Territorialentwicklung der Wittelsbacher
Vorbemerkung
Diese zusammenfassende Geschichtsdarstellung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und wissenschaftliche Qualität. Sie soll lediglich Abläufe und Zusammenhänge darstellen, um die Entwicklung mit dem Schwerpunkt auf Mittelschwaben – insbesondere den Raum Ulm / Weißenhorn / Günzburg – nachzuvollziehen. Sie wurde großenteils mit KI erstellt und kann daher grundsätzlich mit Fehlern behaftet sein.
Die Wittelsbacher
Die Wittelsbacher entwickelten sich von einem kleinen bayerischen Adelsgeschlecht zu einer der wichtigsten Dynastien im Heiligen Römischen Reich, mit zwei Kaisern und weitreichenden Territorien.
Um die verschiedenen Teilungen und Gebietszusammeführungen besser verstehen zu können, folgt hier eine grafische Darstellung der Vorgänge. Tipp: Laden Sie sich die Grafik parallel als pdf herunter, dann können Sie die Grafik beliebig vergrößern und im Detail nachverfolgen.

Die territoriale Entwicklung Bayerns
Urbayern 1180-1255
Die bayerischen Wittelsbacher herrschten ab dem Hochmittelalter über weite Teile des heutigen Bayerns und der Pfalz. 1030 wurde mit Otto, dem Besitzer der Burg Scheyern, das Geschlecht erstmals erwähnt, 1070 benannte sich Otto nach der Burg Scheyern und 1115 wird die Bezeichnung ‚Wittelsbacher‘ erstmals urkundlich erwähnt.

1180 wurde Otto I. von Kaiser Friedrich I. Barbarossa zum Herzog von Bayern und des Nordgaus (Oberpfalz) (nach Abtrennung von Kärnten, Tirol, Österreich, Steiermark) ernannt, 1214 übergab Kaiser Friedrich II. die Rheinpfalz und 1268 erbten die Wittelsbacher Schwaben vom Staufer Konradin.
Die bayerische Teilung 1255

1257 wird durch Heirat mit Anna von Böhmen erstmals ein Wittelsbacher König von Böhmen.
Anders als bei den Habsburgern, die ihren Einfluss ständig durch Erwerbungen und Heiraten vergrößerten und stärkten, litten die Wittelsbacher unter mehreren Erbteilungen, die den Besitz zersplitterten. Die Herrschaft ist dadurch sehr komplex und nicht einfach nachzuvollziehen.
Die erste Teilung fand bereits 1255 statt, als Bayern in Ober- und Niederbayern geteilt wurde. Heinrich XIII. wurde hierbei als Heinrich I. Herzog von Niederbayern-Landshut, sein Bruder Ludwig II. erhielt Oberbayern und die Rheinpfalz.
Teilung im Hausvertrag von Pavia 1329

Anmerkung zur Gebietsabgrenzung: Die Grenzen der betroffenen Gebiete sind in den verwendeten Publikationen (Suzanne Bäumler/Evamaria Brockhoff/Michael Henker, Von Kaisers Gnaden. 500 Jahre Pfalz-Neuburg. Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2005, Neuburg an der Donau [Veröffentlichungen zur bayerischen Geschichte und Kultur], Augsburg 2005, 30 und Bayern und Pfalz nach dem Hausvertrag von Pavia 1329. (Gestaltung: Stefan Schnupp); Historisches Lexikon Bayern) nicht einheitlich. Da im Rahmen dieses Artikels die Abgrenzung nicht geklärt werden konnte, sind beide möglichen Umgriffe der Gebiete dargestellt.
Im Hausvertrag von Pavia 1329 regelte Kaiser Ludwig IV den Erbanspruch seiner Söhne Ludwig und Heinrich, sowie die Erbfolge. In ihm wurde die Trennung der Pfalz von Bayern festgelegt und die Regierung in der Pfalz der rudolfinischen, in Bayern der ludowizischen Linie zugesprochen. Der niederbayerische Teil war von dem Vertrag nicht betroffen.
Der Hausvertrag von Pavia 1329 ist eine der für die territoriale und politische Entwicklung Bayerns wichtigsten Urkunden. Die Trennung bestand bis 1777, als Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz das Erbe beider Linien in “Churpfalzbaiern” wieder zusammenführte.
Teilungen 1347-1375


1342 kam die Grafschaft Kirchberg-Weißenhorn durch Heirat an das Herzogtum Bayern-Landshut.
Kaiser Ludwig II hatte 1345 in 2. Ehe Margarete von Hennegau-Holland geheiratet und hierdurch Ansprüche auf diese Länderei erworben. Nach Ludwigs Tod 1347 erhielt der jüngste Sohn Albrecht I Straubing und Holland. Albrecht verlegte Residenz und Verwaltung nach Den Haag.
Nach Ludwigs Tod 1347 erhielt Ludwig II Oberbayern mit dem Nordgau und die Gerichte Kufstein, Rattenberg und Kitzbühel (Bayern-München). Heinrich XIII bekam Niederbayern, Schwaben und Neuburg (Bayern Landshut).
Kaiser Karl IV (Luxemburger) trat die Nachfolge Kaiser Ludwig II an. Er erwarb durch Kauf, Pfandschaft und Erbe ab 1349 ein nicht geschlossenes Territorium entlang der alten Handelsstraße Prag → Nürnberg in Nordbayern und der Oberpfalz mit Sitz in Sulzbach, welches er vorübergehend dem Königreich Böhmen einverleibte. Er konnte dieses Gebiet aber nicht halten, ab Karls Tod 1378 zerfiel das Gebilde, welches 1410 an Bayern zurückfiel. (Die Umstände des Herrschaftswechsels in der Oberpfalz sind komplex, ihre Darstellung würde das Thema unnötig aufblähen).
1353 erhielt die Rheinpfalz die Kurwürde, das Gebiet benannte sich jetzt als Kurpfalz. Auch die Oberpfalz gehörte somit zur Kurpfalz.
Ab 1390 wurde die Oberpfalz nicht mehr selbstständig regiert, sondern von den Kurpfälzern aus Heidelberg mitverwaltet.
Die Wittelsbacher Teilung 1392 und Teilung der Pfalz 1410

Bayern
In der Wittelsbacher Teilung 1392 wurde Ober- und Niederbayern in vier Teilherzogtümer mit Residenzen in München, Ingolstadt, Landshut und Straubing aufgeteilt. Als die Herrschaft über Holland durch Heirat an Burgund fiel, wurde das Herzogtum Straubing 1429 auf die anderen drei bayerischen Herzogtümer aufgeteilt. 1450 wurde zudem Bayern-Ingolstadt wieder mit Bayern-Landshut vereint.
Pfalz
Die Pfalz war von Anfang an kein zusammenhängender Herrschaftsbereich, sondern eine Ansammlung kleiner und kleinster Herrschaften, die zudem noch mehreren Stammeslinien gehörten.
Die Kurpfalz wurde von 1353 – 1410 von Ruprecht I bis Ruprecht III regiert. Nach dessen Tod 1410 wurde die Kurpfalz unter Ruprecht III Söhnen in vier Teilherzogtümer aufgeteilt. Die Kurwürde verblieb bei der Kurpfalz Heidelberg. Es entstanden die weiteren Herzogtümer Pfalz-Neumarkt, Pfalz Mosbach und Pfalz Simmern-Zweibrücken.
Das Kurterritorium Heidelberg verblieb hierbei durch die geschickte Politik Ruprecht I relativ stark. So konnte er 1408 noch die halbe Landvogtei Ortenau mit Offenburg, Gengenbach und Zell (in Kondominium mit Habsburg!) sowie 1423 die Landvogtei Elsass mit dem Zehnstädtebund (Decapolis) der Reichsstädte im Elsass sowie die Grafschaft Hagenau dazu erwerben.
Außerdem erhielt die Kurpfalz Gebiete in der Oberpfalz (Amberg, Nabburg, Kemnath, Weiden)
Für die restlichen pfälzischen Gebiete wurde das Herzogtum Pfalz Neumarkt neu gebildet. Ihr Herrscher Herzog Johann konnte durch Pfandschaften zusätzliche Gebiete aus dem Besitz der Linien Bayern-München und Bayern-Landshut dazugewinnen, die dann auch später bei der Oberpfalz verblieben. Die Seitenlinie Pfalz-Neumarkt in der Oberpfalz erlosch bereits 1448.
Die Linie Pfalz-Mosbach mit den Städten Mosbach, Sinsheim, Eberbach, Wiesloch, Lauda und Wildberg hatte zu dieser Zeit nur rechtsrheinischen Besitz.
Territorial besser ausgestattet wurde die Linie Pfalz Simmern-Zweibrücken, die dann auch in der Geschichte längeren Bestand hatte. Pfalzgraf Stefan erhielt 1410 folgende linksrheinische Gebiete: Burg und Stadt Simmern, Reste der Grafschaft Zweibrücken (Burg + Stadt Zweibrücken, Hornbach mit Zubehör), Argenthal, Burg Laubach, Wildburg im Soonwald, ein Drittel der Stromburg mit Besitz, die Hälfte der neuen Burg Waldeck mit Besitz, einen Anteil an der Ehrenburg, Laubenheim, Trifels, Annweiler, Bergzabern, Neukastel, die Hälfte von Altenbamberg/Altenwolfstein, Falkenburg, Guttenberg, Haßloch, Burg Bolanden, Ruppertsecken, Bieblenheim, Weinsheim sowie die Grafschaft Lützelstein im Elsass.
Bayern und die Pfalz 1410-1500

Bayern
1438 zerfiel das Konstrukt Straubing-Holland. Die niederländischen Gebiete kamen im Erbwege zunächst an Burgund, später an Spanien (Spanische Niederlande). Das Herzogtum Straubing wurde aufgeteilt, der nördliche Teil kam an Bayern-Landshut, der südliche Teil an Bayern-Ingolstadt und das Straubinger Kerngebiet fiel an Bayern-München.
1450 wurde Bayern-Ingolstadt unter Herzog Ludwig IX mit Bayern-Landshut vereint.
Pfalz
Die Pfalz-Neumarkt endete 1448 mit dem kinderlosen Tod des letzten Regenten Christoph von Pfalz-Neumarkt. Das Territorium fiel an Christophs Onkel Otto I. von Pfalz-Mosbach und Stephan von Pfalz Simmern-Zweibrücken. Stephan verkaufte seinen Teil an Neumarkt für 96.000 fl an seinen Neffen Otto, der so ganz Neumarkt besaß.
Die Pfalz Mosbach endete 1499 mit dem kinderlosen Tod des letzten Regenten Otto II. Das Territorium fiel an Kurfürst Philipp von der Pfalz (Kurlinie).
Pfalzgraf Stefan von Simmern-Zweibrücken heiratete am 27.06.1410 Anna von Veldenz aus dem Geschlecht der Grafen von Veldenz. Hierdurch erwarb Stefan auch Ansprüche an dieser Grafschaft. Anna von Veldenz gilt als Stammmutter der Wittelsbacher-Linie Pfalz-Zweibrücken und somit des späteren bayerischen Königshauses.
Stefan regelte 1444 die Erbschaft, die unter seinen Söhnen aufgeteilt werden sollte. 1453 zog sich Stefan aus der Regierung zurück. Nach seinem Tod 1459 wurde die Erbteilung voll umgesetzt. Friedrich erhielt Pfalz Simmern und sein Bruder Ludwig I die Pfalz Zweibrücken.
Die Kurpfalz erreichte im 15. Jh. ihre größte Machtfülle. Sie erweiterte sich um Teile der Grafschaft Sponheim (um Kreuznach und auf dem Hunsrück), wenn auch nur mit Kondominatsanteilen. Wesentliche Erweiterungen gelangen im Odenwald (Otzberg 1390/1428), an der Bergstraße (Amt Starkenburg 1463), im rheinhessischen Raum, im Elsaß (Landvogtei 1408) und am Neckar (Grafschaft Löwenstein 1377/1445), mit den Ämtern Möckmühl 1442/1448, Neuenstadt 1450, Lützelstein 1452, Weinsberg 1411/1455 und Besigheim 1463.
1499 fiel durch Erbvertrag die Pfalz-Mosbach, die auch das Erbe Pfalz-Neumarkts angetreten hatte, an die Kurlinie zurück, jedoch ohne Wildberg und Lauda, die schon vorher veräußert worden waren.
Bayern und die Pfalz 1500-1618

Bayern
Landshuter Erbfolgekrieg und ‚Kölner Spruch‘
Der kinderlose Herzog Georg der Reiche (Bayern-Landshut) setzte 1496 seine Tochter Elisabeth und ihren Mann Ruprecht von der Pfalz als Erben ein, was gegen den Wittelsbachischen ‚Hausvertrag von Pavia, 1329‘ (Primogenitur Bayern-München) verstieß. Nach Georgs Tod (01.12.1503) beanspruchte Albrecht IV. von Bayern-München das gesamte Landshuter Erbe. 1504 eroberte Albrecht mit kaiserlicher Unterstützung (Maximilian I.) Landau, besiegte Ruprechts Truppen bei Altdorf und Wenzenbach; Götz von Berlichingen verlor hierbei seine Hand. Elisabeth starb kurz nach der Schlacht bei Wenzenbach; ihre unmündigen Söhne Ottheinrich und Philipp kämpften weiter unter Georg von Wisbeck.
König Maximilian I. (Kaiserkrönung erst 1508) aus dem Hause Habsburg traf im sog. ‚Kölner Spruch‘ 1505 eine Entscheidung als Kompromiss: Bayern-München erhielt Niederbayern Landshut, was dem größten Teil des Territoriums entsprach. Das Herzogtum Pfalz-Neuburg wurde für Ruprechts Söhne neu geschaffen. König Maximilian I. selbst nahm sich als ‚Vermittlungsprovision‘ Kufstein, Rattenberg, Kitzbühel, das Mondseegebiet, die Nürnberg Landgerichte und die Grafschaft Kirchberg-Weißenhorn.
So entstand ein großes zusammenhängendes Gebiet unter der Regentschaft von Bayern-München.
Die Pfalz
Die Kurpfalz
Durch den kinderlosen Tod Ott II von Pfalz Mosbach 1499 fiel dieses Gebiet samt der schon 1448 ererbten Pfalz Neumarkt Kurfürst Philipp (reg. 1476-1508) in Heidelberg zu. Das Gebiet und die Macht des Kurfürstentums wurden hierdurch noch einmal gemehrt.
Auf Philipp folgte Ludwig V (reg. 1508-1544) und auf diesen Friedrich II (reg. 1544-1556). Nach dessen Tod wird Ottheinrich von Pfalz-Neuburg als Kurfürst eingesetzt, obwohl dieser die Pfalz Neuburg bereits 1544 in den Staatsbankrott getrieben hatte und deswegen nach Heidelberg ins Exil gehen musste. Entscheidend für die Kurwürde war ausschließlich die genealogische Stellung.
Ottheinrich baute die Residenzstadt im Renaissance-Stil aus, insbesondere das Schloss. Auch sonst bemühte er sich sehr um Kunst und Kultur.
Nach Ottheinrich übernahm Friedrich von Pfalz-Simmern, Sohn des Johann II, die Kurfürstenwürde. Ihm folgte Ludwig VI, der durch seine Heirat mit Anna Maria, der Tochter des Schwedenkönigs Gustav Wasa, die enge Beziehung zum schwedischen Königshaus begründet. Sein Sohn Friedrich IV war beim Tod des Vaters noch nicht volljährig, weswegen Johann Casimir von Pfalz-Lautern von 1583-1592 als Vormund eingesetzt war.
Friedrich IV trat 1592 die Regierung an. 1598 erhielt er im Erbschaftswege das Gebiet Pfalz Simmern hinzu.
1558 wurde das Gebiet der Landvogtei Elsass, die als Pfandgebiet bei der Kurpfalz war, von Kaiser Ferdinand I ausgelöst und ging wieder an Habsburg. Auch das Kondominium in der Landvogtei Ortenau lief 1556 aus.
Der Gebietszuwachs der Kurpfalz beschränkte sich bis 1610 auf Abrundungen und kleiner Gebiete, z.T. auch als Kondominat, z.B. bei Ladenburg 1537 und bei Wald-Michelbach 1581.
Pfalz Simmern und Pfalz Zweibrücken
Der Sohn Friedrich des Pfalzgrafen Johann II von Pfalz Simmern trat gemäß der Erbfolge 1559 die Kurfürstenwürde in der Kurpfalz an, während sein Bruder Georg 1559 die Pfalzgrafschaft in Simmern übernahm. Weil er 1569 kinderlos starb, rückte der nächste Bruder Reichard nach. Auch dieser starb 1598 kinderlos, so dass Simmern auch der Kurpfalz zufloss.
Die Pfalz Zweibrücken bestand noch länger als eigene Grafschaft. Ottheinrichs Misswirtschaft in Pfalz Neuburg führte dazu, dass Wolfgang 1557 die überschuldete Pfalz Neuburg überlassen wurde (siehe Abschnitt Pfalz Neuburg). Er konsolidierte deren Finanzen und herrschte bis zu seinem Tod 1569 über Neuburg, Sulzbach und Zweibrücken-Birkenfeld. Ihm folgten:
Herzogtum Pfalz-Neuburg
Aus Bestandsteilen der Herzogtümer Bayern-Ingolstadt, Bayern-München, Pfalz Neumarkt und Kurpfalz wurde im Kölner Spruch von Kaiser Maximilian das Herzogtum Pfalz-Neuburg neu geformt. Residenz wurde Neuburg/Donau. Als Herrscher wurde der erst dreijährige Ottheinrich eingesetzt, der aber erst 1522 die Regierung übernehmen konnte, zusammen mit seinem Bruder Philipp. 1535 teilten die beiden Brüder den Besitz, Philipp erhielt das Gebiet Pfalz-Sulzbach. Das währte aber nur 6 Jahren. Mit Philipps Tod fiel Sulzbach an Neuburg zurück.
Ottheinrichs ausschweifender Lebensstil führte 1544 zum Staatsbankrott, die Landstände übernahmen die Regierung. Ottheinrich ging in die Kurpfalz nach Heidelberg ins Exil, dort wurde er 1556 Kurfürst.
1557 überließ er das hochverschuldete Pfalz-Neuburg seinem Vetter Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken. Dieser vereinte die beiden Herzogtümer unter Pfalz-Zweibrücken, was diesem eine stärke Position gegenüber der größeren Kurpfalz Heidelberg erbrachte.
Aufteilung der Pfalz Neuburg nach dem Tod Herzog Wolfgangs von Zweibrücken
Herzog Wolfgang hatte Pfalz-Neuburg im Grunde genommen nur als Verwalter bekommen. Nach seinem Tod 1569 wurden lt. Testament seine Söhne als Erben der Teilgebiete eingesetzt.
Pfalz Neuburg
Philipp Ludwig (1547-1614) erhielt den Hauptanteil mit der Residenz Neuburg. Otto Heinrich (+1604) und Friedrich (+1597) bekamen die heute oberpfälzischen Landesteile (vormals Pfalz-Sulzbach). Bis zu Otto Heinrichs Volljährigkeit 1582 wurde die Oberpfalz von Philipp Ludwig mitverwaltet. Nach seinem kinderlosen Tod 1604 fielen die Gebiete an das Gesamthaus zurück und Philipp Ludwig herrschte bis 1614 über das gesamte Gebiet.
Pfalz Zweibrücken
Für die Pfalz Zweibrücken legte Herzog Wolfgang 1568 das Prinzip der Primogenitur fest, so dass 1569 sein erstgeborener Sohn Johann Kasimir als Herzog Johann I die Pfalz Zweibrücken erhielt. Von 1583-1592 verwaltete Johann Casimir als Vormund die Kurpfalz bis zu Volljährigkeit Friedrich IV. In Zweibrücken folgte ihm 1604 sein Sohn Johann II.
Pfalz Birkenfeld
Mit der Pfalz Birkenfeld wurde 1569 von Herzog Wolfgangs 5. Sohn Karl eine neue Seitenlinie installiert. Das Herrschaftsgebiet war relativ klein und entstand aus dem pfälzischen Anteil an der Hinteren Grafschaft Sponheim mit den Orten Birkenfeld (Residenzstadt), Allenbach und Trarbach. Im Kastellauner Vertag von 1595 wurden mit dem badischen Kondominatsherrn Eduard Fortunat für die Ämter Birkenfeld und Allenbach die alleinigen Herrschaftsrechte der Pfalz vereinbart.
1600 übernahm Georg Wilhelm die Regentschaft über dieses Gebiet.
Diese Herrschaft ist genealogisch höchst bedeutend: Alle Könige von Bayern, alle Herzöge in Bayern und alle heute lebenden Wittelsbacher entstammen dieser Linie.
Pfalz Veldenz
Das Gebiet der Grafschaft Veldenz war schon 1410 durch Heirat an Pfalz Simmern-Zweibrücken gefallen. Durch den Marburger Vertrag vom 3. Oktober 1543 trat Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken darin die Ämter Veldenz (an der Mosel), Lauterecken und den Remigiusberg an seinen Onkel und ehemaligen Vormund Ruprecht ab, der damit eine eigenständige Linie begründete. 1556 wurde die Grafschaft Lützelstein von der Pfalz Veldenz übernommen.
Die Oberpfalz
Einen Sonderfall stellte weiterhin das Gebiet der Oberpfalz dar. Die für das Herzogtum Pfalz-Neuburg neu geschaffenen Gebiete in der Oberpfalz waren nicht zusammenhängend, sondern noch von bayerischen Flächen umgeben. Außerdem verblieben die vier Ämter Amberg, Nabburg, Waldeck und Kemnath weiterhin bei der Kurpfalz Heidelberg.
Durch die Übernahme der Gebiete der ehem. Pfalz Neumarkt (ab 1448 zu Pfalz Mosbach gehörig) im Jahr 1499 entstand ein großes Gebiet in der Oberpfalz, welches zur Kurpfalz gehörte. Teile hiervon wurden im Kölner Spruch zur Pfalz Neuburg abgegeben.
Die Regierung des Gebiets erfolgte von Heidelberg aus (Ludwig V, 1505-1508). In die Verwaltung bezog er den Landtag der Oberpfalz ein, vermerkt ist ein Rat Endres Fuchs.
Ab 1516 regierte Pfalzgraf Friedrich II. die Oberpfalz außer dem Kurpräzipuum in Neumarkt, während Ludwig V. das Kurpräzipuum (Amberg, Nabburg, Waldeck, Kemnath) in Amberg verwaltete.
1522 übernahm Ottheinrich die Regierung von Heidelberg aus. 1541 setzte er Markgraf Albrecht Alcibiades als Verwalter ein, gefolgt von Markgraf Georg Friederich.
Ottheinrichs Nachfolger, Kurfürst Friedrich von Pfalz-Simmern, ließ von 1559-1570 Georg von Männing das Gebiet verwalten. 1592 stellte Kurfürst Friedrich IV mit Christian I. von Anhalt-Bernburg einen überzeugten Protestanten als Statthalter ein.
Auch die Wittelsbacher verstanden es, nutzbringende Heiraten zu arrangieren. So hatte man schon 1562 Verbindungen zum schwedischen Königshaus geknüpft und ab 1609 erweiterte man den Einflussbereich an den Niederrhein.
Jülich-Berg
Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg heiratete am 27. September 1574 Anna von Jülich-Kleve-Bergin Neuburg. Hiermit begründete Philipp Ludwig später seine Ansprüche auf die Erbfolge im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit ab 1609. Zur offiziellen Übernahme von Jülich, Berg und Ravenstein durch Pfalz-Neuburg kam es jedoch erst 1614 durch Philipp Ludwigs Sohn Wolfgang Wilhelm, der kurz zuvor zum Katholizismus übergetreten war und Magdalene, die Schwester von Herzog Maximilian I. von Bayern, geheiratet und sich dadurch die Unterstützung der katholischen Liga gesichert hatte.
Die Verbindung zum schwedischen Königshaus
Pfalzgraf Georg Johann I. von Pfalz-Veldenz heiratete am 20.12.1562 im Königsschloss zu Stockholm Anna Maria von Schweden, die Tochter des Schwedenkönigs Wasa.
Herzog Karl von Södermanland (der spätere schwedische König Karl IX.) heiratete am 11.05.1579 in Heidelberg die pfälzische Prinzessin Anna Maria von Pfalz Simmern. Anna Maria von der Pfalz war die Nichte des Pfalzgrafen Georg Johann I., der 17 Jahre zuvor (1562) Karls Schwester Anna Maria von Schweden geheiratet hatte. Beide Linien waren dadurch doppelt miteinander verschwägert.
Karl und Anna Marias Tochter Katharina heiratete dann am 21.06.1615 in Stockholm Pfalzgraf Johann Kasimir von Pfalz-Zweibrücken. Diese Ehe festigte die enge Allianz zwischen dem protestantischen Schweden und den reformierten deutschen Fürstentümern der Pfalz, die bereits in den Generationen zuvor durch Heiraten aufgebaut worden war. Ihr Sohn Karl X. Gustav bestieg 1654 den schwedischen Thron. Damit begründete diese Hochzeit das neue schwedische Königshaus Pfalz-Zweibrücken-Kleeburg (eine Linie der Wittelsbacher), das Schweden in seiner Großmachtzeit regierte.
Die Reformation
In diesen Zeitraum fiel die Reformation, beginnend mit Luthers Thesenanschlag 1517 in Wittenberg. Die Reformation brachte tiefe gesellschaftliche Verwerfungen mit sich, die im Rahmen dieses Artikels nicht näher behandelt werden sollen. Auch die Politik und die Allianzen der Herrscherhäuser waren stark von den zumindest vordergründig theologischen Auseinandersetzungen betroffen. Diese beeinflussten zumindest mittelbar auch die Heiratspolitik und somit die Territorialentwicklung. Wenn es opportun erschien, waren aber auch Konfessionswechsel an der Tagesordnung.
Die im Zuge der Reformation verfügte Aufhebung katholischer Klöster und Stifte führte zur Annexion derer Besitztümer und somit zu einem Gebiets- und Machtzuwachs der Herzogtümer und Grafschaften.
Überwiegend neigten die pfälzischen Herren eher zur Reformation, im Gegensatz zu den traditionell katholisch verbleibenden bayerischen Herrschern.
Der Bauernkrieg 1524-1526
Die Gedanken der Reformation wurden von niederen Schichten als Aufforderung nach sozialen Reformen interpretiert, die durch die Bibel legitimiert seien und begannen sich gegen die Herrschaften aufzubegehren. An vielen Orten begannen Aufstände, bei denen sich die Bauern und Leibeigenen nicht zimperlich zeigten, Gewalt anwandten, plünderten und brandschatzten. Überall in Deutschland bildeten sich Fähnlein, die durch die Lande zogen und Angst und Schrecken verbreiteten. Doch auch die Herrschaft blieb nicht untätig, schloss sich in Bünde zusammen und widersetzte sich den Reformgedanken.
In Mühlhausen (Thüringen) war Thomas Müntzer, ein radikaler Verfechter der Reformation, Pfarrer an der Marienkirche. Er führte im April/Mai 1526 ein Aufgebot gegen Frankenhausen, wo er in der Schlacht am 15. Mai 1526 geschlagen wurde. Die Schlacht forderte 6.000 Menschenleben. Müntzer wurde gefasst, gefoltert und am 27. Mai in Mühlhausen hingerichtet.
Weil der Bauernkrieg keine territorialen Auswirkungen hatte, wird in diesem Beitrag nicht näher auf ihn eingegangen. Eine neue Geschichte des Bauernkrieges findet sich bei: Thomas Kaufmann, Der Bauernkrieg – Ein Medienereignis, 2024, Herder Verlag.
Vom 30-jährigen Krieg bis zur französischen Revolution 1648-1792

Der 30-jährige Krieg hatte zunächst religiöse und nachfolgend politische Ursachen und führte im 17. Jahrhundert zur Verwüstung Deutschlands, insbesondere der Pfalz. Der ursprünglich religiöse Konflikt zwischen den protestantischen Fürsten und dem Haus Habsburg, das den Kaiser des Römischen Reiches stellte, artete mit dem Eingreifen ausländischer Mächte, besonders Schwedens und Frankreichs, in einen europäischen Krieg aus. Die Ideen der Reformation, von Luther eigentlich nur theologisch gemeint, wurden von allen Seiten ideologisch anders interpretiert und zur Steigerung der eigenen Macht oder Freiheit eingesetzt, sei es von den Bauern im Bauernkrieg gegen die Fürsten oder von den Fürsten gegenüber dem Kaiser.
Auf die Ereignisse des 30-jährigen Krieges soll in diesem Beitrag nicht besonders eingegangen werden, hierzu bestehen mannigfaltige Publikationen zur Verfügung. Der Krieg hatte aber auch entscheidende Auswirkungen auf die Territorialentwicklung, besonders in der Pfalz.
Bayern
Das Herzogtum Bayern überstand den Krieg territorial ziemlich unbeschadet. Zwar fanden in Bayern auch viele Gräueltaten statt, politisch blieb Bayern aber stabil. 1623 wurde Bayern die Pfälzer Kurwürde übertragen und es hatte damit eine eigene Stimme im Reichstag (siehe hierzu auch den Abschnitt ‚Kurpfalz‘).
Bayern konnte einige kleinere Gebiete in Schwaben dazu gewinnen, die aber Inseln inmitten habsburgisch dominiertem Umland blieben. 1616 konnte Mindelheim erworben werden, 1642 Wiesensteig und 1756 Illertissen.
Die Oberpfalz
1619 hatte sich Herzog Maximilian I. von Bayern (1573-1651) als Ersatz für die Kriegskosten im Münchner Vertrag von Kaiser Ferdinand II. die Kurwürde und die Obere Pfalz zusichern lassen. Nach der Schlacht am Weißen Berg eroberten die bayerischen Truppen 1621 die Obere Pfalz, die Maximilian sogleich kommissarisch übertragen wurde. 1623 erhielt er sie als Pfandbesitz, bevor sie ihm 1628 endgültig übertragen wurde. Die Besitzungen der Herzogtümer Neuburg und Sulzbach blieben jedoch souverän.
1646 starb mit Maximilian Adam die benachbarte Grafschaft Leuchtenberg im Mannesstamm aus. Das Lehen fiel an Bayern zurück und Maximilian Philipp Hieronymus von Bayern (zweitgeborener Sohn von Kurfürst Maximilian I) wurde als Graf der Herrschaft eingesetzt. Nach dessen Tod 1705 wurde Leuchtenberg völlig in das Kurfürstentum Bayern einbezogen.
Pfalz Sulzbach
Die Pfalz Sulzbach wurde 1615 als Deputatfürstentum zur Nutzungsteilung der Herzogsbrüder Wolfgang Wilhelm und August von Pfalz-Neuburg geschaffen. Das Herzogtum umfasste die Erbämter Sulzberg, Flossenbürg, Vohenstrauß und ein Kondominium an Parkstein-Weiden. Augusts Sohn Christian August (reg. 1632-1708) führte 1652 erstmals in einem Territorium des Reichs ein gleichberechtigtes Nebeneinander von katholischer und evangelischer Konfession fest, das sog. Simultaneum.
Pfalzgraf Karl Theodor (reg. 1733/41-1799) erbte 1742 die Kurpfalz (die schon 1697 als Erbe der Pfalz Neuburg zugefallen war) und 1777 Kurbayern. Das Fürstentum Pfalz-Sulzbach sank damit zum Nebenland herab. Diese kurpfälzisch-bayerische Union bestand bis zum Frieden von Lunéville 1801.
1791 wurde die Sulzbacher Regierung aufgelöst und Amberg unterstellt.
1799 wurden Obere Pfalz, Pfalz Sulzbach und Leuchtenberg zur Provinz Oberpfalz unter bayerischer Regentschaft vereinigt.
Pfalz Neuburg
Nach Pfalzgraf Philipp Ludwigs Tod (reg.1569-1614) wurde das Gebiet Pfalz Neuburg unter den Herzogsbrüdern Wolfgang Wilhelm und August in Neuburg und Sulzbach aufgeteilt.
Wolfgang Wilhelms Sohn Philipp Wilhelm erbte 1685 von Pfalz-Simmern die Kurpfalz. Diese Erbschaft löste 1688 den pfälzischen Erbfolgekrieg aus.
Einschub: Der Pfälzische Erbfolgekrieg
Der neunjährige Krieg war ein vom französischen König Ludwig XIV. provozierter Konflikt und dauert von 1688 bis 1697. Die pfälzische Linie Pfalz-Simmern erlosch 1685. Elisabeth Charlotte von Pfalz-Simmern, die Lieselotte von der Pfalz (1652–1722), hatte 1671 Herzog Philipp von Orléans, den Bruder von Ludwig XIV, geheiratet. Ludwig XIV. forderte daher 1685 das pfälzische Erbe für seinen Bruder Philipp von Orléans in Liselottes Namen. Ludwig XIV. forcierte eine expansive Reunionspolitik: französische Gerichte bestätigten die Ansprüche.
Das französische Heer rückte im September 1688 ohne Kriegserklärung in die Pfalz ein. Die Truppen griffen weit über die Kurpfalz hinaus bis Ulm und Mergentheim an. Unter der Parole „Brûlez le Palatinat!“ (Verbrennt die Pfalz) legten die Franzosen fast alle festen Orte, Burgen und Schlösser in Schutt und Asche. Prominentestes Opfer wurde der Ottheinrichbau des Heidelberger Schlosses, welcher bis heute als Ruine dasteht. Mannheim wurde als Festungsstadt dem Erdboden gleichgemacht, Speyer und Worms wurden samt den romanischen Bischofskirchen zerstört. Es fand eine planmäßige Zerstörung statt, die viel zum langandauernden Hass zwischen Frankreich und Deutschland und einer antifranzösische Publizistik im Reich beitrug.
Eine große Allianz gegen Frankreich unter Reich, Bayern, Schweden, Spanien, England und den Niederlanden ab 1689 zwang Frankreich in die Knie. Im Frieden von Rijswijk verzichtete Ludwig XIV auf die Pfalz, zudem noch Lothringen und die rechtsrheinischen Erwerbungen aus seiner Réunionspolitik.
1694 verwaiste das Herzogtum Pfalz Veldenz ohne männlichen Nachfolger. Das Gebiet wurde zwischen der Kurpfalz, Pfalz Sulzbach und Pfalz Birkenfeld aufgeteilt. (Siehe hierzu den Absatz über Pfalz Birkenfeld).
1697 trat Johann Wilhelm von Pfalz Neuburg das Erbe seines Vaters an und herrschte nun auch noch über einen Teil der Pfalz Veldenz. In seine Regierungszeit fiel der Spanische Erbfolgekrieg 1701-1714.
Einschub: Der Spanische Erbfolgekrieg
Dreizehn Jahre lang kämpften die französischen Bourbonen und das Haus Habsburg um die spanische Krone. Am 01. November 1700 starb der letzte spanische Habsburger Karl II. (1665–1700) ohne Erben. Die spanische Linie der Habsburger war damit erloschen. Sowohl die Habsburgerwie auch das französische Königshaus meldeten Ansprüche auf den spanischen Thron an.
Kaiser Leopold I. beanspruchte das Erbe für seinen Sohn Karl, König Ludwig XIV. wünschte das Erbe für seinen Enkel Philipp von Anjou. Spanien war als Herrschaftsgebiet äußerst begehrt: es hielt große Teile von Italien, die Spanischen Niederlande und koloniale Gebiete in Mittel- und Südamerika.
Österreich, England, die Niederlande und später auch Portugal verteidigten den Spanischen Thron, während Bayern, Köln und Savoyen zu Ludwig XIV hielten.
Prinz Eugen begann 1701 im habsburgischen Auftrag den Krieg mit einem Feldzug in Italien, eine Kriegserklärung erfolgte erst im Mai 1702. Eine Allianzarmee unter Prinz Eugen und John Churchill (Duke of Marlborough) besiegte das französisch-bayrische Heer 1704 in der Schlacht von Höchstädt. Daraufhin wurde Bayern bis Kriegsende von den Habsburgern besetzt.
Der Krieg griff auch auf die nordamerikanischen Kolonien über.
Nach mehreren sehr verlustreichen Schlachten wendete sich der Krieg ab 1711. Kaiser Joseph I. starb überraschend, sein Bruder Karl VI, um dessentwegen der Krieg geführt wurde, folgte nach. Als England fürchtete, dass Habsburg zu mächtig werde, stieg es aus dem Bündnis aus.
Mit drei Friedensschlüssen wurde der Krieg beendet: Im Frieden von Utrecht 1713 erhielten die Bourbonen Spanien und die Überseekolonien und England sicherte sich Gibraltar, im Frieden von Rastatt wurde Karl VI von Habsburg mit den Spanischen Niederlanden, Mailand, Neapel, Mantua, Mirandola, Teile der Toskana und Sardinien mit Sizilien entschädigt. Der letzte Vertrag vom 07.03.1714 beendete den Krieg mit dem Frieden von Baden.
Nach dem Krieg trat Karl Philipp von Pfalz Neuburg 1716 das Erbe des Vaters an. Nach dem frühen Tod des Grafen Johann Christian Joseph von Pfalz Sulzbach fiel auch diese Herrschaft an Pfalz Neuburg, welches nun nahezu alle pfälzischen Gebiete beherrschte.
Die Kurpfalz
Das umfangreiche Gebiet der Kurpfalz wurde 1610 von Friedrich V. übernommen. Friedrich V. verhielt sich jedoch politisch ungeschickt, besonders weil er sich am Böhmischen Aufstand beteiligte. Der Ständeaufstand in Böhmen war ein protestantischer Widerstand gegen den katholischen Habsburger Kaiser Ferdinand II. und mit dem Prager Fenstersturz am 23.05.1618 der unmittelbare Auslöser des Dreißigjährigen Krieges. Als Friedrich V 1619 auch noch die böhmische Krone annahm, erklärte Kaiser Ferdinand II. über ihn 1621 die Reichsacht.
Hiermit verlor er die Kurwürde, die 1623 auf Maximilian I. von Bayern übertragen wurde.
Mit der Reichsacht wurde 1621 die rechtsrheinische Pfalz vom Kaiser unter bayerische Verwaltung gesetzt. Spanische Truppen besetzten die linksrheinische Pfalz. Jetzt war man mitten im Krieg. 1632 wurden beide Seiten der Kurpfalz durch Gustav Adolf von Schweden befreit, schließlich hatte man ja seit 1562 gute familiäre Beziehungen zu Schweden!
Das forderte die Bayern heraus, die 1634 wieder die Kurpfalz besetzten. 1635 wurde die Kurpfalz dann durch Spanien zurückerobert und stand wieder auf der Seite des Katholizismus.
1648 wurde das Gebiet im Westfälischen Frieden wieder an die Kurpfalz zurückgegeben. Pfalzgraf Karl I Ludwig, Sohn des Friedrich V, wurde 1649 restituiert. Er war während der Zeit des 30-jährigen Krieges in England im Exil gewesen. (Karl Ludwigs Mutter war Elisabeth Stuart, eine Tochter des englischen Königs James I)
1648 wurde für die Kurpfalz eine neue, achte, Kurwürde geschaffen, was Karl Ludwig zu verhindern versuchte, aber nicht gelang.
Sein Sohn, Karl II, starb 1685 ohne erbberechtigte Nachkommen, so dass die Kurpfalz an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg fiel. (Fortsetzung der Geschichte s.o. unter Pfalz Neuburg)
Das Territorium wurde in dieser Epoche nur in geringem Umfang verändert.
Winnweiler
Eine Besonderheit stellt das Amt Winnweiler dar. Durch den Kauf der Grafschaft Falkenstein durch Herzog Franz Stephan von Lothringen (den späteren Kaiser Franz I. Stephan und Ehemann von Maria Theresia) kam das Gebiet 1736 de facto an das Haus Habsburg-Lothringen. Winnweiler wurde dadurch als Teil der Grafschaft Falkenstein dem vorderösterreichischen Länderkomplex (Oberamt Breisgau) angeschlossen. Es bildete somit eine Exclave innerhalb der Kurpfalz. Im Jahr 1782 trat Kaiser Joseph II. die Grafschaft Falkenstein (inklusive Winnweiler) im Tausch gegen andere Rechte an den pfälzischen Kurfürsten Karl Theodor ab. Damit wurde der Ort kurz vor dem Ende des Alten Reiches doch noch kurpfälzisch.
Pfalz Birkenfeld
Die 1569 für Herzog Wolfgangs 5. Sohn Karl neu installierte Seitenlinie (siehe Kapitel 7) wurde ab 1600 69 Jahre lang von Herzog Georg Wilhelm regiert. Sein Sohn Karl II Otto regierte nur zwei Jahre und starb 1671 ohne männliche Erben.
1673 heiratete Katarina Agathe von Rappoltstein (Erbin der freien Grafschaft Rappoltstein) Christian II. von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld. Hierdurch kam dieses Gebiet an die Herrschaft der Wittelsbacher.
Erbberechtigt waren Karl Ottos Vettern, die beiden Söhne von Georg Wilhelms jüngerem Bruder Christian I. Dieser hatte die Gebiete Bischweiler und Rappoltswill bekommen. Sein Sohn Christian II. als der ältere trat das Erbe an, was nun offiziell unter Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler-Rappoltstein geführt wurde. Ab 1717 wurde das Gebiet von Christian III regiert.
Als 1731 Gustav Samuel Leo von Pfalz Kleeburg starb, erbte er das gesamte angesammelte Territorium der Pfalz Zweibrücken (siehe auch dort).
Pfalz Zweibrücken
Johann II folgte 1604 auf seinen Vater Johann Casimir als Herzog.
Pfalz-Zweibrücken litt stark im Dreißigjährigen Krieg, als das protestantische Herzogtum zum Ziel der katholischen Heere wurde. 1631 besetzten und plünderten die Schweden die Burg. 1635 wurde die Burg nach 8 Tagen Belagerung eingenommen. Aus der anschließenden Besatzungszeit werden unsägliche Qualen mit Folter, Kannibalismus und massiver Zerstörung berichtet.
Johann II floh 1635 nach Metz, wo er kurz darauf verstarb. Sein Sohn Friedrich trat noch im Exil in Metz die Nachfolge an. Als Friedrich 1661 ohne männliche Nachkommen starb, ging Zweibrücken an seinen Vetter Friedrich Ludwig aus der nächstverwandten Nebenlinie Pfalz Landsberg. Auch Friedrich Ludwig blieb kinderlos.
Das Erbe trat nun Karl I Ludwig aus der Linie Pfalz-Kleeburg an. Dieser war wegen der schon 1562 entstandenen Beziehung der Wittelsbacher zu Schweden gleichzeitig als Karl XI König von Schweden.
Da Zweibrücken noch von den Franzosen besetzt war übernahm aber erst dessen Nachfolger Karl II. (ebenfalls als Karl XII König von Schweden) tatsächlich die volle Regierungsgewalt, ließ diese abervor Ort durch Statthalter ausüben. Nach dem Tod des Schwedenkönigs 1718 folgte diesem als Herzog von Pfalz-Zweibrücken Gustav Samuel Leopold aus der Kleeburger Linie. Jene Wittelsbacherlinie, der die beiden schwedischen Könige entstammt waren, starb allerdings 1731 aus. Nach einer kurzen Phase ohne Herzog endete das Interregnum, indem 1733 Christian III. aus der Linie Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler-Rappoltstein die Herrschaft im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken antrat.
Jülich-Berg
Infolge der Heirat des Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg am 27. September 1574 mit Anna von Jülich-Kleve-Bergerbte 1614 Philipp Ludwigs Sohn Wolfgang Wilhelm, der kurz zuvor zum Katholizismus übergetreten war und Magdalene, die Schwester von Herzog Maximilian I. von Bayern, geheiratet und sich dadurch die Unterstützung der katholischen Liga gesichert hatte, das Herzogtum Jülich-Berg.
Das Herrschaftsgebiet wurde zunächst von 1609-1614 von den beiden ‚possidierenden (besitzenden)‘ Fürsten gemeinsam regiert. Im Jülich-Klevischen-Erbfolgestreitwurde dann das Gebiet im Vertrag von Xanten zwischen Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg und Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg geteilt, wobei die Teile Kleve, Mark und Ravensberg an Brandenburg gingen. Jülich und Berg gingen 1614 an Pfalz-Neuburg.
Die Herzöge von Pfalz-Neuburg nahmen ab 1636 ihren Hauptsitz in Düsseldorf, da Jülich-Berg gegenüber Neuburg deutlich größer und bedeutsamer war. Manchmal wird daher auch interpretiert, Neuburg sei von Jülich übernommen worden.
Nach dem Aussterben der Neuburger Linie im Mannesstamm im Jahr 1742 ging das Erbe von Jülich-Berg vereinbarungsgemäß an die wittelsbachische Linie Pfalz-Sulzbach unter Herzog Karl Theodor über.
Als Karl Theodor 1777 auch das Kurfürstentum Bayern erbte, wurde Jülich-Berg in Personalunion mit Kurbayern vereinigt und von München aus regiert.
Der Anspruch Frankreichs auf die Pfalz
Elsass, Lothringen und die linksrheinische Pfalz waren Gebiete des Heiligen Römischen Reiches, auf die Frankreich schon seit dem frühen Mittelalter Ansprüche erhob. Im Westfälischen Frieden 1648 wurden die habsburgischen Besitzungen Ober- und Unterelsass und der Sundgau Frankreich zugesprochen. Die freien Herrschaftsgebiete im Elsass und die wittelsbachischen Gebiete (Lützelstein, Kleeburg, Bischweiler u.a.) fielen nicht an Frankreich. 1673 konnten die Wittelsbacher durch Heirat die Grafschaft Rappoltstein einverleiben.
Der Bund der 10 freien Reichsstädte (Decapolis) im Elsass fiel auch Frankreich zu. Die Städte widersetzten sich aber. Daraufhin besetzte Frankreich 1674 diese Städte und richtete dort französische Administrationen ein.
Die französische Réunionspolitik und König Ludwig XIV zielte auf die Annexion von Gebieten des Heiligen Römischen Reiches, Spaniens und der Niederlande, die nach französischer Auffassung mit französischen Territorien rechtlich verbunden waren und daher „wieder vereint“ werden sollten. Man bezog sich auf alte Lehensrechte und historische Verträge und installierte sog. ‚Réunionskammern‘ um die Ansprüche juristisch zu belegen.
1681 wurde Straßburg erobert.
Im Pfälzischen Erbfolgekrieg ab 1688 versuchte Frankreich, die Pfalz zu erobern. Dieser Krieg wurde mit äußerster Brutalität, massenhaften Zerstörungen und schweren Kriegsverbrechen geführt.
Im Frieden von Rijkswijk 1697 musste Frankreich den größten Teil der pfälzischen Eroberunegn wieder abgeben. Nur Landau verblieb als französische Exclave im deutschen Reichsgebiet bis 1816. Auch die Stadt Straßburg und die elsässischen Réunionen verblieben bei Frankreich.
Nach der Französischen Revolution besetzten die Revolutionstruppen 1792 das gesamte linksrheinische Gebiet bis nach Nijmegen und konnten dieses bis zum Wiener Kongress 1814 halten (siehe hierzu eigenen Artikel 1792-1814).
Fortsetzung: Der große Umbruch 1792-1814

