Historie

C 2 Linie Oberndorf 1533-2011

C 2 Linie Oberndorf 1533-1597

Lageplan

Oberndorf wurde 1533 von Raymund Fugger (1489-1535, AD16) zusammen mit den dazugehörigen Dörfern Eggelstetten und Flein vom damaligen Marschall Wolf von Donnersberg erworben. Nach Raymunds Tod im Jahr 1535 übernahm sein Bruder Anton Fugger (1493-1580, AC16) die Herrschaft und ließ dort das markante Wasserschloss errichten.

Bei der großen Erbteilung 1575 kam Oberndorf zusammen mit Biberbach und Wörth an Markus (Marx) Graf Fugger von der Lilie, Herr zu Nordendorf , (* 14. Februar 1529 in Augsburg; † 18.04.1597 in Augsburg,  D19).

(Artikel zur Vorgeschichte; Fugger Nordendorf)

C 2 Linie Oberndorf 1597-1676

Die eigene Linie Oberndorf entstand erst 1597, als nach Markus Tod 1597 seine Söhne Georg, Anton, Philipp und Albrecht den Nordendorfer Komplex unter sich aufteilten. Durch diese Aufteilung entstanden im Lech-Donau-Winkel vier separate, nach den Hauptorten benannte Fugger-Linien, die jedoch im Laufe des 17. Jahrhunderts nach und nach im Mannesstamm wieder erloschen und letztlich im Jahr 1676 wieder an andere Fugger-Linien (Glött, Mickhausen und Wellenburg) zurückfielen.

Zur Linie Oberndorf gehörten die Ortschaften Oberndorf am Lech (Hauptort), Eggelstetten (gehörte zur Herrschaft Oberndorf), Niederalfingen (mit Schloss, heute zu Aalen, Baden-Württemberg) und Duttenstein (mit Schloss Duttenstein bei Dischingen, Baden-Württemberg).

Anton Graf Fugger zu Nordendorf und Oberndorf (*1. April 1563 ; †24. Juli 1616, D22), Georgs Bruder, war der Begründer der Linie Oberndorf-Nordendorf. Anton schloss 1591 mit Barbara Gräfin von Montfort eine für den schwäbischen Raum strategisch hochbedeutende Ehe, die ihm die Herrschaft über Oberndorf brachte. 1602 schloss er mit Elisabetha Fugger (1584-1636) eine 2. Ehe. Er war Kaiserlicher Rat, Kämmerer und Obersthofmeister der Kaiserin. Er leitete die Herrschaft während des verheerenden Dreißigjährigen Krieges. und prägte 1622 zusammen mit seinen Neffen Nikolaus (Linie Nordendorf) und Marquard (Linie Biberbach) die berühmten Nordendorfer Kipper-Münzen.

Georgs Sohn Franz Graf Fugger (*1612; †1664), war kaiserlicher Feldmarschallleutnant im Dreißigjährigen Krieg und bayerischer Statthalter von Ingolstadt.

Antons Sohn Maximilian Graf Fugger (1608-1669, D25) übernahm nach Eintritt der Volljährigkeit 1629 als ältester Sohn nach Antons Tod 1616 die Oberndorfer Linie. Er war kaiserlicher Kämmerer und heiratete am 15. Oktober 1635 Maria Franziska von Törring († 1650). Aus dieser Ehe stammte eine große Kinderschar, deren eigene Söhne aber alle vor ihm oder im selben Jahr wie er (1669) kinderlos verstarben. Mit Maximilians Tod im Jahr 1669 erlosch auch die Oberndorfer Linie im Mannesstamm endgültig.

C 2 Oberndorf in der Linie Glött, 1676-2011

Nach dem Erbfall 1676 erhielt Franz Ernst Graf Fugger, Herr zu Glött und Oberndorf (1648–1711, P31) die Herrrschaft über Oberndorf. Er zeichnete sich unter anderem als kaiserlicher Rat aus und sicherte die Herrschaftsrechte in den Wirren des Spanischen Erbfolgekriegs. Er gab Oberndorf weiter an Anton Ernst Graf Fugger von Glött (1681–1745, P34). Er regierte die Besitztümer in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Unter seiner Herrschaft wurden die stark verschuldeten Reste der Reichspflege Donauwörth, die traditionell mit diesem Güterkomplex verknüpft waren, im Jahr 1723/24 endgültig an die Stadt Donauwörth veräußert. Die eigentliche Hofmark Oberndorf blieb jedoch fest im Besitz der Fugger-Glött. Sie wurde als eigenständiges Obervogtamt weitergeführt und bildete eine wichtige wirtschaftliche Bastion für den Glötter Ast.

Sebastian Xaver (1715-1763, P37) wird der nächste Herr in Oberndorf. Er residiert auf dem Stammschloss in Glött.

Mit seinem Sohn Joseph Elegius (1749-1826, P40) endet 1803-1806 das Alte Reich und damit auch die Standesherrschaft. Der Staat wird mediatisiert und als Königreich Bayern 1806 neu gegründet. Joseph Elegius erhält als Entschädigung vom Königreich Bayern das in der Säkularisation an Bayern gefallene Deutschherrenschloss Blumenthal, wohin sich Joseph Elegius zurückzieht und 1826 auch stirbt.

Das Schloss Oberndorf

Die Geschichte von Schloss Oberndorf am Lech reicht weit vor die Zeit der Fugger zurück und ist eng mit dem alten bayerisch-schwäbischen Uradel verknüpft. Sie lässt sich historisch in drei große Epochen unterteilen.

Der Ursprung der Anlage liegt im Dunkeln des Hochmittelalters. Der Ort selbst wurde erstmals 1093 urkundlich erwähnt. Ab dem 12. Jahrhundert (nachweisbar ab ca. 1150) war die dortige mittelalterliche Burg der Stammsitz der Marschälle von Oberndorf. Diese einflussreiche Adelsfamilie stellte jahrhundertelang die Erbmarschälle und Ministeriale für die Bischöfe von Augsburg und besaß ab 1386 zusätzlich das angesehene Truchsessenamt. Im 15. Jahrhundert verlor das Geschlecht an Einfluss, und der Besitz wechselte im folgenden Jahrhundert mehrfach den Eigentümer (darunter an die Familie von Donnersberg). Das alte mittelalterliche Schloss entsprach schließlich nicht mehr den repräsentativen Ansprüchen der Zeit.

Die Wende zur Fugger-Ära begann mitten im wirtschaftlichen Zenit der Augsburger Kaufmannsfamilie: Raymund Fugger (1489-1535, AD16) aus der Linie Fugger von der Lilie kaufte die Herrschaft im Jahr 1533 von Wolf von Donnersberg. Da das alte Gebäude den Fuggern zu bescheiden war, ließ Raymunds weltberühmter Bruder, Anton Fugger der „Fürst der Kaufleute“ (1493-1580, AC16), die Reste abtragen. Er errichtete an der Stelle ein prachtvolles, von üppigen Wäldern umgebenes Wasserschloss im Renaissancestil. Die Anlage besaß vier Flügel, zierliche Giebel und Ecktürme, die architektonisch an den repräsentativen Stil der Stadt Augsburg angelehnt waren.

1575 ging in der großen Erbteilung die Herrschaft zunächst an Markus, Herr von Nordendorf (1529-1597, D19). 1597 fiel Oberndorf an seinen Sohn Anton d.J., 1563-1616, D22). Im Jahr 1601 wählte Anton Fugger der Jüngere das Wasserschloss zu seinem festen Wohn- und Regierungssitz und begründete damit die Linie Fugger-Oberndorf.

1616 fand der nächste Erbgang innerhalb der Familie statt. Antons Sohn Maximilian (1608-1669, D25) übernahm Oberndorf. Nach seinem Tod 1669 sammelten sich alle Nordendorf-Besitztümer bei seinem Bruder Nikolaus (1596-1676, C25), bis die Linie Nordendorf dann bei Nikolaus‘ Tod 1676 dann endgültig erlosch.

Bis dahin hatte auch die glanzvolle Epoche des vierflügeligen Renaissance-Wasserschlosses abrupt und gewaltsam geendet. Während des Dreißigjährigen Krieges marschierten im Jahr 1632 die schwedischen Truppen in der strategisch wichtigen Region zwischen Donau und Lech ein. Die Schweden nahmen im Schloss Quartier. Beim Abzug oder infolge von Kampfhandlungen wurde das gesamte Prachtschloss niedergebrannt und fast vollständig zerstört. Nur Fragmente der massiven Wirtschaftsgebäude überstanden das Feuer.

Nach dem Aussterben der Linie Nordendorf findet sich Schloss Oberndorf bei der Linie Fugger-Glött wieder. Franz Ernst (1648-1711, P31) hält eine verstreute Mischung von Herrschaften mit Oberndorf, Glött, Hilgartsberg und Stettenfels. Dieser Streubesitz wird nach seinem Tod 1711 – außer Stettenfels, was an seinen Sohn Ludwig Xaver (1688-1746, S34) ging – an dessen Bruder Anton Ernst (1681-1745, P34) übergeben.

Sebastian Xaver (1715-1763, P37) wird der nächste Herr der Burgruine. Er residiert auf dem Stammschloss in Glött.

Mit Joseph Elegius (1749-1826, P40) endet 1803-1806 das Alte Reich und damit auch die Standesherrschaft. Der Staat wurde mediatisiert und als Königreich Bayern 1806 neu gegründet. Joseph Elegius erhält als Entschädigung vom Königreich Bayern das in der Säkularisation an Bayern gefallene Deutschherrenschloss Blumenthal, wohin sich Joseph Elegius zurückzieht und 1826 auch stirbt.

Fast zwei Jahrhunderte lang blieb das einstige stolze Wasserschloss eine traurige Ruine, ehe das Areal im 19. Jahrhundert neues Leben eingehaucht bekam.

Nach der Mediatisierung im Jahr 1806, bei der die Fugger-Glött ihre Landeshoheit an das neue Königreich Bayern verloren, erlebte das Schloss Oberndorf im 19. und 20. Jahrhundert einen tiefgreifenden Wandel vom ruinösen Zustand zur modernen Residenz. Joseph Elegius erbaute um 1819 das Schloss als moderne, zweistöckige Zweiflügelanlage mit zwei markanten, dreistöckigen Rundtürmen im klassischen Stil völlig neu. Obwohl die Feudalrechte erloschen waren, blieb das Schloss im Privatbesitz der gräflichen Familie und entwickelte sich zu einem lebendigen landwirtschaftlichen und privaten Gutssitz.

Joseph Elegius‘ Sohn Karl Rasso (1789-1855, P43) übernahm Blumenthal (siehe dort) und sein Bruder Fidel Ferdinand (1795-1876, R43) bekam 1826 Oberndorf, Nordendorf und Hilgartsberg. Seine Ehefrau Marie Gräfin von Fugger-Glött war im ausgehenden 19. Jahrhundert als hochangesehene Pionierin der regionalen Bienenzucht bekannt.

1876 fiel Oberndorf im Erbwege an Fidels Sohn Ernst (1821-1885, R46) der zu dieser Zeit auch Herr von Kirchheim wurde. In der nächsten Generation trat Carl Ernst (1859-1940, R49) zusätzlich 1913 noch die Herrschaft von Glött an. Unter ihm wurde das Schloss Mitte der 1920er/1930er Jahre instandgehalten, obwohl er primär in Kirchheim residierte. Das Schloss Oberndorf blieb zunächst im Familienverband. Da sich der herrschaftliche Mittelpunkt der fürstlichen Linie jedoch endgültig nach Fuggerschloss Kirchheim verlagert hatte, stand das Gebäude in den darauffolgenden Jahrzehnten leer und entging der dauerhaften Nutzung durch die Familie.

Joseph-Ernst Fürst Fugger von Glött (1895-1981, R52) war eine bedeutende historische Figur (Mitbegründer der CSU, Bundestagsabgeordneter und Widerstandskämpfer des Kreisauer Kreises gegen das NS-Regime). Er übernahm nach seinem Landwirtschaftsstudium direkt die persönliche Leitung des landwirtschaftlichen Betriebs in Oberndorf.

Im späten 20. Jahrhundert trennte sich die Familie Fugger schließlich endgültig von der Schlossimmobilie. Nach dem Verkauf stand das Schloss längere Zeit ungenutzt leer, wurde jedoch Mitte der 1980er und 1990er Jahre umfassend und denkmalgerecht renoviert. Seit dem Jahr 2011 befindet sich das Schloss Oberndorf im Eigentum der Familie Palczynski. Die heutigen Besitzer haben das geschichtsträchtige Anwesen zu einer exklusiven Event- und Hochzeitslocation umgewandelt. Teile des Ostflügels (wie der imposante St.-Georg-Saal und der historische Marstall) sowie der Innenhof können heute für private Feierlichkeiten gemietet werden.

Es präsentiert sich heute in hervorragendem Zustand. Die historischen Räumlichkeiten und der Schlosshof können exklusiv für private Feiern, Hochzeiten und Business-Events angemietet werden. Ein öffentlicher, regulärer Museumsbetrieb findet nicht statt. Das Schloss ist hermetisch eingefriedet und lässt von außen kaum einen Blick auf das Gebäude zu.

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