Historie

B 1 Linien Babenhausen (1538-heute) und Boos

Babenhausen

Lageplan

Die Linie Babenhausen geht auf die Zukäufe des Anton Fugger (1493-1580, AC16) in den Jahren 1537-1558 zurück. Sie ist die viertälteste Fuggerlinie und eine von den drei heute noch bestehenden Zweiglinien.

Das Gebiet umfasst Babenhausen (1538), Kirchhaslach (1539), Weilbach (1544), Rettenbach (1547) und Kettershausen (1558). 1585/1657 kamen Immelstetten, Irmatshofen, Anhofen und Oberneufnach hinzu.

Die Orte Pleß (1546). Boos (1551), Reichau (1551) und das 1589 erworbene Heimertingen stellten eine zeitlang eine eigene Linie dar.

Es beinhaltete zunächst auch Dietenheim-Brandenburg bis zur Erbteilung 1575, als es an Kirchberg-Weißenhorn der Raimund-Linie abgetreten wurde.

Die Herrschaften wurden zunächst im Familienverbund gemeinsam verwaltet. Je mehr Nachkommen geboren wurden, desto schwieriger wurde die gemeinsame Verwaltung. Hinzu kam der folgenschwere Konkurs von Johann Jakob 1564, der die gemeinsame Verwaltung schwer auf die Probe stellte. 1575 entschloss man sich zu einer Erbteilung.

Entwicklung nach 1575

Bei der Erbteilung 1575 erhielt Jakob III Fugger (1542-1598, U19) den Block Babenhausen zugesprochen. Er war verheiratet mit Anna Ilsung von Tratzberg. Aus der Ehe gingen 11 Kinder hervor, 5 Töchter und 6 Söhne. Davon erreichten 4 das Erwachsenenalter.

Jakob III tätigte nach 1575 noch einige Zukäufe. So wurden 1585 Immelstetten, Irmatshofen, Anhofen und Oberneufnach zunächst gepachtet und 1657 gekauft, 1589 Heimertingen erworben, 1592 Wasserburg am Bodensee, 1595 Leeder sowie Wellenburg mit Bergheim, Inningen, Bannacker und Radegundis und 1597 Welden mit Reutern und Ehgatten. Tratzberg in Tirol kam 1589 im Erbwege an die Fugger.

Aufteilung 1598 und 1620

Nach Jakob III Tod 1598 wurde der Besitz unter den vier Brüdern aufgeteilt.

Bei der Erbteilung waren allerdings die drei jüngsten Brüder noch nicht volljährig. Da auch die Mutter 1601 verstarb, zog das Fuggersche Gesamt-Seniorat in Augsburg die Oberaufsicht an sich. Allen voran agierte Christoph Graf Fugger (1566–1615, N22) aus der Kirchheimer Linie als herrschaftlicher Vormund und Curator, um die Rechtsgeschäfte der Waisen vor dem Kaiser und dem Schwäbischen Kreis zu vertreten.

Anstatt die Güter sofort physisch aufzuteilen, wurde die Verwaltung bis 1620 in eine interimistische Gesamtverwaltung überführt. Aus einer gemeinsamen Kasse wurden die standesgemäße Erziehung, die Kavalierstouren durch Europa und das Studium der vier Brüder (unter anderem an der Universität Ingolstadt) finanziert.

Das Vormundschaftssystem endete nicht an einem festen Tag, sondern die Brüder wurden mit dem Erreichen des jeweiligen 21. Lebensjahres schrittweise „emanzipiert“ (für volljährig erklärt). Erst als alle vier Brüder im heiratsfähigen Alter und rechtlich voll geschäftsfähig waren, wurde die Vormundschaftsverwaltung im Jahr 1620offiziell aufgelöst. In diesem Jahr kam es zur großen Realteilung, bei der die Güter endgültig aufgeteilt wurden.

Der älteste Sohn Georg (1577-1643, U22) machte eine Karriere als Verwalter und wurde kaiserlicher Rat und Landvogt in Schwaben. Er erhielt Wasserburg, Leeder und Tratzberg. Hans (Johann) d.Ä. (1583-1633, V22) erhielt Boos, Hieronymus (1584-1633, AA22) bekam Wellenburg und Maximilian (1587-1629, AC22) wurde Babenhausen zugeteilt.

Direkt nach dieser Aufteilung stellten die Brüder Hans und Maximilian jedoch fest, dass die Zuordnung nicht zu ihren persönlichen Lebensplänen passte. Sie vollzogen noch im selben Jahr einen sofortigen Gütertausch. Maximilian (1587–1629, AC22) gab Boos ab und wurde dauerhaft Herr zu Babenhausen. Johann / Hans der Ältere (1583–1633, V22) gab Babenhausen ab und wurde dauerhaft Herr zu Boos.

Weil die Entwicklung der Herrschaft Boos sehr eng mit Babenhausen verwoben ist, wird die Geschichte der beiden Zweige bei Babenhausen und Boos gleichermaßen behandelt.

Johann der Ältere (1583-1633, V22) übernahm als alleiniger Regent die Herrschaft Boos sowie die zugehörigen Besitztümer in Heimertingen und Pleß. Johann hatte bereits am 20.02.1605 Maria Gräfin von Hohenzollern-Sigmaringen (*1586; †1654) geheiratet. Aus dieser Ehe erwuchsen zwei Söhne, die die Linien weiterführten.

Nachdem Maximilian bereits 1629 ohne männliche Nachkommen starb, fiel die Herrschaft Babenhausen wieder an den Bruder Johann d.Ä. zurück. Nach dessen Tod 1633 musste das angewachsene Gesamtvermögen eneut aufgeteilt werden.

Nun erhielt Johanns erster Sohn Johann Franz (1613-1668, V25) Babenhausen und Johann d.J. (1618-1663, X25) als zweiter Sohn bekam Boos, Welden, Heimertingen, Pleß und Leeder. Allerdings war er damals erst 15 Jahre alt, so dass zunächst ein Vormund eingesetzt wurde. 1645 heiratete er, wie sein Vater, auch eine Frau aus dem Hause Hohenzollern-Sigmaringen: Maria Eleonora (1625-1648). Die Ehe blieb leider kinderlos.

Da Johann der Jüngere im Januar 1663 ohne eigene Stammhalter verstarb, trat auch hier der klassische Hausvertrag der Fugger in Kraft. Seine Besitztümer fielen zurück an die Linie seines Bruders Johann Franz.

In der nachfolgenden Generation übernahm schließlich sein Neffe Johann Rudolf Graf Fugger (1658–1693, W28) die alleinige Herrschaft über das Booser Erbe, während dessen Bruder Sigmund Joseph (1654-1669, V28) in Babenhausen regierte.

Das Nordendorfer Erbe kommt hinzu

1676 starb die Linie Nordendorf im Mannesstamm aus. Nach den Fuggerschen Erbregeln wurde das große Erbe aufgeteilt.  An Babenhausen-Boos fiel die Herrschaft Niederalfingen (C4). Dieser Ort wurde Sigmund Joseph von Babenhausen zugeteilt.

Nach dem frühen Tod von Johann Rudolf Graf Fugger im Jahr 1693 (und dem kinderlosen Tod seines regierenden Bruders Sigmund Joseph im Jahr 1696) wurde das Erbe unter Johann Rudolfs zwei überlebenden Söhnen aufgeteilt.

Jetzt stand die Familie erneut vor einer Vormundschaftsfrage: Rupert Joseph (1683-1724, W 31) war zu diesem Zeitpunkt erst 10 Jahre alt und Johann Jakob Graf Fugger (1691–1759, X31) erst fünf. Da auch der leiblicher Vater Johann Rudolf bereits 1693 verstorben war, erbten die beiden Geschwister ein riesiges, aber verwaistes Herrschaftsgebiet (darunter Boos, Heimertingen und Pleß).

Da kein erwachsener männlicher Stammhalter der direkten Babenhausen-Boos-Linie mehr lebte, griffen die vertraglichen Schutzmechanismen des Hauses Fugger. Die praktische Vormundschaft und Erziehung im Alltag übernahmen die Witwen vor Ort. Allen voran Johann Jakobs Mutter, Johanna Katharina Gräfin zu Waldburg-Zeil (1658–1732), unterstützt von der kinderlosen Witwe Sigmund Josephs, Maria Theresia. Da Frauen im damaligen Reichsrecht keine offizielle politische Landesherrschaft ausüben durften, bestellte der Kaiser erfahrene Verwandte aus den anderen Linien des Hauses Fugger zu offiziellen Kuratoren und Administratoren. Diese führten die Regierungsgeschäfte im Namen des jungen Johann Jakob, vertraten die Herrschaft gegenüber dem Schwäbischen Reichskreis und sicherten die gräflichen Rechte.

Die Vormundschaft endete erst mit dem Erreichen der rechtlichen Mündigkeit der beiden Brüder. Zwischen 1704 und 1712 übernahmen die beiden schrittweise die eigenständige Herrschaft über ihre Gebiete. 1708 heiratete Rupert Maria Anna Franziska Theresia Gräfin Fugger aus dem Hause Glött und 1716 festigte Johann Jakob seine Position endgültig durch die Heirat mit Maria Euphemia Gräfin von Toerring-Stein.

Auch als Rupert Joseph 1724 starb, war sein Erbfolger, der Sohn Franz Karl, gerade erst 12 Jahre alt. Wieder musste eine Vormundschaft bestellt werden.

1719 wurde die Herrschaft Pleß an die Reichskartause Buxheim verkauft, mit Ausnahme des Rechts über die Hochgerichtsbarkeit, die bei den Fuggern verblieb. Auch Niederalfingen (C5) wurde 1724 innerhalb der Familie an Marquard Eusebius (I31) verkauft.

1733 übernahm Franz Karl Graf Fugger (1712–1758, W34) die Regentschaft in Babenhausen und heiratete 1737 Maria Josepha Gräfin Reich von Reichenstein. Die Ehe blieb leider auch kinderlos. Damit war dieser herrschende Babenhauser Zweig im Mannesstamm erloschen.

Johann Jakob (1691-1759, X31), der jüngere Sohn von Johann Rudolf, hatte 1693 Boos mit Pleß und Heimertingen bekommen. Als sein Neffe Franz Karl 1758 kinderlos starb, erhielt er die Herrschaft Babenhausen hinzu. Für ein einziges Jahr – bis zu seinem eigenen Tod 1759 – waren Babenhausen und Boos wieder in einer Hand vereint.

Nach dem Tod von Johann Jakob Fugger zu Boos kam es um die Mitte des 18. Jahrhunderts zu heftigen innerfamiliären Konflikten: Gräfin Maria Walburga Josepha Fugger zu Boos stritt erbittert mit der Babenhauser Hauptlinie (Graf Christoph Moritz Fugger zu Babenhausen) um die rechtmäßige Zugehörigkeit und die Einkünfte der Herrschaft Heimertingen.

1759 musste nach dem Tod von Johann Jakob die Herrschaft schon wieder neu aufgeteilt werden.

Der älteste Sohn Anselm Victorian (1729-1793, X34) erhielt Babenhausen und der jüngere Sohn Christoph Moritz (1733-1777, Z34) bekam Boos. Als 1764 Joseph Maria (1714-1764, AA34) aus der Linie Wellenburg kinderlos starb, bekam Christoph Moritz die Herrschaft Biberbach hinzu.

Nun wollte es das Schicksal, dass Christoph Moritz bereits 1777 mit 44 Jahren starb. Da er auch keine erbfähigen Nachkommen hatte, ging nun sein ganzer Besitz an seinen Bruder Anselm Victorian (1729-1793, X34) über.

Hierdurch endete die Linie Boos endgültig und ging in der Babenhauser Linie auf.

Vereinigung Boos-Babenhausen

Im Jahr 1793 übernahm der älteste Sohn Anselm Maria 1. Fürst Fugger von Babenhausen (1766–1821, X37)die Regierungsgeschäfte. Unter ihm erlebte die Familie eine historische Zeitenwende – den Aufstieg in den Fürstenstand, aber auch den Verlust der Eigenständigkeit. Er heiratete am 15. Oktober 1793 Maria Antonia Elisabeth Gräfin von Waldburg zu Zeil-Wurzach (* 8. März 1774; † 5. Oktober 1814). Im Jahr 1803 wurde er noch von Kaiser Franz II. in den erblichen Reichsfürstenstanderhoben; das Gebiet wurde zum Fürstentum Babenhausen.

Heimertingen

Bereits 1806 verlor das neue Fürstentum aber im Zuge der Mediatisierung (Rheinbundakte) unter Napoleon seine Unabhängigkeit und wurde dem Königreich Bayern einverleibt. Die Fugger blieben jedoch als „Standesherren“ bedeutende Grundbesitzer und weiterhin Eigentümer der Immobilien. Infolge dieser Umbrüche trennte man sich 1806 von Heimertingen.

Der älteste überlebende Sohn Anton Anselm 2. Fürst Fugger von Babenhausen(1800–1836, X40) trat nach dem Tod des Vaters das Erbe an. Er vermählte sich am 20. Oktober 1825 mit Franziska Fürstin von Hohenlohe-Bartenstein-Jagstberg (* 29. August 1807; † 9. Dezember 1873). Er konsolidierte den gewaltigen Privatbesitz der Fugger in Bayern nach den politischen Umbrüchen und vertrat das Haus als erbliches Mitglied in der Kammer der Reichsräte der bayerischen Krone.

Da Anton Anselm relativ jung verstarb, folgte ihm sein ältester Sohn Leopold 3. Fürst Fugger von Babenhausen(1827–1885, X43) nach. Er heiratete am 10. Januar 1857 Anna Gräfin von und zu Erbach-Fürstenau (* 26. Juli 1840; † 17. September 1908). Unter seiner Führung erlebte Babenhausen eine lange Phase des wirtschaftlichen Umbaus im Industriezeitalter. Da seine Ehe kinderlos blieb, ging der Fürstentitel nach seinem Tod an seinen jüngeren Bruder über.

Karl Ludwig 4. Fürst Fugger von Babenhausen (1829–1906, Y43). Er heiratete am 8. Oktober 1855 Friederike Gräfin von Christalnigg von und zu Gillitzstein (* 27. Mai 1832; † 17. Juni 1904). Sein Sohn Karl Georg (5. Fürst, 1861–1925, Y46) führte die Linie ins 20. Jahrhundert. Er war unter anderem mit der bekannten Eleonora (Nora) von Hohenlohe verheiratet.

Die Nachfahren dieser Linie existieren ununterbrochen bis heute. Die Familie trägt den Namen Fürst bzw. Fürstin Fugger von Babenhausen und bewohnt nach wie vor das historische Fuggerschloss Babenhausen sowie das Schloss Markt Wald (H2) bei Augsburg.

Das Fuggerschloss Babenhausen

Das Fuggerschloss Babenhausen (auch Schloss Babenhausen) ist einer der historisch und architektonisch bedeutendsten Residenzkomplexe Mittelschwabens. Seine Baugeschichte erstreckt sich über mehrere Jahrhunderte und spiegelt den Aufstieg der Fugger von reichen Kaufleuten zu reichsunmittelbaren Reichsfürsten wider.

Bevor die Fugger nach Babenhausen kamen, existierte an dieser Stelle bereits eine mittelalterliche Ministerialen- und Adelsburg. Die Anlage ging im Kern auf die Herren von Schönegg zurück und wurde im 14. und 15. Jahrhundert von den Herren von Rechberg zu einer wehrhaften Wasserburg ausgebaut. Von dieser mittelalterlichen Epoche zeugen heute noch die mächtigen Fundamente im Bereich des Kernschlossessowie Reste des ehemaligen Wassergrabens.

Im Jahr 1538 erwarb Jakob Fugger „der Reiche“ die Herrschaft Babenhausen für die Familie. Kurz darauf begann die Transformation der wehrhaften Burg in ein repräsentatives Wohn- und Verwaltungsschloss der Renaissance. Es entstand ein geschlossener Vierflügelkomplex mit schlichten, aber monumental wirkenden Fassaden, die stark vom italienischen Palazzostil beeinflusst waren. Das Schloss verlor seinen rein militärischen Charakter und wurde zum Statussymbol der Handelsdynastie.

Mit der Erhebung der Babenhauser Linie in den Reichsgrafenstand wuchs der Bedarf an barocker Repräsentation. Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges wurde das Schloss repariert und im späten 17. Jahrhundert um umfangreiche Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude (Kanzleibauten) erweitert. Unter Graf Anselm Viktorian Fugger (1729-1793, X34) wurde im Nordflügel der große Ahnensaal(auch Kaisersaal genannt) prachtvoll barockisiert und mit einer herausragenden Akustik ausgestattet. Er diente fortan für Festlichkeiten und Musikaufführungen.

Im Jahr 1803 wurde die Linie in den Reichsfürstenstand erhoben (Fürstentum Babenhausen). Dies löste die letzte große architektonische Umgestaltungswelle aus. Teile der Innenräume wurden im Empire- und Biedermeierstil umgestaltet, um den neuen fürstlichen Hofstaat adäquat unterzubringen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden im Zuge der Romantik gotisierende und historisierende Details an den Fassaden und Toren ergänzt, um das „alte Stammhaus-Gefühl“ zu verstärken. Gleichzeitig wurde der Schlossgarten im englischen Stil umgewandelt.

Das Fuggerschloss Babenhausen beeindruckt bis heute durch seine schiere Größe und die Kombination aus strenger Renaissance-Architektur und barocken Wirtschaftshöfen. Es befindet sich nach wie vor im Privatbesitz der fürstlichen Familie Fugger-Babenhausen und beherbergt unter anderem das renommierte Fugger-Museum, das Einblicke in die Geschichte der Familie und die Kunstkammer bietet.

Herrschaftsfolgen

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