C 5 – C 7 Nebenlinien Nordendorf
C 1a Die Reichspflege Wörth
Die historische Reichspflege Wörth war ein unmittelbar dem Kaiser unterstehendes Territorium im heutigen Nordschwaben (Donau-Ries). Sie ging 1193 aus einer von Kaiser Heinrich VI. errichteten Reichs-Vogtei hervor, zu der ursprünglich auch die Stadt Werd (das heutige Donauwörth) gehörte.
Anton Fugger (AC16) sicherte sich dieses Gebiet im Jahr 1536 für ein Pfand von 6.600 Gulden, um einen katholischen Stützpunkt gegen die Reformation zu bilden. das Gebiet als kaiserliches Pfand. Die Fugger bauten das prächtige Fuggerhaus in Donauwörth als Herrschaftssitz und Verwaltungszentrum. Der räumliche Umfang und die Rechte, darunter der Blutbann bzw. das Hochgericht sowie Geleitrechte, veränderten sich im Laufe der Jahrhunderte leicht.
Zur Reichspflege gehörten die Orte Mertingen (Historischer Hauptort und wichtigstes Verwaltungszentrum der Pflege), Donauwörth (Sitz des Pflegers im Fuggerhaus), Riedlingen (1664 von den Fuggern an das Kloster Kaisheim entlassen), Nordheim, Auchsesheim, Asbach, Bäumenheim, Lauterbach, Pfaffenhofen an der Zusam und Möringen, eine heute abgegangene/wüst gefallene Siedlung.
Nach dem Familienstatut wurde die Reichspflege stets vom ältesten männlichen Vertreter der Linie verwaltet. Die historisch bedeutendsten Fugger-Herrscher über das Gebiet waren
Anton Fugger (1493–1560, AC16) erwarb die Reichspflege Wörth 1536 für 6.600 Gulden als kaiserliches Pfand. Er selbst wohnte zwar in Augsburg, baute aber das repräsentative Fuggerhaus in Donauwörth als Verwaltungszentrum und nutzte die Pflege als katholischen Stützpunkt mitten in der Reformation.
Markus (Marx) Fugger (1529–1597, D16), Antons ältester Sohn, übernahm nach dem Tod seines Vaters die Herrschaft und begründete die Nordendorfer Linie.
Georg Graf Fugger (1560–1634, C22) übernahm die Reichspflege 1597. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern zog er persönlich in das Donauwörther Fuggerhaus ein. Er war berüchtigt dafür, sich massiv und unnachgiebig in die Religionskonflikte zwischen den protestantischen Bürgern Donauwörths und den Katholiken einzumischen.
Nikolaus Fugger (1596–1676, C25) regierte die Pflege ab 1634 über die schwere Zeit des Dreißigjährigen Krieges hinweg. 1644 wurde die Reichspflege Wörth an Sebastian Fugger, Sohn des 1644 verstorbenen Otto Heinrich aus der Linie Mickhausen, abgegeben.
Wörth und Nordendorf waren nach dem 30-jährigen Krieg ein politisches und wirtschaftliches Trümmerfeld. Da die herrschende Linie um Nikolaus hochgradig bei anderen Familienzweigen verschuldet war, wurden die Herrschaftsrechte aufgeteilt.
Sebastian Fugger (1620-1677, I28) übernahm ab 1644 die reale administrative und wirtschaftliche Herrschaft über Wörth, weil er (bzw. das Erbe seines Vaters Otto Heinrich) die nötigen liquiden Mittel besaß, um die Herrschaften vor dem Zugriff fremder Gläubiger oder dem Ruin zu retten. Unter seiner Herrschaft wurde 1664 das Dorf Riedlingen aus der Reichspflege entlassen.
Sebastians Sohn Marquard Eustach Graf Fugger (1661–1732, I31) war der letzte Fugger-Herrscher über das Gebiet. Der Dreißigjährige Krieg und der darauffolgende aufwendige Wiederaufbau der verwüsteten Ländereien hatten die Linie Fugger-Nordendorf finanziell ruiniert. Graf Marquard Eustach Fugger stand unter immensem Druck seiner Gläubiger. Die Reichspflege war so tief verschuldet, dass der Familie kein anderer Ausweg blieb, als ihren Herrschaftsbesitz zu veräußern.
Aufgrund dieser erdrückenden Schulden musste er die Reichspflege im Jahr 1723 an die Stadt Donauwörth verkaufen, womit die Ära der Fugger dort endete. Der Kaufpreis betrug die gewaltige Summe von 183.194 Gulden. Damit endete nach 187 Jahren die Ära der Fugger in diesem Gebiet.
Die Stadt Donauwörth hatte sich mit diesem Kauf jedoch völlig übernommen. Die Verwaltung der Pflege und das Bedienen der übernommenen Schulden lasteten schwer auf der Stadtkasse.
Nur 16 Jahre später, im Jahr 1739, musste die Stadt die Notbremse ziehen. Sie verkaufte die Reichspflege an ihren mächtigen Landesherrn, den bayerischen Kurfürsten Karl Albrecht (den späteren Kaiser Karl VII. aus dem Hause Wittelsbach). Die Reichspflege war nun zwar in bayerischer Hand, blieb aber formal als eigenständiges, reichsunmittelbares Territorium des Schwäbischen Reichskreises bestehen.
Im Zuge der napoleonischen Neuordnung Europas (Reichsdeputationshauptschluss 1803 und Gründung des Rheinbundes 1806) verloren alle verbliebenen Zwergstaaten und Reichspflegen ihre Sonderrechte.
Die Reichspflege Wörth wurde komplett aufgelöst und als regulärer Verwaltungsbezirk vollständig in das neu geschaffene Königreich Bayern eingegliedert. Das Fuggerhaus in Donauwörth verlor seine Funktion als Pflege-Zentrum und wechselte in der Folgezeit mehrfach den Besitzer
C 5 Niederalfingen 1551-1836
Niederalfingen gehörte anfangs zum Stamm Nordendorf, kam ab 1676 an Babenhausen und 1724 an Mickhausen.
Die Burg Niederalfingen, auch bekannt als Marienburg, kam im Jahr 1551 in den Besitz der Familie Fugger. Anton Fugger (1493-1560, AC16) erwarb die Burg und die dazugehörige Herrschaft gemeinsam mit den Söhnen seines verstorbenen Bruders Raymund (1489-1535, AD16) für 250.000 Gulden von Hans Walter von Hürnheim.
Nach Antons Tod 1560 ging Niederalfingen im Rahmen einer großen Erbteilung an Antons ältesten Sohn Markus (1529-1597, D19). Dieser ließ zwischen 1571 und 1578 die mittelalterliche Festung durch den Augsburger Baumeister Veit Mauser zu einem repräsentativen Jagdschloss im Stil der Renaissance umgestalten.
Von Markus ging Niederalfingen 1597 an seinen Sohn Anton (1563-1616, D22) über, der den Ort 1616 an seinen Neffen Nikolaus (1596-1676, C25) vererbte.
Als mit Nikolaus 1676 die Markus-Linie im Mannesstamm ausstarb, fiel das Erbe an den Babenhauser Zweig. Sigmund Joseph Graf Fugger (1654–1696, V28) übernahm Niederalfingen 1676 und führte die Herrschaft bis zu seinem Tod im Jahr 1696. Es folgte sein Enkel Rupert Joseph Anton Graf Fugger (1683–1724, W31). Dieser herrschte von 1696 bis zu seinem Tod im Jahr 1724 über Babenhausen und Niederalfingen.
Nach Ruperts Tod im Jahr 1724 hinterließ er seinen minderjährigen Sohn Franz Carl (1712–1758, W34). Dessen Vormünder entschlossen sich aus wirtschaftlichen Gründen, die Herrschaft Niederalfingen zu verkaufen. Per Interim-Kauf-Rezess wurde die Herrschaft im April 1723/1725 für 108.000 Gulden innerhalb der Familie an Marquard Eustach (1661-1732, I31)1 von Mickhausen veräußert, womit dieser ab 1725 die Herrschaft antrat. Marquard hatte gerade 1723 die Reichspflege Wörth an die Stadt Donauwörth verkauft.
Marquard vererbte in direkter Linie den Ort 1732 an seinen Sohn Karl (1709-1784, I34), dem als Herrscher 1784 dessen Sohn Karl Anton (1776—1848, I37) folgte.
Die Familie blieb – mit einer kurzen Unterbrechung im Dreißigjährigen Krieg, als Herzog Friedrich von Württemberg den Fuggern als Anhängern des Kaisers und eifrigen Verfechtern der katholischen Sache für zwei Jahre (1632-34) Burg und Herrschaft entzogen hatte, – also über 280 Jahre lang – im Besitz der Fugger.
Nach dem wirtschaftlichen Niedergang des Handelshauses erhielt der Hauptgläubiger des Grafen Anton Fugger von Nordendorf, der Bankier Hirsch aus München, Niederalfingen 1836 zugesprochen. Dieser verkaufte 1838 Güter und Burg an den württembergischen Staat. Heute befindet sich die markante Burg im Eigentum des Landes Baden-Württemberg und wird als Bildungs- und Freizeitstätte genutzt.
- Marquard Eustach Graf Fugger von Möhren *(1661-1732, I31) war der Sohn von Graf Sebastian (1620-1677, I28), dem Sohn Ottheinrichs (1592-1644, I25), der 1676 für den Glötter Zweig die Herrschaft Nordendorf übernommen hatte und die jüngere Nordendorfer Linie begründete. ↩︎
C 6 Täfertingen 1581-1661
Im Jahr 1581 kaufte Markus Fugger (1529–1597, D16), der älteste Sohn von Anton Fugger, die vereinte Herrschaft Hirblingen-Täfertingen. Markus Fugger war zu dieser Zeit das Oberhaupt des Hauses Fugger und baute, ganz im Sinne seines Vaters, den territorialen Grundbesitz im Augsburger Umland massiv aus.
Täfertingen durchlief die gleiche Geschichte wir Nordendorf und kam nach Markus Tod 1597 an seinen Sohn Georg (1560-1634 C22). Nach dessen Tod ging es an Maximilian (1608-1669 D25), den Sohn seines Bruders Anton. Zuletzt sammelte sich der ganze Besitz beim zuletzt überlebenden Nikolaus (1596-1676 C25), Georgs eigenem Sohn.
Die Fugger-Herrschaft über den Ort währte jedoch weniger als ein Jahrhundert. Durch die massiven wirtschaftlichen Erschütterungen des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) und die anhaltenden Zahlungsausfälle der verschuldeten habsburgischen Krone gerieten auch die schwäbischen Seitenlinien der Familie in immense Bedrängnis.
Aufgrund dieser drückenden Überschuldung verloren die Fugger im Jahr 1661 die Herrschaft Hirblingen-Täfertingen wieder. Sie mussten das Gebiet verkaufen, um Gläubiger zu bedienen.
C 7 Meitingen 1585-1663
Im Jahr 1585 erwarb Markus Fugger (1529-1597, D19), auch Marx Fugger genannt, die Herrschaft Meitingen. Zuvor hatte er bereits 1560 Ländereien zwischen Donau und Lech erhalten und 1580 die benachbarte Herrschaft Nordendorf gekauft.
Das von Markus Fugger übernommene Meitinger Schloss, das auf ein 1520 erbautes „Neues Haus“ zurückging, wurde zwar von den Fuggern genutzt, das administrative Zentrum dieses Herrschaftskomplexes lag jedoch auf dem nahegelegenen Schloss Nordendorf.
Meitingen durchlief zunächst die gleiche Geschichte wir Nordendorf und kam nach Markus Tod 1597 an seinen Sohn Georg (1560-1634 C22). Nach dessen Tod ging es an Maximilian (1608-1669 D25), den Sohn seines Bruders Anton. Zuletzt sammelte sich der ganze Besitz beim zuletzt überlebenden Nikolaus (1596-1676 C25), Georgs eigenem Sohn.
Noch vor dem Aussterben der Linie mit Nikolaus Tod 1676 wurde Meitingen aber schon verkauft.
Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges und dem Niedergang der herrschenden Linie vor Ort trennte sich die Familie Fugger von dem Gut. Adolf Zobel, ein Augsburger Kaufmann, erwarb das Schloss und die dazugehörige Herrschaft im Jahr 1663 direkt von den Fuggern
Im Jahr 1704 wurde die Herrschaft schließlich für 31.000 Gulden an den Augsburger Ratsherrn Johann Bartholomäus von Schnurbein verkauft. Seine Familie behielt Meitingen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und errichtete dort das bis heute erhaltene barocke Schlossgebäude.


