Heilig-Geist-Str. 4 und 6
Ein unscheinbares Haus, aber vielleicht das älteste Wohnhaus in Weißenhorn.
Das Haus war öfters im Eigentum von zwei Parteien. Endgültig geteilt und separat geführt wurde es ab 1607.
Die Steuerlisten in Weißenhorn werden erst ab 1465 geführt, so dass wir Eigentümer oder Baujahre vor 1465 archivalisch nicht nachweisen können. Aber nach der Bauweise müsste es zumindest aus der Bauzeit des Nachbarhauses Hl.-Geist-Str. 8 (1470) oder des Hauses Mariengasse 1 (1430) stammen.
Die nachgewiesenen Eigentümer beginnen 1465 mit Martin Schopper. 1492 haben wir Peter Schoppr und von 1499-1511 Martin Schoppers Witwe. Ab 1508 gehört auch der Sohn Galle zu den Eigentümern bis 1515. Dann kommt noch ein Hans Schopper hinzu. 1511 sind zusätzlich noch eine Anna Tulgin mit ihrer Mutter genannt.
1517 erscheinen Claus Aubele, Thoni Mair und der Bader Georg Schlegl als Eigentümer.
Leider fehlen die Steuerlisten zwischen 1518 und 1548, so dass wir in dieser Zeit keine Eigentümer nennen können. Wir wissen auch nicht, ob das Haus in dieser Zeit vielleicht neu erbaut worden ist.
Ab 1548 kennen wir wieder die Eigentümer. Die Liste beginnt 1548 mit Jerg Beste und Heinrich Marckh, 1551 sind es Marx Maier und Heinrich Marckh. 1553 wird Valenthin Mayers Witwe als Alleineigentümerin genannt. Wir wissen aber nicht, in welcher Beziehung Marx Maier und Valentin Mayer zueinander standen. Das nächste Rätsel folgt 1556, weil hier Valenthin Millers Witwe (gleiche Person oder Schreibfehler?) genannt wird. Georg Rapp Knapp(e) wird auch als Eigentümer genannt. 1559 ist ein Jorig Rapp (der Vorige?) Alleineigentümer.
1562 lesen wir von Martin Berg (Braig) als Eigentümer und 1575 Hans Stengl jung, der 1598 Hans Stenglin genennt wird.
1607 wird das Haus geteilt und hat ab dann zwei Geschichten. Die Anteile wechseln oft, weshalb anzunehmen ist, dass es sich hier um Verwandte handelte.
Heilig-Geist-Str. 4
Mathias Thoman übernimmt die Haushälfte HI04, Hans Stenglin übernimmt HI06.1614 wird der Hausteil HI04 mit 200 fl und der Wert von HI06 mit 140 fl taxiert.
Von 1617 bis 1620 ist Hans Stenglin wieder Alleineigentümer des ganzen Hauses. 1620 übernimmt Georg Stenglin, wohl Sohn des Vorigen die Hälfte HI04; der Vater Hans Stenglin übernimmt wohl die andere Haushälfte und wird dort als Hans Stenglin alt geführt. 1626 erscheinen Georg Stenglin und Hans Stenglins Witwe auf beiden Teilen gemeinsam als Eigentümer. 1636 wird Georg Stenglin Alleineigentümer; der Wert beträgt nur noch 125 fl, wohl wegen des 30-jährigen Krieges.
1651 wird das Haus erneut geteilt. Marx Stuber übernimmt die Hälfte HI04, die Hälfte HI06 bleibt bei Georg Stenglin; Wert je Hälfte 93 fl. Noch in den 1650er-Jahren geht HI04 an Michael Stütz. Der Wert wird 1660 schon wieder auf 150 fl heraufgesetzt.
1674 wird Georg Schropp als Eigentümer geführt, gefolgt 1683 vom Binder Mathes Hinträger.
1694 kauft Hans Glöggle, Zimmermann, vorher Bärengasse 10, die Haushälfte mit einem Wert von 170 fl. Am 27.01.1700 kann er die andere Haushälfte für 150 fl hinzuerwerben. 1706 wird das Haus schon wieder geteilt. Die Hälfte HI04 geht für 130 fl an Jörg Lutzenberger, Zimmermann. Es könnte sich hier um Georg Lutzenberger aus Aletshausen handeln, für den am 04.10.1702 ein Geburtsbrief ausgestellt wurde. Die Hälfte HI06 geht an den Glaser Simon Müller.
1716 wird Elisabetha Heiss, Witwe, als Eigentümerin genannt, aber ohne irgendwelche weiteren Angaben. Das war auf jeden Fall Verwandtschaft, denn am 12.04.1723 heiratet Hans Jörg Lutzenberger, Sohn des Jörg Lutzenberger, Ursula Heiß, die Schwester der Elisabetha Heiß. Gleichzeitig kauft er seiner Schwägerin die Haushälfte ab. Die Ehe dauerte nicht lange, am 10.11.1727 heiratet Hans Jörg Lutzenberger die Magdalena Schweickart aus Ichenhausen in 2. Ehe. Elisabetha Heiss stirbt 1731, das Erbe wird aufgeteilt. Das Haus übernimmt der Schuhmacher Hans Jörg Lutzenberger. Dieser stirbt am 10.05.1765. Es erben Rudolph Lutzenberger, Sohn aus 1. Ehe (+1760 in Prag) und Anna Maria, Tochter aus 2. Ehe.
Das Haus wurde offenbar verkauft, es liegt ein Kaufvertrag vom 15.11.1765 an Bernhard Rothmeyer, Schuhmacher, vor. 1786 ist er überschuldet, weswegen ein Schuldenprozess durchgeführt wird, an dessen Ende der Verkauf der Haushälfte steht. Diese geht am 08.03.1786 an den Schneidermeister Christoph Ament. Dieser stirbt schon bald, noch 1786 steht seine Witwe Franziska Ament im Einwohnerverzeichnis. Nach deren Tod wird 1789 das Erbe seiner Kinder Regina und Josef bis 1801 von verordneten Pflegern verwaltet. Josef wird 1801 als abwesend bezeichnet.
Am 21.08.1789 kauft Anton Weber die Haushälfte und am 01.07.1797 folgt mit Josef Deßgir der nächst Eigentümer. 1819 steht Joseph Deosis, Taglöhner, in den Akten. Es dürfte sich hier um eine falsche Schreibweise derselben Person handeln. Johann Weber, Bürstenbinder, folgt am 12.07.1823.
1831 haben wir mit Anton Holl, Weber, schon den nächsten Eigentümer. Am 29.03.1838 tauschen Anton Knoll und Martin Krautheim, Günzburger Str. 24, ihre Häuser. 1844 tauscht der Seilermeister Martin Krautheim seine Haushälfte Hl.-Geist-Str. 4 gegen das Haus Martin-Kuen-Str. 7 des Taglöhners Wendelin Atterer. Wendelin Atterer verkauft sofort am 16.07.1844 die Haushälfte an den Schuhmacher Georg Öfner. Am 25.10.1880 wird seine Witwe Viktoria Öfner Eigentümerin. 1882 gibt sie die Haushälfte an ihren Sohn Georg Oefner, Schuhmacher, weiter, der aber auch schon 1887 stirbt, denn am 25.10.1887 übernimmt dessen Sohn Balthasar Oefner, Schuhmacher, die Haushälfte. Diese muss sich bereits in einem schlechten Zustand befunden haben, denn 1889 erneuert er die Außenwände.
Um 1920 geht das Haus an den Taglöhner Eugen Bader, der 1932 als Rentner geführt wird. 1936 lässt Eugen Bader den Kamin erneuern. 1942 gehört das Haus seinem Sohn Hans Bader, Schreiner, der ein weiteres Zimmer einbaut. 1952 ist Bader gezwungen, die östliche Außenwand zu erneuern. Bader ist bis 1968 auf dem Haus als Eigentümer nachgewiesen.
Heilig-Geist-Str. 6
Bei der Hausteilung 1607 verblieb der Hausteil HI06 bei Hans Stenglin. 1617 erwarb Stenglin die andere Haushälfte wieder zurück und war wieder Alleineigentümer. 1620 übernimmt sein Sohn Georg Stenglin die Hälfte HI04; der Vater Hans Stenglin blieb auf der Haushälfte HI06 und wird dort als Hans Stenglin alt geführt. 1626 erscheinen Georg Stenglin und Hans Stenglins Witwe auf beiden Teilen gemeinsam als Eigentümer. 1636 wird Georg Stenglin Alleineigentümer; der Wert beträgt nur noch 125 fl, wohl wegen des 30-jährigen Krieges. 1651 wird das Haus erneut geteilt. Marx Stuber übernimmt die Hälfte HI04, die Hälfte HI06 bleibt bei Georg Stenglin; Wert je Hälfte 93 fl. Georg Stängle wird letztmals 1660 genannt.
1674 erscheint Christoph Pröß als Eigentümer, 1676 schon Martin Bayr, Siebmacher.
Am, 27.01.1700 erwirbt Hans Glöglle, Zimmermann, der vorher schon 1694 die anderen Hälfte HI04erworben hatte, auch diese Haushälfte dazu; Wert 150 fl. Ihm gehörte nun das ganze Haus.
Aber schon 1706 wurde das Haus wieder geteilt und die Haushälfte HI06 ging an Simon Müller, Glaser. Am 02.03.1722 kauft Maria Handel, Witwe des Metzgers Franz Handel, Günzburger Str. 5, die halbe Behausung von Johann Miller, Glaser [Prof.-Jann-Gasse 6]. Maria Handel stirbt am 12.01.1723, ihr Erbe wird aufgeteilt. Die Haushälfte geht an Anthoni Imgerl, Metzger, der sie aber schon bald darauf an Josef Wörsing, Seiler. Josef Wörsing, Bürger und Seiler verkauft seine halbe Behausung in der Stadt am 08.04.1727 an Gottlieb Khuon, Bürger und Strumpfwirker um 236 fl. Gottlieb Kuen war ein Teil der Malerfamilie Kuen, der ein eigener Artikel gewidmet ist.
Gottlieb Kuen stirbt 1736, seine Witwe übernimmt das Haus. Am 03.12.1756 kauft sie eine Teilfläche aus dem Nachbargrundstück Bärengasse 1 für 50 fl hinzu. Scheinbar wurde der Kaufpreis nicht gezahlt, denn am 16.06.1761 wird vermerkt, Daß Vorstehen 50 fl ehr und vor der Haus verkaufft und wohl gelöst wird nit bezalet werschbey attestiert weissenhorn d 16t Juny 1761. Frau Kuen stirbt 1762.
Hans Jörg Luzenberger, Eigentümer der anderen Haushälfte, erwirbt 1762 auch diese Hälfte und ist somit Eigentümer des Gesamtgebäudes.
Am 14.08.1773 verkauft Lutzenberger die Haushälfte an Viktoria Fahrenschon, Witwe. Am 14.08.1794 heiratet sie den Schneider Martin Gimpel. Am 16.07.1825 übernimmt Alois Gimpel das Haus von seinem Vater.
Am 10.06.1837 kauft der Kaminfeger und Maurergeselle Paul Deibler von Alois Gumpel das Gebäude Heilig-Geist-Str. 6, welches eigentumsmäßig innerhalb des Hauses mit dem Nachbargebäude des Anton Knoll verwinkelt ist. Er wechselt das Mauerwerk seiner Hälfte aus und tauscht mit dem Nachbarn einige Zimmer.

Franz Josef Müller wird am 03.09.1846 nächster Eigentümer. Am 22.09.1848 bekommt die Haushälfte schon wieder einen neuen Eigentümer, Josef Sommer, ehem. Wirt von Illerberg. Nach dessen Tod besitzt seine Witwe Walburga die Haushälfte. 1855 haben wir mit Wendelin Kempfle schon den nächsten Eigentümer. Kempfle stirbt 1865. Johann Amann erwarb von den Kempfleschen Relikten das Haus Nr. 20 für 100 fl und möchte sich dort ansässig machen. Man weiß nicht, ob ihm das gelang, denn 1875 folgt mit Willibald Vogt, Taglöhner, der nächste Eigentümerwechsel. Um 1889 kaufte Constantin Heckenberger die Haushälfte und erneuerte Teile der Umfassungsmauern.
1906 steht Babette Wagner im Einwohnerverzeichnis. 1922 gehört die Hälfte dem Taglöhner Georg Widmer, der 1933 den Kamin erneuert. Sein Sohn, Wachmann Johann Widmer erneuert 1942 die Fundamente und Teile des Mauerwerks. Von 1948-1968 wird seine Witwe Maria Widmer, Waldarbeiterin, später Hausfrau, als Eigentümerin geführt.


Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt ging das gesamte Haus an den Nachbarn von Hl.-Geist-Str. 2 und wurde vermietet. Der Zustand des Hauses verschlechterte sich immer mehr. 2024 war die Dachdeckung so schadhaft, dass vorsichtshalber Fangkonsolen angebracht wurden um abstürzende Dachplatten zu sichern. Doch der gesamte alte Dachstuhl erschien nicht mehr ausreichend tragfähig. Daher wurde 2025 das Dach abgedeckt und mit einer provisorischen Folie geschlossen.
Es ist ohne Überprüfung nicht zu sagen, ob sich eine Sanierung des alten Gebäudes wirtschaftlich lohnt. Auf jeden Fall sollte aber vor einer Sanierung oder einem Abbruch eine intensive Bauforschung stattfinden, da es sich wohl um eines der ältesten Häuser der Stadt handelt.


