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Bayern im Deutschen Reich 1871-1918

Vorbemerkung

Diese zusammenfassende Geschichtsdarstellung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und wissenschaftliche Qualität. Sie soll lediglich Abläufe und Zusammenhänge darstellen, um die Entwicklung mit dem Schwerpunkt auf Mittelschwaben – insbesondere den Raum Ulm / Weißenhorn / Günzburg – nachzuvollziehen. Sie wurde großenteils mit KI erstellt und kann daher grundsätzlich mit Fehlern behaftet sein.

Die Zeit davor: Das Königreich Bayern 1806-1871 – Politische und Territoriale Entwicklung

Bayern war nach Preußen der zweitgrößte deutsche Einzelstaat und hatte daher eine Schlüsselrolle bei der Reichsgründung. Bayern war der wichtigste Verhandlungspartner. Ohne Bayerns Zustimmung wäre eine Reichsgründung nicht machbar gewesen.

Die Rolle König Ludwig II bei der Reichsgründung.

König Ludwig II. von Bayern spielte bei der Reichsgründung eine widersprüchliche und tragische Hauptrolle: Er war der formale Geburtshelfer des Deutschen Kaiserreichs, lehnte dieses jedoch innerlich zutiefst ab. Seine Rolle war geprägt von absolutem Widerwillen gegen den Machtverlust Bayerns, Geldsorgen und der Flucht vor der politischen Realität.

Während in Versailles im Winter 1870/71 über die deutsche Einheit verhandelt wurde, zog sich Ludwig II. auf seine Schlösser in den Alpen zurück. Er weigerte sich, nach Versailles zu reisen, um den preußischen Triumph nicht mitansehen zu müssen. Ludwig war ein Verfechter des barocken Gottesgnadentums. Die Vorstellung, sich einem preußischen Kaiser (und damit einem anderen Monarchen) unterzuordnen, empfand er als tiefe Demütigung für das Haus Wittelsbach. Der König litt unter dem extremen Druck der nationalen Begeisterung in der Bevölkerung und seiner eigenen Minister, die ihn zum Beitritt drängten. Er isolierte sich zunehmend und flüchtete in seine Traumwelten.

Ludwigs historisch wichtigste Handlung war die Unterzeichnung des sog. Kaiserbriefs am 30.11.1870. Da der preußische König Wilhelm I. die Kaiserkrone nicht aus den Händen des Volkes (dem Parlament), sondern nur von den deutschen Fürsten annehmen wollte, musste ein hochrangiger Fürst den Antrag stellen. Ludwig übernahm dies – allerdings erst nach Bismarcks massiver finanzieller Nachhilfe. Am 18. Januar 1871, als Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles zum Kaiser ausgerufen wurde, war Ludwig II. demonstrativ abwesend. Er ließ sich durch seinen Bruder, Prinz Otto, vertreten. Dieser beschrieb die Zeremonie in einem Brief an Ludwig als „kalt, stolz und glänzend“, aber auch als „großes Unglück“ für Bayern.

Ludwigs Widerstand brach letztlich nicht aus politischer Einsicht, sondern aufgrund seiner privaten Finanzkrise. Seine prunkvollen Bauprojekte (Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee) hatten die bayerische Kabinettskasse an den Rand des Ruins getrieben. Bismarck nutzte dies schamlos aus: Über den Vermittler Graf von Holnstein flossen ab 1871 jährlich 300.000 Mark aus dem geheimen „Reptilienfonds“ (dem beschlagnahmten Vermögen des Königs von Hannover) direkt in Ludwigs Privatkasse. Erst diese geheimen Zahlungen sicherten die langfristige Loyalität des bayerischen Königs zum neuen Reich. Dies war ehrlich gesagt reine Korruption. Bayern wurde für 4 Millionen Mark vom König verkauft.

Bayerns Sonderrechte im Deutschen Reich

König Ludwig II, oder besser gesagt seine zuständigen Miniaster, konnten einige Sonderrechte für Bayern aushandeln, die ihm eine stärkere Eigenständigkeit gegenüber anderen beitretenden Staaten sicherten.

Bayern behielt in Friedenszeiten das Oberkommando über seine Streitkräfte. Die bayerische Armee wurde als eigenständiger Teil des Reichsheeres vom bayerischen König geführt und unterstand erst im Kriegsfall dem deutschen Kaiser.

Das Königreich Bayern behielt seine eigene Postverwaltung und gab eigene Briefmarken heraus. Die Reichspost hatte in Bayern keine Zuständigkeit.

Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen blieben unabhängig vom preußisch dominierten Reichseisenbahnamt.

Bayern leitete den Bundesratsausschuss für Außenpolitik, um bei internationalen Verträgen mitzusprechen.

Zusammen mit anderen süddeutschen Staaten konnte Bayern Verfassungsänderungen im Bundesrat blockieren.

Johann Freiherr von Lutz (1871) 1880 bis 1890

Nach dem Rücktritt Otto von Bray-Steinburgs am 25. Juli 1871 blieb der Posten des Ministerpräsidenten zunächst unbesetzt. Die Dienstobliegenheiten übernahm Johann Freiherr von Lutz, der bereits ab 1867 Justizminister und ab 1869 Kultusminister war. Als Justizminister schuf er eine Gesetzgebung, die das einheitliche Königreich Bayern erst zusammenfügte. Als Kultusminister war er der Gegenspieler von Bray-Steinburg, die Unvereinbarkeit der Ansichten führte zum Rücktritt Bray-Steinburgs. Spätestens ab 1870 bestimmte Lutz die bayerische Politik, auch wenn er noch nicht offiziell Ministerpräsident war. Am 04.03.1880 erst wurde er zum Vorsitzenden im Ministerrat ernannt.

Johann von Lutz gilt als einer der bedeutendsten bayerischen Politiker des 19. Jahrhundert. 23 Jahre lang bekleidete er unter schwierigsten Verhältnissen ministerielle Ämter und bestimmte über 20 Jahre die bayerische Politik. Sein Rücktritt und Tod markierten eine Wende in der bayerischen Geschichte des 19. Jahrhunderts. Das Ende der „Ära Lutz“ bedeutete auch das Ende des bayerischen Kulturkampfs. Lutz war zu Lebzeiten ein umstrittener Mann, dessen liberaler, anti-katholischer Kurs insbesondere bei konservativen Katholiken heftige Opposition hervorrief. Dennoch wird er als einer der prägendsten Minister Bayerns im Zeitalter Ludwigs II. und Prinzregent Luitpolds angesehen.

Lutz ist eng mit dem bayerischen Kulturkampf 1871-1890 verbunden. Er verfolgte einen liberalen, anti-katholischen Kurs gegen die katholische Kirche und den politischen Katholizismus durch harte Positionen gegenüber katholischen Bischöfen und Priestern. Er lag im Dauerkonflikt mit der katholisch-konservativen Patriotenpartei, die im bayerischen Landtag die Mehrheit stellte. Die Auseinandersetzung gipfelte in der Budgetverweigerung in der Landtagsperiode 1889/90. Diese war Teil der radikalen Oppositionsstrategie der Patriotenpartei/Zentrum gegen die liberale Regierung Lutz während des bayerischen Kulturkampfs. Hauptstreitpunkt war das Plazet – das staatliche Genehmigungsrecht für kirchliche Ernennungen und Verordnungen. Georg von Orterer (1849–1916), seit 1885 Mitglied des Finanzausschusses und führender Kopf der Patriotenfraktion und das Zentrum forderten die Aufhebung des Plazets als prinzipielle Forderung. Orterer war einer der Initiatoren des Bayerischen Katholikentags 1889, der die regierungskritischen katholischen Volksmassen mobilisierte. Dies verstärkte den Druck auf die Regierung Lutz und führte zur Eskalation im Landtag 1889/90. Durch Verhandlungen zwischen Regierung und Nuntiatur unter Umgehung der Prinzipienfragen und an der Zentrumspartei vorbei – was Orterer verärgerte – wurde eine Einigung gefunden. Die Regierung verkündete am 15.03.1890 eine neue Ministerialentschließung, die eine liberalere Haltung gegenüber der katholischen Kirche signalisierte. Die Zentrumsfraktion beendete daraufhin ihre Budgetblockade. Dies markierte das Ende des bayerischen Kulturkampfs.

Lutz diente unter König Ludwig II. (1864–1886) und blieb auch unter Prinzregent Luitpold (ab 1886) im Amt. Er gehörte zu den Ministern, die über die Entmündigung Ludwigs II. nachdachten und die Maßnahmen zur Absetzung des Königs im Juni 1886 vorbereiteten. Angesichts der drohenden Staatsverschuldung durch die Schlösserbauten des Königs veranlasste Lutz im März 1886 das berühmt-berüchtigte medizinische Gutachten durch Dr. Bernhard von Gudden, welches Ludwig II. für „seelengestört“ und dauernd unzurechnungsfähig erklärte. Er unterstützte Prinzregent Luitpold nach dessen Herrschaftsantritt weiterhin mit seinem liberalen Ministerium.

Lutz förderte als Kultusminister das bayerische Schulwesen durch die Förderung der Volksschulen in Bayern, die Errichtung neuer Schulhäuser und die Verbesserung der Lehrerausbildung.

Am 30.05.1890 trat er aus gesundheitlichen Gründen zurück; die Dienstenthebung wurde ihm am 31. Mai 1890 in ehrenvollster Form erteilt. Er starb am 03.09.1890 in Oberpöcking am Starnberger See.

Bayern unter Prinzregent Luitpold 1886-1912

Die bayerische Verfassung von 1818 sah eine Regentschaft vor, wenn der König dauerhaft an der Ausübung der Regierung gehindert war. Die rechtliche Schwierigkeit bestand darin, dass die Regierungsunfähigkeit Ludwig II zunächst nachgewiesen werden musste. Ein medizinisches Gutachten von Ärzten um den Psychiater Dr. Bernhard von Gudden erklärte am 08.06.1886 den König in Abwesenheit für „seelengestört“ und paranoisch. Ludwig II wurde am 10.06.1886 abgesetzt. Ludwigs Onkel, Prinz Luitpold, Bruder König Maximilian II, übernahm am 10.06.1886 als Prinzregent die Regierungsgeschäfte.

Nach dem Tod Ludwigs II. wurde sein jüngerer Bruder Otto formal König von Bayern. Er hatte am deutsch-französischen Krieg 1870/71 aktiv teilgenommen und wohnte auch der Proklamation Kaiser Wilhelm I im Spiegelsaal von Versailles anstelle seines Bruders bei. Bald darauf verschlechterte sich sein Geisteszustand rapide, so dass er offiziell als geisteskrank galt. Somit war er nicht regierungsfähig. Er wurde im Schloss Fürstenried untergebracht und starb dort am 11.10.1916. Seine formale Herrschaft hatte rund 30 Jahre gedauert; tatsächlich hatte er jedoch keinen einzigen Tag selbst regiert.

Luitpold führte deshalb auch für Otto auf der gleichen Rechtsbasis die Regentschaft weiter. Otto wurde zwar zum König proklamiert, aber Luitpold war der Herrscher. Luitpold unterzeichnete die Regentschaftsproklamation und legte am 28. Juni 1886 den verfassungsmäßigen Eid ab. Der Bayerische Landtag bestätigte die Regentschaft anschließend. Es begann in Bayern die Ära der Prinzregentenzeit unter Luitpold, die im kollektiven Gedächtnis als das wirtschaftliche und kulturelle „Goldene Zeitalter“ des Königreichs verankert ist.

Luitpold regierte deutlich zurückhaltender als Ludwig II. Er verstand sich weniger als persönlich regierender Monarch denn als verfassungsgemäßer Sachwalter des Königreichs. Die eigentliche politische Leitung lag weiterhin bei der Regierung und dem Ministerpräsidenten. In enger Zusammenarbeit mit Ministerpräsident Johann von Lutz fand eine vorsichtige Modernisierung von Verwaltung, Wirtschaft und Infrastruktur statt und es erfolgte eine stärkere Einbindung Bayerns in das Deutsche Reich. Obwohl Bayern seine eigene Verfassung, Regierung und Verwaltung behielt, wurde die Eigenstaatlichkeit im Kaiserreich zunehmend eingeschränkt. Bayern verfügte allerdings über besondere Reservatrechte, unter anderem in Bereichen wie Post, Eisenbahn, Militär und diplomatischer Vertretung.

Die gesamte Regentschaft Luitpolds von 1886 bis 1912 wird als Prinzregentenzeit bezeichnet. Sie galt lange als eine Phase politischer Ruhe und wirtschaftlicher sowie kultureller Entwicklung. Besonders München erlebte eine kulturelle Blüte durch die Förderung von Kunst und Wissenschaft und die Entwicklung Münchens zu einem bedeutenden Kunst- und Kulturzentrum mit repräsentativen Bau- und Stadtentwicklungsprojekten. Unter Luitpolds Ägide entwickelte sich München zu einer europäischen Kulturmetropole des Jugendstils und der Moderne. Er war ein großer Mäzen und Förderer von Künstlern (wie Franz von Stuck oder Lenbach) und öffnete die Kunstszene.

Wirtschaftlich erlebte Bayern in seiner Amtszeit den endgültigen Übergang vom Agrarstaat zum modernen Industriestaat (Ansiedlung von Großbetrieben im Maschinenbau und der Elektrotechnik). sowie den Ausbau der technischen und industriellen Infrastruktur

Gleichzeitig war die Epoche nicht frei von Problemen. Die politische Modernisierung blieb begrenzt und die bayerische Politik musste den wachsenden Einfluss des Deutschen Reiches sowie die soziale Frage bewältigen.

Bayern war politisch tief gespalten zwischen der katholisch-konservativen Mehrheit im Landtag (Zentrum/Patriotenpartei) und der liberalen, staatsnahen Regierung (unter Johann von Lutz). Luitpold agierte hier als überparteilicher Vermittler. Er beendete den harten Kulturkampf gegen die katholische Kirche durch behutsame Zugeständnisse.

Friedrich Krafft von Crailsheim 1890-1903

Friedrich Krafft Graf von Crailsheim übernahm das Amt des Ministerpräsidentren am 31. Mai 1890. Als parteiloser, evangelischer Politiker aus Franken machte er im katholisch geprägten München Karriere. Er wurde nach dem Tod von Johann von Lutz der wichtigste politische Berater von Prinzregent Luitpold.

Bevor er Regierungschef wurde, war Crailsheim bereits seit 1880 bayerischer Außenminister. In dieser Rolle spielte er 1886 zusammen mit Johann von Lutz eine entscheidende Rolle bei der Entmachtung König Ludwigs II.. Als Mitglied der Regierungskommission, die dem König das medizinische Gutachten überbringen sollte, wurde er auf Schloss Neuschwanstein von Getreuen des Königs sogar kurzzeitig in Haft genommen.

Nach den harten, konfrontativen Jahren unter seinem Vorgänger Lutz setzte Crailsheim auf Ausgleich. Ihm gelang eine spürbare innenpolitische Befriedung im bayerischen Kulturkampf zwischen dem liberalen Staatsapparat und der katholischen Kirche.

Durch eine weitere Budgetblockade geriet Bayern im Jahr 1902 in eine parlamentarische Krise, bei der die Bayerische Zentrumspartei (die katholische Parlamentsmehrheit) die Bewilligung von 100.000 Reichsmark, die Prinzregent Luitpold für den Ankauf von Kunstwerken geplant hatte, blockierte. Auslöser war die Entlassung des Kultusministers Robert von Landmann am 11. Juli 1902. Diese Blockade erregte im ganzen Deutschen Reich Aufsehen. Kaiser Wilhelm II. bot Prinzregent Luitpold in der „Swinemünder Depesche“ vom 10.08.1902 an, ihm die nichtbewilligte Summe zu überweisen. Der Kaiser echauffierte sich über die „schnöde Undankbarkeit“ der bayerischen Abgeordneten. Luitpold lehnte das kaiserliche Angebot dankend ab, da bereits ein Reichsrat (Ernst von Moy) die Summe gespendet habe. Wegen der preußischen Einmischung wurde die Empörung der Zentrumspartei jedoch immer lauter. Crailsheim lancierte einen Artikel an die Presse, in dem er das Zentrum massiv angriff. Crailsheims Ministerkollegen (unter Führung des neuen Kultusminister Clemens von Podewils-Dürniz) distanzierten sich daraufhin von ihm und warfen ihm eigenmächtiges Handeln vor. Crailsheim reichte daraufhin ein taktisch gemeintes Rücktrittsgesuch ein, welches der Prinzregent jedoch wider Erwarten am 18.02.1903 annahm.

Hiermit war die Amtszeit Friedrich Krafft von Crailsheim beendet.

Clemens von Podewils-Dürniz 1903-1912

Prinzregent Luitpold setzte mit Clemens von Podewils-Dürniz am 01.03.1903 gerade von Crailsheim Gegenspieler als Ministerpräsidenten ein. Dies geschah auf Betreiben des Geheimkanzleichefs Peter von Wiedenmann, um den zunehmenden Konflikt zwischen der liberal-nationalen Staatsführung und der Mehrheitspartei Zentrum auszugleichen.

Podewils-Dürniz verfolgte eine gemäßigte Ausgleichspolitik durch stärkere Stützung auf die Gemäßigten bei Liberalen und beim Zentrum als sein Vorgänger Crailsheim, ein Entgegenkommen gegenüber der wachsenden Sozialdemokratie (SPD) und die Beendigung der scharfen Konfrontation zwischen Regierung und Zentrum, die unter Crailsheim zur Swinemünder Depesche und zu dessen Sturz geführt hatte.

Nachdem bei der Landtagswahl 1912 am 05.02.1912 die Liberalen eine deutliche Niederlage erlitten (Zentrum 84 Sitze, SPD 24 Sitze, Liberale 22 Sitze), sah er dies als Niederlage seiner Regierung an und trat nach der Wahl geschlossen mit seinen Ministern zurück. Das Zentrum wurde mit 84 von insgesamt ca. 130 Abgeordneten zur absolut dominierenden Kraft. So wurde auch der Weg für einen Ministerpräsidenten des Zentrums frei.

Am 9. Februar 1912 wurde Georg Freiherrn (ab 1914 Graf) von Hertling (1843–1919) von Prinzregent Luitpold zum Vorsitzenden des bayerischen Ministerrats und Außenminister berufen.

Bayern unter König Ludwig III 1912-1918

Prinzregent Luitpold starb am 12.12.1912 im Alter von 91 Jahren in München an den Folgen einer Bronchitis.12. Dezember 1912: Noch am selben Tag wird Luitpolds ältester Sohn Prinz Ludwig zum neuen Prinzregenten von Bayern ausgerufen. Der nominelle König Otto I. (1848–1916), Ludwigs Cousin, war seit seiner Jugend geisteskrank und bereits bei seiner Thronbesteigung 1886 regierungsunfähig.

Um diese ungute Situation eines regierungsunfähigen Königs zu beenden, leiteten die Minister unter der Führung des Finanzministers Georg Ritter von Breunig eine entsprechende Verfassungsänderung in die Wege, der nach einigem Widerstand auch die Zentrumspartei zustimmte. Diese Verfassungsänderung trat am 04.11.1913 in Kraft. Am 05.11.1913 erklärte Prinzregent Ludwig in einer von den bayerischen Ministern unterzeichneten Erklärung seine Regentschaft für beendet und den Thron als „erledigt“, womit Otto seine königlichen Rechte verlor. Unmittelbar danach wurde Ludwig als Ludwig III. zum König von Bayern ausgerufen. Da Titel und Würden König Ottos jedoch nicht angetastet wurden, gab es bis zum Tode Ottos im Oktober 1916 zwei Könige in Bayern.

Ludwig III Politik im Ersten Weltkrieg

Ludwig III war ab 1913 Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundesrats. Als bayerischer König war er nominell auch Oberbefehlshaber der bayerischen Truppen. Die Befehlsgewalt musste er jedoch aufgruznd der Verträge an Preußen abgeben. Er blieb auch als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses angesichts der Ausweitung des österreichisch-serbischen Konflikts zum Weltkrieg untätig und wirkte nicht auf eine Entspannung der Lage im Sommer 1914 hin. Seine engen Verwandtschaftsbeziehungen zum Haus Habsburg (österreichisches Kaiserhaus) spielten bei seiner Haltung eine Rolle.

Er vertrat auch klar Annexionistische Forderungen bei einem erwarteten Sieg des Deutschen Reiches. Insofern erhob er Anspruch auf Teile von Elsass-Lothringen und Teile von Belgien. Hiermit wollte er Bayern innerhalb des Deutschen Reiches durch territoriale Expansion stärken.

Sein Sohn, Kronprinz Rupprecht (1869–1955, diente als Generalfeldmarschall an der Westfront und führte die 6. Armee. Der Kronprinz erkannte recht früh die aussichtslose militärische Lage und befürwortete ein baldiges Kriegsende. Der König beharrte aber bis zuletzt auf einem Siegfrieden. Noch drei Monate vor seinem Sturz im August 1918 äußerte sich Ludwig III. kriegsbefürwortend.

Das Ende der Monarchie

Auf Anraten von Ministerpräsident Otto von Dandl und Innenminister Friedrich von Bettreich floh Ludwig III. mit seiner Familie am 07.11.1918 aus München nach Schloss Wildenwart am Chiemsee. Von dort aus flo er am 08.11.1918 weiter nach Schloss Anif bei Salzburg. Dandl wollte damit verhindern, dass Ludwig III. zur Abdankung oder Zustimmung zu einem Abfall Bayerns vom Reich gezwungen werden könnte.

Am 12.11.1918 reiste Ministerpräsident Otto von Dandl nach Anif, um im Namen der Revolutionsregierung die Abdankung des Königs zu erbitten.Ludwig III lehnte eine formelle Abdankung aber entschieden ab. Zumindest entband er aber am 13.11.1918 in der Anifer Erklärung die bayerischen Beamten, Soldaten und Offiziere von ihrem Treueid. Die Entbindungserklärung wurde von der neuen Regierung dann bewusst als Abdankungsdekret umgedeutet. Weder Ludwig III. noch Kronprinz Rupprecht verzichteten jedoch jemals formell auf ihren Thron. Die Anifer Erklärung gilt jedoch de facto als Ende der Monarchie, obwohl Ludwig III. nie formell abdankte.

Von Anif aus siedelte Ludwig im März 1919 nach Zizers (Schweiz) über und später nach Schloss Nádasdy in Sárvár (Ungarn). Dort starb er am 18.10.1921 im Alter von 76 Jahren. Ludwig III. akzeptierte seine Absetzung 1918 nie, versuchte jedoch keine aktive Restauration der Monarchie.

Georg Graf von Hertling 1912-1917

Am 9. Februar 1912 wurde Georg Freiherrn (ab 1914 Graf) von Hertling (1843–1919) von Prinzregent Luitpold zum Vorsitzenden des bayerischen Ministerrats und Außenminister berufen. Hertling war der erste Ministerpräsident, der auf der Grundlage einer Mehrheit im Landtag (Zentrum) regierte. Sein Amtsantritt 1912 markierte das endgültige Ende der liberalen Regierungen in Bayern und den Beginn der Vorherrschaft des Zentrums.

Als Zentrumspolitiker galt seine besondere Aufmerksamkeit den Beziehungen zwischen Staat und katholischer Kirche. Er griff zugunsten der interkonfessionell christlichen Gewerkschaften ein. Er betonte zwar die bayerische Eigenständigkeit innerhalb des Deutschen Reiches, dennoch galt sein primäres Interesse den Beziehungen zwischen München und Berlin in der Reichspolitik.

So war es kein Wunder, dass Kaiser Wilhelm I ihn am 01.11.1917 im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs als Reichskanzler nach Berlin berief.

Otto Ritter von Dandl 1917-1918

Otto von Dandl war der letzte Ministerpräsident des Königreichs Bayern. Seine Amtszeit dauerte vom 11. November 1917 bis zum 8. November 1918. In der Novemberrevolution verlor die bayerische Monarchie ihre politische Grundlage; am 8. November 1918 wurde Kurt Eisner zum Ministerpräsidenten des neuen republikanischen Bayern ausgerufen.

Dandl führte eine parteilose Beamtenregierung, die sich auf keine feste Landtagsmehrheit stützte. Dandl war der letzte Regierungschef im Königreich Bayern vor der Ausrufung des Freistaat. Seine Amtszeit fiel in die entscheidende Endphase des Ersten Weltkriegs, als sich Deutschlands Situation zunehmend verschlechterte. Dandl unterstützte Hertlings Friedenspolitik, die auf einen Verständigungsfrieden abzielte. Die Kriegsfolgen (Hungersnot, soziale Spannungen, Kriegsmüdigkeit) führten zu zunehmenden Unruhen in Bayern. Dandl trug durch seine Vermittlung zwischen König und Revolutionären zu einem relativ friedlichen Übergang von der Monarchie zur Republik bei. Seine Bewegung des Königs zur Entbindung der Beamten vom Treueid verhinderte einen möglichen Bürgerkrieg und ermöglichte die Etablierung der Republik.

Die Novemberrevolution 1918

Im November 1918 griffen die Ereignisse der Novemberrevolution auch auf Bayern über. Die Revolution in Bayern war das Ergebnis eines Konglomerats von Ursachen: langfristige strukturelle Probleme der bayerischen Monarchie, kriegsbedingte Verwerfungen und die akute militärische Niederlage im Herbst 1918. Die Monarchie hatte durch die Vorgänge um Ludwig II, Otto I und Ludwig III an Autorität und Rückhalt im Volk verloren. Die Verfassung war für den wachsenden politischen Einfluss der Bürokratie nicht ausgelegt und auch das wachsende Gewicht der politischen Parteien wurde im Verfassungsrecht nicht berücksichtigt. Und nicht zuletzt waren viele soziale Fragen durch die Industrialisierung entstanden, die nicht gelöst wurden. Der Emanzipationsdrang der Arbeiterbewegung forderte politische und soziale Rechte und die neu aufstrebende Frauenbewegung forderte Gleichberechtigung und Wahlrecht. Hinzu kam der Vertrauensverlust in den Staatsapparat wurde durch den verloren gehenden Krieg, die Zwangsbewirtschaftung, Hungersnot und Unterversorgung der Bevölkerung und etwa 200.000 bayerische Gefallene.Es wurden zunehmend Friedensforderungen in der Bevölkerung laut.

Im Januar/Februar 1918 kam es zu einem vom USPD-Abgeordneten Kurt Eisner organisierten Munitionsarbeiterstreik in ca. 10 Münchener Rüstungsbetrieben von ca. 8000 Arbeitern. Eisner wurde wegen Landesverrats verhaftet, woraufhin viele Arbeiter zum Polizeipräsidium marschierten, um Eisners Freilassung zu fordern. Nach Vermittlung der MSPD gelang es, die Arbeiter zur Wiederarbeitsaufnahme zu bewegen, so dass der Streik am 04.02.1918 beendet wurde. Am 03.02.19189 fand auf der Theresienwiese noch eine Abschlusskundgebung statt. Der Streik hatte schnell auch auf andere Städte wie Nürnberg, Fürth und Schweinfurt übergegriffen. Man sprach von 60.000 Teilnehmern ion Bayern.

Dies war der erste politische Massenstreik in Bayern während des Ersten Weltkriegs mit der Forderung nach einem sofortigen Friedensschluss ohne Annexionen. Der Streik galt als „Generalprobe“ für die Revolution im November 1918. Eisner kam in Untersuchungshaft, wurde aber wegen seiner Kandidatur für die Reichstagswahlen am 17.11.1918 auf Beschluss des 1. Strafsenats des Reichsgerichts in Leipzig vom 7. Oktober 1918 am 14.10.1918 freigelassen.

Kurt Eisner (08.11.1918 – 21.01.1919)

Eisner organisierte unmittelbar nach der Freilassung eine Massenkundgebung auf der Theresienwiese am 07.11.1918, an der ca. 60.000 Menschen teilnahmen. Er forderte die Abdankung des Kaisers und des Königs, einen sofortigen Friedensschluss, die vollständige Demokratisierung, den Achtstundentag und eine umfassende Sozialfürsorge. Am Abend des 7. November konstituierte sich im Mathäserbräu (nahe dem Stachus), München, ein Arbeiter- und Soldatenrat, der Eisner zum Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten wählte. Eisner proklamierte „Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt!“ und „Bayern ist fortan ein Freistaat!“. Bayern wurde somit anderthalb Tage vor Berlin zur Republik.

Am 8. November 1918 wurde Eisner durch den Münchner Arbeiter- und Soldatenrat zum Ministerpräsidentengewählt und Otto von Dandl abgelöst. Eisner bildete eine Koalitionsregierung aus MSPD und USPD, die jedoch nicht demokratisch legitimiert war.

Das zeigte sich dann auch in der folgenden Landtagswahl am 12. Januar 1919. Die MSPD (Mehrheitssozialdemokraten) gewann die Wahl deutlich; die USPD erhielt nur wenige Mandate. Eisner war mit der provisorischen Regierung daher zum Rücktritt gezwungen. Am 21.02.1919 wollte Eisner vor dem Landtag seinen Rücktritt als Ministerpräsident erklären. Auf dem Weg zur konstituierenden Sitzung des neugewählten Landtags wurde er von dem 22-jährigen Anton Graf von Arco auf Valley auf offener Straße durch zwei Schüsse in den Hinterkopf getötet. Arco wurde sofort gefasst und 1920 zum Tode verurteilt, am 17. Januar 1920 aber durch den Bayerischen Ministerrat zu einer lebenslangen Festungshaft begnadigt, aus der er bereits 1924 entlassen wurde. 1927 wurde Arco-Valley endgültig begnadigt.1

König Ludwig III. floh mit seiner Familie aus München. „Nach Wildenwart!“: Dies war die Losung Dandls, als es darum ging, die Königsfamilie vor der bayerischen Revolution in Sicherheit zu bringen. Dandl reiste am 12.11.1918 zum König, der sich bereits in Österreich (Schloss Anif bei Salzburg) aufhielt, und bewegte ihn dazu, die bayerischen Beamten und Offiziere von ihrem Treueid zu entbinden. Diese Entbindung vom Treueid am 13. November 1918 ermöglichte die friedliche Transition zur Republik und verhinderte einen Bürgerkrieg

  1. Eisner war Jude und Arco ein rechtsradikaler Antisemit. Mehrfach wird die Begnadigung Arcos daher als Vorbote der Rechtsbeugung in der nationalsozialistischen Diktatur gesehen. ↩︎

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