Wohnhäuser

Memminger Str. 1

Lageplan

Das kleine Wohnhaus wurde 1911 an Stelle eines Vorgängerbaus von 1674 neu erbaut.

Erstbebauung

Das Grundstück am Hauptplatz war schon vor 1475 erbaut. Leider lassen sich die Eigentümer vor 1475 archivalisch nicht feststellen.

1475 ist Volz Heckel hier wohnhaft, 1492 Hans Häkl und 1496 Hans Jäckh. Trotz der verschiedenen Schreibweisen dürfte es sich um dieselbe Familie handeln. Damals nahm man es noch nicht so genau mit der Rechtschreibung! 1502 hat Hans Jäckhls Witwe das Haus übernommen. Außerdem wohnen hier noch Michel Goggenhan und Michel Klölin. 1503 kommt noch Ulin Mair hinzu und 1504 Jorig Goggenhan. 1505 ist Hans Jäckhls Witwe gestorben und Jorig Goggenhan wechselt auf MM15. 1507 sind noch Michel Gagenhan und Ulen Mair, Schuster, hier gemeldet, 1508 nur noch Ulrich Mayr Schuhmacher. Dieser bleibt bis mind. 1517, auch wenn er jetzt Utz mari Schuchmacher geschrieben wird.

Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor, aber 1548 wird Ulrich Mayer, Schuster, immer noch genannt. Ob das noch dieselbe Person ist wie vor 45 Jahren, wissen wir nicht, vielleicht folgte auch ein gleichnamiger Sohn. 1553 wird Ambrosius Mayer (vorher MM27, wohl ein Verwandter) als Miteigentümer des Gebäudes genannt und 1556 sind es Michael Mayr, Schuhmacher, und Ambrosy Mair. 1559 gehört Ambrosius Mayer, Schuster, das Gebäude allein und 1567 seiner Witwe.

Im Zinsbuch der Liebfrauenpfleg wird 1570 Jacob Krentz (Eigentümer des Nachbargrundstücks Hauptplatz 8) genannt. Es wird sich hier um ein Zwischeneigentum gehandelt haben. Das alte Haus wurde wohl abgebrochen und das Grundstück verkauft.

Zweitbebauung

1572 erscheint Thoman Heckhel, vermutlich mit einem Neubau, er hat mit 1 fl 15 eine deutlich höhere Steuerlast als sein Vorgänger Mayer mit nur 18 kr. Vermutlich wird mit dem Neubau auch ein Stadel errichtet, denn der Stadel wird im Liegenschaftsbeschrieb 1614 erwähnt. 1578 kommt zunächst Thoman Heckhels Witwe und im selben Jahr noch Jörg Franckh. Vielleicht hat er Thoman Heckhels Witwe geheiratet? 1594 wird Hans Muffa als Miteigentümer des Gebäudes genannt. 1595 übernimmt Hans Nehers Witwe den Anteil des Hans Muffa.1601 ist Jörg Franckh Alleineigentümer.

Mit Hans Frank kommt 1604 (sein Sohn?) zu Eigentum. 1614 steht Hans Franks Witwe mit Behausung Hofraithen Stadl und Gartten, Wert 200 fl, im Gebäudeverzeichnis.

1617 wird Georg Edelmann verzeichnet, 1648 wird das Haus Georg Bader (Memminger Str. 4) überschrieben, dann aber gestrichen, vermutlich Abbruch. 1651 erscheint der Hinweis Georg Bader, Hinweis: Martin Bader (Sohn) zugeschrieben. 1654 steht Martin Bader, (MM07), Sohn des Georg Bader, Hofstatt, Stadel und Garten, im Verzeichnis. Der Begriff ‚Hofstatt‘ drückt aus, dass es sich hier um ein unbebautes Grundstück handelt. 1666 ist Wolf Albrecht (MM15) Inhaber worden (nach Martin Baders Tod 1666); Wert 130 fl.

Drittbebauung

1674 besitzt Maria Fischer, Behausung, Hof und Gärtlein, Wert 300 fl. Maria Fischer könnte die Frau oder Tochter von Johann Fischer, An der Mauer 5, sein; sie wohnte vorher in der hinteren Haushälfte von MM03, erwarb dann die Hofstatt MM01 und baute hier ein neues Haus. Beim Erwerb des Grundstücks kaufte Frau Fischer vermutlich auch die hintere Hofstatt des südl. Nachbarhauses Memminger Str. 3, die seit ~1636 unbebaut war. 1682 wird Daniel Hellensteiner (MM05) als Eigentümer dieser Hofstatt genannt mit dem Hinweis, sie stamme von Maria Fischers Erben. 1679 stirbt Maria Fischer, das Erbe wird aufgeteilt.

Ursula Schmidt (wohl die Witwe von Hans Schmidt, Hauptplatz 8) kauft 1682 das Haus und zieht hierhin aufs Altenteil; Wert 150 fl. 1685 kauft Elias Kuen, Spielmann, (Sohn des Jeremias Kuen, Wettbach 2, und Bruder des Johann Jacob Kuen) das Haus für 150 fl. Der Grenzverlauf wird geregelt: Behausung sambt dem Eingang Von Eggsaul woran das Thürl hangt bis zu des Hannß Müllers Stadel Egg Saul. Elias Kuen stirbt 1729, das Erbe wird aufgeteilt. Maria Ursula Kuen übernimmt das Haus am 05.05.1729: Es verkaufen Herr Johann Kuen, Reichshochgräflich Fuggerscher Sekretarius zu Dietenheim (Sohn des Elias Kuen), dann Johann Georg Lidel, Medecine Doctor zu Weißenhorn (Ehemann der Maria Agnes Kuen), ihrer Schwester und Schwägerin Maria Johanna (Magd in Söflingen) und Maria Ursula Kuen das Haus um 300 fl. Am 31.10.1732 heiratet Maria Ursula Kuen den Glaser Lorenz Miller. Lorenz Miller stirbt schon am 25.09.1734. Das Haus blieb im Eigentum seiner Frau und floss nicht in die Erbmasse ein. Es wird beschrieben: Behausung samt dem Eingang der Eggsaul, woran das Türlein hanget, bis in des Johann Huber sel. Witib Wurzgarten Eggsaul, als allwo vorhero Johann Krezens Witib stadel gestanden, zw. ermelter Johann Krezischen Witib und Johann Hubers Witib Hofstatt und Garten, Wert 190 fl.

Nach Ursula Millers Tod 1773 geht das Haus am 10.01.1774 an den Schneider Franz Xaver Kögel. Am 28.12.1809 wird das Haus an seinen Sohn, den Schneidermeister Jakob Kögel übergeben. Nach dessen Tod geht das Haus an seine ledige Tochter Elisabeth Kögel. Nach deren Tod übernimmt Josef Kögel, Zolleinnehmer, das Haus aus der Verlassenschaft.

Die Ökonomenswitwe Genovefa Riggenmann kauft das Haus am 20.02.1886. 1889 erneuert sie eine Umnfassungswand und 1901 den Kamin.

Heutiger Bau

1911 stellt Maria Riggenmann einen Bauantrag zur Umfassungs- und Dachstuhl-Erneuerung. Aus diesem harmlosen Titel entsteht quasi ein Neubau. Das alte Gebäude wurde teilweise abgebrochen und durch einen Neubau mit Walmdach ersetzt. 1922 gehört das Haus Anna Riggenmann. 1932 wird eine Waschküche angebaut. 1948 steht der Verwaltungsbeamte Meinrad Riggenmann als Eigentümer im Verzeichnis.

1956 wird ein Wohnzimmer auf der Ostseite durch die Geschwister Riggenmann angebaut. Außerdem werden neue Fenster eingebaut. 1960 sollte der Erker durch ein großes Fenster ersetzt werden. Das Vorhaben wurde jedoch nicht ausgeführt.

Das Haus steht jetzt seit einiger Zeit leer und macht mittlerweile einen vernachlässigten Eindruck.

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