Hauptstraße 25 – Feinkost Bär
Auch dieses Grundstück zählt zu den ältesten bebauten Bereichen der Stadt. Leider lässt sich archivalisch nicht feststellen, wann das jetzige Gebäude gebaut oder wesentlich umgebaut wurde. Ebensowenig kann gesagt werden, ab wann das Gebäude dreistöckig war. Bis 1832 war hier eine Schmiede, die sog. Untere Schmiede.
Auch sind die Eigentümer vor 1465 archivalisch nicht feststellbar, weil es keine älteren Steuerlisten gibt.
1465 beginnen die Aufzeichnungen mit Hans Schmid, der Schmied; sog. Untere Schmiede. Weiterhin sind hier gemeldet Mathes Han, Bartenlen Ham und jung Han. Auch auf der Oberen Schmiede, Memminger Str. 2, ist ein Hans Schmid verzeichnet. Es wird vermutet, dass Hans Schmid beide Schmieden gehörten, er selbst in der Oberen Schmiede MM02 wohnte und die Untere Schmiede von der Familie Han bewirtschaftet wurde.
1492 stehen Hans und Jacob Schmied; Joß Ham, Schmied, Ruff Ham und Jacob Ham im Steuerbuch, 1496 Jacob Schmid und Ruff Hamer. Jacob Schmid ist bis 1511 hier verzeichnet, mit unterschiedlichen Miteigentümern.
Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor.
1548 werden genannt Claus Jakob Schmied und Jacob Schmieds Witwe, 1551 Claus Jakob Schmied alleine und 1553 Claus Jakob Schmied und Jörg Miller, Schmied, vermutlich der Sohn. Dieser ist 1556 alleine auf dem als Eigentümer.
Jörg Miller baut 1578 auf dem benachbarten Grundstück Bärengasse 2 ein neues Haus, vermutlich als Altenteil, und ist fortan dort ansässig.
Mit Mathes Müller, Schmied, geht die Schmiede 1578 in die nächste Generation. 1614 wird Mathes Müller als Bürgermeister genannt. Im großen Gebäudebeschrieb 1614 ist das Anwesen bezeichnet als Behausung, Nebenhaus Stadel und Hofraithen; Wert 400 fl. 1636 ist Symon Schwinghammer, Schmied, der nächste Eigentümer. 1651 erwirbt Schwinghammer die Hofstatt Schmiedplatz 2 hinzu. 1660 besitzt Symon Schwinghammers Witwe das Haus; Wert 700 fl.
Das Anwesen muss im Lauf seiner Existenz entweder einmal grundlegend renoviert oder neu erbaut worden sein. Die jetzige Baustruktur legt einen solchen Umbau im Barock nahe, vielleicht auch in Verbindung mit dem Aufbau des dritten Stockwerks. Die Wertsteigerung zwischen 1651 und 1660 könnte ein Hinweis auf einen Umbau zu dieser Zeit sein. Ein archivalisch gesicherter Nachweis fehlt bislang.
1667 wird die Hofstatt Schmiedplatz 2 Thomas Schwinghammer (Reichenbacher Str. 4) zugeschrieben. Die Schmiede führt ab 1674 Hans Schwinghammer, Schmied. Die Hofstatt Schmiedplatz 2 ist jetzt bei Hans Schwinghammer (Hauptstr. 25) geführt. 1682 heiratet Ursula Schwinghammer (vermutl. Tochter des Hans Schwinghammer) den Jörg Glatz (vermutl. Sohn des Georg Glatz) von der Schmiede Memminger Str. 2. Jacob Schwinghammer, Hufschmied, besitzt ab 1690 die Schmiede; Wert 800 fl. 1696 wird die Hofstatt Schmiedplatz 2 wird Jörg Clauß (Hauptstr. 23) zugeschrieben.
1726 ist Jacob Schwinghammer wohl in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Es wird eine Schuldsache verhandelt, in deren Verlauf er das Anwesen verkaufen muss. Hans Jakob Silberbaur, lediger Hufschmied von Bühl, Sohn des Schuhmachers Hans Jörg Silberbaur aus Grafertshofen, heiratet Ursula Glaz (Tochter der Ursula Schwinghammer), welche ihm am 01.07.1728 die Schmiedstatt zubringt. Überlebt der Bräutigam, wird ihm die Schmiede um 1200 fl überlassen, überlebt die Braut, bekommen des Bräutigams Verwandte 100 fl Rückfall. Die genannte Ursula Glatz muss eine Schwiegertochter der Ursula Glaz, geb. Schwinghammer, von MM02, sein. Ursula Glatz hat 5 Kinder aus erster Ehe: Josef, Anna, Anna Maria, Magdalena, Ursula.
Am 06.07.1754 wird die Breite der Einfahrt zu dem Grundstück (wahrscheinlich vom Schmiedplatz aus) vertraglich auf 9 Schuh (2,63 m) vereinbart. Über den Hofraum hinter dem Haus wird am 15.04.1758 mit dem Nachbarn Hauptstr. 23 eine Vereinbarung getroffen, leider steht hier nicht, welcher Art diese Vereinbarung war. Es wird angenommen, dass zu dieser Zeit die Stadtmauer abgebrochen und der dadurch vergrößerte Hofraum zwischen den Nachbarn aufgeteilt und mit neuen Stadelgebäuden bebaut wurde.
Am 23.09.1773 erbte Michael Silberbaur die Schmiede. Er geriet jedoch in finanzielle Schwierigkeiten. Von 1777 bis 1780 wurde ein Schuldprozess geführt, infolgedessen das Haus verkauft werden musste. Neuer Eigentümer wurde am 19.08.1779 Franz Josef Pfaff, Schmied. F.J. Pfaff war nicht nur Hufschmied, sondern wurde auch als Tierarzt geführt. Nach und nach wurde scheinbar die Schmiede aufgegeben, bis 1833 der Sohn F.,J. Pfaff nur noch als Tierarzt geführt wurde.
1832 möchte der Hufschmied und Tierarzt Franz Jos. Pfaff sein Haus wesentlich umbauen und insbesondere die innere Einteilung verändern. Hierbei soll die Schmiede versetzt und das Hammerwerk verändert werden. Um weitere Zimmer heizbar zu machen werden auch die Kamine verändert. Da er sowohl an das Untere Tor als auch an die Stadtmauer angrenzt, beantragt er einige Eingriffe in diese Bausubstanz. Er wünscht im 1. Stock nach Norden ein Fenster durch die Stadtmauer brechen zu dürfen und im 2. Stock den Wehrgang der Stadtmauer in seine Wohnräume einbeziehen zu dürfen. Den Zwinger möchte er seinem Hofe zuschlagen und den Vorkopf der Stadtmauer (?) abbrechen, damit er sein Gebäude mehr abrunden, und in eine gefälligere Form nach außen bringen könne. Er erklärt sich bereit, für diese Zugeständnisse eine Entschädigung zu zahlen. Der Magistrat erteilt hierzu seine Erlaubnis, verpflichtet Pfaff aber zur Unterhaltung der Stadtmauer. Als Entschädigung werden 35 fl verlangt. Die Verpflichtung zur Unterhaltung der Zwingermauer obliege auch weiterhin Pfaff, da er vom Turm aus einen Zugang zum Zwinger habe.

Am 22.01.1833 übernimmt Pfaff Franz Josef, Tierarzt, Sohn des Schmieds, das Anwesen. 1835 möchte er in seinem Hof ein Waschhaus errichten, welches er an seinen Stadel und die Stadtmauer (wohl Zwingermauer) anbauen möchte. Baukommission und Magistrat stimmen dem Bau zu und erlauben die Benützung der Stadtmauer (so wie man diese ihm früher für den Bau seines Stadels überlassen hat) gegen die Verpflichtung zum Bauunterhalt der Stadtmauer. Es ist nicht sicher, ob dieser Bau ausgeführt oder schon bald wieder abgebrochen wurde, er ist in den Katasterblättern nicht dargestellt.

1843 sind Franz Josef Pfaff und H: Mösel, Gräfl.Funktionär als Mitbewohner auf dem Haus gelistet. Die Einträge 1850 (K. Pfaff) und 1858 (Ca. Pfaff, Tierarztwitwe) können nicht interpretiert werden. 1859 ist Josepha Pfaff, Tierarztwitwe, die letzte Eigentümerin in der über 400-jährigen Tradition der Unteren Schmiede.
1859 kauft der Merzler Joseph Stiegele (vorher GZ22) von der Tierarzts-Witwe Josepha Pfaff deren Wohnhaus mit Ökonomiegebäude um 3150 fl. Sein altes Anwesen Hs.Nr. 117 (Günzburger Str. 22) hat er verkauft. Das Haus Hauptstr. 25 möchte er für seinen Laden umbauen. Der Laden erhält ein Schaufenster anstelle der alten Toreinfahrt in die Schmiede (im Bauantrag noch 2 Fenster dargestellt). Seit dann wird das Haus als Laden genutzt.

1861 sind Josef Stiegele und Walburga Fahrenschon als Mitbewohnerin hier gemeldet, 1882 nur Josef Stigele, Merzler. 1886 lässt Franziska Stiegele einen Kamin umbauen.
Am 13.12.1892 wird Engelbert Mangold, Käser und Merzler, neuer Eigentümer. 14893 wir ein neuer Kamin gebaut und 1894 wird der Stadel im Hof in eine Käserei umgebaut. Nach Wylicil ging das Geschäft am 23.06.1900 an Johann und Mathilde Mangold, 1906 steht aber noch Engelbert Mangold als Eigentümer im Einwohnerverzeichnis. Erst 1915 ist von Mangolds Nachfolger die Rede. 1920 wird ein Abort und ein Treppenhaus angebaut.





Anmerkungen: 1897 ist noch die gleiche Werbung zu sehen wie 1885, obwohl 1892 ein Eigentümerwechsel stattgefunden hat. 1916 ist eine neue Werbung zu sehen, nachdem ab 1915 Mangolds Nachfolger den Laden führten. Die Menschenansammlung zeigt übrigens das Anstehen nach Lebensmitteln in der Hungerzeit des 1. Weltkriegs.
1906 wurde im Zusammenhang mit dem Werkstattbau Weber (Bahnhofstr. 1) die Stadtmauer im Bereich dieses Grundstücks abgebrochen, da sie im Kataster 1921 (bis auf ein kleines Stück) nicht mehr eingetragen ist.
Am 20.03.1923 erwerben Johann und Maria Bär, geb. Keller, das Haus mit dem Laden. Sie firmieren unter Käserei und Kolonialwarenhandlung Hans Bär. Vom 17.07.1923 liegt eine Beschwerde vor, dass der Käser Bär in seinem Nebengebäude so viele Schweine halte, dass sich die Anlieger der Bahnhofstr. (allen voran Kaufmann Lense, BS03) über den Geruch beschweren. Da der Stall aber 1894 genehmigt wurde, konnte den Beschwerden nicht abgeholfen werden.
1923 wird eine Waschküche und ein Lager hinzugebaut, 1929 eine Autogarage.





Um 1930 wird der Laden vergrößert und erhält drei neue Schaufenster mit Sprossen. Die Schaufenster können durch Rollläden verschlossen werden. 1939 erwirbt Hans Bär auch das Nachbarhaus Hauptstr. 23 und baut diese nach seinen Bedürfnissen um. Der Bäckereiladen wird zurückgebaut und die Fassade Hauptstr. 23 erhält 4 gleiche Fenster im EG. 1949 bekommt der Laden eine Leuchtreklame.






1959 wird der Laden grundlegend umgebaut und vergrößert. Einige Räume in der Hauptstr. 23 wurden ion den vergößerten Laden einbezogen und eine durchgehende Schaufensteranlage über beide Häuser mit einem auskragenden eton-Vordach eingebaut. Die Werbeanlage wurde ebenfalls erneuert.
Dieser moderne Umbau tat dem Haus optisch nicht gut. Im Zuge eines erneuten Umbaus des Ladens 2005 konnte der Eigentümer zu einem Rückbau der großen Schaufensteranlage bewogen werden. Die neuen kleineren Schaufenster nahmen wieder Bezug zur Gliederung des Hauses auf.



Ab 26.04.2006 wurde das Geschäft als Reformhaus geführt. Der Laden in Hauptstr.23 wurde wieder abgetrennt und separat geführt. Um 2012 wurde das Geschäft aufgegeben. Die Räume werden seitdem als ‚Tafel‘ für bedürftige Mitbürger genutzt.


