Denkmalschutz,  Wohnhäuser

An der Mauer 13 – früher Konrad-Huber-Str. 4

Lageplan

Das jetzige Haus stellt die dritte Bebauung auf diesem Grundstück dar. Bis zur Sanierung 1981 trug es die Benennung Konrad-Huber-Str. 4. Es war das erste Privathaus in Weißenhorn, welches nach den Grundsätzen der Städtebauförderung denkmalgerecht saniert wurde.

Erstbebauung

Der Zeitpunkt der Erstbebauung ist nicht bekannt. Steuerlisten werden seit 1465 geführt. Eigentümer vor 1465 können archivalisch nich festgestellt werden

Die Steuerliste beginnen 1465 mit Conratt Claus. 1492 steht Michel Claus in der Liste und 1496 Michel Claus mit Oschwalt Leugkh. 1499 ist Michel Claus wieder Alleineigentümer. 1510 erscheint mit Ulrich Hellmair eine andere Besitzerfamilie. 1511 wird er Utz Höllwein geschrieben und 1512 Ulrich Höllwein. Mit Moritz Fanion hört 1515 die Liste auf.

1517 ist niemand mehr auf dem Haus verzeichnet. Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor. Auch 1548 ist niemand auf diesem Grundstück genannt. Es wird daher angenommen, dass das Grundstück von 1517-1556 nicht bebaut war.

Zweitbebauung

1556 kann mit Hans Maurer (Herr Hanns Mauren pffonr Zueln?) der erste gesicherte Eigentümer genannt werden. 1559 stehen Hans Schmidt, Seiler, und Urban Claus, Schneider, in der Liste. 1572 wird der Miteigentümer Urban Claus jetzt als Schmid bezeichnet, wohl Übergang an den gleichnamigen Sohn. 1581 teilen sich Jacob Käckh und Urban Claus, Schmid, das Haus. 1594 ist Jacob Keckh nun Alleineigentümer. 1614 ist Jacob Käckh, Schuster, auch als Eigentümer von MM11 genannt. 1629 gehört das Haus Georg Müller, Schneider, vorher Wettbach 20; Behausung und Stadel, Wert 370 fl. 1632 schreibt Georg Müller die halbe Behausung seinem Sohn (auch Georg Müller) zu. Nach dem Tod des Vaters fällt auch die Haushälfte Wettbach 20 in die Erbmasse.

1636 ist der Sohn Georg Müller Eigentümer von Behausung und Stadel. Die Anmerkung: 1639 angeschlagen bedeutet, dass das Haus mit Schulden belastet war. Der urspr. Wert von 370 fl ist gestrichen und auf 150 fl reduziert worden. Wahrscheinlich war das Gebäude so weit heruntergekommen, dass nur noch eine Hälfte zum Wohnen geeignet und die andere abgebrochen war. In den folgenden Jahren sinkt der Wert der Behausung weiter, die westliche Haushälfte ist nur noch als Hofstatt erwähnt.

Eine Hungersnot im Jahr 1634, eine Pestepidemie 1635 und ein Hochwasser um 1636 führte im Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen im Rahmen des 30-jährigen Krieges in unserem Gebiet zu großen Zerstörungen und zu Armut. Insgesamt konnten 32 Haushalte ihren finanziellen Verpflichtungen mehr nachkommen und kamen in die Gant (Privatinsolvenz mit Versteigerung). In zwei großen Gantprozessen am 06.08.1637 und am 21.07.1639 wurde das Eigentum liquidiert, so auch dieses Haus.

Der neue Eigentümer war Georg Nickhel, Maurer, Behausung und Stadel, Wert 54 fl. Der hielt das Grundstück aber auch nicht lange, denn noch in der gleichen Dekade wurde Jerg Selzlin Inhaber. 1660 wird er als Georg Sälzle geführt mit Behausung und Stadelhofstatt; Wert 75 fl. Mit der Stadelhofstatt ist das Grundstück Hasengasse 1a gemeint. 1674 gehört diese Stadelhofstatt Hasengasse 1a wieder zu dem Anwesen Mariengasse 3, Wert 25 fl.

Das Haus gehörte dann zunächst Lorenz Allgeuers Witwe (HS18) und ihrem Nachfolger Anton Kröz alt (HS18). Es ist nicht vermerkt, wie das Grundstück ins Eigentum des Anwesens Hauptstr. 18 kam. Möglich ist, dass das an HS18 stoßende Grundstück für eine evtl. spätere Erweiterung des nur schmalen Grundstücks HS18 dazu erworben, dann aber doch nicht gebraucht wurde. Auch die Hofstatt Hasengasse 2 wurde von Allgeuer erworben. Am 02.04.1685 übernahm die Stadt die Hofstätten An der Mauer 13 und Hasengasse 2 zusammen für 40 fl. Wieder ist nur von Hofstätten, also unbebauten Grundstücken, die Rede.

1668 wird das Anwesen HS18 an den Sattler Matheus Linckh verkauft. In diesem Zuge geht auch das Eigentum an der Hofstatt AM13 für 60 fl an M. Linckh über. 1692 wird das Grundstück im Steuerbuch überhaupt nicht mehr erwähnt. 1706 findet sich die Hofstatt beim Anwesen Hauptstr. 22, Franz Braunmüller, wieder. 1707 erwirbt Johann Jacob Kuen das Haus HS22 und damit auch die Hofstatt, der Wert ist mit 40 fl angesetzt. 1716 wird auch die Stadelhofstatt Hasengasse 1a von Johann Jacob Kuen von Michael Thalhofer, Mariengasse 3, gekauft. 1729 ist der ganze Bereich als Garten des Johann Jakob Kuen bezeichnet.

Neubebauung 1736

Am 13.04.1735 verkauft Johann Jakob Kuen dem Wachsspinner Hans Jörg Schmid die Hofstatt mit Hausgerechtigkeit (Baurecht) für 100 fl. Nach 100 Jahren Brache wird das Grundstück 1736 durch Hans Jörg Schmid, Wachsspinner, neu bebaut. Mit dem Hausbau scheint Hans Jörg Schmid sich etwas übernommen haben, denn anschließend entsteht ein Schuldenprozess, in dessen Verlauf er das Haus verkaufen muss. Am 06.10.1741 verkauft Hans Jörg Schmid das Haus an seinen Schwiegersohn Ludwig Vogel, Wachsmacher aus Friedberg für 1500 fl und einen Austrag in Naturalien. Der Hauswert erscheint sehr hoch angesetzt.

Doch auch Ludwig Vogel behält das Haus nicht lange. Noch in den 1740er-Jahren erscheint Johann Ulrich Sibich, Fuggerscher Registrator; Behausung und ein Gärtlin, Wert 375 fl, als Eigentümer. Nach dessen Tod übernimmt seine Witwe Maria Franziska Sibich am 28.06.1755 das Haus. Am 23.06.1756 wird Andreas Jann, Zinngießer, neuer Eigentümer. 1773 wird der Wert des Hauses auf 300 fl taxiert, zzgl. 200 fl für den Beruf (Gewerbesteuer!). Sein Sohn (Franz) Joseph Jann, Zinngießer, übernimmt das Haus am 30.12.1784. Andreas Jann, der Vater, stirbt am 13.01.1795, das Erbe wird aufgeteilt.

Am 31.12.1831 erwerben oder übernehmen Mareis Joh. u. Ottilia, Zinngießerseheleute, das Haus. Zum11.07.1850 übernimmt seine Witwe Ottilie das Haus. Anton Mareis, Wirtschaftspächter, wird am 27.10.1871 Eigentümer und zwei Wochen später, am 10.11.1871, wird das Haus Mareis Franz Mathias, Zinngießermeister, überschrieben. Mit dem 28.02.1872 wird seine Ehefrau Regina, geb. Bestler, durch Ehevertrag Miteigentümerin.

1882 endet die Ära der Zinngießer Jann. Der Obsthändler Nikolaus Jedelhauser wird neuer Eigentümer. Am 13.07.1889 erwerben Johann und Babette Hartung, Konditorseheleute, das Haus. Hartung erneuert den Kamin 1890. Am 19.12.1892 folgt Michael Hartung, Privatier, und am 15.02.1893 Friedrich und Barbara Maurer, Siebmacherseheleute. Friedrich Maurer muss 1893 noch einen Kamin erneuern und führt auch weitere Umbauarbeiten durch.

Am 22.06.1897 wird das Haus weiterverkauft an den Schutzmann Eduard Haid und Ehefrau Therese, geb. Harder von Unterelchingen. Diese bleiben bis 1905, dann verkauft Eduard Heid sein Haus an Gotthard und Cäcilia Strohmaier. Diese richten hier eine Käserei ein und bauen hierzu eine Käsetrassel. 1906 handelt Strohmaier auch mit Obst. Die Käserei wird bis 1946 hier geführt.

1948 wird hier die Schlosserei Max Tögel genannt. 1949 geht das Haus an Kreszenz Buck, Schlosserwitwe von Dietenheim. Sie bleibt auf diesem Haus bis 1977.

1981 findet das Haus einen neuen Käufer, der es nach den gerade entstehenden Grundsätzen der Denkmnalpflege sanieren möchte. Dr. Friedhelm Amslinger, München, übernimmt die Planung. 1983 ist die Sanierung fertiggestellt. Beim Umbau wurde der Eingang auf die Ostseite verlegt, daher dann auch die Zuordnung An der Mauer 13 und nicht mehr Konrad-Huber-Str. 4. Das Haus wurde vermietet.

2002 wird auf der Westseite ein unscheinbarer Balkon angebaut.

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