Historie

A3 – A6 Nebenlinien Kirchberg-Weißenhorn

A3 Obenhausen 1571-1676

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Die Herrschaft Obenhausen (heute ein Ortsteil von Buch) wurde von Hans Fugger (1531-1598, N19) im Jahr 1571 für das Haus Fugger erworben.

Zuvor war Obenhausen ein österreichisches Pfandlehen im Besitz der ebenfalls bedeutenden Augsburger Patrizierfamilie Baumgartner (Paumgartner). Nach Konflikten und dem späteren Niedergang der Baumgartner übernahmen die Fugger die Herrschaft dauerhaft und bauten die dortige Anlage zu einem Fugger-Schloss aus.

Obenhausen wurde Raymund (1553-1606, AX22) ein Sohn Georgs (1518-1569, AO19) 1571 im Rahmen einer Erbaufteilung nach dem Tod von Raymunds Sohn Johann Jakob (1516-1575, AD19) unter den acht Cousins bzw. deren Söhnen im Losverfahren aufgeteilt zusammen mit Brandenburg zugeteilt.

Direkt nach dem Kauf im Jahr 1571 ließen die Fugger die alte, sanierungsbedürftige mittelalterliche Wasserburg gründlich renovieren und modernisieren. Sie nutzten sie über ein Jahrhundert lang als herrschaftlichen Sitz im Rothtal.

Nach Raymunds kinderlosem Tod 1606 fiel Obenhausen als Nachbarort von Buch an die Linie Weißenhorn.

Im Jahr 1676 entschloss sich Hugo Friedrich (1649-1690, AP31) jedoch, den Besitz zu veräußern.

Das Schloss erlebte nun einen häufigen Besitzerwechsel unter geistlichen Herrschaften. Es wurde zunächst an das Kloster Roggenburg verkauft, kam danach an das Kloster Rottenbuch und landete schließlich 1744 bei der Reichskartause Buxheim. Während des 18. Jahrhunderts wurde die Anlage im barocken Stil stark umgebaut.

Im Jahr 1873 erwarben schließlich die Grafen von Moÿ de Sons das Anwesen. Sie gestalteten die Umgebung im Stil eines weitläufigen englischen Landschaftsgartens um. Das Schloss – heute ein markanter, dreigeschossiger Kubus mit zwei markanten Türmen und einem hohen Walmdach – befindet sich bis heute im Privatbesitz dieser gräflichen Familie und dient ihr als Wohnsitz.

A4 Hainhofen 1582-1601

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Die Herrschaft und das Schloss Hainhofen (heute ein Stadtteil von Neusäß) kamen im Jahr 1582 durch einen Kauf Anton Fuggers (1552-1616, AW22) in seinen Besitz.

Nach dem Kauf ließ Anton Fugger die alte Wasserburg in eine repräsentative Anlage in Renaissanceform umgestalten (bestehend aus Hoch- und Langschloss) und veranlasste den Bau einer Schlosskapelle.

Im Gegensatz zu Wellenburg oder Dietenheim blieb Hainhofen jedoch nur sehr kurz im Besitz der Familie: Bereits 1601 verkaufte Anton Fugger das Anwesen an den protestantischen Augsburger Kaufmann Wolfgang von Paler den Jüngeren. Da dessen Tochter Magdalena 1602 Max Karl Rehlinger heiratete, gelangte das Schloss kurz darauf wieder an die Familie von Rehlingen zurück, die es über Jahrhunderte hinweg behielt. Seine heutige, barocke Form erhielt es um 1730. Zwischen 1760 und 1780 wurde das Schloss von der Augsburger Patrizierfamilie von Rehlingen um einen langgestreckten, zweieinhalbgeschossigen Flügel im klassizistischen Stil angebaut.

Nachdem das Schloss über Jahrhunderte im Besitz der Familie von Rehlingen war, erlebte es ab den 1930er Jahren eine bemerkenswert bunte und kuriose Nutzungsgeschichte. Es diente zeitweise als Flüchtlingsheimund Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt. Später beherbergte es ein nobles Schlosscafé und eine Schönheitsfarm für Damen. In den 1980er Jahren wurde es nacheinander von den modernen Tempelrittern und Anhängern der Bhagwan-Sekte (Osho-Bewegung) als spirituelles Zentrum genutzt.

Seit 1988 befindet sich das Schloss wieder in privater Hand. Die Eigentümer haben das damals stark sanierungsbedürftige Bauwerk in jahrelanger Arbeit aufwändig und umfassend restauriert. Für diese vorbildliche Sanierung wurden sie im Jahr 2013 mit dem Denkmalpreis des Bezirks Schwaben ausgezeichnet.

A 5 Marstetten 1692-1746

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Bei der Bezeichnung ‚Marstetten‘ handelt es sich nicht um ein eigenständiges Dorf, sondern um den Namen einer historischen Grafschaft, die eng mit der Entstehung von Markt Buch verbunden ist.

Im Hochmittelalter gab es die Grafen von Marstetten. Ihre namengebende Stammburg lag allerdings nicht im heutigen Landkreis Neu-Ulm, sondern ein Stück weiter südlich: die Burg Marstetten an der Iller, heute eine Burgruine bei Aitrach im Landkreis Ravensburg.

Dieses Adelsgeschlecht besaß jedoch im Bereich des heutigen Marktes Buch die vollen Hoheitsrechte. Im Jahr 1239 heiratete Berthold II. von Neuffen die Erbtochter Juta von Marstetten. Dadurch fiel der gesamte hiesige Besitz an die Herren von Neuffen, die sich fortan Grafen von Marstetten-Neuffen nannten. Sie machten das nahegelegene Buch zu ihrem Herrschaftszentrum und bauten dort die „Burg Buch“.

Diese Burg der Grafen von Marstetten-Neuffen brannte bereits im 15. Jahrhundert aus. Herzog Ludwig der Reiche von Bayern-Landshut schickte um das Jahr 1473 sogar noch Baumeister zur Besichtigung der Brandruine, man entschied sich jedoch gegen einen Wiederaufbau. Seitdem stand die Anlage als Ruine bzw. „Burgstall“ leer.

Als Jakob Fugger d.R. (1459-1525, BB13) 1507 die Herrschaft Weißenhorn erwarben, gehörte die Ruine mit Burgstall zusammen mit dem Ort Buch zum Kaufgebiet hinzu. Marstetten wurde dem Herrschaftsbereich Weißenhorn zugeordnet und blieb auch dabei, bis auf einen kurzen Zeitraum 1692-1746.

Zum Bau des Kapuzinerklosters in Weißenhorn 1667 schenkte Graf (Alber Albrecht (1624-1692, AQ28) eine Menge Steine von der Ruine, die noch auf dem rechten Seitenaltarbild von 1715 in der Bucher Pfarrkirche abgebildet ist.

Als 1692 nach Albrechts (1624-1692, AQ28) Tod der Erbfall eintrat, wurde der Besitz wieder geteilt. Nachdem der älteste Sohn Albrechts, Paris Georg (1651-1689, AQ31), bereits 1689 gestorben war, wurde zwischen den beiden anderen Söhnen aufgeteilt. Franz Sigismund (1661-1720, AR31) bekam Kirchberg und Weißenhorn, Anton Rupert (1683-1746, AS31) bekam Brandenburg. Zusätzlich wurden Pfaffenhofen und Buch/Marstetten aus der Herrschaft Weißenhorn entnommen und Anton Rupert zugeteilt.

Wenn bei Heinz Wember im Fuggerstammbaum bei Anton Rupert (1683-1746, AS31) vom Besitz Marstetten 1692-1746 die Rede ist, wird es sich wohl um den Ort Buch handeln, zu dem die Burg Marstetten gehört.

Buch/Marstetten wurde demnach wohl 1692 aus der Herrschaft Kirchberg-Weißenhorn gelöst, um es für diesen Zeitraum Anton Rupert zur Nutzung zu überlassen. Rupert starb 1746 ohne männliche Nachkommen. Danach wurde Buch/Marstetten wieder in die Herrschaft Weißenhorn integriert.

A6 Wiblingen (Vogteirechte) 1507-1701

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Das Kloster Wiblingen stellt insofern eine Besonderheit dar, als dieses Kloster nie Eigentum der Fugger war. Sie besaßen hier lediglich die Vogteirechte. Daher war die Beziehung zwischen dem weltberühmten Kloster Wiblingen (heute ein Stadtteil von Ulm) und der Kaufmannsfamilie Fugger über Jahrhunderte hinweg zwar eng, aber keineswegs immer friedlich. Sie war geprägt von Machtkämpfen um die Landeshoheit, juristischen Streitigkeiten, aber in schweren Zeiten auch von finanzieller Unterstützung.

Das Benediktinerkloster Wiblingen wurde ursprünglich im Jahr 1093 von den Grafen von Kirchberg gegründet. Als Jakob Fugger „der Reiche“ im Jahr 1507 die verschuldete Grafschaft Kirchberg kaufte, übernahm er damit automatisch auch die herrschaftlichen Rechte über das Kloster. Die Fugger wurden die neuen Schirmvögte des Klosters. Das bedeutete, sie waren für den weltlichen Schutz der Abtei verantwortlich, besaßen im Gegenzug aber auch die Hochgerichtsbarkeit(die Kriminaljustiz) über das Klostergebiet und erhielten bestimmte Abgaben. Wegen der Herkunft aus der Herrschaft Kirchberg waren die Vogteirechte untrennbar mit Kirchberg verbunden, so dass auch die Verwaltung stets von Kirchberg ausgeübt wurde.

Die Beziehung war nicht nur von Konflikten geprägt. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts halfen die Fugger dem Kloster in einer schweren Krise. Unter tatkräftiger finanzieller Mithilfe des damaligen Klostervogts der Fugger wurde ab 1614 fast der gesamte, damals noch mittelalterliche Baukomplex erneuert. Der verheerende Dreißigjährige Krieg (ab 1618) mit Plünderungen, schwedischen Besatzungen und der Pest zerstörte diese Anfänge jedoch rasch wieder.

Mit dem wirtschaftlichen Wiedererstarken des Klosters im späten 17. Jahrhundert empfanden die Wiblinger Äbte die Vormundschaft und die Justizrechte der Fugger zunehmend als Last. Sie erstrebten die Reichsfreiheit, also die direkte Unterstellung nur unter den Kaiser.

Nach einem langwierigen und zähen Prozess gelang dem Wiblinger Abt Modest I. Huber im Jahr 1701 der Befreiungsschlag. Das Kloster schloss einen Vertrag mit den Grafen Fugger von Kirchberg-Weißenhorn: Gegen die Abtretung verschiedener Güter und Ländereien löste sich das Kloster von der Schutzherrschaft der Fugger. Das Kloster Wiblingen erlangte dadurch endlich die eigene Hochgerichtsbarkeit und Vogtfreiheit. Erst dieser Machtgewinn und die finanzielle Unabhängigkeit machten den Weg frei für den prachtvollen, barocken Neubau der Klosteranlage und des berühmten Bibliothekssaals im 18. Jahrhundert.

Auch nach der vertraglichen Trennung von 1701 blieben das Kloster und die Fugger direkte Nachbarn, da die Fugger-Kirchberger Wälder und Ländereien (u. a. rund um das Schloss Oberkirchberg) direkt an das Wiblinger Territorium grenzten.

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