Denkmalschutz,  Handel,  Handwerk

Hauptstraße 10 – Das Krautheim-Haus

Lageplan

Zweigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, Fassade mit Fensterkeilsteinen, erbaut 1716 an Stelle eines Vorgängerbaus von vor 1465, Ladeneinbau 1917 (jetzt im Heimatmuseum), Sanierung 1985-88

Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar. 1465 beginnt die Steuerliste mit Hans Wech. 1496 treffen wir auf Paulin Knapp, Cornrad Wech und Hannsn Wähen Erbn. Zumindest Paul Knapp und seine Famile sind bis 1578 hier ansässig, Wie damals üblich, teilt sich die Familie mit anderen Steuerpflichtigen das Haus. Hier ist ein häufiger Wechsel vorprogrammiert. Bei Interesse können die Mitbewohner dem unten angeführten Datenblatt entnommen werden. Ab 1508 wird der Eigentümer Paule Knapp genannt, das könnte ein Anzeichen auf einen gleichnamigen Sohn sein. Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor.

1548 setzt sich die Reihe mit Erasmus Knapp fort, der ab 1556 als Bürgermeister genannt wird. 1578 erscheint Lenhard Bonnenmayer; ihm gehörte vorher das Gebäude An der Mauer 5. 1604 heißt der Eigentümer Hans Jacob Pernet, dessen Anwesen 1614 beschrieben wird Behausung und Stadel, Wert 1200 fl. 1623 kommt Bonifazius Höflin; Wert 930 fl, bevor 1626 Hans Schmid, Metzger, Behausung und Stadel kauft; Wert 875 fl. Nach 1630 sind Hans Schmid Rubelers Kinder die Erben.

Eine Hungersnot im Jahr 1634, eine Pestepidemie 1635 und ein Hochwasser um 1636 führte im Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen im Rahmen des 30-jährigen Krieges in unserem Gebiet zu großen Zerstörungen und zu Armut. Insgesamt konnten 32 Haushalte ihren finanziellen Verpflichtungen mehr nachkommen und kamen in die Gant (Privatinsolvenz mit Versteigerung). In zwei großen Gantprozessen am 06.08.1637 und am 21.07.1639 wurde das Eigentum liquidiert, so auch dieses Haus.

Die Daten der beiden nächsten Eigentumsübergänge sind nicht vermerkt, aber auf jeden Fall nach der Gant von 1639. Es sind Stoffel Albrecht, Müller, Wert 600 fl und Hans Stegelin, Behausung und Stadel gestr., Wert 750 fl. Nachdem die Gebäudebeschreibung gestrichen wurde kann angenommen werden, dass das Haus zu dieser Zeit in einem schlechten Zustand war. Darauf deutet auch der deutlich sinkende Wertansatz des Gebäudes hin. Zur gleichen Zeit wurde Hans Stegele auch das Grundstück Hauptstr. 13 (Hasen), vorher Hans Miller, zugeschrieben. Es konnte nicht geklärt werden, warum und wie Hans Stegele in den Besitz dieser beiden Grundstücke kam. 1651 wird Hans Spegele, Bräu, mit Behausung und Stadel, Wert 320 fl, immer noch genannt, obwohl ihm zu dieser Zeit der Gasthof Hasen, Hauptstr. 13, nicht mehr gehörte.

1660 haben wir es mit Hans Schmidt, Seiler; Wert 650 fl, zu tun. Hans Schmidt gehört ab 1674 auch das Haus Kirchplatz 7. 1682 wird Johann Schmidt als Bürgermeister genannt. Frau Bürgermeisterin Schmidt (auch KP07) hat 1684 den Stadel hinter HS04 (Hahnengässchen 2) für 200 fl erworben. 1692 kaufte Georg Klotz den Stadel, seitdem gehörte er fortan zur Hs.Nr. 144, (AM03). 1691 steht Hans Schmidt, Seiler, wohl Sohn des Vorigen, Wert 750 fl, im Steuerverzeichnis. Es folgt der Zusatz Gnad Bürgermaisterin Agnes Schmidin.

Neubau 1716

1716 wird bei Hans Jörg Schmidt, Wachsspinner; Wert 800 fl, ein Zuschlag von 100 fl ‚wegen dem neuen Bau‘ erhoben. Am 16.08.1734 verkauft Hans Jörg Schmid, Bürger und Wachsspinner, an H. Antoni Roth des inneren Rats, seine eigene Behausung und Stadel zw. Mathias Widenmann und dem Gemeindgäßchen, auch dem sogenannten Fuggerschen Pfleghaus gelegen in der Stadt um 2250 fl. Anton Roth war vorher auf dem Gasthof Ochsen, Günzburger Str. 2 ansässig und übergab diesen um 1729 an seinen Sohn Joseph Roth. Anton Roth stirbt am 18.06.1744. Ursula Roth (wahrscheinlich Witwe des A. Roth) übernimmt das Anwesen im Wert von 1025 fl. In den 1760er-Jahren kauft Lorenz Würth das Gebäude. Er könnte ein Sohn des Joseph Würth [HS18] oder des Leonhard Würth [HS02] sein.Würth wurde am 17.03.1770 freiwillig Soldat, nach seinem Fortzug meldeten sich Gläubiger mit Forderungen von 419 fl. Seine Frau gab die Gesamtschulden mit 2140 fl an! Leonhard Würth, ledig, Sohn des Lorenz Würth, zog nach Oberkirchberg und starb dort 30.04.1795. Lorenz Wirths Witwe blieb noch bis zu ihrem Tod auf diesem Haus.

Am 10.12.1784 kaufte Johann Krez, Sonnenwirt (HS12), das Anwesen. Er verkaufte es am 20.10.1791 weiter an Johann Dreyer von Oberhausen. Nach dessen Tod kauft Johann Anton Schmidt das Haus für 700 fl, Profession wird dermalen nicht getrieben. Nach Witwe Veronika Dreyers Tod am 12.03.1799 wird das Erbe aufgeteilt. Josef Anton Schmid, Handelsmann und Wachszieher, (vermutl. Sohn des Vorigen) übernimmt am 06.12.1824 das Haus. Am 12.05.1829 wird Anton Krez, Lebzelter und Wachszieher, durch Heirat neuer Eigentümer. 1831 werden H: Andelbois, geinszirter Oberleutnant und H: Bauer, Practicant, als Mitbewohner genannt.

Michael Boneberger, Handelsmann aus Mindelheim, kauft das Anwesen des Schnittwarenhändlers Anton Kretz von Weissenhorn am 20.09.1839 für 8000 fl. Verbunden ist der Kauf mit dem Antrag auf Konzession zur Spezereiwaren-, Schnittwaren- und Eisenwarenhandlung. Der Magistrat lehnt diesen Antrag ab, da es innerhalb der Stadt keiner weiteren solchen Handlung bedürfe und der Nahrungsstand der bestehenden Händler hierdurch gefährdet würde. Auf den Widerspruch des Boneberger hin entscheidet die Regierung, dass eine Konzession für Spezereiwaren nicht erteilt werden könne, da schon 15 derartige Händler in der Stadt seien. Wegen des überörtlichen Absatzes an Schnitt- und Eisenwaren sei jedoch diese Konzession zu erteilen.

Am 17.04.1848 geht das Haus an Mathias Kircher, Handelsmann, von Ichenhausen. Der Kaufmann Mathias Kircher kaufte um 1863 vom Sonnenwirt Xaver Bachthaler dessen Gaststallung hinter seinem Hause und möchte dort einen Viehstall mit Stadel und Remise errichten. Die Zufahrt möchte er von der Sonnengasse aus nehmen, da ihm die Institutsgasse zu schmal ist.

Um 1882 steht Alois Kircher, Kaufmann, als Eigentümer im Einwohnerverzeichnis. Der nächste Eigentumsübergang an Moritz ist datumsmäßig nicht dokumentiert. Moritz Mayer wird erstmals 1889 erwähnt, als er den Stadel Institutsgasse 1 in ein Wohnhaus umbaut. 1894 erneuert er einen Kamin am Hauptgebäude. 1907 baut er eine neue Abortanlage ein und 1910 erneuert er einen weitere Kamin.

1917 verkauft Josef Krautheim, Seiler, sein Anwesen in der Martin-Kuen-Str. 1 und verlegt sein Geschäft in die Hauptstraße. Die damals angefertigte Ladeneinrichtung befindet sich jetzt im Heimatmuseum. Zur Seilerei gehörte auch die Reeperbahn, welche sich zwischen Herzog-Ludwig-Str. und Herzog-Georg-Str. befand, jetzt Von-Rechberg-Str.

1922 firmiert Anna Krautheim, Kolonialwaren, als Händlerin im Laden. Die Seilerei wird weiter von Josef Krautheim betrieben.

1968 gerät die Seilerei Krautheim in finanzielle Schwierigkeiten, so dass ein Zwangsversteigerungsverfahren angestrengt wird. Das Verfahren konnte zwar abgewendet werden solche Zwangsversteigerungsverfahren wurden aber noch mehrfach 1969, 1971, und 1973 angestrengt. 1985 wurden die Liegenschaften dann aufgegeben und verkauft. Die Reeperbahn in der Von-Rechberg-Str. wurde abgebrochen, das Grundstück zu Wohnbauflächen umgewidmet.

Auch für das Haus in der Hauptstraße fand sich ein Interessent, der es fachgerecht sanierte. Im Obergeschoss wurde nach der Sanierung 1988 eine Zahnarztpraxis eingerichtet und im EG war zuerst ein Kosmetikgeschäft mit Fußpflege und Solarium. Es folgte die Boutique ‚Balance‘ (vorher in HS26). Diese blieb bis zur Geschäftsaufgabe 2026. Jetzt wird ein Schlaflabor in den Räumen betrieben.

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