Hauptstraße 20
Der Zeitpunkt der Bebauung lässt sich archivalisch nicht belegen. Das Grundstück war jedoch schon vor 1465 bebaut. Ladeneinbau 1890, Fassade und Schweifgiebel von 1900; mehrfach umgebaut und verändert. Das Haus gehörte immer einflussreichen Weißenhorner Persönlichkeiten.
Den ersten Eigentümernachweis finden wir mit Hans Sitz 1465. Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar. 1480 gehört das Haus Claus Seitz, 1499 Claus Seitz und Anna Melin (vorher Kirchplatz x2). 1500 ist Claus Seytz alleine genannt, 1501 seine Erben. 1502 gehört das Haus Michael Claus, dem auch das Haus HS28 gehörte. 1511 ist Michael Claus nur noch hier genannt.
Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor. 1548 heißt der Eigentümer Christof Claus, das Haus blieb also während dieser 30 in Familienbesitz. 1559 wird der Eigentümer Stoffel Claus genannt, fraglich, ob es sich um dieselbe Person oder einen Sohn handelt. 1570 gehört das Haus Stoffel Claus‘ Erben, dann dem Metzger Marten Bayer, der 1595 als Bürgermeister bezeichnet wird. 1594 hatten wir noch Jörg Kirschners Witwe in Teileigentum. 1507 wird Martin Mayers Witwe Eigentümerin und nach ihrem Tod 1610 Martin Mayers Erben.
1614 verkauft Anton Dietsch sein Haus HS12 an Johannes Keller und erwirbt dafür das Gebäude HS20 von Martin Mayers Erben. Anton Dietsch war auch Bürgermeister. Das Anwesen wird beschrieben als Behausung, Nebenhaus, Stadel und Hofraiten, Wert 1600 fl. Es muss sich damals um ein sehr großes Anwesen gehandelt haben, aber 1651 wird der Wert nach dem 30-jährigen Krieg nur noch mit 1000 fl angegeben.
1623 geht das Haus an den noch nicht volljährigen Johann Seitz jun., Enkel des Anton Diesch, das Eigentum
wird von seinem Großvater Anton Diesch als Pfleger verwaltet, beide sind Eigentümer des Gebäudes. Dem Vater Johann Seitz sen. gehört der Gasthof Sonne, HS12. Zum Grundbesitz gehört auch ein Stadel in der Unteren Mühlstr 8x, Wert 25 fl. 1629 wird Johann Seitz jun. als Alleineigentum genannt, schon 1632 aber seine Witwe. Agnes Seytz (wohl Witwe des Vorigen) verkauft das Haus 1636 an die Stadt, die es weiter an Stoffel Bader, Bürgermeister, verkauft.
Christoph Bader alt kaufte 1632 zu seinem Haus RB01 das Nachbargrundstück HP01 hinzu. Sein Sohn Christoph jung übernahm 1636 beide Häuser. Der Vater wechselte auf HS20, was er auch 1636 erworben hatte. Christoph Bader jung brach HP01 ab, bebaute das Grundstück neu und zog dorthin. 1660 verkaufte er HP01 an Christian Nepperschmid und kaufte dessen Haus Schulstr. 1, was er auch abbrach, neu erbaute und 1684 an Michael Müller verkaufte. Das Haus RB01 wurde um 1636 an Bernhard Müller verkauft, der das Haus abbrach und neu erbaute. Zur gleichen Zeit kaufte Christoph Bader jung auch die Häuser HS14 und HA01, bebaute HS14 neu und verkaufte beide 165x an Martin Stigele.
Nach 1650 war Hans Jerg Klotz Eigentümer, der Wert wurde auf 1000 fl festgesetzt. Hans Jerg Klotz starb 1691, das Vermögen wurde aufgeteilt.
Maria Klotz, ledigen Standes, wohl Tochter des Hans Jörg Klotz, erwirbt das Haus Bärengasse 1 und zieht dorthin, das Haus Hauptstr. 20 wurde an den Lodweber Franz Jann verkauft. Franz Jann starb 1698, das Erbe wurde an seine Stiefkinder
Thomas, Maria und Hans Jörg Haberes aufgeteilt. Das Haus wird an den Metzger Balthasar Stigele verkauft, der 1706 hier verzeichnet ist. Der Wert ist auf 900 fl gesunken. Balthasar Stigele starb 1729, das Erbe wurde aufgeteilt.
Vermutlich wurde das Haus von Balthasar Stigele zu dieser Zeit neu erbaut. Bauweise und Gestaltung des Gebäudes, auch des 1988 abgebrochenen Anbaus, lassen auf einen barocken Bau schließen. Archivalische Hinweise auf einen Neubau konnten aber nicht gefunden werden.
Am 25.02.1729 verkauften Balthas Stigeles Kinder das Haus an die für Ursula Roth verordneten Pfleger. Haus, Stadel u. Hofraiten hatten wieder einen Wert von 1550 fl, was auf einen Neubau hindeutet. Am 30.07.1731 verkauften Franz Wagners Kuratoren das Haus an Franz Stigele, Stiefsohn des Jörg Mayer für 1200 fl.1 Am 22.03.1738 erhält das Haus mit Mathias Straub, Metzger von Wullenstetten für 1200 fl einen neuen Eigentümer. Dieser behält das Haus nicht lange, nach 1740 wird Joh. Bapt. Bischof als neuer Besitzer geführt. Dessen Sohn Michael tritt 1763 ins Wengenkloster Ulm ein. 1764 wird Johann Bischof (vermutlich ein Sohn) als Eigentümer genannt. Nach dessen Tod fällt das Erbe an Michael, also das Wengenkloster. Am 03.07.1772 kauft Joh. Nepomuk Benegger, Oberjäger und Eisenkramer, das Haus und besitzt es bis 1816.
Am 20.06.1816 kauft Marianne Mayer, verwitwete Braumeisterin (vom Bräuhauspächter Mayer), das Gebäude. Im Einwohnerverzeichnis ist Marianne Mayer erst ab 1831 hier genannt. Andererseits ist sie 1824 auf dem Haus Illerberger Str. x genannt. Dieser Sachverhalt konnte noch nicht abschließend geklärt werden. Bis 1855 lebt Frau Mayer hier, ihre Relikten erben das Haus. Die Geschwister Josef, Josefa und Walburga Mayer verkaufen ihr aus der Anna Mayerschen Verlassenschaft erbschaftsweise zugefallenes Anwesen am 30.10.1858 an den Bäcker Nepomuk Kast von Weißenhorn und dessen Ehefrau Rosalia.
Der „Schrannenbäcker“ Joh. Nep. Kast hat aus der „Rücklassenschaft“ des Bräumeister Mayr das Haus Nr. 131 (Hauptstr. 20) erworben und verlegt die Bäckerei von seinem alten Gebäude Hs.Nr. 36 (Martin-Kuen-Str. 1) hierhin. In dem angrenzenden Rückgebäude vergrößert er drei Fenster und stellt hierfür einen Bauantrag.

Bäcker Kast setzt sich 1882 zur Ruhe und wird als Privatier geführt.
Am 25.02.1890 erwerben Franz und Maria Lense, geb. Kast (wohl Tochter des Bäckers Kast) das Gebäude. Franz Lense ist Kaufmann und baut gleich 1890 das Erdgeschoss zu einem Laden um. 1897 wird ein Kamin erneuert. Das Geschäft floriert. Um 1900 vergrößert Lense den Laden und gestaltet die Schaufensterfront neu. Vermutlich wird hierbei auch der Schweifgiebel aufgebaut.
Ab 1904 richtet Bernhard Heilbronner eine Zweigniederlassung des Bankgeschäfts Ichenhausen im EG ein.






Ab ca. 1915 firmiert das Geschäft unter ‚Textilhaus Lense‘. Um 1930 geht der Laden an den Sohn Alois Lense über. 1959 führen Magdalena und Rosina Lense das Geschäft. Anfang der 1960er-Jahre wird das Geschäft aufgegeben und zunächst an den Eisenwarenhändler Jakob Brändle von Hauptstr. 19 vermietet. Um 1965 kauft der Eisenwarenhändler Karl Jäckle, Hauptstr. 19 (Schwiegersohn und Nachfolger von Jakob Brändle), das Haus und verlegt den Eisenwarenhandel hierher. Im Haus Hauptstr. 19 werden jetzt Haushaltswaren verkauft.
Einsturz des hinteren Gebäudeteils 1987
Der Bauunterhalt des hinteren, wohl von 1729 stammenden, Gebäudeteils wurde lange vernachlässigt. 1986 stand der Ausbau der Konrad-Huber-Str. im Rahmen der Altstadtsanierung auf dem Programm. Seitens der Stadt wurde vor Baubeginn eine Bestandsaufnahme durchgeführt und der Eigentümer auf den schlechten Zustand mit fingerbreiten Rissen aufmerksam gemacht und zur Abhilfe aufgefordert. Dieser wies die Kritik zurück.


Da war es aber leider schon zu spät. Während der Straßenbauarbeiten zum Ausbau der Konrad-Huber-Straße im Rahmen der Altstadtsanierung stürzte die Nordwand des schon baufälligen Nebengebäudes am 06.04.1987 abends nach Arbeitsschluss ein. Personen kamen nicht zu Schaden.











Die alten Gebäudeteile wurden zunächst gesichert und nach dem Einsturz vollständig abgebrochen. Das Gelände wurde planiert und fortan als Parkplatz genutzt. Die Firma Brändle gab den Betrieb auf. Im Zuge der Aufgabe des Eisenwaren- und Haushaltswarengeschäft Brändle wurde das Gebäude HS20, in dem sich das Eisenwarengeschäft befand, verkauft. Der Geschäftszweig Eisenwaren blieb unter neuen Eigentümern mit altem Namen bestehen und wurde in das gegenüberliegende Haus HS 19 verlegt. Neuer Eigentümer wurde der Textilkaufmann Erwin Knoll vom Nachbarhaus Hauptstr. 22.
1990 wurde das Haus umgebaut, renoviert und um einen Anbau auf der Ostseite erweitert. Die Stellplätze wurden neu aufgeteilt. 1992 wurde die Ladenfläche in 2 Einheiten aufgeteilt. 2012 wurden die Fenster ausgewechselt.


- Der Zusammenhang zwischen Ursula Roth, Franz Wagner und Jörg Mayer konnte noch nicht geklärt werden.
↩︎


