Hauptstr. 22 – Wohnhaus Franz Martin Kuen
1975 wurden nach Abbruch des alten Gebäudes während des Aushubs der Baugrube archäologische Untersuchungen durchgeführt. Hierbei wurden Siedlungsspuren gefunden, die vermutlich aus dem 12. Jhdt. stammen. Diese Spuren beweisen, dass der Kern Weißenhorns bereits im 12. Jhdt. besiedelt war. Eigentümer vor 1465 sind allerdings archivalisch nicht feststellbar.
Der erste registrierte Eigentümer hier war ein Crista Monges, 1475 Cristan Mangoss geschrieben und 1477 Cristan Megoß. 1480 haben wir Engel Megoß, 1492 Engel Mögessen und 1496 Crista Mengoß Erbn. Es folgen 1499 Anna und Bertha Mengossen, 1505 Anthoni und Bertha Mengossen, 1508 Bertha Mengossen, 1510 Anna und Bertha Mengoßin und schließlich 1511 Elisabeth und Anna die Mengoßin.
Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor. 1548 ist Crista Miller eingetragen. Von 1567 bis zum Neubau 1716 war das Haus jetzt zweigeteilt. Es konnte nicht geklärt werden, welcher Hausteil westlich und welcher östlich lag. Den nur geringen Wertansätzen im Steuerbuch zu folgen, muss es sich um ein relativ kleines Haus gehandelt haben.
A Vordere Hälfte
Nach der Teilung bewohnt Leonhard Gerstloher 1567 die vordere Hälfte. 1607 besitzen seine Erben die Haushälfte, auch noch 1614 als es im großen Hausbeschrieb heißt Behausung und Hofraithen, halber Teil, Wert 139 fl. 1632 ist Johann Gerstloher Eigentümer und nach 1650 kommt Benedict Braunmüller, Schneider. Bis 1614 war ein Benedict Braunmiller auf dem Haus Obere Mühlstr. 6 ansässig. Eine durchgehende Verbindung ist möglich, aber nicht nachgewiesen. Benedict lebt bis 1706. Dann kauft Franz Braunmüllers Witwe Anna (Hintere Hälfte B) auch die Hälfte ihres Schwagers Benedict; Wert 300 fl für beide Teile. Erwähnt wird auch eine weitere Hofstatt mit Baurecht und einem Wert von 40 fl (AM13, Hs.Nr. 152).
B Hintere Hälfte
In der hinteren Haushälfte bleibt Cristan Miller bis 1570. Dann kommt 1570 Hans Burckhart, Sattler, und 1575 Jörg Mayer. Von 1594-1598 teilen sich Thoman Krautheim sen. und jun. die Wohnung. 1604 geht das Eigentum an Johann Krautheim.
1610 besitzt Georg Aychelin die Haushälfte, 1614 Jacob Aichelin, Bäcker, Behausung und Hofraithen, halber Teil, Wert 37 fl. 1636 haben wir es schon wieder mit einer anderen Familie zu tun: Peter Clauß. Diesem gehört auch Hans Walbachs Behausung (Hauptstr. 23); Peter Claus zieht nach dorthin.
Am Ende der 1630er-Jahre erwirbt Martin Schwentzlen, Sattler, das halbe Haus und bleibt bis 1679. Dann erscheint Franz Braunmüller, dessen Nachkommen nun ca. 200 Jahre lang auf diesem Haus sind. Franz Braunmüllers Witwe Anna kauft 1706 auch die Hälfte ihres Schwagers Benedict; Wert 300 fl für beide Teile. Die Hofstatt An der Mauer 13 gehörte 1706 auch zu dem Besitz des Franz Braunmüller, Zeitpunkt des Kaufs nicht dokumentiert.
Neubau 1707
1707 tritt der Maler Johann Jakob Kuen in Erscheinung. Er erwirbt das Haus seiner Schwiegermutter für 500 fl, er heiratet deren Tochter Anna Braunmüller und baut ein neues Wohnhaus an dieser Stelle. Weiter gehört die Hofstatt AM13 mit 40 fl zum Kauf. 1716 kauft er noch die Stadelhofstatt Hasengasse 1a von Michael Thalhofer, Mariengasse 3, dazu.
1722 stirbt Johann Jakob Kuens Frau Anna. Er heiratet 1723 Maria Klara Kürcher aus Dietenheim in 2. Ehe. Am 11.06.1730 stirbt Anna Braunmiller (Schwiegermutter des Joh. Jak. Kuen). Ihr Erbe wird aufgeteilt. 1736 wird bemerkt, die Hofstatt AM 13 ist verkauft worden, die Hofstatt HA01a gehört noch ihm; der nach dem Neubau noch unbebaute Platz zwischen ihm und dem Pfarrhaus wird nun als eigene Stadelhofstatt geführt und mit einem Wert von 40 fl angesetzt.
Franz Martin Kuen (*08.11.1719) erwirbt am 02.05.1748 das Haus seines Vaters und heiratet am 28.05.1748 Maria Anna Würth, Tochter des Kramers Joseph Würth, Hauptstr. 18. Am 31.12.1759 erwirbt Kuen ein kleines Stück Grund von seinem Nachbarn Hauptstr. 24; Wert 16 fl zur Abrundung. Franz Martin Kuen stirbt und hinterlässt am 30.01.1771 das Haus seiner Witwe Marianne.
Maria Anna Kuen, Witwe, heiratet den Maler Konrad Huber und übergibt diesem am 29.10.1773 das Anwesen, einschl. des von der Hirschwirtschaft erkauften Platzels. Der Wert beträgt 500 fl, Profession 100 fl, Kramerei 300 fl.
Nach Mariannes Tod heiratet Konrad Huber 1812 Josefa Walter aus Ingstetten in 2. Ehe. Josefa Walter stirbt 1828 und Konrad Huber am 17.05.1830. Nun geht das Haus wieder in andere Hände.
1831 steht Kretz Johann jung, (vormals Hauptplatz 6) Gutsbesitzer, im Einwohnerverzeichnis. 1836 erscheint mit Maria Walter aber noch eine vermutliche Erbin. 1843 steht Geier Anton, K: Revierförster, im Verzeichnis, bevor Johann Kolb aus Osterberg am 14.02.1847 das Haus für 3600 fl kauft. Mit dem 25.06.1847 gibt es noch einen weiteren Notartermin. Nach Johann Kolbs Tod übernehmen seine Witwe Theresia und ihr Sohn Johann am 10.10.1861 das Haus.
Am 07.01.1862 kaufen Zeller Raimund u. Theresia, Weberseheleute, das Haus. Nach Theresias Tod heiratet Raimund am 10.01.1868 seine 2. Ehefrau Rosina, geb. Kammerlander. Diese übergeben das Haus am 12.02.1883 an (ihren Sohn?) Zeller Ludwig und Anna, geb. Kotter. Schon am 14.08.1883 verkaufen diese das Haus an Stiegele Karl u.Antonia, Seifensiedersehegatten in München.
1885 wird am Haus eine Gedenktafel angebracht.
1893 verändert Karl Stiegele die Innenräume. Sein Sohn Franz Josef beantragt 1898 eine Bauhauptreparatur, wir würden heute sagen eine Generalsanierung. Hierbei wird die Westfassade geänder und zwei symmetrische Schaufenster eingebaut.





Foto 1885 vor der Bauhauptreparatur 1893: Nur 1 Schaufenster, Gedenktafel außermittig, noch kein el. Licht; 1900 symmetrische Schaufensterfront, Blindfenster mit Werbung, el. Licht; 1903: Werbeanlage; 191x Schaufenster Süd
Um 1910 werden Haus und Geschäft verkauft. Käufer ist der Schneidermeister Leo Schaller, der 1910 Umfassungwand und Kamine erneuert. Schaller hält das Geschäft bis kurz nach 1932, wo er letztmals im Einwohnerverzeichnis erscheint.

1936 übernimmt die Modistin Beda Knoll aus Wallenhausen das Geschäft und verlegt ihren Betriebssitz nach Weißenhorn. Im Jahr 1907 heiratete die Modistin und Schneidermeisterin Beda Böhm aus Günzburg den Maurer Andreas Knoll und zog nach Wallenhausen, wo sie als Hutmacherin und Handarbeitslehrerin tätig war. Ihre Tochter Friederike gründete ein Reisegewerbe und zog mit Fahrrad und Motorrad mit selbst produzierten Hüten unter dem Namen „D’Huatschachtel“ über Land. Daher stammt auch der Hut im Firmenlogo. Um 1950 steigt auch ihr Sohn Erwin Knoll (*1922) in das Geschäft ein.




1925: noch alte Werbeanlage, 193x: keine Werbung; 1962 Markise; 1966: Markise ausgefahren


1952 wird das Hinterhaus umgebaut und erhält eine andere Dachform. Um 1970 übernimmt Erwin das Geschäft seiner Mutter. Es gelingt ihm, das Textilhaus ständig zu vergrößern und um andere Immobilien zu erweitern. 1968 erwirbt er das Haus Bahnhofstr. 6. 1975 bricht er nach längerer Diskussion mit dem Denkmalamt das Haus Hauptstr. 22 ab und baut es mit der gleichen Fassade wieder neu auf. Beim Neubau wurde das Hinterhaus in moderner Formensprache neu erbaut und zusammen mit dem Hauptgebäude genutzt. Während der Bauzeit wurde das Haus Bahnhofstr. 6 als Interimsgeschäft. Vom alten Bau wurde die Gedenktafel und die Madonnennische übernommen und wieder eingebaut. Diese Bauteile sind in der Denkmalliste eingetragen.







Nach Abbruch des Gebäudes wurden vor Aushub der Baugrube archäologische Untersuchungen durchgeführt. Hierbei wurden Siedlungsspuren gefunden, die vermutlich aus dem 12. Jhdt. stammen. Herr Knoll beteiligte sich persönlich an den Grabungen.





1976 wurde die neue Eingangssituation in eine Passage abgeändert.
1994 erwarb Herr Knoll das Nachbarhaus Hauptstr. 24 hinzu und verband beide Gebäude durch einen modernen Zwischenbau. Die Gebäude wurden nachträglich unterkellert und das UG als Verkaufsfläche genutzt.




Zum 20.06.2002 wurde das Geschäft altershalber aufgegeben. Der Laden wurden in kleinere Einheiten aufgeteilt und getrennt vermietet.


