Handwerk,  Wohnhäuser

Hauptstraße 6

Lageplan

Zweigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, 1856 an Stelle eines Vorgängerbaus von 1503 und weiterem Vorgänger von vor 1465 errichtet; ab 1963 mehrfach modern verändert

Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar. 1465 findet sich ein Urich Hainlin im Steuerbuch, 1480 Ulrich Häfele genannt. 1492 sind Hanns Miller Seckl (Säckler) und Jacob Miller hier ansässig. 1495 kommt Hanns Mair Peckh (Bäcker) hinzu, vorher auf An der Mauer 9, wechselt 1499 auf Hauptstr. 16, 1502 ins Pfründhaus und 1505 wieder hierher auf Hauptstr. 6

1499 ist niemand hier mehr gemeldet, das Grundstück war wohl ungenutzt. Die Neubebauung des Grundstücks, besonders die Eigentumsverhältnisse, sind nicht eindeutig zu klären. Im Zinsbuch 1507 und im Salbuch 1516 sind Alexi Seitz und Diepold Schwarz gemeinsam als Steuerpflichtige dieses Grundstücks genannt. Für beide ist dies jedoch Zweitbesitz; Alexi Seitz wohnt auf Hauptplatz xx und Diepold Schwarz auf Hauptstr. 3. Es ist nicht bekannt, wann und auf welche Weise beide zu dem Eigentum kamen, durch Kauf oder Erbschaft? Auch ist nicht zu klären, wer als Bauherr des Neubaus fungierte. Ulrich Mayr und der Bäcker Hans Mayr könnten das Haus auf dem Grundstück Seitz/Schwartz quasi in Erbpacht errichtet haben. Möglich wäre auch ein Bau durch Seitz/Schwartz, wonach Mayr nur steuerpflichtiger Mieter gewesen wäre. Grundsätzlich wäre aber auch möglich, Mayr dem benachbarten Haus Hauptstr. 4 als weitere Eigentümer neben Albrecht zuzuordnen, somit hätten Seitz/Schwartz das Haus alleine gebaut und vermietet. Da die ‚Erbbaurechtstheorie‘ plausibel erscheint, wird diese nachfolgend dargestellt.

Neubau 1503

Demnach entstand 1503 durch Ulrich Mayr ein Neubau. 1505 erscheint wieder Hans Mair Peckh (vorher PF) und Schaidacher (ist nit Bürg), d.h., er hat hier keine Bürgerrechte. 1507 können Allex Seitz und Dreppold Swarz zugeordnet werden, 150 wieder Hans Mair Peckh und Schaidacher sein Jung. 1511 wieder Hanns Mayr und 1516 Diepolt Swarz und Lexi Seytzen Gemain Haus.

Da für die Jahre 1518-1548 keine Aufzeichnungen vorliegen, ist auch nicht zu klären, wann Seitz/Schwartz das Eigentum an dem Haus aufgaben und an wen es verkauft wurde. 1548 setz sich die Eigentümerreihe mit Jeri Wechs fort. 1551 erscheint Veitt Albrecht (nach B 304 bereits 1548), 1553 mit dem Zusatz „mer von seines Bruders acker han[s] mayer wagner 2 fl 18 kr 7 h“ Es ist nicht klar, ob es sich bei Hans Mayer (trotz des anderen Familiennamens) um den Bruder von Veit Albrecht als Miteigentümer handelt, oder ob Hans Wagner ein anderer Gebäudeeigentümer ist. Hans [Mair] Wagner erscheint jedenfalls ab 1556 als Eigentümer von Hauptstr. 4.

Ab 1567 geht es etwas geordneter vor: 1567 haben wir Melcher Braun (auch Eigentümer von Hauptstr. 18), 1578 Maister Baltus Miller in Altenstaig vor Ulm und 1581 Berlan Oschwald und Hans Fürst. 1587 ist Hans Fürsts Witwe genannt und ab 1594 Berlan Oschwald alleine. 1595 kommt Hans Ludwig Moller (vorher Miteigentümer von KP08) hinzu und ab 1604 ist Hans Ludwig Moller alleine Eigentümer. 1610 ist es seine Witwe.

1614 steht im großen Hausbeschrieb Hans Höckh; Behausung, Nebenhaus, Stadel und Hofraithen, Wert 939 fl. 1617 steht Anna Höckh im Buch und 1620 Hans Höckh (ein Sohn?), dann Anton Klotz.

1623 steht Anton Klotz, mit Behausung, Nebenhaus, Stadel und Hofraiten, Wert 1100 fl, vollständig im Steuerbuch. Die hintere Behausung (An der Mauer 3) wurde für 263 fl an Johann Schmidt zugeschrieben. 1632 erwirbt Anton Klotz das Grundstück AM03 zu seinem Anwesen für 300 fl zurück. 1660 besitzt Anton Klotz‘ Witwe Ursula das Haus, Wert 700 fl für das Haus und 150 fl für das Hinterhaus AM03. Ursula Klotz wechselt 1674 auf das Hinterhaus AM03 und überlässt ihrem Sohn Christoph das Haus Hauptstr. 6. Sie stirbt 1683. Christoph Klotz lebt in diesem Haus bis 1706

Christoph Klotz‘ Witwe Anna gibt 1706 das Haus an ihren Schwiegersohn Marx Schmidt, Metzger; Wert 800 fl. Dieser stirbt, seineWitwe Anna wird 1729 Eigentümerin. Am 21.01.1763 übergibt Anna Schmidt ihrer Tochter, der Stadtwirtin Johanna Beyhl, ihr Haus und ihre Grundstücke und erhält dafür Kost und Logis. Die Stadtwirtschaft muss in größeren finanziellen Problemen gesteckt sein. Mit dem Verkauf des Hauses Hauptstr. 6 sollen die Schulden getilgt werden. 1765 wird der Engelwirt Andreas Mayer als Trager (Bevollmächtigter) eingesetzt. Dieser verkauft am 13.11.1765 an Samson Salomon und Leopold David, sog. ‚Schutzjuden‘1. Am 20.11.1765 geht das Haus an den Metzger Anton Keuffel. Am 26.11.1765 erstellt Lorenz Schuster ein Verzeichnis, was er von den ‚Juden‘ erhalten und was er zum Begleichen der Schulden wieder ausgegeben hat. 4079 fl Einnahmen stehen 4080 fl Ausgaben gegenüber. Die Posten gleichen sich aus. Somit werden die Schulden am 05.02.1766 liquidiert. so wird Anton Keuffel 1773 freier Eigentümer, Wert 500 fl; Profession deren 8 seien 300 fl.

Am 25.01.1783 wird Josef Geiger, Müller, neuer Eigentümer. Dieser gibt das Haus weiter an seinen Sohn Joseph Geiger, Kürschner; 26 Jahre alt, mit Ehefrau Katharina und Söhnen Gregory und Josef, geb. März 1788 (?). Am 02.11.1798 wird Ignaz Geiger Eigentümer.

1819 stehen Anton Berchtold und Magdalena Weißenhorn, Pfründnerin (seine Schwiegermutter), im Einwohnerverzeichnis. 1824 nur Anton Berchtold, Säcklermeister, und 1833 zusätzlich Josef Berchtold, Säcklermeister. Auch 1833 wird der Stadel im rückwärtigen Teil des Grundstücks, angebaut an das Gebäude An der Mauer 3, erhöht, was zu Differenzen mit dessen Eigentümerin führte. Als Kompromiss wurde das Dach des Stadels anders geführt, um die Belichtung des Nachbarn sicherzustellen. Der alte Dachstuhl wurde um 5 Fuß (1,45 m) höher gesetzt.

Am 01.12.1842 übergibt Anton Berchtolds Witwe das Haus an den Sohn ihres Bruders, Anton Weißenhorn, Säckler.

Neubau 1856

1856 erwirbt der Goldarbeiter Nikolaus Kurz von seinem Schwager Anton Weißenhorn dessen Wohnhaus HS06 und möchte dieses grundlegend umbauen (Hauptreparatur). Außerdem möchte er den Stall nach Süden bis zum Nachbargebäude vergrößern. Nach dem Plan kommt diese Hauptreparatur einem Neubau gleich. Es ist nicht anzunehmen, dass der Erker gebaut worden ist. Es sind keinerlei Bildbelege hierfür zu finden. Stattdessen wurde eine mittige Haustüre eingebaut, die auch noch auf einem Foto von 1895 zu sehen ist.

Am 08.04.1859 wird Nikolaus Kurz endgültig Eigentümer. 1886 wird ein neuer Kamin erbaut und 1893 die Werkstatt vergrößert. 1900 wird eine eiserner Zaun hergestellt. Das Unternehmen läuft gut. 1903 kaufen die Brüder Kurz an der Bahnhofstraße ein Grundstück und erbauen dort eine Goldwarenfabrik. In dieser wird 1909 der Betrieb aufgenommen. Das Haus in der Hauptstr. wird weiter als Wohnhaus genutzt. Vor 1910 wird die Haustüre an die Seite verlegt.

1935 gerät die Firma als Spätfolge der Weltwirtschaftskrise in Konkurs und muss liquidiert werden. Das Wohnhaus in der Hauptstr. wird vom Nachbarn, dem Bäcker Vitus Brechtenbreiter gekauft.

Um 1963 übergibt Brechtenbreiter das Haus an seinen Schwiegersohn Max Baur, Verwaltungsbeamter, der ab 1965 1. Bürgermeister der Stadt Weißenhorn wird. Nach der Übergabe wird das Haus modernisiert, erhält neue Fenster und verliert sämtliche architektonischen Gliederungselement durch einen glatten Verputz.

Ende der 1990er-Jahre werden bei einem Neuanstrich zumindest leichte Fensterumrahmungen mit Zierelementen aufgemalt.

  1. Schutzjuden waren jüdische Personen in der Frühen Neuzeit und bis ins 19. Jahrhundert, die gegen die Zahlung eines speziellen Schutzgeldes einen kaiserlichen oder landesherrlichen Schutzbrief besaßen. Dieser Brief garantierte ihnen ein befristetes Recht auf Wohnsitz, Handel und Religionsausübung in einem bestimmten Herrschaftsgebiet. ↩︎

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