Denkmalschutz,  Handwerk,  Wohnhäuser

Sebastian-Sailer-Str. 1

Lageplan

Der Platz hinter dem Rathaus (Schranne) war bis ca. 1556 offenbar nicht bebaut und wurde wahrscheinlich als Marktplatz genutzt. Um 1556 wurde der Marktplatz wohl an den Kirchplatz verlegt, die dortigen Häuser wurden abgebrochen.

Das Haus Sebastian-Seiler-Str. 1 bildete demnach bis 1556 die westliche Platzwand des Marktplatzes. Nach dem Neubau Seb.-Sailer-Str. x wurde es offenbar nur noch als Nebengebäude genutzt. 1771 wurde das Grundstück wieder geteilt und das Haus wieder zu einem Wohnhaus umgebaut.

Das Grundstück zählt zum ältesten bebauten Bereich in der Stadt. Steuerlisten werden erst ab 1465 geführt, daher sind Eigentümer vor 1465 archivalisch nicht feststellbar.

1465 wird Gret Pairin identifiziert, wobei die Zuordnung nicht absolut gesichert ist. 1475 haben wir Diepolt Bair alt als Eigentümer. 1492 kommt Joß Mang hinzu, 1492 Jorig Mang, Schneider. 1499 wohnen neben Diepolt Bair Jörgen Kürßners Witib und Anna Hämelerin hier, 1501 Jörgen Kamensetzers Witib und Anna Hämelerin. Frau Kamensetzer wechselte 1502 auf Hauptstr. 13.

Es wird angenommen, dass Diepolt Bair alt 1502 das Haus aufgab und zu seinem Sohn Diepoplt Bair jüngst auf HS05 während der Zeit eines Neubaus zog. Nach Fertigstellung des Neubaus zogen Vater und Sohn gemeinsam auf das neue Haus hier. Das Baujahr wurde dendrochronologisch auf 1505 festgestellt.

1508 zog Diepolt Bair jüngst auf Bärengasse 1 und 1510 kam Martin Ostertags Witib (vorher Martin-Kuen-Str. 2) hinzu. 1511 war Dieopolt Bair gestorben, das Haus gehörte nun seiner Witwe. Wahrscheinlich sein Sohn (Sil-)Vester Bair ist seit 1515 auf Heilig-Geist-Str. 2 gemeldet, 1516 ist dieser hier als Vester Bairs Stadel genannt. Das Haus wurde 1515 scheinbar als Stadel genutzt.

Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor. 1548 sind Lenhart Schand und Hanns Vetterlin (oder Ketterlin) hier als steuerpflichtig genannt. Bei Hans Ketterlin könnte es sich um den Sohn des Hans Ketterlin handeln, dessen Witwe zu dieser Zeit auf dem Haus Heilig-Geist-Str. 4 genannt ist. 1551 sind Jorg Bidermann und Hanns Vetterlin Eigentümer, 1553 Jorg Bidermann, Hanns Vetterlins Witwe und Hans Nailpronner (nachträglich eingetragen).

1556 ist niemand hier genannt. 1556 verkauft oder übergibt Bernhar Bayr das Haus Hauptstr. 13 (Hasen) an Conrad Claus. Er erwirbt das Haus Sebastian-Sailer-Str. 1 und den Bauplatz hinter der Schranne, wo er 1559 ein neues Haus (Sebastian-Sailer-Str. x) baut. Die beiden Gebäude gehören fortan dem gleichen Eigentümer, wobei das Haus SS01 vermutlich untergeordnet oder als Stadel genutzt wurde.

Erst am 13.07.1771 wird das Haus Sebastian-Sailer-Str. 1 aus der Verbindung mit Hl.-Geist-Str. x gelöst, als der Schuhmacher Josef Stiegele seinen Besitz aufteilt. Der größere Teil hinter der Schranne ging an den Krämer Ignaz Prizger, das Nebengebäude Seb.-Seiler-Str. 1 wurde zur Hofstatt aufgewertet und neben dem halben Hofraum zu einem neuen Anwesen geformt, Wert 225 fl. Stiegele baute sich diesen Stadel zu einem Wohnhaus um. Vermutlich wurde der korbbogige Eingang auch im Zuge dieses Umbaus hergestellt. Josef Stiegele bewohnt das Haus bis 1802.

Am 08.11.1802 ist Josef Kreule neuer Eigentümer. 1819 wird ein Joesph Kühnle als Eiegentümer genannt, dem auch das Haus GZ09 gehört, zusammen mit Eusebi Merkle. 1820 kauft Kreszenz Edelmann, Witwe, Haus und Stadel von ihrem Bruder Josef Kinle für 800 fl.

Am 15.11.1823 kauft der Fassmaler und Vergolder Mathias Erhardt das Haus, welches er 1835 umbaut. Ehrhart vergrößert seine Werkstätte im Erdgeschoss des Hauses durch Verschmälerung der Einfahrt. Die Mauern des Obergeschosses sollen entsprechend angepasst werden. Hierbei werden nach Süden auch Fenster in das Gebäude eingebaut.

1860 übernimmt Erhardts Witwe Maria am 25.02. das Haus. Der Sohn Josef Ehrhardt, Maler, erwirbt am 01.07.1875 das Haus
Mariengasse 3 und baut dort eine neue Werkstatt. Das Has Seb.-Sailer-Str. 1 übernimmt am 20.01.1877 Johann Erhardt, Stiefsohn des Mathias Erhardt. Am 25.05.1877 nimmt Ehrhardt seine Ehefrau Kreszenz, geb. Hauf, als Miteigentümerin auf. Kreszenz Ehrhardt ist noch 1906 hier wohnhaft.

1901 führt Maria Kollmann einen Anbau an das Wohnhaus aus. 1922 gehört das Haus kurzzeitig dem Bauunternehmer Luitpold Gaiser sen. der es an den Schuhmachermeister Richard Silberbaur verkauft. Nach 1950 wird Kunigunde Steidle (Ulm) als Eigentümerin genannt, zuletzt 1968.

Das Haus stand anschließend einige Jahre leer, bis ein Interessent gefunden wurde, der es denkmalgerecht nach einer Planung des Arch. Rolf Jürgen Müthe sanierte. Die Sanierung wurde positiv in der Presse konnotiert.

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