Der Erste Weltkrieg in Südosteuropa und im Nahen Osten
Vorbemerkung
Diese zusammenfassende Geschichtsdarstellung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und wissenschaftliche Qualität. Sie soll lediglich Abläufe und Zusammenhänge darstellen, um die Entwicklung mit dem Schwerpunkt auf Mittelschwaben – insbesondere den Raum Ulm / Weißenhorn / Günzburg – nachzuvollziehen. Sie wurde großenteils mit KI erstellt und kann daher grundsätzlich mit Fehlern behaftet sein.
Zum Hauptbeitrag ‚Der Erste Weltkrieg‘
Wenn wir gemeinhin vom Ersten Weltkrieg sprechen, denken wir an die Kämpfe zwischen den europäischen Großmächten und den kleineren Verbündeten in Zentraleuropa. Tatsächlich betrafen die Kämpfe aber auch viele andere Staaten und Gebiete. Es waren viele ungelöste Fragen zwischen den Staaten die die Stimmung aufheizten, so dass das Attentat von Sarajewo nur den Funken an das Pulverfass brachte. Da wir uns im Artikel ‚Das Deutsche Reich 1871-1918‘ nur auf den unmittelbaren Schauplatz um Deutschland beschränkt haben, sollen der Vollständigkeit halber hier nun die anderen Kriegsschauplätze behandelt werden, da sie auch Einfluss auf den Kriegsverlauf und die spätere weltpolitische Entwicklung hatten.
Kriegseintritt des Osmanischen Reiches
Das durch die Balkankriege geschwächte Osmanische Reich stand geopolitisch isoliert da. Die treibende Kraft in der osmanischen Regierung, Kriegsminister Enver Pascha, suchte die Nähe zum Deutschen Reich, um das Territorium vor dem Erzfeind Russland zu schützen. Bereits am 2. August 1914, unmittelbar bei Ausbruch des Krieges in Europa, unterzeichneten Berlin und Istanbul ein geheimes Defensivbündnis. Es verpflichtete das Osmanische Reich zum Beistand, falls Deutschland in einen Krieg mit Russland gerät. Deutschland pflegte schon länger eine intensive Zusammenarbeit mit den Osmanen und unterstütze z.B. mit dem Bau der Bagdadbahn.
Provokation im Schwarzen Meer
Bei Kriegsbeginn kreuzten die beiden deutschen Kriegsschiffe SMS Goeben und SMS Breslau im Mittelmeer. Um der britischen Flotte zu entkommen, flohen sie unter Admiral Wilhelm Souchon nach Istanbul. Als neutrale Macht hätte das Osmanische Reich die Schiffe eigentlich internieren müssen. Stattdessen inszenierten Berlin und Istanbul im August 1914 einen Scheinkauf: Die Schiffe wurden offiziell in die osmanische Marine eingegliedert. Aus der Goeben wurde die Yavuz Sultan Selim, aus der Breslau die Midilli. Die deutsche Besatzung blieb an Bord, zog aber türkische Uniformen an und den Fes auf.
Große Teile der osmanischen Regierung wollten weiterhin neutral bleiben. Enver Pascha manövrierte das Kabinett jedoch durch vollendete Tatsachen in den Krieg: Er gab Admiral Souchon den geheimen Befehl zu einer Provokation im Schwarzen Meer. Am 29. Oktober 1914 dampfte das Geschwader unter osmanischer Flagge vor die russische Küste und bombardierte ohne Vorwarnung die Häfen von Sewastopol, Odessa und Noworossijsk. Als direkte Folge des Angriffs erklärte das Russische Kaiserreich den Osmanen am 2. November 1914 den Krieg. Am 5. November folgten die offiziellen Kriegserklärungen Großbritanniens und Frankreichs. Am 12. November erklärte das Osmanische Reich im Gegenzug der Entente formell den Krieg und rief den Dschihad (den heiligen Krieg) gegen die Kolonialmächte aus.
Durch den Kriegseintritt der Osmanen veränderte sich das globale Gefüge des Ersten Weltkriegs massiv. Die Osmanen riegelten die Dardanellen zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer ab. Russland wurde damit von seinen westlichen Alliierten abgeschnitten, was zu schweren Nachschubproblemen der russischen Armee beitrug. Es entstanden völlig neue, weite Kriegsschauplätze: die Kaukasusfront gegen Russland sowie die Fronten im Nahen Osten (Palästina, Mesopotamien) gegen die Briten, was 1915 zur Schlacht von Gallipoli führte.
Die Kaukasusfront: Desaster und Genozid (1914–1917)
Kriegsminister Enver Pascha startete eine ambitionierte Offensive gegen Russland im Kaukasus. Sie endete im eiskalten Bergwinter in einer katastrophalen Niederlage; zehntausende osmanische Soldaten erfroren oder starben an Seuchen. Nach der Niederlage von Sarıkamış beschuldigte die osmanische Führung die armenische Minderheit, mit den Russen zu kollaborieren. Dies war der Startschuss für die systematische Deportation und Vernichtung von bis zu 1,5 Millionen armenischen Christen. Die russische Armee stieß bis 1916 tief nach Ostanatolien vor. Erst die russische Oktoberrevolution 1917 und der anschließende Friede von Brest-Litowsk retteten das Osmanische Reich an dieser Front vor dem totalen Kollaps.
Der Kampf um die Dardanellen – Gallipoli
Um Russland seeseitig zu entsetzen und Istanbul direkt zu bedrohen, startete die Entente (vordringlich britische, französische sowie australische und neuseeländische Truppen, ANZAC1) eine gewaltige Landungsoperation auf der Halbinsel Gallipoli. Unter der militärischen Führung des deutschen Generals Liman von Sanders und des osmanischen Oberst Mustafa Kemal (des späteren „Atatürk“) leisteten die Osmanen erbitterten Widerstand. Nach monatlichem Grabenkrieg mussten die Alliierten Anfang 1916 unter schweren Verlusten abziehen. Es war der größte militärische Erfolg der Osmanen im ganzen Krieg.
Die Fronten im Nahen Osten (1915–1918)
Osmanische Versuche, den strategisch wichtigen Suezkanal in Ägypten zu erobern, scheiterten 1915 und 1916 kläglich an britischen Verteidigungslinien. Die Briten verbündeten sich mit arabischen Stämmen, die eine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich anstrebten. Unterstützt durch den britischen Agenten Thomas Edward Lawrence („Lawrence von Arabien“) zerschlugen arabische Guerillakämpfer die osmanischen Nachschublinien (u.a. die Hedschasbahn). Die britische Armee unter General Allenby drängte die osmanischen und deutschen Truppen unaufhaltsam zurück. Bagdad fiel im März 1917, Jerusalem im Dezember 1917 und Damaskus im Oktober 1918.
Mesopotamien: Wechselhaftes Glück (1915–1918)
Am Tigris gelang den Osmanen ein weiterer großer Erfolg. Sie kesselten eine britisch-indische Armee ein und zwangen im April 1916 über 13.000 alliierte Soldaten zur Kapitulation. Auch hier wendete sich das Blatt, als die Briten frische Truppen heranführten und das heutige Irak-Gebiet bis Mitte 1918 vollständig besetzten.
Das Ende: Der Zusammenbruch (Oktober 1918)
Im Herbst 1918 war das Osmanische Reich militärisch, wirtschaftlich und personell vollkommen ausgeblutet. Als zudem der Verbündete Bulgarien im September 1918 kapitulierte, war der Weg nach Istanbul für die Alliierten frei.
Die jungtürkische Führung um Enver Pascha trat zurück und floh auf einem deutschen U-Boot. Am 30. Oktober 1918 unterzeichnete das Osmanische Reich an Bord des britischen Kriegsschiffs HMS Agamemnon den Waffenstillstand von Mudros, der das Ende des Reiches und seine anschließende Aufteilung durch die Alliierten besiegelte.
Der Friedensvertrag von Sèvres
Der Vertrag von Sèvres vom 10. August 1920 war der Friedensvertrag zwischen den alliierten Siegermächten des Ersten Weltkriegs und dem besiegten Osmanischen Reich. Er gehörte zu den Pariser Vorortverträgen und gilt als eines der härtesten und folgenschwersten Dokumente der Nachkriegsordnung: Der Vertrag besiegelte das endgültige Ende des Osmanischen Reiches und sah dessen nahezu vollständige Zerschlagung und Aufteilung vor. Da sich der türkische Widerstand massiv gegen dieses Abkommen auflehnte, wurde der Vertrag niemals ratifiziert oder vollstreckt.
Der Vertrag reduzierte das osmanische Staatsgebiet auf ein unbedeutendes Rumpfgebiet in Nord- und Zentralanatolien.
Die osmanischen Gebiete im Nahen Osten wurden vollständig abgetrennt. Sie wurden als Mandatsgebiete des Völkerbundes an Großbritannien (Palästina, Transjordanien, Irak) und Frankreich (Syria, Libanon) übergeben.
Griechenland erhielt fast das gesamte europäische Territorium der heutigen Türkei (Ostthrakien) sowie die Souveränität über die strategisch wichtige Region um die Metropole Smyrna (das heutige Izmir) an der Ägäisküste.
Große Teile Süd- und Westanatoliens wurden in wirtschaftliche und militärische Kontrollzonen für Frankreich und Italien aufgeteilt. Die Dardanellen und der Bosporus wurden entmilitarisiert und unter die Kontrolle einer internationalen Kommission gestellt.
Dem Abkommen nach sollte im Osten ein großer, unabhängiger Staat Armenien entstehen. Für die kurdische Bevölkerung im Südosten wurde eine autonome Region festgeschrieben, mit der Option auf eine spätere Unabhängigkeit.
Das osmanische Heer wurde auf eine reine Schutztruppe von maximal 50.000 Mann beschränkt. Die Finanzen, der Haushalt und die Zollverwaltung des Reiches wurden direkt der Kontrolle der Alliierten unterstellt.
Der Türkische Befreiungskrieg (1919-1922)
In Istanbul unterschrieb die Marionettenregierung des schwindenden Sultans Mehmet VI. das Dokument zwar, doch im Land selbst löste das Diktat eine Welle der nationalen Empörung aus. Mustafa Kemal (Atatürk), ein hochdekorierter Kriegsheld (u. a. aus der Schlacht von Gallipoli), organisierte in Anatolien den bewaffneten Widerstand. Er erklärte die Sultansregierung für illegitim und baute eine nationale Gegenregierung in Ankara auf.
Im Türkischen Befreiungskrieg (1919–1922) besiegten Atatürks Nationalstreitkräfte die griechischen Invasionstruppen im Westen, drängten die französischen Einheiten im Süden zurück und zerschlugen die Pläne für einen armenischen Staat im Osten.
Der Vertrag von Lausanne (1923)
Da die Alliierten den militärischen Tatsachen weichen mussten, wurde der Vertrag von Sèvres obsolet. Er wurde 1923 durch den Vertrag von Lausanne ersetzt. In diesem neuen Abkommen verhandelte die siegreiche türkische Delegation als gleichwertiger Partner. Die Souveränität und die heutigen Grenzen der Republik Türkei wurden darin international anerkannt. Sämtliche Zugeständnisse an Griechenland in Anatolien wurden revidiert; die Pläne für ein unabhängiges Armenien auf türkischem Boden sowie für eine kurdische Autonomie wurden komplett fallengelassen.
Obwohl der Vertrag von Sèvres vor über einhundert Jahren Makulatur wurde, prägt er die türkische Außen- und Innenpolitik bis heute. Das psychologische Phänomen des „Sèvres-Syndroms“ beschreibt eine in weiten Teilen der türkischen Gesellschaft und Politik tief verankerte, historisch begründete Angst, dass westliche Mächte im Geheimen permanent versuchen, die Türkei zu schwächen, zu teilen oder zu destabilisieren.
Der Kriegseintritt Bulgariens 1915
Bulgarien trat am 14. Oktober 1915 an der Seite der Mittelmächte (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich) in den Ersten Weltkrieg ein. Das Land wurde durch das Versprechen massiver territorialer Gewinne auf dem Balkan angelockt und spielte eine entscheidende Rolle beim militärischen Zusammenbruch Serbiens.
Bulgarien hatte erst kurz zuvor im Zweiten Balkankrieg (1913) eine schwere Niederlage gegen seine Nachbarn (Serbien, Griechenland, Rumänien, Osmanisches Reich) erlitten. Dabei verlor das Land mühsam eroberte Gebiete, insbesondere die Region Mazedonien, die es als historischen Kernbesitz betrachtete. Zar Ferdinand I. von Bulgarien und die bulgarische Regierung brannten auf Revanche und die Rückgewinnung dieser Territorien.
Aufgrund seiner strategischen Lage im Zentrum des Balkans war Bulgarien im Jahr 1915 sowohl für die Entente als auch für die Mittelmächte ein extrem begehrter Bündnispartner. Großbritannien und Frankreich versuchten Bulgarien zu gewinnen, konnten aber keine klaren territorialen Zusagen machen, da Mazedonien von ihrem Verbündeten Serbien besetzt war. Serbien weigerte sich strikt, dieses Land freiwillig abzutreten. Das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn hatten keine Skrupel, Bulgarien große Teile Serbiens (ganz Mazedonien sowie Teile Alt-Serbiens) und Regionen von Griechenland und Rumänien (falls diese in den Krieg eintreten sollten) für den Fall eines Sieges zu versprechen.
Das Angebot aus Berlin und Wien gab den Ausschlag. Am 6. September 1915 unterzeichnete Bulgarien einen geheimen Bündnisvertrag mit den Mittelmächten. Gleichzeitig wurde ein Abkommen mit dem Osmanischen Reich geschlossen, das Bulgarien eine kleine Grenzkorrektur am Fluss Mariza einbrachte, um die Transportwege zu sichern. Am 22. September ordnete Zar Ferdinand I. die allgemeine Mobilmachung der bulgarischen Armee an, hielt sich offiziell aber noch bedeckt.
Am 14. Oktober 1915 erklärte Bulgarien Serbien offiziell den Krieg und griff mit zwei starken Armeen von Osten her an. Zu diesem Zeitpunkt war Serbien bereits von Norden und Westen her durch eine massive deutsch-österreichische Offensive unter Generalfeldmarschall August von Mackensen schwer bedrängt. Hiermit wurde Bulgarien Kriegsteilnehmer auf der Seite der Mittelmächte. Der bulgarische Kriegseintritt veränderte die Lage auf dem Balkan schlagartig.
Durch den bulgarischen Stoß in die Flanke wurde die serbische Armee komplett überrannt. Die Reste des serbischen Heeres mussten unter katastrophalen Bedingungen im Winter über die albanischen Berge an die Adria fliehen. Für das Deutsche Reich war der Beitritt Bulgariens ein riesiger strategischer Erfolg. Durch die Besetzung Serbiens war nun eine durchgehende Landverbindung von Berlin über Wien und Sofia bis nach Istanbul (Konstantinopel) geschaffen. Der Transport von Truppen, Waffen und Rohstoffen zum Osmanischen Reich war damit sichergestellt.
Der weitere Kriegsverlauf Bulgariens nach dem erfolgreichen Serbienfeldzug Ende 1915 war von einem jahrelangen, zermürbenden Stellungskrieg an der Salonikifront (Mazedonische Front) geprägt. Obwohl die bulgarische Armee weite Teile ihrer territorialen Ziele besetzen konnte, blutete das Land wirtschaftlich und personell völlig aus. Dies führte im September 1918 zum plötzlichen Zusammenbruch der gesamten Balkanfront der Mittelmächte.
Nach der Zerschlagung Serbiens landeten alliierte Truppen im neutralen griechischen Saloniki. Sie bauten dort eine Verteidigungslinie auf, um ein weiteres Vordringen der Mittelmächte nach Süden zu verhindern. Entgegen den Wünschen der bulgarischen Führung untersagte das deutsche Oberkommando im Frühjahr 1916 einen Großangriff auf Saloniki, um Griechenland nicht in den Krieg zu treiben. Die Front erstarrte – ähnlich wie die Westfront – in einem jahrelangen, verlustreichen Graben- und Stellungskrieg in den Bergen Mazedoniens.
Der Kriegseintritt Rumäniens 1916
Als Rumänien im August 1916 auf Seiten der Entente in den Krieg eintrat, musste Bulgarien Truppen an seine Nordgrenze verlegen. Unter dem Oberbefehl des deutschen Feldmarschalls August von Mackensen eroberten bulgarische Einheiten gemeinsam mit deutschen und osmanischen Verbänden die Region Dobrudscha und stießen bis nach Bukarest vor.
Während die Soldaten in den Schützengräben mürbe wurden, kollabierte die bulgarische Wirtschaft. Die Landwirtschaft litt extrem unter dem Mangel an Arbeitskräften und Pferden. Es kam zu schweren Hungersnöten in den Städten. Im Volk und in der Armee wuchs der Unmut über das Deutsche Reich. Viele Bulgaren hatten das Gefühl, dass Deutschland die bulgarischen Soldaten als „Kanonenfutter“ benutze und die Ressourcen des Landes ausplündere. Die Sehnsucht nach einem Separatfrieden wurde immer lauter.
Am 15. September 1918 starteten die Alliierten (unter Führung des französischen Generals Franchet d’Espèrey) eine massive Offensive an der Salonikifront. Den alliierten Verbänden, die durch neu formierte serbische und griechische Truppen verstärkt worden waren, gelang bei der Schlacht von Dobro Pole der entscheidende strategische Durchbruch. Die bulgarische Front brach schlagartig zusammen. Tausende bulgarische Soldaten verweigerten den Befehl, meuterten gegen ihre Offiziere und marschierten auf die Hauptstadt Sofia zu, um die Republik auszurufen (sogenannter Wladaia-Aufstand). Angesichts der drohenden militärischen Katastrophe und der inneren Revolution kapitulierte Bulgarien als erster Staat der Mittelmächte. Am 29. September 1918 unterzeichnete das Land den Waffenstillstand.
Um die Monarchie zu retten, musste Zar Ferdinand I. am 3. Oktober 1918 zugunsten seines Sohnes Boris III. abdanken und ging ins Exil nach Deutschland. Der bulgarische Ausstieg riss eine riesige Lücke in die Front der Mittelmächte. Die Verbindung zwischen dem Deutschen Reich und dem Osmanischen Reich war dauerhaft gekappt. Das Osmanische Reich kapitulierte nur vier Wochen später.
Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine vom 27. November 1919 war der Friedensvertrag zwischen den alliierten Siegermächten des Ersten Weltkriegs und dem besiegten Königreich Bulgarien. Als Teil der Pariser Vorortverträge besiegelte er das Schicksal Bulgariens, das für seine Kriegsteilnahme an der Seite der Mittelmächte hart bestraft wurde. Der Vertrag von Neuilly schwächte Bulgarien territorial, militärisch und wirtschaftlich massiv. Bulgarien musste Westhrazien an die Alliierten (später an Griechenland) übergeben. Damit verlor das Land seinen direkten Zugang zur Ägäis (Mittelmeer), was einen schweren wirtschaftlichen Schlag für den bulgarischen Handel bedeutete. Strategisch wichtige Grenzgebiete im Westen (u. a. die Regionen um Zaribrod, Bosilegrad und Strumica) gingen an den neuen südslawischen Staat. Dadurch rückte die feindliche Grenze bis auf wenige Kilometer an die bulgarische Hauptstadt Sofia heran. Die fruchtbare Süddobrudscha, die Bulgarien im Krieg kurzzeitig erobert hatte, wurde wieder Rumänien zugesprochen (Bestätigung des Zustands von 1913).
Um sicherzustellen, dass Bulgarien keine militärische Bedrohung mehr auf dem Balkan darstellt, wurde die Armee extrem geschrumpft. Die allgemeine Wehrpflicht wurde abgeschafft und durch eine reine Freiwilligenarmee ersetzt. Die Truppenstärke wurde auf maximal 20.000 Mann für das Heer, 10.000 Mann für die Gendarmerie und 3.000 Mann für den Grenzschutz begrenzt. Schwere Waffen, Panzer, Flugzeuge und eine eigene Kriegsmarine wurden Bulgarien komplett verboten.
Das wirtschaftlich ohnehin ruinierte Land wurde zu immensen Entschädigungen verpflichtet. Bulgarien musste eine Reparationsschuld von 2,25 Milliarden Goldfranken akzeptieren, die in Raten über 37 Jahre abbezahlt werden sollte. Zusätzlich wurde das Land verpflichtet, enorme Mengen an Sachlieferungen (insbesondere Kohle, Vieh und Getreide) an seine Nachbarstaaten Serbien, Griechenland und Rumänien zu leisten, um die dortigen Kriegsschäden auszugleichen.
Durch die Grenzverschiebungen strömten über 250.000 bulgarische Flüchtlinge aus Mazedonien, Thrazien und der Dobrudscha in das verbliebene Staatsgebiet. Dies destabilisierte die Wirtschaft und das Sozialgefüge des Landes jahrelang. Der Vertrag hinterließ in der bulgarischen Gesellschaft ein tiefes Gefühl der Demütigung und des Revisionismus. Die politische Landschaft radikalisierte sich, was in den 1920er Jahren zu anhaltenden Unruhen, Putschversuchen und politischem Terror führte. Der brennende Wunsch, die in Neuilly verlorenen Gebiete (vor allem Mazedonien und den Ägäis-Zugang) zurückzugewinnen, trieb Bulgarien in den 1930er Jahren politisch und wirtschaftlich erneut in die Arme Deutschlands. Im Zweiten Weltkrieg schloss sich das Land deshalb den Achsenmächten an.
Der Kriegseintritt Griechenlands (1917)
Der offizielle Kriegseintritt Griechenlands in den Ersten Weltkrieg erfolgte am 2. Juli 1917 auf der Seite der Entente (Alliierten). Diesem Schritt ging eine jahrelange, dramatische Zerreißprobe des Landes voraus, die als „Nationales Schisma“ (Ethnikos Dichasmos) in die griechische Geschichte eingegangen ist und das Land an den Rand eines Bürgerkriegs trieb. Bei Kriegsausbruch 1914 war Griechenland tief gespalten über die Frage, welche Position das Land einnehmen sollte. Es standen sich zwei unversöhnliche Machtblöcke gegenüber:
Das royalistische Lager (König Konstantin I.): Der König war deutschfreundlich eingestellt – er hatte in Deutschland studiert, im preußischen Heer gedient und war mit Sofia von Preußen, der Schwester des deutschen Kaisers Wilhelm II., verheiratet. Er plädierte strikt für die Neutralität Griechenlands, was de facto den Mittelmächten half, da es den Alliierten den Weg versperrte.
Das liberale Lager (Eleftherios Venizelos): Der populäre Ministerpräsident Venizelos war überzeugt, dass Griechenland nur an der Seite der Entente (Großbritannien und Frankreich) seine territorialen Ziele – insbesondere den Erwerb von Gebieten in Thrazien und Kleinasien vom Osmanischen Reich – erreichen könne.
Als der bulgarische Kriegseintritt im Herbst 1915 Serbien bedrohte, wollte Venizelos dem serbischen Alliierten zu Hilfe eilen. König Konstantin I. blockierte dies und zwang Venizelos zum Rücktritt. Um Serbien dennoch zu unterstützen, landeten britische und französische Truppen im Oktober 1915 mit Venizelos‘ stillschweigender Erlaubnis im nordgriechischen Saloniki und errichteten die Salonikifront. Die Souveränität des neutralen Griechenlands wurde dabei von den Alliierten faktisch ignoriert.
Im September 1916 zog Venizelos nach Thessaloniki und gründete dort mit Unterstützung der Alliierten eine Gegenregierung (den „Staat der Nationalen Verteidigung“). Griechenland war nun real gespalten: Der Norden befand sich im Krieg gegen die Mittelmächte, während der Süden unter dem König neutral blieb.
Frankreich und Großbritannien verloren im Frühjahr 1917 endgültig die Geduld mit dem royalistischen Athen, da sie eine Bedrohung ihrer Truppen im Rücken befürchteten. Die Alliierten verhängten eine Seeblockade über Südgriechenland, besetzten strategische Punkte und drohten mit der Bombardierung Athens.
Am 11. Juni 1917 gaben die Alliierten dem König ein Ultimatum. Konstantin I. fügte sich dem Druck, dankte ab (ohne formell auf den Thron zu verzichten) und ging mit dem Kronprinzen ins Exil nach der Schweiz. Sein zweitgeborener Sohn Alexander übernahm die Königswürde.
Nach dem Sturz des Königs kehrte Eleftherios Venizelos nach Athen zurück und übernahm wieder die Regierungsgeschäfte für das nun wiedervereinte Land. Am 2. Juli 1917 erklärte Griechenland den Mittelmächten (Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien und dem Osmanischen Reich) offiziell den Krieg. Griechenland stellte der Entente sofort erhebliche frische Truppen (bis zu 250.000 Soldaten) zur Verfügung. Diese verstärkten die alliierte Salonikifront entscheidend. Griechische Divisionen spielten im September 1918 eine Schlüsselrolle bei der alliierten Großoffensive (unter anderem in der Schlacht von Skra-di-Legen), die zum Zusammenbruch der bulgarischen Front und zur Kapitulation Bulgariens führte.
Als Siegermacht profitierte Griechenland in den Pariser Vorortverträgen (u. a. im Vertrag von Neuilly und Vertrag von Sèvres) und erhielt große Teile Thraziens sowie ein Mandat über die Region Smyrna (Izmir) zugesprochen, was kurz darauf zum Griechisch-Türkischen Krieg führte.
Der Griechisch-Türkische Krieg ab 1919
Der Griechisch-Türkische Krieg (1919–1922) wurde in der Türkei als Westfront des Türkischen Befreiungskrieges und in Griechenland als Kleinasiatische Katastrophe bezeichnet. Er entsprang direkt der ungelösten Nachkriegsordnung des Ersten Weltkriegs. Er endete mit der vollständigen Niederlage Griechenlands, dem Untergang des Osmanischen Reiches und der Gründung der modernen Republik Türkei.
Die griechische Regierung unter Eleftherios Venizelos verfolgte das nationalistische Ziel, alle griechisch besiedelten Gebiete im osmanischen Raum in einem Großgriechenland zu vereinen. Das Fernziel war die Wiedererrichtung eines christlichen Reiches mit der Hauptstadt Konstantinopel (Istanbul). Die Siegermächte des Ersten Weltkriegs, allen voran Großbritannien, ermutigten Griechenland, Truppen nach Kleinasien zu senden, um den Vertrag von Sèvres (1920) durchzusetzen, der das Osmanische Reich aufteilte. Im Mai 1919 landeten griechische Truppen unter dem Schutz alliierter Kriegsschiffe in der kosmopolitischen Hafenstadt Smyrna (heute Izmir), in der eine große griechische Minderheit lebte.
Von Smyrna aus stießen die griechischen Truppen 1919-1920 tief in das anatolische Landesinnere vor. Sie stießen auf kaum Widerstand der demoralisierten kaiserlich-osmanischen Armee und eroberten weite Teile Westanatoliens. Die Besetzung entflammte den türkischen Nationalismus. Mustafa Kemal (später Atatürk) organisierte in Ankara eine nationale Gegenregierung und formierte eine neue, schlagkräftige Armee. Er erklärte den Sultan in Istanbul und den Vertrag von Sèvres für illegitim. Die griechische Armee marschierte jedoch direkt auf die türkische Hauptstadt Ankara zu. In der extrem verlustreichen Schlacht am Sakarya (August-September 1921)gelang es den türkischen Truppen unter Mustafa Kemal nach 21 Tagen erbitterten Kampfes, den griechischen Vormarsch endgültig zu stoppen. Die griechischen Linien waren logistisch überdehnt und erschöpft.
Am 26. August 1922 startete die türkische Armee eine massive Gegenoffensive. Die griechische Front brach innerhalb weniger Tage vollständig zusammen. Es folgte ein ungeordneter, panischer Rückzug der griechischen Armee in Richtung Ägäisküste. Am 9. September 1922 erreichten türkische Truppen Smyrna. Wenige Tage später brach in den christlichen Vierteln der Stadt ein verheerender Großbrand aus. Hunderttausende griechische und armenische Flüchtlinge drängten sich am Hafen, um auf alliierte Schiffe zu entkommen. Zehntausende Zivilisten starben bei den Ausschreitungen und Feuern.
Der Krieg veränderte die ethnische und politische Landkarte des Nahen Ostens radikal. Nach dem militärischen Sieg schaffte Mustafa Kemal am 1. November 1922 das osmanische Sultanat ab. Am 29. Oktober 1923 wurde die Republik Türkei ausgerufen. Der harte Vertrag von Sèvres wurde Makulatur. Im neuen Vertrag von Lausanne 1923 setzten die Türken die Anerkennung ihrer heutigen Staatsgrenzen (inklusive Ostthrakiens und ganz Anatoliens) durch. Im Vertrag wurde ein völkerrechtlich beispielloser, obligatorischer Bevölkerungsaustausch vereinbart. Rund 1,2 Millionen Christen (Griechen) mussten die Türkei verlassen, im Gegenzug wurden rund 400.000 Muslime aus Griechenland vertrieben. Damit endete eine über 2.500 Jahre alte griechische Kulturpräsenz in Kleinasien abrupt. Die Niederlage führte in Athen zu einem Militärputsch, der Abdankung des Königs und dem sogenannten „Prozess der Sechs“, bei dem leitende Generäle und Politiker wegen Hochverrats hingerichtet wurden.
Kriegseintritt Chinas 1917
China stand im Ersten Weltkrieg ab 14. August 1917 auf Seiten der Entente und erklärte Deutschland sowie Österreich-Ungarn den Krieg. Seine Beteiligung war jedoch vor allem diplomatisch und wirtschaftlich: China entsandte keine regulären Kampftruppen nach Europa, unterstützte die Alliierten aber mit Arbeitskräften.
Der wichtigste Grund war die Rückgewinnung deutscher Rechte in China. Deutschland besaß seit 1898 ein Pachtgebiet um Qingdao (Tsingtau) und hatte wirtschaftliche sowie militärische Rechte in der Provinz Shandong.
Nach Kriegsbeginn 1914 eroberte Japan, das auf Seiten der Entente kämpfte, das deutsche Pachtgebiet. China hoffte, dass die deutschen Rechte nach einem Sieg der Entente an China zurückgegeben würden. Tatsächlich beschlossen die Alliierten aber später, diese Rechte an Japan zu übertragen.
China stand außerdem unter starkem japanischem Druck. Japan hatte 1915 die sogenannten Einundzwanzig Forderungen gestellt. Diese zielten unter anderem auf weitreichende politische, wirtschaftliche und territoriale Einflussrechte in China. Besonders betroffen waren Shandong, die Mandschurei und die Innere Mongolei. Die chinesische Regierung hoffte, durch den Kriegseintritt ihre internationale Stellung zu verbessern, die ungleichen Verträge mit den westlichen Mächten abzuschaffen, japanische Sonderrechte zurückzudrängen, Shandong und Qingdao zurückzugewinnen und einen Sitz und größeres Gewicht bei der Friedenskonferenz zu erhalten.
China unterstützte die Entente bereits vor dem offiziellen Kriegseintritt. Ab 1916 wurden etwa 140.000 chinesische Arbeiter nach Frankreich und in andere Gebiete Europas entsandt. Sie arbeiteten unter anderem in Häfen, bei Eisenbahnen, in Munitionsfabriken und bei militärischen Versorgungseinrichtungen. Das Chinese Labour Corps bestand überwiegend aus Nichtkombattanten, stand aber unter militärischer Aufsicht und arbeitete teilweise nahe der Front. China wollte damit seinen Beitrag zur Entente leisten, ohne eigene reguläre Truppen in den europäischen Krieg zu schicken.
Ein wichtiger Auslöser war der deutsche uneingeschränkte U-Boot-Krieg von 1917. China brach daraufhin die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab und erklärte im August 1917 den Krieg. Der Kriegseintritt war somit auch ein Versuch, an der geplanten Nachkriegsordnung beteiligt zu sein. Nur als Kriegspartei konnte China auf eine gleichberechtigte Teilnahme an der Friedenskonferenz hoffen.
Chinas Erwartungen erfüllten sich nicht. Im Versailler Vertrag wurden die ehemaligen deutschen Rechte in Shandong nicht an China zurückgegeben, sondern Japan zugesprochen. Die chinesische Delegation verweigerte deshalb die Unterzeichnung des Versailler Vertrags. Diese Entscheidung löste in China am 4. Mai 1919 die Vierte-Mai-Bewegung aus. Sie richtete sich gegen die ausländische Bevormundung, gegen die chinesische Regierung und gegen die Entscheidung der Friedenskonferenz zugunsten Japans.
Folgen für China nach 1919
Am 4. Mai 1919 demonstrierten Studenten in Peking gegen die Entscheidung der Pariser Friedenskonferenz, die früheren deutschen Rechte in Shandong an Japan zu übertragen. Die Proteste richteten sich zugleich gegen die ausländische Einflussnahme in China, die chinesische Regierung in Peking, die Einundzwanzig Forderungen Japans und die politische Schwäche und Korruption der Republik. Die Bewegung entwickelte sich von einer Studentenaktion zu einer breiteren nationalistischen und kulturellen Bewegung. Sie forderte nationale Souveränität, Wissenschaft, Demokratie und eine Erneuerung der chinesischen Gesellschaft. China verweigerte deshalb die Unterzeichnung des Versailler Vertrags. 1921 schloss es einen gesonderten Friedensvertrag mit Deutschland.
Die Frage um Shandong wurde erst 1922 auf der Washingtoner Konferenz teilweise gelöst. Japan erklärte sich bereit, seine Truppen aus Shandong abzuziehen und das ehemalige deutsche Pachtgebiet Kiautschou sowie die Eisenbahnrechte an China zurückzugeben. China gewann damit einen Teil seiner Souveränität zurück, blieb aber weiterhin mit den sogenannten ungleichen Verträgen und ausländischen Sonderrechten belastet.
Kriegseintritt Japans 1914
Japan trat am 23. August 1914 auf Seiten der Entente in den Ersten Weltkrieg ein, indem es dem Deutschen Reich den Krieg erklärte. Am 25. August folgte die Kriegserklärung an Österreich-Ungarn. Japan war seit 1902 mit Großbritannien verbündet. Als Großbritannien im August 1914 gegen Deutschland kämpfte, bat London Japan um Unterstützung gegen deutsche Kriegsschiffe in Ostasien. Der britisch-japanische Bündnisvertrag bot Japan die diplomatische Grundlage für den Kriegseintritt.
Japan nutzte den europäischen Krieg zugleich für eigene machtpolitische Ziele. Deutschland besaß in China das Pachtgebiet Kiautschou mit dem wichtigen Hafen Qingdao/Tsingtau sowie Eisenbahn- und Wirtschaftsrechte in Shandong. Am 15. August 1914 stellte Japan Deutschland ein Ultimatum. Es verlangte den Abzug deutscher Kriegsschiffe aus den ostasiatischen Gewässern, die Aufgabe des deutschen Pachtgebiets Kiautschou und die Übergabe der deutschen Stellung in Qingdao. Weil Deutschland nicht nachgab, erklärte Japan am 23. August den Krieg.
Japan belagerte gemeinsam mit britischen Kräften die deutsche Festung Qingdao. Die deutsche Garnison kapitulierte am 7. November 1914. Außerdem besetzte Japan deutsche Inselgruppen im westlichen Pazifik, darunter die Marshall-, Karolinen- und Marianeninseln – mit Ausnahme von Guam. Japan musste daher keine großen Truppen nach Europa entsenden. Sein Kriegsschauplatz lag vor allem in Ostasien und im Pazifik; zugleich unterstützte die japanische Marine die Sicherung alliierter Schifffahrtswege.
Für China hatte der japanische Kriegseintritt ambivalente Folgen. Japan eroberte zwar die deutschen Besitzungen in Shandong, gab sie aber nicht unmittelbar an China zurück. Stattdessen verlangte Japan 1915 von China die Einundzwanzig Forderungen, durch die es seinen Einfluss weiter ausbauen wollte. Auf der Pariser Friedenskonferenz 1919 wurden die ehemaligen deutschen Rechte in Shandong Japan zugesprochen. Diese Entscheidung löste in China die Vierte-Mai-Bewegung aus. Erst 1922 erklärte sich Japan bereit, wichtige Rechte in Shandong an China zurückzugeben.
- Australian and New Zealand Army Corps ↩︎


