene Raum A 1.10 im 1.OG wurde ab 1738 mit Bandelwerk- und Rankenstuck an der Decke versehen. Die anderen Räume im 1. OG erhielten nur einen einfachen Stuckrahmen. Die Fußböden aus dieser Bauphase haben sich nicht erhalten. Nur in den Räumen A 1.06, A 1.07 und A 1.08 waren teilweise noch ein kassettierter Boden aus Eiche mit Esche vorhanden, der vermutlich aus dieser Zeit stammen dürfte. Die übrigen Unterböden stammen aus dem 19. Jhdt. Alle Türen in diesem Bauabschnitt im Alten Schloss und im Mittelbau wurden als gleichartige zweiflügelige kassettierte Türen aus Eiche mit profilierter Bekleidung ausgeführt, wobei die Türen so angeordnet wurden, dass eine Enfilade entstand.
Im 2.OG wurden die Räume schlichter, ohne Stuckdecken, ausgeführt. Auch hier erhielten sich keine barocken Böden. Es haben sich hier nur zwei barocke einflügelige Türen erhalten, die zudem offenbar nicht mehr in situ sind.
Auch das Kamin- und Ofensystem wurde komplett erneuert. Die Kamine wurden als geschleifte Züge in den Querwänden des Mittelflures geführt, welche allerdings nachfolgend mehrfach geändert und um- bzw. abgebaut wurden, so dass die ursprüngliche Kaminführung nicht mehr erhalten ist.
Fuggerschloss
Die Barockisierung ging am Fuggerschloss relativ spurlos vorüber. Der Saal im 2. OG wurde scheinbar nicht mehr gebraucht. Er wurde in vier ungefähr gleich große Räume unterteilt, die untereinander gefangen waren, d.h. nur durch den davorliegenden Raum und nicht über einen Flur erreichbar waren. Diese Unterteilung des Saales könnte auch in einer früheren nicht dokumentierten Umbauphase liegen. Spätestens aber mit der Barockisierung des Gebäudes dürfte die Teilung vollzogen worden sein. Die neuen Räume erhielten Bretterfußböden mit aufgemalten Mustern.




Ansonsten sind Umbauarbeiten aus der Zeit des Barock im Fuggerschloss nicht nachzuweisen.
Erst 17797 wurden die inneren Teile der Stadtmauer im 1.OG abgebrochen und die Fläche des Wehrgangs in die Nutzung der Räume F 1.16 und F 1.14 einbezogen. Hierbei wurden auch Fenster in die südliche Stadtmauer eingebrochen. Ähnliches geschah auch im EG. Vermutlich wurde in dieser Phase auch der Westgiebel erneuert. Die Fensterteilung greift nämlich in Teile des ehem. Stadtmauerbereichs ein. Außerdem stimmt die Fensterteilung dieses Giebels weder mit der Dachkonstruktion noch mit der Fensterteilung des Ostgiebels überein, die sich an den vorhandenen, wenn auch teilweise zugesetzten Fenstern rekonstruieren lässt.
Zwischenbau
Der Zwischenbau wurde in der Bauphase 6 nicht nur am Dach, sondern auch im EG wesentlich umgebaut. Das Wildbad wurde aufgegeben und spätestens 1740 die Schlossküche eingebaut. Die sehr enge Balkenlage der Decke über EG lässt darauf schließen, dass hiermit ein großer, stützenfreier Raum geschaffen werden sollte. Erhebliche Senkungen der Konstruktion beweisen, dass dieser Versuch zumindest in statischer Hinsicht nicht gelungen ist. In der Küche waren ein großer Herd, ein großer Backofen und zwei kleine Backöfen. Diese wurden in die Bereiche der großen Bögen aus der Loggia der Bauphase 3 eingebaut.
Über die Befensterung dieser Küche ist nichts bekannt, so z.B. ob die Fenster normale Größe hatten oder ob es sich nur um kleine Oberlichter wie im nächstfolgenden Umbau dargestellt (Bauphase 7) handelte. Es war auch nicht zu klären, ob die Küche nicht vielleicht schon bereits beim Bau des Zwischenbaus 1655 hier eingerichtet wurde oder ob es sich um einen Einbau während der Barockisierung handelt.
In den Zwickel zwischen Altem Schloss und Mittelbau wurde im EG ein kleiner Raum eingebaut, dessen Decke im 1.OG vom Raum M 1.02 aus als Balkon genutzt wurde. Eine entsprechende Türe wurde bei den Bauarbeiten gefunden.
Die Grundrisssituation im 1.OG lässt sich nicht eindeutig nachweisen. Hier finden wir innenliegende Räume, deren Funktion sich nicht erschließt. Obwohl hier die gleichen zweiflügeligen Barocktüren eingebaut sind, stimmt der Grundriss der Bestandszeichnung von 1850 nicht mit dem jetzigen Bestand überein. Die Türen müssen demnach einmal umgesetzt worden sein. Auch ist die Kaminsituation heute anders als im Plan 1850.
Ein im Raum M 1.01.2 gefundener Einbauschrank wurde in das Trauungszimmer versetzt.
Im 2.OG treffen wir auf eine Änderung des Erschließungssystems. Der Flur liegt nicht auf der Nordseite, sondern wechselt auf die Südseite. Die Nutzung der Räume hier ist nicht überliefert. Bei der Freilegung wurde die Fußschwelle dieser Wandkonstruktionen gefunden, was die Lage der Räume klar definiert.




Städtebauliche Veränderungen
Die Fronfeste
Westlich des Fuggerschlosses stand die sog. Fronfeste. Das Baujahr der Fronfeste ist nicht überliefert. 1516 wird auf diesem Grundstück ein Stadel zum Kastnerhaus genannt, der aber auch schon früher hier gestanden haben kann. 1614 heißt es im Nachbarbeschrieb bei Wettbach 1 “der Herrschaft Pflegamts Behausung“, bei Wettbach A “Herrschafts Amts-Stadel“. Bis zum Bau des Hauses Hauptstr. 8 1707 als Fugg. Herrschaftsgericht dürfte hier die Verwaltung der Fugger gewesen sein. 1786 wird das Gebäude als Fronfeste bezeichnet.
Das Bräuhaus
1567 wurde von Anton Roth an Stelle von Vorgängerbauten das heutige Bräuhaus errichtet. 1652 kaufte Christoph Nusser das Bräuhaus um 1000 fl. Aber schon 1654/55 zeigten die Fugger sich an dem Gebäude unmittelbar neben dem Schloss interessiert. Sie kauften es ihm ab (Kaufpreis nicht dokumentiert) und Nusser errichtete mit dem Kaufpreis das Gasthaus mit Brauerei Zur Glocke Memminger Str. 29.
Westlich des Bräuhauses standen noch 2 Häuser der Vorgängerbebauung. Um eine neue Braustätte für das Herrschaftliche Bräuhaus errichten zu können, erwarb die Herrschaft ~1706 die beiden Häuser und baute ab 1716 hier eine neue Brauerei.
Vorbau
Wohl um 1700 wurde vor dem Alten Schloss ein Vorbau mit einem polygonalen Grundriss errichtet. Die Gestaltung und Nutzung dieses Gebäudes ist ungeklärt, es war auf jeden Fall unbewohnt. Es handelte sich um einen eingeschossigen Anbau mit Walmdach. Das Gebäude ist im Urkataster 1823/27 eingetragen und auf einem Gemälde über den Kircheneinsturz 1859 am Rande dargestellt. Die Fundamente wurden bei den Archäologischen Grabungen 2016 aufgedeckt. In der Flucht dieses Anbaus dürfte der Schlossplatz zum Bräuhaus hin durch eine Mauer oder ein Gitter mit Tor abgeschlossen worden sein.



Im Urkataster ist auch auf der Ostseite des Neuffenschlosses ein abgemauerter Hof vor den Latrinenanbauten eingetragen. Es wird vermutet, dass diese Hofmauer zeitglich mit dem Vorbau errichtet wurde.
Abbruch der Stadtmauer hinter der Stadtpfarrkirche 1835
1837/38 wurde die Stadtmauer hinter der Stadtpfarrkirche abgebrochen, um die Belichtungs- und Belüftungsverhältnisse in der Stadtpfarrkirche zu verbessern. (hierzu ausführlicher Beitrag)

Weitere Ereignisse in Bauphase 6
Joseph Holl berichtet in seiner Chronik8: Am 27. Oktober 1735 war dahier eine großartige Feier, nämlich die Huldigung an den Grafen Anton und seinen Oheim Rupert, nachdem Österreich die Herrschaften völlig cediert hatte. Um 8 Uhr kamen die Grafen Jakob Fugger von Boos und Kajetan von Kirchheim in einem mit sechs Rappen bespannten Wagen; sie wurden mit 24 Böllerschüssen begrüßt; um 9 Uhr kamen der kaiserliche Kommissär Baron von Ramschwag und die Kirchberger Grafen in einem rotgefütterten, auch mit sechs Rappen bespannten Wagen, und darnach die Beamten in einem Wagen — auch mit 24 Böllern empfangen. Im Hofe waren die Bürger der Herrschaften, sie wurden abgelesen und die Fehlenden notiert. Vom Fenster des Tafelzimmers hielt erst der Kommissär eine Rede, während die Grafen rechts und links von ihm standen. Dann wurde die Zessionsurkunde verlesen. Dann mußten alle Bürger die drei Schwörfinger aufheben und den Eid nachsprechen. Darnach hielt Rat Klosterbaur eine lange Danksagungsrede. Auch die Grafen leisteten dem k. Kommissär das Handgelübde. Darnach war in der Pfarrkirche Tedeum mit Trompeten und Pauken und herrlicher Musika. Unter dem Amte hielten viele Patronatsherren die hl. Messe. Den Schluß bildete eine große Tafel mit feinen Toasten.
Zu diesem Zeitpunkt dürften die Bauarbeiten am Schloss noch nicht abgeschlossen gewesen sein.


Bewohner des Schlosses
Wer zu welcher Zeit das Schloss bewohnt hat, kann nicht vollständig festgestellt werden. Als Herrschaft waren die Fugger nicht meldepflichtig, auch im ersten Einwohnerverzeichnis 1786 ist hier nur die Herrschaft genannt. Das änderte sich erst, nachdem Weißenhorn ab 1806 zu Bayern gehörte. Ab 1819 sind die Bewohner in den Einwohnerlisten benannt.
- 1819: Fridrich Fugger, Graf und Reichsrath; Euphemia Fugger, apanagierte Gräfin; Johann Haas, Gutherr; Leopold Holzer, Amtsschreiber
- 1831: Titulargräfin Fugger, Witwe; Johann Haas, Kastendiener; Anton Deinsel, Scribent; Joh. Gerndorfers Witwe, ehem. Gärtner
- 1843: Karl Benegger, gräfl. Fugg. Director; Nikolaus Schaich, Kornmesser; Josef Uhl, Bote
Das Schloss wurde also nicht nur von der Herrschaft als Wohnsitz genutzt, sondern auch von Angestellten. Ob und wie die Wohnungen abgetrennt waren, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Nach dem Tod der Gräfin Euphemia wurde das Schloss nicht mehr von Mitgliedern der Familie Fugger bewohnt, sondern nur noch von Bediensteten. Nach dem Verkauf wurde das Schloss ab 1853 von der Stadt bis 1861 an einzelne Personen vermietet.
Bauphase 7: Umbau für staatl. Behörden
Im Jahr 1848 fand die sogenannte Mediation statt. Durch das Gesetz vom 04.06.1848 wurden die adlige bzw. gutsherrliche Gerichtsbarkeit und somit das Herrschaftsgericht Weißenhorn zum 01.10.1848 aufgehoben. Die Gerichtsbarkeit ging damit vollständig an den Staat über. Das war natürlich ein herber Verlust für die Bedeutung der Ortsherrschaft. Die „Familie Fugger“ hatte sich ohnehin für einen Wohnsitz in Schloß Kirchberg entschieden. Damit trat Weißenhorn an zweite Stelle. Auch gab es seit Ende des 18. Jh. keine zweite Verwandtschaftslinie mehr. So war eine Teilung in eine Kirchberger und eine Weißenhorner (häufig der Nachgeborene) Linie nicht mehr notwendig. Inwiefern die Fugger durch den Wegfall der Gerichtsbarkeit in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass sich nach dem Wegfall aller staatlichen Rechte 1848 und der „Bauernbefreiung“ (d.h. die Grundabgaben wurden abgelöst) bei vielen vormals regierenden Familien wirtschaftliche Probleme ergaben.
Auf jeden Fall wurden die Gebäude seitens der Fugger nicht mehr benötigt. Die Familie Fugger entschied sich, alle ihr gehörenden Immobilien in der Stadt Weißenhorn zu verkaufen und nur noch die land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundstücke zu behalten. Neben den Schlössern mit den dazu gehörenden Zwinger- und Grabengrundstücken handelte es sich um das allodiale Herrschaftsgericht (Hauptstr. 8), das Kastenhaus (An der Mauer 4), die Fronfeste (Wettbach xx), das Bräuhaus (Kirchplatz 6) mit dem Marstall (Fuggerstr. 2b), das Gartenschlösschen (Kammerlanderstr. 3) und die Schweizerei (Fuggerstr. 1) sowie die Ziegelei (Roggenburger Str.). (siehe hierzu auch eigener Beitrag ‚Die Gebäude der Fugger in Weißenhorn‚.
Ab ca. 1850 boten die Fugger Ihren Weißenhorner Besitz zum Verkauf an9. Es wurde auch an einen Abbruch der Schlösser gedacht. Hierüber ist ein Akt im Fuggerarchiv Dillingen vorhanden. In diesem sind Bestandspläne des Schlosses enthalten und eine Ertragsberechnung, in welcher der Materialwert der Schlösser berechnet wurde.



Diese Bestandspläne sind aus heutiger Sicht hochinteressant. Sie zeigen im Wesentlichen den barocken Grundriss des Umbaus von 1730-35, aber auch einige, offenbar spätere Veränderungen. Leider sind im Grundriss die Nutzungen der Räume nicht vermerkt.
Auf folgende Besonderheiten soll hingewiesen werden:
- Das innere Treppenhaus im Fuggerschloss ist noch als vollständige Wendeltreppe dargestellt, die bei der Erbauung vor die damalige Stadtmauer gesetzt wurde. Es sind aber Durchgänge im Bereich der Stadtmauer hinter dem Treppenhaus vorhanden. Es ist nicht geklärt, ob die Wendeltreppe bis in das Dachgeschoss hoch ging (früherer Zugang vor 1565?), oder ob der Zugang ins DG nur über den Treppenturm von 1565 erfolgte.
- Die an dieses Treppenhaus anschließenden Flure (0.09.1, 1.11.1, 2.12) besaßen Tonnengewölbe als Decken.
- Die Aufteilung des Raumes F 1.13 war recht kleinteilig und stimmt nicht mit der Konstruktion der Zierbalkendecke überein. Die Raumaufteilung kann daher nicht bauzeitlich sein. Vielleicht war die Decke in diesem Raum auch zu jener Zeit als Putzdecke abgehängt, um Anschlussprobleme an die Deckenbalken zu vermeiden.
- Vor dem Treppenhausturm und im Zwickel zwischen Neuffenschloss und Zwischenbau sind Vorbauten gezeichnet, deren Funktion nicht bekannt ist.
- In Raum F 0.14 ist eine Kammer (Ofen?) eingetragen, deren Größe mit den Funden vor Ort nicht übereinstimmt. Handelt es sich hier um eine Zeichenungenauigkeit oder einen rückstandslosen Rückbau einer Zwischenphase?
- Im Prunktreppenhaus des Alten Schlosses ist im 1.OG eine Trennwand eingezeichnet, die wohl unterschiedliche Nutzungen abteilen sollte, dem barocken Raumeindruck aber widersprach und störend gewirkt haben muss. Es wird sich daher um eine spätere Abteilung der Geschosse handeln.
- Die Lage der Latrinen ist interessant. Diese waren als kleine Räume in den Ecken der Treppenhäuser und meist teilweise in die Wände eingebaut und dürften optisch nicht gut gewirkt haben.
Erwerb der Schlossgebäude durch die Stadt
Es kam dann Gott sei Dank nicht zum Abbruch der Schlösser. Stattdessen zeigte die Stadt Interesse an den Gebäuden. Am 15.12.1852 unterbreiteten die Fugger der Stadt ein Verkaufsangebot für die Schlösser mit den Grabengrundstücken, das Herrschaftsgericht, das Kastenhaus und das Thorwartshaus für zusammen 29.300 fl. Am 31.12.1852 beschloss der Magistrat, die Gebäude zu kaufen unter der Voraussetzung, dass sich Graf Fugger dafür einsetze, dass Weißenhorn einen Gerichtssitz erhält bzw. das Landgericht von Roggenburg nach Weißenhorn transferiert werde oder Weißenhorn zum Sitze eines sonstigen Amtes wie z.B. eines Bezirksgerichts oder Landcomißariats bestimmt werde. Der Vertrag solle in Kraft treten, wenn die entspr. behördlichen Festlegungen getroffen worden sind.
Die Verhandlungen zogen sich hin, da der bayerische Staat ohnehin eine Verwaltungsreform beabsichtigte und von diesen Entscheidungen mehrere Gemeinden betroffen waren. Zudem verschärfte sich die Situation für die Stadt auch noch durch den unerwarteten Einsturz der Stadtpfarrkirche am 22.02.1859. Bei der Planung des Kirchenneubaus dachte man allen Ernstes daran, das Alte Schloss abzubrechen um mehr Platz für die neue Kirche zu bekommen. Bei der Frage einer Grundabtretung aus dem Stadtgraben für die größere Kirche zeigten sich die Fugger nicht sehr kooperativ, weil sie befürchteten, dass die Stadt hierdurch versuche, den verhandelten Kaufpreis zu drücken. (hierzu ausführlich).
Da gleichzeitig auch das Bräuhaus verkauft werden sollte, wurde zuerst vereinbart, dass der Hofraum zwischen Schloss und Bräuhaus gemeinsam genutzt wird. Beim endgültigen Vertrag einigte man sich dann aber auf ein hälftige Teilung. Die Mauer auf der gemeinsamen Grenze sollte vom Staat und der Herrschaft hälftig getragen werden. Graf Fugger verweigerte dies jedoch, weswegen die Stadt sich bereit erklärte, diesen Anteil zu übernehmen. An der Grenze wurde ein Gitterzaun zwischen gemauerten Pfeilern errichtet. Dieser bestand so noch bis 1987.
Das Bräuhaus durfte auch weiterhin das notwendige Wasser aus der städt. Wasserleitung ohne Wasserzins erhalten. Die Frage der Wasserversorgung des Schlosses ist hier ausführlich behandelt.
1862 wurde die Stadt in den Verhandlungen mit dem Staat einig. Am 03.02.1862 schloss man einen Vertrag mit dem königlichen Aerar über den Weiterverkauf des Schlosses an den Staat für 5.000 fl. Mit Beschluss vom 08.02.1862 legte die Regierung von Schwaben und Neuburg fest, dass das Landgericht und das Rentamt nach Weißenhorn verlegt werde, woraufhin man am 30.05.1862 den endgültigen Kaufvertrag tätigte.
Auf den ersten Blick war das für die Stadt wohl ein schlechtes Geschäft, auf den zweiten Blick sicherte man sich hiermit aber die wichtigen Behörden und die Zentralität des Ortes. Die Staatsverwaltung verlegte nun das Landgericht, das Rentamt (mit Grundbuchamt) und später auch das Forstamt (1927) von Roggenburg nach Weißenhorn. 1902 wurde noch eine Bezirksgeometerstelle (Vermessungsanmt) eingerichtet.10. Das Landgericht hatte jetzt nur noch die Funktion eines Gerichtes, die Verwaltungsaufgaben wurden an das neu entstandene Bezirksamt Illertissen delegiert. 1879 wurden die Aufgaben des Gerichts geteilt. Das Landgericht11 kam nach Memmingen, Weißenhorn wurde Amtsgericht12. Den Verhandlungen zum Ankauf der Schlossgebäude wird ein eigener Artikel gewidmet.
Umbauarbeiten 1862
Die Umnutzung zu einem Behördengebäude bedingte natürlich eine Anpassung des Gebäudes und führte zu einem grundlegenden Umbau mit tiefen Einschnitten in die Grundrissgestaltung und die Bausubstanz. Mit den Bauarbeiten muss schon vor Abschluss der Verhandlungen begonnen worden sein, denn in Raum M 2.02 fand sich ein unterseitig signiertes Bodenbrett vom 17.05.1862, also noch vor dem endgültigen Abschluss des Kaufvertrages. Der Boden gehört gemeinhin zu den letzten Arbeiten im Bauablauf.

Die staatlichen Behörden nahmen auch bereits im Jahr 1862 ihre Arbeit in Weißenhorn auf. Es ist nicht genau zu klären, wann die Umbauarbeiten begannen, vermutet wird 1859/60. Vom Juni 1862 liegt ein Übergabeprotokoll des Gefängnisses an den Gerichtsdiener vor.
Über den Umbau liegt ein undatierter Bauplan vor13, der um 1860 erstellt worden sein dürfte.



In das Erdgeschoss des Zwischenbaus wurde ein Gefängnis mit 6 Zellen eingebaut. Das EG des Fuggerschlosses wurde zur Dienstwohnung des Gerichtsdieners umgebaut. Im 1.OG des Fuggerschlosses fand das Amtsgericht Platz und im 1.OG des Alten Schlosses hatte der Amtsrichter seine Dienstwohnung (noch bis ca. 1973). Die Nutzung der Räume im Zwischenbau ist unklar. Im 2. OG wurde das Rentamt (Finanzamt) untergebracht. Der Rentamman hatte im 2. OG des Fuggerschlosses seine Dienstwohnung und die Diensträume waren im 2. OG des Alten Schlosses. Aus heutiger Sicht mutet die Größe der Wohnfläche zur Bürofläche unverhältnismäßig an.




Das EG des Zwischenbaus wurde völlig verändert. Die Schlossküche verschwand und wurde zum Gefängnis umgebaut. Das Gefängnis erhielt einen eigenen Zugang vom Schlosshof. Beim Einbau der Zellen wurden die Gewölbe des Anbaus von 1730 als Zellen genutzt und in den Küchenbereich drei weitere Zellen eingebaut. Interessant hierbei ist, dass diese Zellen sogar Öfen erhielten, obwohl kein Kamin in der Nähe war. Die Rauchgase wurden über einen Fuchs14 abgeleitet, der im Bauplan eingetragen ist und bei den Bauarbeiten 2011 gefunden wurde. Die Zellen hatten nur kleine Oberlichtfenster mit Stichbögen, die noch aus der vorherigen Bauphase stammen könnten. Es könnten abver auch die vorhandenen Fenster verkleinert worden sein, um den Delinquenten die Aussicht zu erschweren.
Der Fußboden im EG des Fuggerschlosses wurde aus unbekannten Gründen überschüttet und um ca. 40 cm höher gelegt.
Im Alten Schloss wurde der mittlere Gewölbekeller (A 0.05) verfüllt. Es ist nicht bekannt, aus welchen Gründen dies geschah. Der südliche Gewölbekeller (Raum A 0.04) hatte nicht diese Tiefe.
Die Tonnengewölbe in den Fluren des Fuggerschlosses wurden abgebrochen.
Mehrere große Räume des Schlosses wurden durch Zwischenwände neu unterteilt, besonders wurden Flure hergestellt, um gefangene Räume besser erschließen zu können. Auch das Treppenhaus wurde durch Einbauten verkleinert.
Auch das äußere Umfeld der Schlösser wurde verändert. Der barocke Anbau vor dem Alten Schloss wurde abgebrochen. Nach Fertigstellung des Kirchenneubaus 1872 wurde das gesamte Umfeld der Kirche neu gestaltet (siehe hierzu Kirchplatz). Beim Abbruch der Stadtpfarrkirche um 1859 wurde die Verbindungsbrücke vom Schloss zur Kirche abgebrochen. Da sich die Eigentumsverhältnisse änderten, wurde auch der Hofraum unterteilt und etwa hälftig dem Bräuhaus zugeschlagen. Der Schlossbereich wurde durch ein Gitter mit Mauerpfeilern abgetrennt, eine ähnliche Einfriedung erfolgte auch zum Bräuhaus hin. Hierdurch verlor das Schloss das repräsentative Umfeld. Diese Situation blieb so bis zur Neugestaltung im Rahmen der Altstadtsanierung 1988.
Wann die Zinnenbekrönung der Giebel des Alten Schlosses beseitigt wurde, lässt sich nicht sicher bestimmen. Zeigen uns die Gemälde von 1859 und eine Lithografie von 1875 (oder dann erst veröffentlicht?) noch diese Zinnen, sind sie auf Fotos vom Beginn des 20. Jhdt. nicht mehr vorhanden. Auch eine Handzeichnung unbekannter Provenienz aus dem 19. Jhdt. stellt diese Zinnen noch dar.



Es könnte sein, dass die Zinnen bei den Umbauarbeiten 1879 entfernt wurden.


Weitere Entwicklung zwischen 1862 und 1930




1872 wurde vor dem Gefängnis ein kleiner Garten mit einem Zaun eingefriedet.

1875 werden als Bewohner des Schlosses genannt: Pybringer, kgl. Landrichter; Franz Schreiber, kgl. Rentbeamter; Michel Gothold, Gerichtsarzt. Der Gefängniswärter wird nicht mehr erwähnt. Daher ist anzunehmen, dass der Gerichtsarzt dessen Wohnung im EG des Fuggerschlosses bewohnte.
1876 wurde die Kanalisation um das Schloss erneuert. Der beschriebene Kanal wurde bei den Voruntersuchungen gefunden.

1879 fanden Umbaumaßnahmen statt. In diesem Jahr wurden die Gerichtsaufgaben staatlicherseits auf Landgerichte und Amtsgerichte aufgeteilt. Weißenhorn wurde Amtsgerichtssitz, das Landgericht kam nach Memmingen. Nach der neuen Gerichtsordnung wurde jetzt wohl ein Gerichtssaal erforderlich. Hierzu wurde der Raum F 1.14 im Fuggerschloss zu einem Sitzungssaal umgebaut. Auch die Oberlichte zum Gang wurden 1879 eingebaut. Hierfür wurde die Trennwand zum Nebenraum entfernt und durch einen Stahlträger ersetzt. Für den Richter wurde ein Podium eingebaut. Der Raum erhielt eine neue Fußbodenbalkenlage, die dendrochronologisch auf 1878 datiert werden konnte. Es ist nicht bekannt, ob und wo ein früherer Sitzungssaal vorhanden war.

1883 wurden an die Unterbringung von Gefangenen neue Anforderungen gestellt. Es fand eine Visitation des Gefängnisses statt, nach welcher Umbaumaßnahmen erforderlich wurden. Bemängelt wurde die Rauchführung der Öfen über den Fuchs und die alten Kamine, die fehlende Möglichkeit der Verdunklung einer Zelle für Dunkelhaft, die Entlüftung der Abtritte und die fehlende Möglichkeit des Freigangs der Häftlinge. Hierfür wurde ein fester Zaun und eine Abteilung des Gartens gefordert. Die notwendigen Umbaumaßnahmen erforderten nach Kostenanschlag 1.175 M.
1893 wurden die Aborte im Fuggerschloss erneuert. Hierüber liegt eine detaillierte Planzeichnung vor. Es handelte sich aber immer noch um eine reine Fallleitung ohne Wasserspülung. Im Begleitschreiben heißt es, dass die Fäkalien in eine angebrachte Vertiefung fallen, während die Flüssigkeit in eine im untern Garten des k. Oberamtsrichters befindliche Grube abläuft und von da durch einen Canal in den Stadtgraben weiter geführt wird. Diese Abtrittsanlage wird zeitweise durchgespühlt u. hiezu das laufende Wasser vom Brunnen im Gange sowie jenes von der Waschküche benützt. Eine Bespühlung dieses Canals durch das Rothflüßchen ist, abgesehen von der Höhe des Kostenpunktes, um dessentwillen nicht wohl auszuführen, weil die Ausmündung des Canals nahezu gleich hoch liegt mit dem Niveau des Rothflüßchens bei mittlerem Wasserstand. Da nun diese Abtrittsanlage weder ein Dunstrohr besitzt, noch die Fenster daselbst bei der Höhe ihrer Lage fleißig geöffnet werden, so müßen die sich sammelnden übelriechenden Gase unangenehm wirken u. kann diesem Uebel nur dadurch abgeholfen werden, daß mittels einer Rohrleitung unter der Decke ins Freie u. von da mittels eines Dunstrohrs über Dach diese Gase abgeführt u. überdieß an den Fenstern eine Ventilation angebracht werde, wodurch diese Aborte geeignet gelüftet werden können. Der über die vorzunehmenden Bauveränderung angefertigte Kostenanschlag sammt den bezüglichen Plänen liegt an.


1897 wurde ein neuer Kanalisationsplan angefertigt.

1897 wurde der Sprengel des Rentamtes geteilt. Der nördliche Teil wurde an das neu eingerichtete Rentamt Neu-Ulm abgegeben. Die Stadt versuchte bei den umliegenden Gemeinden zu intervenieren, um die Teilung abzuwenden. Dies gelang jedoch nicht.
1901 musste in einem Plan nachgewiesen werden, dass die Häftlinge über das Fenster keinen Kontakt nach außen aufnehmen konnten.

1902 Am 02.06.1900 hielt Se. Erlaucht Graf Georg Fugger mit seiner Familie feierlichen Einzug in sein Ahnenschloß Weißenhorn.
1902 wurde eine Bezirksgeometerstelle in Weißenhorn eingerichtet. 1909 wurde dieses offiziell als Vermessungsamt geführt. Das Vermessungsamt war zunächst noch dem Katasteramt (Grundbuchamt) zugeordnet. Die Aufteilung der Aufgaben erfolgte erst 1930.
1907 wurde in die Wohnung des Amtsrichters (Raum M 1.01.1) ein Badezimmer eingebaut.







1914 wurde das elektrische Licht in das Schloss eingebaut.


1920 bat die Stadt das Landbauamt wegen des schlechten Zustandes der Fassaden um Renovierung. Das Landbauamt sah die Notwendigkeit der Arbeiten zwar, hatte aber wegen des I. Weltkrieges und der jetzigen hohen Preise (Inflation) kein Geld für diese Arbeiten.
1921 wurden im Zuge der Neuvermessung der Stadt die Grenzen am Schloss neu festgestellt und vom Stadtrat am 29.07.1921 bestätigt.



1924 wurde die Fassade des Alten Schlosses (Finanzamt) renoviert, nicht jedoch die Fassade des Amtsgerichts (Fuggerschloss). Die Stadt intervenierte daher beim Justizministerium und beschwerte sich, dass der Reichsfiskus Geld für die Renovierung habe, der Bay. Staat aber nicht. Hiermit werde das Vertrauen der Bevölkerung in die Justiz untergraben. Das Ministerium ließ sich überzeugen und das Fuggerschloss wurde auch renoviert. Bei diesen Arbeiten wurden die Kamine im Alten Schloss erneuert.
Im Zuge einer Umstrukturierung des Gefängniswesen wurde die Zuständigkeit für Arreste auf die Polizei verlagert. Der Gendarmerieposten wurde um 1925 in das Gebäude Schulstr. 25 verlegt. 1930 wurde dort eine Arrestzelle eingebaut. Daher wurden die Gefängniszellen nicht mehr benötigt.
Am 22.05.1925 beschloss der Stadtrat, zwecks Verlegung des Forstamts von Biberachzell nach Weißenhorn mit der Kreisregierung entsprechende Verhandlungen zu führen. Aufgrund der Zuschrift des Landtagsabgeordneten Dr. Lenz wurde am 11.11.1927 an das Finanzministerium die Bitte um Verlegung des Forstamtes von Biberachzell nach Weißenhorn gerichtet. Dem Wunsch wurde entsprochen, weil sich die Stadt bereit erklärte, entsprechenden Dienst- und Wohnraum zur Verfügung zu stellen15. Das Forstamt wurde zunächst im EG des Fuggerschlosses in der Wohnung des Gerichtsdieners eingerichtet, bis nach Beschluss der Stadt vom 01.04.1930 im Jahr 1931 der Neubau des Forstamtes an der Reichenbacher Str. 28 bezogen werden konnte.
Im gleichen Jahr 1925 sollte die Grünanlage beim Finanzamt auf Kosten der Stadt neu eingezäunt werden. Als das Landbauamt dann 1928 die Arbeiten ausführen wollte, war die Auflösung des Finanzamtes bereits beschlossen, so dass sich die Stadt nicht mehr an ihre Zusage gebunden fühlte.
1927 sollten in das Finanzamtsgebäude (Altes Schloss) Spülklosetts und eine Kleinkläranlage (Emscherbrunnen) eingebaut werden. Die Gaube über den alten Aborten war schadhaft und sollte entfernt werden. Wegen der Kosten wurde dieser Plan aber aufgegeben. Dies war aber wohl nicht der einzige Grund, denn zum 01.11.1928 wurde das Finanzamt Weißenhorn aufgelöst und anschließend nach Neu-Ulm verlegt. Erste Gerüchte hierüber kamen bereits 1922 auf. Die Stadt versuchte seit 1923 intensiv, die Aufhebung abzuwenden. Obwohl 52 von 54 umliegenden Gemeinden den Verbleib des Finanzamtes unterstützten und trotz Einschaltung des zuständigen Reichstagsabgeordneten gelang dies nicht. Es wurde lediglich eine finanzamtliche Hilfskasse und Annahmestelle dem Rathaus angegliedert, die 1939 wegen Personalmangels durch Einberufungen aufgelöst wurde.


Bauphase 8: Schulnutzung 1930-1972
Umbau des Fuggerschlosses zu Schulzwecken
Die nächste größere Änderung stand dem Gebäude ab dem Jahr 1930 an. Der Auszug des Finanzamtes aus dem Schloss und der erwartete Umzug des Forstamtes ergab für die Stadt neue Möglichkeiten. Schon seit dem 05.11.1900 betrieb die Stadt Weißenhorn eine Mittelschule für Mädchen im Gebäude Hauptstr. 8, die von Franziskanerinnen geleitet wurde. Diese Unterbringung war von Anfang an als Übergangslösung gedacht. Den ursprünglich beabsichtigten Schulneubau im ehem. Heckelschen Garten in der Blumengasse hatte man aufgegeben, hier entstand der erste Kindergarten der Stadt, ebenfalls unter Leitung der Franziskanerinnen. Die Stadt sah daher die Möglichkeit, die Schule in das Schloss zu verlegen. Bereits vor dem Auszug des Finanzamtes aus dem Fuggerschloss fanden Gespräche zwischen der Stadt und dem Freistaat über den Ankauf des Fuggerschlosses statt.
Um das Fuggerschloss frei zu bekommen verlegte der Staat die Diensträume des Amtsgerichts vom 1.OG des Fuggerschlosses in das 2.OG des Alten Schlosses. Hier wurde der Raum A 2.10 im 2.OG in einen Gerichtssaal umgebaut. Die Aufgaben des Katasteramts wurden geteilt, das Vermessungsamt kam nach Günzburg, nur das Grundbuchamt verblieb beim Amtsgericht. Auch das Forstamt wurdfe noch einmal interimsweise innerhalb des Schlosses verlegt. So wurden noch mehr Räume im Fuggerschloss frei. Nach dem Umzug des Amtsgerichts innerhalb des Schlosses entfielen auch die Arrestzellen. Der Arrest wurde Sache der Polizei. Dazu wurde eine neue Arrestzelle im Gendarmeriegebäude Schulstr. 25 eingebaut. Über die Aufteilung des Gebäudes wurde ein Teilungsplan gefertigt.






Die Stadt erwarb das Fuggerschloss und Teile des Zwischenbaus am 27.06.1930 für 25.000 RM vom Staat zurück. Schon am 09.09.1930 wurde der Realschulbetrieb mit 48 Schülerinnen aufgenommen. Die offizielle Eröffnung fand am 10.11.1930 statt.
Es soll an dieser Stelle nicht näher auf die Geschichte der Haushaltungsschule und der Mädchenmittelschule eingegangen werden, da dieses Thema schon an anderer Stelle erschöpfend aufgearbeitet wurde. Hier soll nur auf die wesentlichen baulichen Veränderungen am Schloss hingewiesen werden.
Die umfangreichen Umbauarbeiten müssen schon vor dem Kauf begonnen worden sein, denn bei der offiziellen Eröffnung äußerte sich die Presse – in der damals üblichen blumigen Sprache – sehr positiv über die Qualität der Arbeiten, die in 3 Monaten nicht durchführbar gewesen sein können.
Wieder wurden das Fuggerschloss und der Mittelbau gründlich umgebaut. Die Gefängniszellen wurden ausgebaut und die Fenster vergrößert. Im Anbau von 1690 wurden die Gewölbe entfernt und ein Speisesaal mit zeitgenössischen Stilelementen eingebaut. Dort wo sich die ehemalige Schlossküche befunden hatte, wurde jetzt eine moderne Großküche mit Lehrmöglichkeit eingebaut. Der vorhandene Fuchs wurde vermutlich für den Küchenherd weiterverwendet. Wieder entstand ein großer Raum, bei welchem die Lasten der Decke jetzt über einen Unterzug und Stützen abgefangen wurden. Scheinbar war die ursprüngliche einzige gemauerte Säule den Lasten nicht gewachsen, so dass wenig später (wohl 1937) eine weitere gusseiserne Stütze eingebaut wurde. Fotos der Küche zeigen einmal die Situation ohne und einmal die Situation mit dieser Stütze.



Im 1.OG des Mittelbaus wurde der Raum M 1.01.2 zum Refektorium der Ordensschwestern umgebaut. Hier befand sich auch der schon o.a. Wandschrank oder er wurde erst jetzt hierhin transferiert. In den Raum M 1.01.3 wurde ein Badezimmer eingebaut.
In den Raum F 1.13 (vormals Registratur des Amtsgerichtes) wurde mit geringem baulichen Aufwand eine Kapelle eingebaut. Der weiße Holzboden wurde durch Parkett ersetzt und 2 neue Betbänke angeschafft. Als Wandschmuck dienten wertvolle Bilder aus dem Eigentum der Pfarrkirche. Der Altaraufbau wurde durch Einfügung eines mittl. Teiles (unterer Tabernakel) erhöht.
Die anderen Räume wurden als Unterrichts- und Schlafräume genutzt, da die Schule als Internat betrieben wurde. Im Schlafsaal gegenüber der Hauskapelle (früher Sitzungssaal des Amtsgerichtes) wurde Parkett gelegt. In den Fluren im EG wurde ein Terrazzoboden über dem alten Pflaster eingebaut.
Die weiteren Umbauarbeiten mussten während des laufenden Betriebs durchgeführt werden.
1931 wurde eine mit Koks befeuerte Zentralheizung eingebaut. Hierzu wurde auf der Südseite ein Heizraum angebaut, dessen Decke auf der Höhe des EG-Fußbodens des Fuggerschlosses lag. Im Heizraum befand sich der Heizkessel und die Brennstofflagerung. Zum Kamin in der ehem. Waschküche M 0.03 wurde ein Fuchs angelegt und der Kamin erhöht. Wegen seiner enormen Höhe musste er durch einen abgespannten Eisenring stabilisiert werden und wurde mit einem Laufsteg für den Kaminkehrer versehen.


Im gleichen Jahr wurde auch nach Beschluss des Stadtrats vom 06.03.1931 die Nordseite des Schlosses neu verputzt. Kirchenmaler Anton Heinle brachte nach Befund wieder die Bemalung der Fensterumrahmungen aus dem 16. Jhdt. an, die im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen war. Hierdurch wurde die Fassade deutlich aufgewertet und positiv beurteilt. Das Kloster steuerte einen Zuschuss von 1.000 RM bei. Über der Eingangstüre wurde eine heute leider nicht mehr erhaltene Inschrift „Mädchenmittelschule“ angebracht. Die an den Treppenturm angrenzende Front des Fuggerflügels schmückte Malermeister A. Heinle jr. mit einem alten, schön gezierten Wappen von Weißenhorn. Weiter unten brachte er eine durch die Patrona Bavariae geschmückte Datentafel ein, welche dem Beschauer in kurzen Erläuterungen und nüchternen Zahlen die reiche Geschichte des Schlosses klar zu machen versuchte. Auch diese Datentafel ist heute nicht mehr vorhanden.






1932 wurden die alten Abtritte, besonders die 1893 im EG in Flur F 0.09 eingebauten, beseitigt und zeitgemäße Toiletten mit Wasserspülung eingebaut. Im 2. OG wurde ein Gemeinschaftswaschraum eingerichtet (Raum M 2.01.4). Zur Abwasserbehandlung wurde im südlichen Garten eine als ‚Kläranlage‘ bezeichnete Ausfaulgrube errichtet.
1933 wurde die Süd- und Westseite neu verputzt. Diese Arbeit wurde als ABM-Maßnahme bezuschusst. Die Decke des angebauten Heizraums wurde zu einer ‚Gartenveranda‘ umgestaltet. Der Dachraum des Mittelbaus erhielt einen feuerfesten Zementestrich und wurde danach als Schrankraum genutzt.
1934 wurde der Flur im EG wegen der feuchten Wände mit gelben Fliesen versehen. Im 1.OG des Mittelbaus wurde ein Badezimmer eingebaut (M 1.01.3).
1935 wurde auch die innere Wendeltreppe mit diesen gelben Fliesen versehen. Das Innere der Schule wurde mit verschiedenen Kunstwerken aus dem Besitz der Stadtpfarrkirche als Leihgabe ausgestattet. Ölgemälde Kreuzwegstationen, 3 gr. Ölgemälde in der Kapelle (Kreuzbild von Anton Huber, Madonna mit musiz. Engeln, Himmelfahrt Christi), 2 gr. Ölbilder im sog. Blauen Zimmer (?) (HI. Josef u. Madonna),
gr. Kruzifix im Refektorium.
An der Westseite des oberen Gartens wurde ein Schweinestall mit angrenzendem Schuppen gebaut16.
Der Schulgarten wurde neu angelegt. Um den Stadtgraben auch als Schulhof nutzen zu können, wurde ein neuer Treppenabgang in diesen Graben geschaffen. Das ganze Stadtmauerstück wurde hierbei erneuert und der alte Treppenabgang entfernt.


Am 31.03.1937 wurde beschlossen, für den Einbau einer Schulküche eine statische Berechnung anfertigen zu lassen. Offenbar hatten sich Schäden gezeigt, so dass eine weitere gusseiserne Stütze eingebaut werden musste. Am 30.07.1937 wurden die Arbeiten an der Küche und im Speisesaal beschlossen. Scheinbar hatte man es aber 1930 versäumt, eine Baugenehmigung einzuholen. Der Bauplan vom 22.05.1937 trägt den handschriftlichen Vermerk ‚Die Art der im Erdgeschoss angebrochenen Gewölbe ist dem Planfertiger nicht bekannt und deshalb im Schnitt nicht gezeichnet‚. Daraus ist zu schließen, dass die Gewölbe im Anbau von 1690 im Jahr 1937 nicht mehr vorhanden waren. Der Umbau wurde dann nachträglich am 19.10.1937 genehmigt.



Während der Kriegszeit 1939-1945
Die Kriegszeit 1939 brachte seitens der NS-Machthaber einige Probleme für die Schule. Diese Belange sind sind ausführlich im Kapitel über die Schule in der NS-Zeit behandelt.
Eine kurze Zusammenfassung: Mit Ministerialerlass vom 29.12.1937 wurde von den NS-Machthabern die Aufhebung der Klosterschule, zeitgleich mit Aufhebung des Claretinerkollegs, verfügt. Ostern 1939 fand mit 27 Absolventinnen die letzte Schlussfeier statt. Es fand eine Umwandlung in eine staatl. Schule auf Erlass der Machthaber des Dritten Reiches statt. Eine Zeit lang existierten die neu errichtete staatl. „Oberschule“ und die auslaufende kirchl. Schule im selben Gebäude nebeneinander. Nach Auflösung der Schule mussten die Franziskanerinnen in das Gebäude Fischergasse 8 umsiedeln. Am 26.04.1945 wurde Weißenhorn von amerikanischen Soldaten eingenommen. Damit war für die Stadt der Krieg zu Ende, am 08.05.1945 auch offiziell und vollständig.
Das ehemalige Schul- und Internatsgebäude im Schloss wurde vielfältig anderweitig genutzt: für einquartierte Soldaten, als Flüchtlingsküche, von September 1939 bis Februar 1940 nutzte es die Kreisbauernschaft (vormals Sitz in Krumbach), deren Vorsitzender der Weißenhorner Bürgermeister Böck war. Auch als Gefangenenunterkunft für französische Soldaten wurde es benutzt, nach dem Krieg wurde es beschlagnahmt von den amerikanischen Besatzerngenutzt, schließlich diente es noch als Durchgangslager für Flüchtlinge.
Das Schloss war nach Kriegsende unter Niemandes Kontrolle. Entsprechend schlimm muss es danach ausgesehen haben. Am 05.11.1945 konnten die Ordensschwestern erstmals wieder in das Gebäude und waren erschüttert: „Nachmittags gehen wir ins Schloß. Wir hatten es uns sehr schlimm vorgestellt; aber was wir trafen, war unbeschreiblich. Die Türen ohne Klinken, die Schränke ohne Türen. Nirgends mehr ein Schlüssel. Die Fenster entweder ausgehängt oder durchgeschlagen – 20 qm Fensterglas sind notwendig, um die Schäden zu beheben – , Türfüllungen sind mit den Füßen eingetreten, im ganzen Haus sind höchstens noch 6 Glühbirnen. Es fehlen auch die Beleuchtungskörper und fehlen sämtliche Vorhänge. Alles ist gestohlen. Nach Wegzug der Amerikaner stand das Haus tagelang offen, und die lieben Nachbarn haben allerhand gefunden, was sie brauchen konnten. Die Schränke stehen kunterbunt im Haus herum.Ein sehr schöner doppeltüriger Schrank aus dem Lehrzimmer der 3. Klasse steht auf dem Speicher als – Nistgelegenheit für die Tauben!“ Oder: „Nachmittag haben wir wieder im Schloß gearbeitet, Holz klein gemacht und verstaut, damit es nicht auch noch gestohlen wird. Dann sind wir an den Kamin geraten auf dem unteren Speicher. Der war vollständig angefüllt mit lauter Papier. Die ganzen Lebensmittelkarten der 74. Periode.„
Neubeginn nach dem Krieg




Am 27.11.1945 wurde das Schloss von der Besatzungsverwaltung freigegeben. Das Gebäude wurde mit Fleiß wieder geputzt und notdürftig hergerichtet. Im Februar 1946 zogen die Schwestern zurück ins Schloss. Am 14.02.1946 wurde die Haushaltungsschule und am 18.02.1946 die Mädchenmittelschule unter widrigsten Bedingungen wieder eröffnet.
Zum 50-jährigen Jubiläum der Schule am 05.07.1950 erhielt der Speisesaal eine Holzvertäfelung. Außerdem wurden das Dach neu gedeckt und 4 Fenster erneuert. Weitere Renovierungsarbeiten fanden in den Sommerferien 1951 statt.
Die Klosterschwestern litten langsam unter Überalterung und fehlendem Nachwuchs. Das Mutterhaus in Dillingen kündigte daher schon im Juli 1953 die Aufgabe des Lehrbetriebs an. 1957 wurde es ernst: Die Franziskanerinnen kündigten den Betrieb der Mädchenmittelschule und des Kindergartens zum 01.08.1957. Stadtrat und Bürgermeister konnten die Schwestern noch zu einer Verlängerung um ein Jahr bewegen. Am 16.12.1957 stellte der Stadtrat fest, wenn sich die Franziskanerinnen zum 31.08.1958 aus der Schule zurückzögen, müsse die Schule geschlossen werden. Es sollten nochmals Verhandlungen geführt werden. Im März 1958 kam die Nachricht, die Mädchenmittelschule bleibe unter klösterlicher Leitung bestehen, da sich wieder klösterliche Lehrkräfte gefunden hätten.
In den Jahren 1955/56 wurde einiges im Schloss renoviert. Die Schulküche wurde modernisiert, sie erhielt einen neuen Voss-Großherd, einen Warmwasserboiler, einen Gewerbekühlschrank, ein Buffet und eine Bügelmaschine. Die Küche wurde neu gefliest. Das Internats-Bad im 2.OG bnekam 21 neue Waschbecken und 2 Badewannen und auch das Schwestern-Bad wurde erneuert. Alles wurde neu in elfenbein gefliest. Die WC-Anlage im EG wurde neu gefliest und mit neuen Trennwänden versehen. Der Heizungskessel wurde erneuert. Der Heizungskeller wurde vergrößert, die alte Klärgrube abgebrochen und ein neuer Kanal verlegt. Küche und Klassenräume erhielten Neon-Beleuchtung. Für diese Arbeiten wurden ca. 47.000 DM ausgegeben, das war 1955 viel Geld.











1957 steckte auch der Staat etwas Geld in das Amtsgericht und renovierte es innen. Hierbei wurden auch die Fenster als Verbundfenster erneuert.
1961 wurden auch die Fenster des Fuggerschlosses erneuert und die Westfassade neu verputzt.
1964 Nach eingehender Untersuchung der teilweise noch vorhandenen alten Treppenanlage im Fuggerschloss wurde diese Wendeltreppe zu einer Fluchttreppe umgebaut. Die Treppensituation wurde hierbei offener gestaltet. Die Zugangsbereiche wurden erweitert und im 2. OG so geändert, dass ein ungehinderter Zugang zu den Südräumen möglich wurde.
1965 wurden im 1.OG des Mittelbaus mit Beschluss vom 09.07.19654 die Stuckräume (Fürstenzimmer) recht gefühllos mit Zwischenwänden und Einbauschränken versehen und dienten den Schulschwestern als Schlafräume.
Am 02.07.1966 erhielt Kirchenmaler Amann, Grafertshofen, den Auftrag zur Erneuerung der Fassadenmalerei. Mit Beschluss vom 02.09.1966 sollte die Bemalung zuerst nur in vereinfachter Form wiederhergestellt werden. Nachdem das Denkmlamt allerdings am 27.09.1966 einen Zuschuss zusagte, konnte die Originalbemalung (von 1931) wiederhergestellt werden. Dennoch wurde die Bemalung um die Eingangstüre nicht mehr angebracht. Auch die Beschriftungstafel neben dem Treppenturm wurde entfernt und von der Architekturmalerei über der Eingangstüre zum Turm wurde auch nur der obere Teil belassen. Dafür wurde ein (wenig passendes) Vordach aus Blech angebracht.




Schon 1964 hatte Amtsgerichtsrat Dorn die Wiederherstellung des alten Brunnens im Schlosshof gewünscht, da dieser nicht mehr benutzbar sei. Der Bürgermeister sah hierin eine Chance, von Bräuhauseigentümer Wiedemann die Entfernung der störenden Hütten zu verlangen. Dies gelang jedoch nicht. Am 27.09.1966 beschloss der Bauausschuss, den Brunnen abzubauen. Nur der trockene Brunnenschacht blieb erhalten.
Weil der Stadt bewusst war, dass die klösterliche Führung in absehbarer Zeit aufgegeben werde und weil die Anforderungen an die Ausstattung einer Realschule immer höher wurden, beschäftigte sich die Stadt bereits seit 1965 um eine Lösung durch einen Neubau. Da ein Anbau an das Schloss keine zufriedenstellende Lösung ermöglichte, wurde am 06.11.1967 grundsätzlich ein Neubau beschlossen und 1968 ein Grundstück an der Herzog-Ludwig-Straße erworben. Ausführlich hierzu.
1967 wurde der Stadt mitgeteilt, dass der Staat beabsichtige, das Amtsgericht Weißenhorn aufzulösen. Dies wollte die Stadt nicht so ohne Weiteres hinnehmen und verabschiedete am 06.11.1967 eine entsprechende Resolution. Die Intervention zur Beibehaltung des Amtsgerichts war jedoch fruchtlos. Das Justizministerium verfügte am 31.05.1969 die Schließung des Amtsgerichts zum 01.01.1970. Die Aufgaben übernahm das Amtsgericht Neu-Ulm. Am 28.11.1969 wurde das Amtsgericht in einer Feierstunde im Hasensaal offiziell verabschiedet.
Hiermit war die Phase der staatlichen Behördennutzung im Schlossensemble beendet.




Bauphase 9: Rathaus 1972-2009
Schon am 16.02.1970 gab die Bezirksfinanzdirektion das Alte Schloss zum Verkauf frei. Die Stadt bewarb sich sofort um den Kauf. Bis zum Ankauf des Neuffenschlosses wurde die ehem. Dienstwohnung, in der der alte Amtsrichter Dorn noch ein Wohnrecht genaß, für 300 DM angemietet. Als Wert des Gebäudes wurden 125.000 DM veranschlagt. Am 05.04.1971 erwarb die Stadt das Alte Schloss um diesen Preis und war jetzt, wie vor 100 Jahren, wieder ganzer Eigentümer des Gebäudes.
Noch bevor der Kauf getätigt wurde, beantragte der Kunstverein 1969 e.V., Ulm, das Alte Schloss nach dessen Erwerb durch die Stadt als Ausstellungsgebäude zu erhalten. Der Antrag wurde aber wegen Eigenbedarfs abgelehnt.
Das Mädcheninternat der Realschule übernahm am 29.03.1971 das 1. OG des Alten Schlosses. In die Küche der Wohnung A 1.10.2 wurde ein Waschraum mit 6 Plätzen eingebaut. Der Raum A 1.06 wurde als Wohnzimmer und Aufenthaltsraum eingerichtet. Im obersten Raum des Treppenturmes richteten sich die Mädchen selber einen ‚Beat-Schuppen‘ ein.
Das 2. OG des Alten Schlosses sollte durch die Kämmerei genutzt werden um der Raumnot im alten Rathaus zu begegnen. Hierfür mussten jedoch noch zuerst einige Reparaturen vorgenommen werden.
Am 07.09.1971 konnte die Realschule in den Neubau übersiedeln, der am 25.09.1971 eingeweiht wurde. Das Internat und der Konvent verblieben weiterhin im Schloss.
1972 zog ohne große bauliche Veränderungen die Stadtkämmerei in das 2.OG des Alten Schlosses, welches nun ‚Rathaus 2‘ genannt wurde. Da das Alte Schloss nicht an die Heizung des Fuggerschlosses angeschlossen war, wurden zumindest die alten Kohleöfen durch Ölöfen ersetzt. Diese mussten jeden Morgen von Hand betankt werden und wurden über Nacht aus Brandschutzgründen ausgeschaltet, was am Montagmorgen immer für sehr frische Temperaturen sorgte. Nur das Wohnzimmer der Internatsschülerinnen hatte den Luxus von Elektrospeicheröfen. Im EG des Alten Schlosses wurde ein Öllagerraum eingebaut.






1973 wurde die Heizung des Fuggerschlosses auf Ölbetrieb umgebaut, was das mühsame Heizen mit Kohle ersparte.
Der Staat hatte jahrzehntelang nichts mehr in das Gebäude investiert, besonders nicht in das Äußere. Entsprechend heruntergekommen sah die Fassade aus. Am 30.07.1973 wurde der Auftrag für die Außensanierung erteilt. Das Dach wurde neu gedeckt und die alten Zinnen wieder angebracht. Der Putz wurde komplett abgeschlagen. Wegen des frühen Wintereinbruchs konnten die Malerarbeiten erst 1974 fertiggestellt werden. Ein neuer Anstrich mit Fensterfaschen, Eckquaderung und neue Fensterläden vervollständigten das Werk. Zum Besuch des damaligen Ministerpräsidenten Alfons Goppel am 16.05.1974 war die Renovierung des Alten Schlosses abgeschlossen. Die Grünanlage vor dem Alten Schloss sollte solange belassen werden, bis über die Neugestaltung des Kirchplatzes entschieden ist. 263.492,93 DM ließ sich die Stadt das Aussehen des Schlosses kosten.












Nachdem im Fuggerschloss nur noch die Räume im 2.OG als Internat genutzt wurden, konnten die übrigen Räume anderweitig genutzt werden. Die Internatsgebühren wurden zum 20.03.1978 noch auf 400 DM erhöht. Doch zu Beginn des Schuljahrs 1979/80 wurde der Internatsbetrieb eingestellt. 1980 wurde auch der Konvent aufgelöst.

Zwischennutzungen
Danach begann eine lange Zeit der Zwischennutzungen. Die Räume wurden der Sonderschule zur Verfügung gestellt, die zwar 1971 auch mit in den Realschulneubau eingezogen war, wegen Platzbedarfs der Realschule durch die nun koedukativen Klassen dort aber nicht bleiben konnte. Da mittlerweile auch ein Bedarf zur Beschulung geistig behinderter Kinder entstanden war, wurden ab 01.08.1978 ohne große bauliche Änderungen in Weißenhorn 7 Klassen der privaten Sondervolksschule für geistig Behinderte untergebracht, in Pfaffenhofen 6 Klassen, davon 3 Klassen für Schwer- und Mehrfachbehinderte. 1980 kam die Sondervolksschule hinzu. 1986 errichtete die private Stiftung ‚Lebenshilfe‘ in Senden einen Neubau für diese Kinder mit dem Namen ‚Lindenhofschule‘. So konnte dieser Anteil der Schüler dorthin übergeleitet werden. Die verbleibenden Sonderschüler wurden vom Landkreis in der Wilhelm-Busch-Schule in Illertissen zusammengefasst.








1986 wurde auch das Stadtbauamt aus den beengten Räumlichkeiten des alten Rathauses in das 1.OG des Alten Schlosses in die ehem. Wohnung des Amtsrichters verlegt, ergänzt um die 1987 neu geschaffene Stelle der Museumsleitung.

Der Verein „Kult(o)ur in Weißenhorn“ nutzte die Flurräume des Stadtbauamts im 1. OG des Alten Schlosses als Ausstellungsfläche für Kunstausstellungen. Am 27.11.1986 fand die erste Vernissage statt.
In den Jahren 1985-86 wurde der Kirchplatz vollkommen neu mit Fördermitteln der Städtebauförderung gestaltet. Der Bereich zwischen den Schlössern und dem Brauhaus wurde hierbei von störenden Einbauten, dem Trennzaun und der überdimensionierten Bepflanzung geräumt. Als Abgrenzung zwischen Kirchplatz und Schlossplatz wurde ein modernes Gitter gewählt, um die alte Trennung zwischen Volk und Herrschaft wieder darzustellen und als Reminiszenz an die früher hier vorhandene Zaunanlage. Der Schlossplatz wurde als Provisorium (der grundsätzliche Gedanke an die Sanierung der Schlösser war bereits vorhanden) in Art eines Barockgartens mit buchsbestandenen Beeten und wassergebundenen Wegen angelegt. Der unter dem Schlossplatz liegende Gewölbekeller des Vorgängerbaus wurde gegen Oberflächenwasser abgedichtet.

Während des Umbaus des Gebäudes Schulstr. 7 wurde ab 1986 die städt. Musikschule interimsweise in den Räumen des Schlosses untergebracht. Nach deren Auszug standen die Räume leer bzw. wurden temporär genutzt. Nach Abbrand des alten Hasenkellers erhielt der Gesangsverein Eintracht den Speisesaal des Internats als Probelokal zur Verfügung. Ebenso erhielt der Fanfarenzug im Schloss ein Probelokal. Der Verein Kult(o)ur in Weißenhorn veranstaltete in den EG-Räumen von 1988-96 seinen jährlichen Künstlermarkt. Nach Beendigung dessen erhielt die Stadtkapelle den großen westlichen Raum als Vereinslokal und hielt hier im EG jedes Jahr im Oktober das „Weinfest unterm Storchennest“ ab.




1988 erhielt das Stadtbauamt einen Mitarbeiter für das neu geschaffene Tiefbauamt. Hierzu wurden die Trennwände und das WC im Raum A 1.09.1 ausgebaut um ein geräumiges Büro zu erhalten. Gleichzeitig wurden die WC-Anlagen im 2.OG erneuert.
1988 wurde auch die Stadtmauer, welche starke Schäden aufwies, saniert und mit neuen Handschlagziegeln teilweise neu aufgebaut. Der ehemalige Schlossgraben wurde von Zäunen und dichter Bepflanzung befreit und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Als Erinnerung an den ehemals hier befindlichen Schlossweiher wurde ein Teich angelegt. Die hydrogeologischen Verhältnisse hatten sich im Lauf der Jahrhunderte aber so verändert, dass eine Speisung des Teichs mit Grundwasser nicht mehr möglich war.
1991 wurde das Heimatmuseum im Waaghaus saniert. Daher musste das Stadtarchiv die Räume im Waaghaus verlassen und wurde provisorisch in den Fürstenzimmern untergebracht. Hierzu wurden die Trennwände aus der Zeit der klösterlichen Zellennutzung beseitigt und Regale eingebaut. Der Vorraum erhielt eine feuerfeste Eingangstüre. Weil die Ausstellung im Museum zeitgemäß ausgedünnt wurde, mussten viele Exponate im Fuggerschloss deponiert werden. Die leerstehenden Räume wurden als Museumsdepot genutzt.
1999 wurde die Heizung auf Gasbetrieb umgestellt. In diesem Zuge wurden auch die Räume des Alten Schlosses – außer den Speicheröfen im Büro des Stadtbaumeisters – in die Zentralheizung einbezogen. Die Wände im EG des Alten Schlosses wurde dabei durch den Einbau einer Sockelheizung thermisch saniert und trockengelegt.
Weil sich im Alten Schloss immer mehr Risse zeigten, wurde der nicht mehr benötigte mittlere Kamin einschl. der Schleifung abgebrochen. Der Kamin stand nur auf den Balken der EG-Decke. Nur die Kaminköpfe verblieben aus optischen Gründen. Schon früher waren die kleineren Kamine abgetragen worden. Die Heizkammer im 1. OG (Stadtbauamt) wurde beseitigt und die Räume vergrößert.
Sanierung und Nutzung als Rathaus
Der Sanierung der Schlösser ist ein separater Artikel gewidmet.
Am 24.09.2007 fasste der Stadtrat den Beschluss zur Generalsanierung des Schlossensembles. 2009 wurde das Gebäude von der Verwaltung geräumt. Interimsweise fand das Rathaus bis 2013 im ehem. Landwirtschaftsamt, Memminger Str. 59, Quartier. Das Stadtarchiv wurde dort im UG dauerhaft eingerichtet. Für das Museumsdepot konnte die ehem. Waffenkammer des Korpsdepots im Eschach erworben und dauerhaft untergebracht werden. Einige Objekte konnten im leeren Dachgeschoss der neuen Kläranlage untergebracht werden.
Nach einem VOF-Vergabeverfahren mit begleitendem Wettbewerb im Januar 2008 wurde der Planungsauftrag am 23.06.2008 an das Arch. Büro Mann und Partner, Laupheim, vergeben. Im Januar 2011 wurde mit den Bauarbeiten begonnen und am 04.10.2013 konnte das sanierte Gebäude bezogen werden. Die Gesamtbaukosten von 9.552.000 € unterschritten leicht die Kostenberechnung und bewiesen, dass bei entsprechender Vorbereitung und Kostenkontrolle auch denkmalgeschützte Bauten kostensicher realisiert werden können.












Zuletzt wurde 2015-2017 der Schlossplatz als unabhängig vom Rahmenplan der Altstadtsanierung gestalteter Platz hergestellt und zum Abschluss der Arbeiten durch großdimensionierte rote Buchstaben RATHAUS der Eingang gekennzeichnet.













- Die Herrschaft der Neuffen endete bereits 1342 und fiel danach an das Haus Wittelsbach. Das alte Schloss wurde erst 1465 unter Pfandinhaber Jörg von Rechberg erbaut. ↩︎
- Befund im jetzigen Restaurantbereich, heute nicht mehr sichtbar ↩︎
- Nikolaus Thoman: Weissenhorner Historie, Erstausgabe 1876 nach den Handschriften, Neudruck 1968, Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn ↩︎
- Eine umfangreiche Beschreibung der Feierlichkeiten findet sich bei Joseph Holl, Geschichte der Stadt Weißenhorn, Neudruck 1983 nach der Ausgabe von 1904, Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn ↩︎
- ↩︎
- Fuggerarchiv, 77.1.38, fol. 125-127 ↩︎
- Müthe, Rolf Jürgen, Bauforscherische Untersuchungen am Schlosskomplex Weißenhorn, 2006/10 ↩︎
- Joseph Holl, Geschichte der Stadt Weißenhorn, Neudruck 1983 nach der Ausgabe von 1904, Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn ↩︎
- Der Verkauf der Gebäude zog sich über 10 Jahre hinweg. Erst um 1863 wurden die Kaufverträge abgeschlossen. Das Gartenschlösschen, die Schweizerei, das Bräuhaus mit Marstall und die Ziegelei wurden an privat verkauft, die anderen Gebäude erwarb die Stadt. ↩︎
- Mit der Verwaltungsreform 1862 wurden Executive (Verwaltung) und Judicative (Landgericht) getrennt. Die Zuständigkeit über die Verwaltung ging an das neu geschaffene Bezirksamt Illertissen über. Der damalige Begriff des Bezirks entspricht heute dem des Landkreises. ↩︎
- Das Landgericht behandelt Zivil- und Strafsachen mittlerer Schwere und entscheidet meist durch Kammern mit drei Richtern. Es ist zuständig für Streitigkeiten mit höherem Streitwert, nichtvermögensrechtliche Fälle sowie Berufungen gegen Amtsgerichtsurteile. Erstinstanzlich zuständig für Verbrechen (auch als Schwurgericht) und schwere Vergehen. ↩︎
- Das Amtsgericht entscheidet erstinstanzlich in Alltagsrechtsfragen wie Zivilstreitigkeiten mit einem niedrigen Streitwert, Familiensachen, Nachlass- und Betreuungsangelegenheiten sowie leichteren Strafsachen. Es führt zudem Register wie das Grundbuch, Handelsregister oder Vereinsregister und übernimmt Aufgaben der freiwilligen Gerichtsbarkeit, etwa Mahnverfahren. ↩︎
- Staatsarchiv Augsburg ↩︎
- Fuchs: fachsprachlich für einen waagerechten Rauchgaskanal ↩︎
- Da das Gefängnis aufgelöst wuzrde, war die ehem. Woh nung des Gerichtsdieners frei. ↩︎
- Dieses Gebäude ist allerdings auch schon auf einem Luftbild von 1933 zu sehen. ↩︎
