Denkmalschutz,  Handwerk,  Wohnhäuser

Hauptstraße 4

Lageplan

Das jetzige Haus wurde um 1660 an Stelle eines Vorgängerbaus von vor 1465 errichtet. Seit 1706 wird es als Bäckerei genutzt.

Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar. 146 werden als erste Eigentümer Hans Aulbrecht und Jacob Hegel erwähnt. 1480 ist es Peter Albrecht 1496 Peter Albrechts Wittib, Conrad Wintzerlin, Hanns Ulin, Jacob Jäckl und Agatha Millerin. 1499 stehen Elßbeth Albrecht, Enderlin Albrecht und Conrad Wintzerlin im Steuerbuch; Hans Ulin baut auf An der Mauer 9 ein neues Haus. Die Anzahl der Eigentümer wechselt, aber immer ist die Familie Albrecht der Haupteigentümer.

Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor, aber 1548 steht immer noch Endris Albrechts Witwe als Eigentümerin fest. Das ändert sich danach, bis 1578 haben wir fünf Eigentümerwechsel. 1578 wird das Haus von Axel Schmidt gekauft, dem damals schon die Gebäude KP08, HS04, HS 06 und HS08 gehören.

1587 wird das Haus an Jörg und Michel Bader, Metzger, verkauft, 1594 an Marx Hirlinger (vorher Hasengasse 1). 1614 wird das Haus im großen Immobilienbeschrieb als Behausung, Stadel und Hofraithen, Wert 475 fl beschrieben. 1623 bezieht Christian Stuber, Obervogt zu Edelstetten, das Gebäude. 1636 werden die Erben Eigentümer, sie verkaufen das Gebäude an Hans Paulus, Rittmeister; zum Wert von 425 fl, der 1648 als Eigentümer im Buch steht. Nach 1650 gehört Hans Strölin, Messerschmied, Behausung, Stadel und Hofraiten.

Neubau 1660

1660 wird der Hauswert von 425 fl auf 550 fl erhöht, was auf einen Neubau schließen lässt. 1676 ist Christoph Strölin als Eigentümer genannt. 1678 ist der Metzger Michael Miller verzeichnet, 1684 Melchior Müller, Nagelschmied, mit einem Wertabschlag von 600 auf 415 fl. Frau Bürgermeisterin Schmidt (KP07) hatte den Stadel für 200 fl erworben, daher Wertabschlag auf 415 fl. 1692 kaufte Georg Klotz den Stadel, seitdem gehörte er fortan zur Hs.Nr. 144, (AM03).

Mit Barthelme Schneider, Bäcker (vorher Wettbach B), zieht erstmals ein Bäcker hier ein, es ist aber noch keine Bäckergerechtigkeit vermerkt. Am 31.03.1757 kommt Ignati Maisch (ohne Berufsbezeichnung), Wert 440 fl. 1773 wird Ignaz Maysch, Bäcker, mit Behausung, Hofraiten und Bäckergerechtigkeit erwähnt, Wert 300 fl, Profession 300 fl. Wahrscheinlich wurde die Bäckergerechtigkeit vom Nachbarhaus Hauptstr. 2 hierher übertragen.

Am 09.05.1780 geht das Haus an Moritz Bolkart, der 1786 im Einwohnerverzeichnis Bolckhardt geschrieben wird, Bäcker, 39 Jahre, mit Ehefrau Eleonora und Sohn Nicolaus, sowie Schwiegermutter Marian Maysch. Bolkart hat also dei tochter des Ignaz Maysch geheiratet. 1833 haben wir Annamaria Burkart (oder Bolkart?).

Am 13.04.1833 wird Leonhard Harder, Bäcker, Eigentümer durch Ehevertrag. Wieder also blieb das Haus in der Familie. Der Bäcker Leonhard Harder baut 1833 östlich an sein Haus eine Holzlege an. Nach Widerspruch der Nachbarin Witwe Ott erklärt er sich bereit, die Kosten für die Versetzung eines ihrer Fenster zu übernehmen, damit sie genug Licht in ihren Räumen behält. Genehmigung durch das LG Roggenburg am 17.11.1833.

Der Bäcker Harder überbaute den Hofraum 1845 massiv mit zwei Stockwerken, um dort seine Viehställe unterzubringen. Der Nachbar Nußer im Osten erhob Einspruch, weil ihm hierdurch seine Fenster verbaut werden. Harder änderte den Plan daraufhin ab und ließ einen freien Raum zur Belichtung des nachbarl. Stalles. Die Baugenehmigung erfolgte am 30.03.1845. Am 14.07.1870 gingen Haus und Bäckerei an den gleichnamigen Sohn Leonhard Harder über.

Mit Georg Markthaler, Bäcker, und Ehefrau Franziska, geb. Berchtold, ging die Bäckerei am 24.04.1873 dann doch in fremde Hände. Noch einmal wechselten die Eigentümer am 07.05.1894 auf Vitus Brechtenbreiter, Bäcker, und Ehefrau Viktoria, geb. Sailer. Vitus starb schon im folgenden Jahr, seine Witwe Viktoria erbte die Bäckerei am 03.10.1895 und heiratete am 23.11.1895 den Bruder Josef ihres Mannes. Gemeinsam führten sie die Bäckerei fort.

Im Zeitraum zwischen 1900 und 1920 wurde der 1845 errichtete Zwischenbau entweder durch einen Neubau ersetzt oder so umgebaut, dass zum Hahnengässchen eine geschlossene zweigeschossige Front entstand. 1901 wurde der Abort erneuert und1912 ein Kamin.

1931 ist wieder ein Vitus Brechtenbreiter auf der Bäckerei ansässig, entweder der Sohn oder Stiefsohn des Josef Brechtenbreiter. Um diese Zeit wurde das holzumrahmte Schaufenster durch ein großes Einscheibenschaufenster ersetzt. Um 1940 wurde die Ladeneingangstüre versetzt. 1953 wurde das Schaufenster erweitert und 1957 die WC-Anlage erneuert.

1963 wurde das Wohn- und Geschäftshaus wieder umgebaut. Es entstand ein großes Schaufensterelement mit Fliesensockel, die Fenster wurden zusammengefasst und die Fassadengliederung entfernt. 1965 kam ein neuer Backofen hinzu.

1977 wurde die Scheune abgebrochen und ein Neubau auf der Ostseite angefügt. Die Bäckerei wurde neu eingerichtet. Der Neubau erhielt einen Zugang von An der Mauer und bekam die Bezeichnung Hahnengäßchen 2.

Die Werbeanlage wurde 1979 erneuert und durch eine Werbung ‚Eduscho‘ ergänzt. 1983 wurde die Werbung wiederum erneuert.

1999 wurde der Verkaufsbereich der Bäckerei vergrößert und erneuert. Hierbei wurden die Schaufenster der Fassade angepasst und die Rustika im EG wieder angebracht. Noch einmal kam eine neue Werbung an das Gebäude.

2013 wurde die Bäckerei aufgegeben. Die Verkaufsfläche wurde an den Bäcker Stetter aus Pfaffenhopfen verpachtet und die Werbeanlage angepasst.

2013 verlegte die Bäckerei Stetter ihre Verkaufsstätte in die gegenüberliegende Hauptstr. 1. Es folgte eine kleine italienische Pizzeria ‚Isola dei sapori‘, dann folgte ein Döner-Verkauf mit der Bezeichnung ‚Wizzenhorn‘ und danach ein weiterer Döner-Laden als ‚Original Berliner Döner‘. Die Werbeanlage wurde immer mehr oder weniger passend abgeändert.

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