Östliche Promenade 9 / An der Mauer 14 – ehem. Volksbank
Zwischen 1803 und 1808 wurde die Stadtmauer zwischen Kornkasten An der Mauer 4 und dem Unteren Tor mit Erlaubnis der vormaligen churfürstl. Landes-Direction1 in Schwaben abgebrochen, welche die Abhebung der vormaligen Stadtmauern u. Verkauf der Area als bodenzinsiges Eigentum bewilligt hatte. An ihrer Stelle wurden Stadelbauten errichtet, die nach der Anordnung in gleicher Höhe wie die damalige Mauer aufgeführt werden mussten. Die Stadelbauten wurden im 19. Jahrhundert nach und nach zu zweistöckigen Wohnhäusern umgebaut.
Da anfangs die östliche Promenade noch aus Wall und Graben der Stadtbefestigung bestand, hatten die Grundstücke keine Zugangsmöglichkeit von dort und waren nur von der Straße An der Mauer aus zugänglich. Das änderte sich erst ab 1870, als der Stadtgraben planmäßig verfüllt und eine Straße angelegt wurde. Seitdem haben die Grundstücke zwei Zugänge und zwei Straßenbezeichnungen.
So entstand auf diesem Grundstück der Stadel des Nepomuk Reißler. Dieser Stadel wurde zwischen 1909 und 1921 abgebrochen.
Im Kataster 1909 ist er noch eingetragen, bei der Neuvermessung 1921 ist das Grundstück unbebaut.

Am 09.10.1889 wurde der Darlehenskassenvereins für Weißenhorn und Grafertshofen gegündet2. Im Jahr 1922 erwirbt der Darlehenskassenverein das Grundstück an der östlichen Promenade und zäunt es ein.
1929 erbaut der Darlehenskassenverein hier ein Verwaltungsgebäude. Am 29.06.1941 firmiert der Darlehenskassenverein sich zur Volksbank Weißenhorn um. Während des Zweiten Weltkriegs werden die Keller der Gebäude An der Mauer 6-14 durch Mauerdurchbrüche miteinander verbunden und als Luftschutzkeller genutzt.

1963 begann die Volksbank mit dem Neubau des Bankgebäudes Bahnhofstr. 11, welches am 15.06.1965 bezogen wurde. Das Gebäude an der östlichen Promenade wurde verkauft.
Die Räumlichkeiten der Bank wurden durch den Zahnarzt Dr. Merk übernommen, später Praxis Dr. Paul. 1995 bezog dieser die neuen Praxisräume in der Lenbachstr. 1. Die Büroräume dienten danach bis heute unterschiedlichen Mietern als Praxis oder Kanzlei.
1980 wurde das Dachgeschoss ausgebaut. 2001 erhielt das Gebäude neue Fenster und ab 2007 wurden auch die OG-Räume als Büro genutzt.



- Die Kurfürstliche Landesdirektion Schwaben war eine kurze Episode in der bayerischen Verwaltungsgeschichte nach dem Reichsdeputationshauptschluss. Sie hatte ihren Sitz in Ulm. Die Behörde wurde durch kurfürstliches Reskript am 18. Juli 1803 gegründet und war für die neu erworbenen Gebiete in Schwaben zuständig. Sie existierte bis 1808, als sie im Zuge der Einführung der Kreise im Königreich Bayern aufgelöst und durch Generalkreiskommissariate ersetzt wurde. Danach lässt sich der Abbruch auf die Jahre 1803-1808 eingrenzen. Der zugehörige Schriftwechsel wurde aber im Stadtarchiv leider noch nicht gefunden. Auch die Ratsprotokolle aus dieser Zeit behandeln den Vorgang nicht. ↩︎
- Es ist im Moment noch nicht erforscht, wo dieser Darlehenskassenverein seine erste Geschäftsstelle hatte. ↩︎


