Denkmalschutz,  landwirtschaftl. Gebäude,  Wohnhäuser

Hauptstraße 16

Lageplan

Das letzte Ackerbürgerhaus in Weißenhorn, was in seiner Struktur noch erkenntlich ist. Mustergültig saniert!

Das Grundstück besteht heute aus zwei Teilen. Der östliche Teil ist unter Hasengasse 1 behandelt.

Eigentümer vor 1465 sind archivalisch nicht feststellbar. 1465 beginnt die Aufzeichnung mit dem Namen Holl (Vorname nicht genannt). 1475 ist es Veit Thoma (vorher Jörg Seitz), später auf Kirchplatz 8. 1480 haben wir Georg Holl, 1492 Leonard Ziegler (vorher auf Wettbach 15) und ab 1499 wieder Veit Thoman (zurück von Kirchplatz 8) und Hans Mair (vorher Hauptstr. 6).

Aus dem Jahr 1500 haben wir sogar eine Urkunde (U 147) Kaufbrief des Spital a. d. Liebfrauenpfleg um Gilt an verschiedenen Anwesen in Weißenhorn, u.a. Veyten Thomans Haus und Hofraiten am kleinen Ort zwischen Hans Deckher sel. und Claus Seitz.

1502 geht die Reihe weiter mit Veyt Thoman, Hans Bair wechselt ins Pfründhaus. 1505 kommen Veit Thoman und Michel Decker, 1509 Veit Thoman und Claus Peckh, 1511 Veit Doma und Claus Miller Beck und 1515 Veit (hier Ulian geschrieben) Domas Witwe und Claus Miller Beck. Für die Jahre 1518-1548 liegen keine Aufzeichnungen vor.

1548 ist Claus Miller, Bäcker, als Eigentümer genannt, der Vorgänger war Adam Vest. 1551 folgt Claus Millers Witwe und ab 1553 wird der gleichnamige Sohn Claus Miller auch aufgeführt. 1567 gehört ihm das Haus alleine.

1581 finden wir Peter Haberes. Vermutlich wurde zu diesem Zeitpunkt der hintere Teil des Grundstücks (Hasengasse 1) abgeteilt und separat mit einem Wohnhaus bebaut. Die Steuerlast geht von 2 fl 23 auf 1 fl 44 zurück. 1601 ist Jörg Rympf (Zwischeneigentümer aus der Verwandtschaft?) eingetragen und ab 1607 wieder die Familie Haberes, zunächst Hans Haberes. 1610 folgt Andreas Haberes, dessen Eigentum 1614 mit Behausung und Stadel; Wert 700 fl, beschrieben ist. 1636 kommt wieder ein Petzer Haberes, der Wert ist nur noch mit 375 fl angegeben. 1660 steht Peter Habres mit einem Wert von 450 fl im Buch; er hat 1660 auch die östl. gelegene Hofstatt Hasengasse 1 dazu erworben, die mit 60 fl Wert veranschlagt wird.

Neubau 1673

1673 wurde das Haus vermutlich neu gebaut, wir finden die Jahreszahl am südöstlichen Eckstiel. 1682 übernimmt Andreas Habereß (MM39) das Haus seines Vaters Peter Habereß, in der Hauptstraße. 1687 wird Andreas Habers Bürgermeister. Der Wert des Hauses wird von 400 fl auf 750 fl heraufgesetzt, was einen Neubau bestätigt. Andreas Haberes stirbt noch 1687, das Erbe wird aufgeteilt. Die Witwe Ursula Haberes erbt das Anwesen, Wertansatz 890 fl. In der Verlassenschaft heißt es Behausung und Stadel so auch Hausrecht hat, alles neuerbaut.1

Nach 1710 erscheint Lorenz Miller, Metzger. Dieser verschuldete sich hoch. Über die Schulden des Lorenz Miller laufen ab 1753 Klagen. Der Prozess zieht sich über mehrere Jahre bis 1761 und endet mit dem Verkauf des Gebäudes.

Am 31.10.1760 erwirbt Josef Styx, Amtsbürgermeister, das Anwesen. Michael Koller wird am 15.10.1768 der nächste Eigentümer. 1773 wird er Michael Kohler geschrieben; Wert 720 fl, Profession 200 fl.

Mit Lukas Reisler, Seifensieder, beginnt am 14.03.1774 die lange Familienreihe der Reißler. Am 13.04.1804 wird Xaver Reisler, Seifensieder, Behausung und Stadel, so auch Hausrecht hat, neuer Eigentümer. Der Seifensieder Xaver Reisler erhöht 1835 das bis dahin eingeschossige Ökonomiegebäude um ein Stockwerk.

Xaver Reisler übergibt am 03.02.1841 an seinen Sohn Joh. Nepomuk Reisler, Seifensieder. Der Seifensieder Joh. Nep. Reißler bricht 1849 den alten Stadel in der Hasengasse ab und baut an dieser Stelle einen neuen Stadel. Der alte war aus Fachwerk und mit Stroh gedeckt, der neue Stadel soll gemauert und mit Platten eingedeckt werden. Die Baukommission reklamiert die 12,5 m² Raum zwischen den beiden Stadeln des Reißlers als städtischen Grund, stellt aber eine Überlassung in Aussicht. Reißler erklärt sich bereit, hierfür eine Entschädigung zu zahlen. Die Hypothekenschätzer beziffern den Wert auf 3 fl. Die Nachbarin des Anwesens Hauptstr. 20, die Bräumeisters-Witwe Maria Anna Mayr, erhebt Einspruch gegen den Verkauf der Traufgasse. Vor allem führt sie an, im Brandfalle könne ohne diese Gasse keine Hilfe zu ihrem Nebengebäude kommen. Der Bauplan wird deswegen erneut der Baukommission vorgelegt. Diese hält den Bau weiterhin für problemlos und verweist die Entscheidung an den Magistrat. Der Magistrat weist den Protest der Fr. Mayr zurück. Durch den neuen massiven Bau des Reißler werde die Feuergefährlichkeit gegenüber dem alten Stadel verringert. Frau Mayr verzichtet auf einen Widerspruch.

1858 möchte der Seifensieder Nepomuk Reißler das Dach seines Zwischenbaues erhöhen, da das Dach so flach sei (ca. 28°), dass das Wasser nicht richtig ablaufe und es in das Gebäude hereinlaufe. Das Dach soll daher um 5′ (1,46 m) erhöht werden. Die Mauer des Pultdaches sei bis zum 2. Stock massiv, darüber in Fachwerk. Auch die Erhöhung soll in Fachwerkbauweise erfolgen. Der Nachbar, Bäcker Klotz (Hauptstr. 20), stimmt dem Bau nur unter der Voraussetzung zu, dass die Grenzmauer vollständig massiv ausgeführt werde.Auch der Nachbar Chirurg Löffler (Hauptstr. 18) wendet sich gegen die Erhöhung des Stalles. Baukommission und Magistrat stimmen dem Bau zu, wenn er massiv ausgeführt werde.

1884 wölbt Joh. Nepomuk Reißler den Pferdestall neu.

Als Joh. Nepomuk Reißler stirbt, werden am 30.07.1885 seine minderjährigen Kinder Joh. Nepomuk, Georg und Anna Reisler die Erben. 1890 wird durch Isidora Reißler (wohl die Witwe) ein Kamin erneuert und ein Schaufenster (Ladenstock) eingebaut. 1901 hat der Sohn Johann Reißler das Anwesen übernommen und baut ein Göpeltreibhaus an.

1920 firmiert Johann Reißler als Seifenhandlung. 1922 wird wieder ein Kamin erneuert und 1926 der Giebel am Rindviehstall.

Bis Ende der 80er-Jahre betreibt Johann Reißler seine kleine Landwirtschaft und stellt damit ein Unikum im Stadtgebiet dar.

1997 nahmen sich Josef Feistle und Isolde Dietmayer des Hauses an und sanierten es in vorbildlicher Weise. Für ihre Leistung erhielten sie einen Denkmalschutzpreis.

  1. Das Baujahr des Neubaus lässt sich nicht genau festlegen, es liegt wohl zwischen der Bezeichnung 1673 und der Anmerkung im Steuerbuch 1706, letztere bezieht sich vielleicht auch nur auf den Stadel. ↩︎

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