Heilig-Geist-Straße 8 und 10
Das 1470 erbaute Haus ist das bisher bekannt älteste Profangebäude der Stadt. Bis 1717 wurde das Haus als ganzes genutzt, erst danach geteilt.
Durch dendrochronologische Datierung wurde das Bauholz des Hauses auf 1470 bestimmt. Die erste Erwähnung findet 1475 mit Endriß Bappelin1 statt. Dieser bewohnt das Haus mit anderen genannten Mitbewohnern (1504 Ulrich Sattler, kurzzeitig, während der Neubauzeit seines Hauses Hauptstr. 15) bis 1515. Die verschiedenen Schreibweisen könnten aber auch ein Hinweis auf einen Generationenwechsel sein. 1515 werden noch Caspar Schneiders Witib, Katharina Werlerin und Margreth Krißmenin genannt. Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor.
Noch vor 1548 wird Jorg Biderman genannt, dann 1548 Hans Öchslin Mayr, Tuchscherer. 15267 erscheint Lorenz Bader und 1594 Jörg Bader. Bei Georg Bader 1607 könnte es sich um dieselbe Person oder einen Sohn handeln. 1614 wird das Haus als Behausung und Hofraithen, Wert 190 fl, beschreiben. 1626 ist Georg Baders Witwe verzeichnet, es wird ein Brey-Hausrecht erwähnt. Auf diesem Haus war aber keine Brauerei-Gaststätte. Es ist nicht geklärt, von wo das Braurecht kam und wohin es übertragen wurde.
1629 steht Michael Bader im Buch, wohl der Sohn von Georg Bader und Koch von Beruf. Michael Bader wechselt 1632 auf das Haus Hauptstr. 19. Im Salbuch der Leprosenpfleg B 305 ist er aber noch 1653 hier als Eigentümer genannt. Vielleicht besaß er hier noch ein Teileigentum. 1632 folgt Andreas Höß und 1636 Mathias Leberwurst, Behausung und Hofraithen; Wert 250 fl. Er wechselt 1651 auf Lessingstr. 3. 1651 besitzt Frantz Schwartzenbergher, Schneider, das Haus im Wert von 225 fl. Noch in den 1650er-Jahren kommt Lorenz Baur und 1690 Bernhard Roth. 1706 werden seine Erben genannt und am 18.05.1711 kauft Hans Jörg Müller, Binder, das Haus.
Teilung 1717
Hl.-Geist-Str. 8
Am 02.06.1717 wird das Haus geteilt. Hans Jörg Miller bleibt auf dem Hausteil Hl.-Geist-Str. 8, die andere Hälfte wird verkauft. Die Teilung des Hauses erfolgte nicht in einer Linie. Die Räume sind in den Geschossen miteinander verzahnt. Vermutlich als Folge der Teilung wurde auf der Nordseite von HI08 ein Anbau errichtet und das Dach abgeschleppt.
Um 1760 wird Gertrud Fodin als Besitzerin genannt. Über die Erbsteuer einer Gertrud Fodin liegt ein umfangreicher Akt vor. Dieser beginnt aber erst mit einem Inventarium von 1782. Die Zusammenhänge konnten noch nicht geklärt werden. Da die Erblasserin öfters auch ‚Fetisch‘ geschrieben wurde, wäre auch eine Verbindung zum Gasthof Lamm, Hauptplatz 7 (Eigentümer Fetsch) möglich. Die Durcharbeitung dieses Akts soll zu späterer Zeit erfolgen.
Am 30.09.1773 erscheint Paul Schmid als Eigentümer, 1786 Karl Schmid und am 19.09.1789 Josef Demmelmeyer alt. Am 31.10.1794 wird Nikolaus Amann, vorher Wettbach 5, Eigentümer. Als Nikolaus Amann stirbt, wird das Erbe am 14.08.1801 aufgeteilt. Peregrin Stigele erwirbt das Haus. 1819 wird das Haus an Thaddä Kiefer, Taglöhner, verkauft und Marianne Schellhan, Witwe, als Mitbewohnerin. 1824 ist Thaddä Kiefer, Stadtknecht und 1831 städt. Ökonomieknecht. Josef Kiefer, Säcklermeister, wird auch als Miteigentümer genannt. Er besitzt die Haushälfte 1837 alleine. 1855 ist Josef Betz, Privatier von Grafertshofen, Eigentümer und 1858 ist Barbara Maier Mitbewohnerin.
Der Taglöhner Johann Auer erwirbt am 27.09.1864 gemeinschaftlich mit seinen Töchtern Maria und Magdalena das Haus. Beide Töchter sterben kinderlos. Am 18.07.1892 verkauft Josef Auer das Haus Heilig-Geist-Str. 8 an den Schweinehirten Ottmar Hörmann für 1300 M. Mit diesem Betrag kauft er sich ins Spital ein.
1906 steht Johann Georg Schuler, Maurer, im Eigentümerverzeichnis. Ihm folgt 1914 der Brauer Georg Schuler, ab 1959 seine Witwe Anna. Diese zieht 1964 auf Köhlerstr. 8 und Rosa Gleich wird Eigentümerin. 1968 geht das Haus an die Erben.
Die letzte Bewohnerin war Friederike Hess. Daher bekam das Haus im Volksmund die Bezeichnung „Hessa-Ricke-Haus“. Schon 1977 ist kein Bewohner mehr verzeichnet. Die Stadt erwarb das Gebäude und wollte es zuerst sanieren. Der Planer der Altstadtsanierung, Dr. Friedhelm Amslinger, fertigte ein Bauaufmaß und einen Sanierungsentwurf. Dennoch beabsichtigte die Stadt damals, das Gebäude abzubrechen. Der Abbruch scheiterte zum Einen am Veto des Denkmalamts und zum anderen an dem baulichen Problem, da der Abbruch der einen Haushälfte wegen der geschossübergreifenden Verzahnung technisch nicht möglich war. Das Haus fristete danach mehrere Jahre ein tristes Dasein.


1994 fand das Haus in Arch. Hartmuth Hoeber einen Liebhaber. Die Sanierung begann engagiert und fachlich gut. Aus
privaten Gründen verlor der Bauherr aber bald die Lust an der Sanierung, so dass das Gebäude weitere 20 Jahre halb saniert und unfertig dastand. Nach dem Verkauf der anderen Haushälfte 2014 konnte der Bauherr zumindest so weit gebracht werden, die notwendigsten Arbeiten mit durchzuführen und das Haus fertigzustellen.

















2014-2016 wurde die Sanierung beendet. Bedauerlicherweise wurden hier nicht alle Möglichkeiten genutzt, die wertvollen Gebäude in einen gemeinsamen denkmalpflegerisch entsprechenden Zustand zu versetzen.
Hl.-Geist-Str. 10
Bei der Teilung am 02.06.1717 ging die Haushälfte Hl.-Geist-Str. 10 für 87 fl 30 kr. an Martin Springler, Weber. item Obige Behaußung undt Hofraithin hat anitzo auf gegeb: verwilligung lobl: Magistrats Martin Springler über der halber Thail nachlauth ? D 2t Juny 1717 kaiflich an sich gebracht, undt mithin auch ihre Abgewelte 175 fl di helfte Zuurrsteuer übernohmmen id est Die Teilung des Hauses erfolgte nicht in einer Linie. Die Räume sind in den Geschossen miteinander verzahnt.
Hans Jörg Schwinghammer, Maurer, kauft am 19.01.1737 die Haushälfte für 130 fl von seinem Schwiegervater Martin Springler und heiratet dessen Tochter Barbara. Hans Jörg Schwinghammer, erhält ein Einstandsrecht (Vorkaufsrecht) für die andere Haushälfte, weilen derlei halbe Häuser wieder zusammengebracht werden sollen, in casum alienationes. NB Wäre auch vice versa nicht unbillig derley ist nerem Von Raths weg ex aquitate et observantia zu thun berechtigt; did: Schw: buch Raths Proth: den 27t Jan 1617 fol: 106
Eine Zusammenführung gelang allerdings nicht. Barbara Schwinghammer wird 1773 Witwe und verkauft am 18.03.1774 an den Zimmermann Anton Schwarz. Am 16.02.1781 wird Thaddä Zehnebenz, Maurer, neuer Eigentümer. 1786 lautet der Eintrag Thaddäus Grumburg, Maurer (Schreibweise!?).
1819 steht Josef Deibler, Maurer, im Verzeichnis, nach Wylicil erwarb Deibler das Haus aber erst am 18.11.1824. 1831 stehen Josef Deibler, Maurer; Deubler Franz und Zehnebenz Thaddäs Witwe im Adressbuch. Zehnebenz hat also scheinbar weiter hier gewohnt. 1832 sind es Josef Deibler, Maurer; und Zehnebenz Thaddäs Witwe. 1837 ist Josef Deibler Alleineigentümer.
Am 18.09.1841 übernimmt Stempfle Johann, Nadler, von Deubler Josef das Haus, d.h., er hat eine Tochter des Deubler geheiratet. Josef Deubler und Anton Schwarz, Zimmermann, Wettbach 18, vertauschen am 27.12.1847 ihre Häuser. Deubler zieht ins Wettbach und Schwarz hierher.2
1855 gehört das Haus Schwarz Anton und Monika, 1858 Schwarz Anton und Kreszenz (2. Ehe?) und 1861Schwarz Anton (Sohn?) und Kreszenz, Witwe. Verbrieft wird Schwarz Anton, Zimmermann (der Sohn?) erst am 18.03.1874. 1875 wohnt Schwarz Antons Witwe alleine hier und 1882 wieder ein Anton Schwarz, Zimmermann. Bei Maria Schwarz, Taglöhnerin, 1906, könnte es sich um die Witwe von Anton schwarz handeln.
Um 1913 geht das Haus an Creszentia Imhof, sie erneuert in diesem Jahr einen Kamin. Sie bleibt auf diesem Haus bis Kriegsende. 1948 steht Walburga Schnitzler als Eigentümerin im Buch und 1959 der Rentner Johann Zeltner. Das Haus blieb bis zum Verkauf 2014 in Familienbesitz.



Der neue Eigentümer begann ohne Erlaubnis mit der Entkernung des Gebäudes. Bis die Behörde einschreiten konnte, waren wesentliche Teile der historischen Bausubstanz aus dem 15. Jhdt. vernichtet. Aus den Resten ließen sich keine Bauphasen und historischen Strukturen mehr erkennen. Die Sanierung blieb hinsichtlich Baudetails, Materialien und Farbgebung weit hinter den denkmalpflegerischen Anforderungen zurück. Bedauerlicherweise wurde hier die Möglichkeit vertan, das wertvolle Gebäude im Zusammenhang mit dem Nachbargebäude in einen einheitlichen denkmalpflegerisch guten Zustand zu versetzen.
















- Der Name wird ständig anders geschrieben: Bappelin, Boppelin, Pappilin, Bepfelen. Es könnte auch eine Verballhornung des franz. Papillon sein. Auch der Vorname Andreas wird ständig anders geschrieben: Endriß, Enderlin, Andre (André), Endris ↩︎
- Ob zwischen diesem Zimmermann Anton Schwarz und dem gleichnamigen von 1774 eine Verbindung besteht, konnte nicht geklärt werden. ↩︎


