Historie

E 4 Türkenfeld 1598-1858

Lageplan

Die oberbayerische Gemeinde Türkenfeld (Landkreis Fürstenfeldbruck) hat eine bedeutende Fugger-Historie, die eng mit dem dortigen Schloss verknüpft ist. Türkenfeld gehörte zur Linie Kirchheim und wurde von denselben Herrschern geführt.

Das im 13. Jahrhundert ursprünglich als mittelalterliche Burgveste erbaute Anwesen wurde im Jahr 1598 von Graf Hans Fugger von der Lilie (1531–1598, N19) mit der adligen Hofmark Türkenfeld erworben. Er ließ die Anlage zu einem repräsentativen Jagdschlösschen umbauen. Die Hofmark befand sich zuvor im Besitz der adligen Familie Staudinger, die dort von 1569 bis 1598 die Inhaber waren.

Als Hans noch im selben Jahr starb, wurde Türkenfeld der Linie Kirchheim-Schmiechen angegliedert und kam so zu seinem Sohn Markus (1564-1614, G22). Über direkte Erbfolge gelangte das Schloss an seinen Sohn Hans (1591-1638, G25) und an dessen Sohn Johann Eusebius (1617-1672, G28).

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss weitgehend zerstört. Um 1660 ließen die Fugger das Schloss als stattlichen, barocken Walmdachbau neu errichten.

Nach Joh. Eusebius Tod im Jahr 1672 fiel das Erbe an den Bruder Bonaventura (1619-1693, N28). Weiter kam das Erbe an Bonaventuras Sohn Maximilian (1661-1731, N31) und in der nächsten Generation an Cajetan Joseph (1697-1764, N34).

Cajetan stellte sich als besonders prägender Landesherr der späteren Barockepoche dar. Unter seiner Familie erlebte der Ort im 18. Jahrhundert eine barocke Blütezeit, in der das nach dem Dreißigjährigen Krieg neu errichtete Schloss um 1725 zu einem repräsentativen Jagdschloss ausgebaut wurde.

Auf Cajetan folgte 1764 in direkter Erbfolge Joseph Dominikus (1730-1780, N37) und nach dessen Ableben übernahm dessen Sohn Joseph Hugo (1763-1840, N40) die Herrschaft.

Im Zuge der napoleonischen Kriege wurde Europa nach dem Frieden von Lunéville 1801 im nachfolgenden Reichsdeputationshauptschluss 1803 neu geordnet. Der kirchliche Besitz wurde säkularisiert, die Standesherrschaften wurden mediatisiert, d.h., sie verloren ihre wesentlichen politischen Rechte und somit auch einen großen Teil ihrer wirtschaftlichen Grundlagen. Es verblieb ihnen zwar ihr Privateigentum an Grundbesitz, verloren aber allen politischen Einfluss. 1806 wurde dieser Vorgang mit der Installation des Königreichs Bayern beendet.

Nach Joseph Hugos Tod im Jahr 1840 machte die Erbfolge einen Sprung auf den Enkel seines Bruders Philipp Karl (1764-1821, O40), den gleichnamigen Philipp Karl (1820-1878, O46).

Infolge der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung nach der zweiten Mediatisierung nach der Revolution 1848 entschloss sich Philipp Karl 1858, das Schloss an die Gemeinde Türkenfeld zu verkaufen.

Für lange Zeit diente das ehemalige herrschaftliche Gebäude als Schulhaus der Gemeinde. Die früheren Prunkräume wurden in Klassenzimmer umgewandelt, in denen Generationen von Türkenfelder Kindern unterrichtet wurden. Neben den Schulräumen richtete die Gemeinde in den oberen Etagen Wohnraum für die im Ort tätigen Lehrkräfte ein. Bereits vor dem großen Umbau 1973 wurden Teile des Schlosses für die lokale Verwaltung und als Sitz des Bürgermeisters genutzt. In Zeiten von Wohnungsnot, insbesondere auch in den entbehrungsreichen Jahren nach den Weltkriegen, wurden freistehende Räume im Schloss zeitweise als einfache Wohnungen für bedürftige Familien zur Verfügung gestellt.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts geriet die historische Bausubstanz durch die intensive und pragmatische Nutzung zunehmend in Mitleidenschaft. Im Jahr 1973 fasste die Gemeinde schließlich den Entschluss zu einer umfassenden Generalsanierung. Seit dem Abschluss dieser historischen Renovierung im Jahr dient das Gebäude exklusiv als Rathaus und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Türkenfeld. Der geschichtsträchtige barocke Saal im Inneren wurde aufwendig restauriert und wird heute unter anderem für feierliche Gemeinderatssitzungen und Trauungen genutzt. 2021 wurde das Schloss nochmals modernisiert.

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