Gemeinwesen,  Herrschaft,  historische Stadtentwicklung,  Historischer Abriss,  Stadtbefestigung,  Stadtgeschichte

Stadtentwicklung und Stadtgeschichte bis 1500

In diesem Artikel wird die städtebauliche Entwicklung der Stadt Weißenhon parallel zu ihrer historischen Entwicklung dargestellt. Für beide Themenfelder werden hierbei vor allem die wesentlichen Fakten angeführt. Über die vorhandenen Links können einzelne Fragen aufgerufen werden, die in eigenen Artikeln ausführlicher behandelt werden. So bleibt die Darstellung übersichtlich und kann bei Interesse vertieft werden.

Herrschaftliche Einordnung

Weißenhorn gehörte seit der Gründung zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Dieses Reich war kein fest gefügter Staat mit einheitlichen Gesetzen und einheitlicher Verwaltung, sondern ein komplexes politisches Gebilde in Mitteleuropa und bestand von 962 bis 1806. Es war ein Konglomerat aus unterschiedlich vielen reichsunmittelbaren Territorien (Kurfürstentümer, Fürstentümer, Herzogtümer, Grafschaften, geistliche Fürstentümer, Reichsstädte, Reichsdörfer und Reichsabteien). Je nach Zeitraum schwankte die Zahl der Territorien zwischen 100 und 350 einzelnen Regentschaften. Der Besitz der Territorien wurde vom Kaiser belehnt, sofern es sich nicht um eigenständige Erblande handelte. So wurden die Grenzen durch Belehnungen, Verkäufe oder Heiraten oftmals verschoben. Es entstanden so nicht immer zusammenhängende Gebiete, oftmals sahen die Besitzverhältnisse wie ein ‚Fleckerlteppich‘ aus.

Die Kurfürstentümer waren die mächtigsten reichsunmittelbaren Territorien des Heiligen Römischen Reiches mit dem exklusiven Recht, den Kaiser zu wählen. Nach der Goldenen Bulle1 von 1356 gehörten die geistlichen Erzbistümer Köln, Mainz und Trier sowie die weltlichen Böhmen (Kgr.), Brandenburg (Markgrafschaft), Pfalz (Pfalzgraf bei Rhein) und Sachsen (Herzogtum Sachsen-Wittenberg) zu den Kurfürsten, 1623 kamen Bayern (Kurbayern) und 1692 Braunschweig-Lüneburg (Hannover) hinzu.

Weißenhorn gehörte von 1353-1505 zu Bayern-Landshut, einem Teilherzogtum der Wittelsbacher2. Es entstand durch Erbteilung unter den Söhnen Kaiser Ludwigs IV. des Bayern: Stephan II. begründete 1349/1392 die Linie mit Residenzen Landshut und Burghausen3. Die „Reichen Herzöge“ (Heinrich XVI., Ludwig IX., Georg der Reiche) machten es zu einer wirtschaftlich blühenden Macht. Nach Georgs kinderlosem Tod (1503) führte der Landshuter Erbfolgekrieg (1504/05) zur Teilung per Reichsspruch Kaiser Maximilians I (sog. ‚Kölner Spruch‘, 30.07.1505).: Der größte Teil ging an Bayern-München, ein kleiner Teil an Pfalz-Neuburg.

Fortsetzung 1500-1600

Siedlungsspuren vor 1000

Wie so oft bei alten Städten, ist der Zeitpunkt der Entstehung auch bei der Stadt Weißenhorn nicht genau zu bestimmen. Siedlungsspuren und Funde im Stadtgebiet weisen auf eine Besiedlung schon in der Altsteinzeit nach. Einzelfunde liegen auch aus der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der Hallstattzeit vor. Keltische Schanzen aus der Latènezeit wurden vermutet, aber nicht bewiesen. Auch eine römische Gründung oder Besiedlung wurde vielfach vermutet und besonders vom Heimatforscher Hans Burkhart zu beweisen versucht, allein ein glaubhafter Nachweis konnte nicht geführt werden. Burkhart verortete das römische Kastell Venaxamodurum hier und leitete davon auch den Ortsnamen Weißenhorn ab. Da sich diese These aber nicht halten ließ, soll hier nicht näher darauf eingegangen werden.4 Dennoch befinden sich in der archäologischen Sammlung der Stadt einige römische Funde, die zumindest eine römische Straße vermuten lassen. Zumindest kann angenommen werden, dass in unserem Bereich auch schon vor dem Jahr 1000 einzelne Siedlungen vorhanden waren. Ohne einen Nachweis führen zu können ist davon auszugehen, dass sich im heutigen Stadtbereich eine etwas größere Siedlung entwickelte, die von irgendjemandem beherrscht wurde.

Erste urkundliche Erwähnung

In Ermangelung genauerer Unterlagen orientieren wir uns an der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes. Die Herrschaftsstruktur in Weißenhorn im Mittelalter ist unklar. Im Jahr 1010 wird ein Heinrich von Weissenhorn, Graf von Marstetten als Stifter des Spitals zu Memmingen genannt, dieser gehörte zum Herrschergeschlecht der Welfen.5. Dies wird vielfach bestritten, weil er andernorts mit anderen Titeln angeführt ist. Unzweifelhaft aber waren 1160 bei der Weihe der ersten Klosterkirche in Roggenburg Luitfried und Berthold von Wizzenhorn zugegen, was bislang als erste Erwähnung der Stadt Weißenhorn gezählt wird. Zu dieser Zeit muss also schon eine Herrschaft hier bestanden haben, ohne zu wissen, welchen Umfang die Siedlung damals hatte oder welcher Art der damalige Herrschaftssitz war.

Wylicil6 sieht die Stadtgründung als Folge der Zerstörungen im Krieg der Welfen mit den Hohenstaufen um die deutsche Kaiserwürde. Hierbei wurden 1132 Augsburg und 1134 Ulm zerstört. Eine Verwüstung des Rothtales im Zuge dieser Auseinandersetzungen ist nicht auszuschließen. Im Jahr 1911 soll man bei den Kanalbauarbeiten auf dem Kirchplatz Brandreste einstiger Häuser gefunden haben, also in einem Bereich, der jetzt nicht mehr bebaut ist. Dies könnten natürlich die Reste einer Vorgängerbebauung auf dem Kirchplatz sein, so dass man nach der Zerstörung des Ortes an eine Neugründung oder Neuanlage der Stadt ging. Wylicil behauptet auch, dass die Siedlung ursprünglich zu Grafertshofen gehört habe. Dort sei eine Burg gestanden, welche in einem Zinsbuch der Weißenhorner Pfarrkirche aus dem Jahr 1506 erwähnt wurde. Grafertshofen sei älter als Weißenhorn. Dies leitet er aus der Namensgebung der Kirche St. Cyriakus ab und datiert den Bau daher ins 9. Jahrhundert. Auch Habel7 folgt dieser These. Im Jahr 1995 wurden umfangreiche Grabungsarbeiten in der Kirche Grafertshofen durchgeführt und dokumentiert8. Die Vermutung konnte hierdurch erhärtet, aber nicht bewiesen werden. Im Jahr 1332 wurden die Pfarreien Grafertshofen und Weißenhorn inkorporiert9. Hieraus könnte geschlossen werden, dass Grafertshofen die Mutterkirche war, Weißenhorn aber bis dahin eine solche Bedeutung bekam, dass man die beiden Pfarreien vereinte. Ein Beweis für diese These konnte bisher nicht erbracht werden.

Diese Theorie der Stadtentstehung hat eine nachvollziehbare Logik, obwohl sie bisher nicht durch Dokumente oder Funde bewiesen werden konnte. Das Altstadtoval weist auf jeden Fall eine geplante städtebauliche Struktur auf: eine von Süd nach Nord verlaufende Hauptstraße, an deren südlichem Ende sich der Herrschafts- und Kirchenbereich befindet. Das Oval als Verteidigungslinie ist von Straßen begleitet (Wettbach und An der Mauer) und ist mit der Hauptstraße durch fischgrätähnlich angeordnete Querstraßen verbunden. Der Herrschaftsbereich liegt am Rande der Rothniederung, dort wo sich früher das von Osten kommende Seitental (Reichenbacher Straße) mit der Roth verbunden hat. Diese Stelle dürfte wasserreich und sumpfig gewesen sein. So konnte man das vorhandene Wasser als Stadtgraben und somit als Verteidigungslinie verwenden. Heute ist dieser Bereich weitgehend trocken gefallen, doch noch im 19. Jhdt. war der Stadtgraben mit Wasser gefüllt10. Am südlichen Ende des Altstadtovals liegt auch der Pfarrbezirk. Die alte, 1859 eingestürzte Kirche zeigt einen spätromanischen Grundriss. Eine Datierung ist mangels Nachweisen nicht durchzuführen, Habel vermutet aufgrund der Proportionen eine Bauzeit Anfang des 13. Jhdts. Dies könnte zutreffen und die Theorie der Stadtanlage Anfang des 12. Jhdts. erhärten. Es müsste nicht die erste Kirche an dieser Stelle gewesen sein, es könnte auch nur eine Kapelle gewesen sein, so dass sich erst im 13. Jhdt. der Bedarf nach einer größeren Kirche herausstellte.

Auch die eigentlich im Mittelalter unübliche Lage von Gebäuden außerhalb der Stadtbefestigung (Obere und Untere Vorstadt) wäre mit der Theorie der Siedlungsverlegung von Grafertshofen nach Weißenhorn zu erklären. Es könnte sich hierbei um eine ältere Streubebauung handeln, die nicht mehr sinnvoll in die Stadt einzugliedern war. Vielfach waren im frühen Mittelalter Höfe weit auseinander gelegen, da Weideflächen um den Hof benötigt wurden11.

Die Neuffen

Liutfried und Berthold von Weißenhorn, die 1160 bei der Weihe der ersten Roggenburger Klosterkirche anwesend waren, gehörten dem Adelsgeschlecht der Neuffen an. Berthold war Graf von Achalm (bei Reutlingen). Es wird vermutet, dass er auch in Weißenhorn residierte. Daher wird das alte Schloss fälschlicherweise auch ‚Neuffenschloss‘ genannt. Die Neuffen hielten in Weißenhorn und Umgebung umfangreiche Besitzungen, die sie durch Erbschaft und Ausbau zu ihrem Zentrum in Mittelschwaben machten. Diese umfassten die Stadt Weißenhorn selbst, angrenzende Herrschaften sowie weitere Orte und Rechte. Die Herrschaft über die Stadt wechselte mehrfach innerhalb der Familie.

1154 Berthold von Neiffen-Weißenhorn oo Elisabeth von Marstetten12

1185 Berthold von Wizzinhorn oo Gräfin Adelheid von Achalm (ihr gehörte auch Schloss Neuburg/Kammel)

1239 Bertoldus, Graf von Marstedt

1252 Rudolfus von Wizenhorn

1286 Albrecht von Weißenhorn, Graf von Marstetten + 04.07.1306;

1301 Gottfried von Neuffen, Bruder des Albrecht von Weißenhorn, erster genannter Pfarrer, stiftete am 25.01.1301 zwei Altäre für die Stadtpfarrkirche und ein Frühmessbenefizium. Er verlieh das Patronatsrecht der Pfarrkirche an seinen Bruder Albrecht und dessen Nachkommen, + 1315. Hierdurch kam das Patronatsrecht 1307 an seinen Oheim (Bruder der Mutter) Graf Berthold von Graisbach13 und Marstetten. Dieser schenkte 1328 (a.a.O. 1329) die Pfarrei und das Patronatsrecht an das Kloster Kaisheim (siehe unten).

1307 nach Albrechts Tod ging die Grafschaft Marstetten an seinen Oheim (Bruder der Mutter) Graf Berthold V von Graisbach und Marstetten, den letzten Neuffen (+1342). Er war ein wichtiger Ratgeber Kaiser Ludwigs des Bayern und Statthalter in Italien. Er starb ohne männlichen Erben. Seine Tochter Anna wurde noch als Kind 1342 mit Herzog Friedrich dem Weisen, dem Sohn Stephan II. mit der Hafte und Enkel Kaiser Ludwigs des Bayern verlobt, den sie nach Eintritt der Volljährigkeit 1360 heiratete. Hierdurch fielen Graisbach und Marstetten nach Bertholds Tod an die Wittelsbacher.

1338 gab Berthold V von Graisbach dem Kloster Kaisheim ein Anwesen an der Roth mit Hofraiten, Stall und Stadel sowie allen Gemeinderechten: das Gebäude Wettbach 23, lange Zeit Kaisheimer Hof genannt.

1339 verpfändet Berthold V von Graisbach seine Besitzungen in hiesiger Gegend um 4000 fl an das Kloster Kaisheim zur Sicherung der Heimsteuer (Mitgift) der Gräfin Agnes14.

1341 räumt Chunrath Ammann (Konrad von Weißenhorn, unehelicher Sohn des Berthold V, Stadtamman von Ulm) seinem Vater (!) das Rückkaufsrecht über den Rutenkern zu Wizzenhorn ein.

Die Beziehung zum Kloster Kaisheim

Das Kloster Kaisheim wurde um 1133/35 durch Graf Heinrich II. von Graisbach -Lechsgemünd als Zisterzienserkloster gegründet; der erste Konvent kam aus der elsässischen Zisterze Lützel. Graf Berthold V von Graisbach und Marstetten war über die mütterliche Graisbach Linie mit dem Gründer verwandt. Sein Neffe Gottfried von Neuffen, Bruder des damaligen Ortsherren Albrecht von Weißenhorn (ebenfalls Teil der Gründer-Dynastie des Klosters) war seit 1301 erster (genannter) Pfarrer in Weißenhorn und übertrug das Patronatsrecht an der Pfarrei Weißenhorn seinem Bruder Albrecht. Berthold V erhielt nach dem Tod seines Neffen Albrecht 1307 die Stadt Weißenhorn überschrieben.

Berthold war ein wichtiger Ratgeber Kaiser Ludwigs des Bayern und dessen Statthalter in Italien15und hatte großen Einfluss auf die Reichspolitik.

In seiner verwandtschaftlichen Beziehung zu den Klostergründern sah er es daher als seine Aufgabe an, den Einfluss und den Besitz des Klosters Kaisheim in seinem Herrschaftsbereich zu stärken und zu vermehren.​ Schon 1329 schenkte er die Pfarrei Weissenhorn/Grafertshofen und das Patronatsrecht an das Kloster Kaisheim. Am 24. September 1330 bestellte Kaiser Ludwig der Bayer den Grafen Berthold V zum „Pfleger“ des Zisterzienserklosters Kaisheim. Zu den übertagenen Gütern gehörten auch die Lehensrechte an der Stadt, der Hegehofer Mühle, den Orten Oberhausen, Biberachzell mit Oberreichenbach, Wallenhausen und Biberberg (Herrschaft Pfaffenhofen) sowie Bubenhausen.

Die Verbindung war keine Niederlassung oder Tochtergründung, sondern eine Kombination aus Patronatsrecht (Einfluss auf Pfarrerbesetzung und Einkünfte der Pfarrei) und Grundherrschaft. Durch diese Rechte wurde Weißenhorn in das Netz der Streubesitzungen und Einkünfte des reichsunmittelbaren Reichsstifts Kaisheim eingebunden, das zahlreiche solche Außenbesitzungen im schwäbisch-bayerischen Raum hatte.

1338 gab Berthold dem Kloster Kaisheim ein Anwesen an der Roth mit Hofraithen, Stall und Stadel und allen Gemeinderechten, das Gebäude Wettbach 23, lange Zeit Kaisheimer Hof genannt. Hieraus entstand später der Zehenthof.

Am 28.05.1470 erklärte Kloster Kaisheim, Abt Georg und der Konvent, als Lehensherr der Pfarrkirche zu Weißenhorn, sein Einverständnis zu einer Messstiftung zur Erhebuung eines Spitals und einer Predigtamtsstiftung in der Pfarrkirche  durch Peter Arnold, verzichtete auf Lehenschaftrechte an diesen Pfründen und überließ diese dem Stifter auf Lebenszeit und anschließend der Stadt Weißenhorn. Bischof Johann von Augsburg stimmte dem in gleicher Urkunde zu.

Das Recht hielt bis zum 25.05.1539, als Abt Konrad IV. Reuter es aufgrund von Schulden des Klosters an Anton Fugger verkaufte. Dies betraf auch Grafertshofen und Bubenhausen, nicht jedoch Oberhausen, Biberachzell mit Oberreichenbach, Wallenhausen und Biberberg (Herrschaft Pfaffenhofen). Wie lange die Abhängigkeit der Hegelhofer Mühle dauerte ist nicht bekannt. Sie könnte schon ebenfalls 1539 geendet haben, denn 1548 wird die Abgabepflicht zur Pfarrei Weißenhorn erwähnt.

Anton Fugger hat am 25.05.1539 den Zehent von Weißenhorn, das Lehen der Pfarrei mit samt den drei pfründen, desgleichen den Zehent mit samt dem Lehen der Pfarrei zu Bubenhausen, vom Gotteshaus und vom Kloster Kaisheim, mit allen Renten und Gülten, was zu beiden zehentem und kirchen gehörig ist, erkauft. Für sich und seine Nachkommen auf ewige Zeit (Thomann 223)

Herzogtum Bayern-Landshut

1342, kurz vor seinem Tod, verlobte Berthold V seine minderjährige Tochter Anna, an den Herzog Friedrich den Weisen von Bayern, den sie 1360 nach Eintritt der Volljährigkeit heiratete. So kam Weißenhorn schon 1342 an das Herzogtum Bayern-Landshut als Oberherrschaft. Die einzelnen Ortsherren in Weißenhorn wechselten wieder häufig und sollen hier nicht alle erwähnt werden.

1356/57 wurde die Schranne erbaut. Zu dieser Zeit muss die Stadt also schon eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung gehabt haben, dass für ein derart großes Kauf- und Rathaus Bedarf bestand und man sich ein solches auch leisten konnte. Spätestens seit dem Bau der Schranne befand sich der Marktplatz der Stadt hier westlich der Schranne. Der Kirchplatz dürfte damals noch weitgehend bebaut gewesen sein. Der heutige Hauptplatz existierte damals noch nicht als Platz.

Verpfändung an die Herren von Rechberg

1376 verpfändeten die bayerischen Herzöge Weißenhorn an die Herren von Rechberg zu Illereichen. Diese sorgten sich sehr um die Entwicklung der Stadt. In Verbindung mit dem Neubau des Schlosses beginnt ein großer, planmäßige Ausbau der Stadt, in den ältere Strukturen eingebunden werden. Leider ist nicht überliefert, von wem der Anstoß zu diesem Ausbau ausging. Es mag Jörg von Rechberg gewesen sein, dessen Amtsantritt in Weißenhorn nicht genau bekannt ist. Die älteste Urkunde im Stadtarchiv mit seinem Namen stammt aus dem Jahr 1464 (U 71). Die wesentlichen Eckpunkte der gezielten Stadtentwicklung stammen alle aus einem relativ kurzen Zeitraum, auch die Spitalgründung 1470 gehört in diese Zeit. Hier ist ein klarer Wille zum Ausbau der Stadt erkennbar, der ohne einen Plan nicht möglich gewesen wäre. Auch die Verwaltung wurde neu organisiert. Die ältesten überlieferten Steuerlisten stammen von 1465 und zeigen, dass man auch die Finanzierung dieses Projekts geplant hat. So viel ist nie wieder in so kurzer Zeit in Weißenhorn gebaut worden!

1379 wird die Untere Mühle erstmals in einem Kaufbrief erwähnt.

1426 wurde die St.-Leonhard-Kapelle erbaut. Zur Kirche wurde auch ein Benefiziatenhaus gebaut, dessen Baujahr nicht bekannt ist. 1864 wurde zur Kirche ein Leprosenhaus hingebaut, welches für Kranke mit ansteckenden Krankheiten vorgesehen war.

1435 wird die Obere Mühle erstmals erwähnt, die aber auch schon frührt bestanden haben dürfte.

1465 (dendro 1466) wurde unter Jörg von Rechberg das alte Schloss neu an Stelle eines Vorgängerbaus erbaut. In Verbindung mit diesem Neubau beginnt ein großer, planmäßige Ausbau der Stadt, in den ältere Strukturen eingebunden werden.

1464 Beginn des Baus der Stadtbefestigung. Die Befestigung begann mit dem Bau der Tore und Türme, die Stadtmauer selbst wurde 1487 begonnen.

1464 Leprosenhaus, Dass Leprosenhaus wurde zur St.-Leonhard-Kirche hinzugebaut und diente der Unterbringung von Kranken mit ansteckenden Krankheiten.

1465 Ziegelei Für Bauvohaben dieses Umfangs waren Tausende von Ziegelsteinen erorderlich, die in einer städt. Ziegelei gebrannt wurden. Die Ziegelei befand sich auf dem heutigen Grundstück Friedhofweg 2.

1470 Oberes Tor Das Obere Tor war das erste Bauwerk der Stadtbefestigung, welches gebaut wurde.

1470 Unteres Tor, Auch das Untere Tor wurde 1470 begonnen.

1470 Spitalstiftung, Der Priester Peter Arnold gründete die Sptalstiftung, welche bis heute der Grundstock für die Finanzierung des Krankenhauses ist.

Rückübertragung an Bayern-Landshut

1473 löste Herzog Ludwig der Reiche16 von Bayern-Landshut die Herrschaft Weißenhorn aus und erneuerte 1478 hier das Landgericht Marstetten.

Es ist bisher nicht kommeniert, welche Gründe Herzog Luwdig dazu brachten, die Stadt wieder an sich selbst zu bringen. Die bereits laufenden Ausbaumaßnahmen wurden durch den Herrschaftswechsel nicht geändert, vielmehr stärkte Herzog Ludwig die Stadt, indem er ihr das sog. Stadtbuch übergab und hierin die Rechte der Stadt und ihre Selbstverwaltung sicherte.

1474 übergab Herzog Ludwig der Stadt das sog. Stadtbuch17. Offenbar hatte sich Herzog Ludwig an der Finanzierung der Maßnahmen beteiligt, denn in einer Urkunde vom 20.02.147518 bestätigt Jörg von Rechberg nach Ablösung der ihm verpfändet gewesenen Stadt und Herrschaft Weyssenhorn, von diesem für die ihm erwachsenen Kosten für ‚Gebäu‘ der Kirche und des Pfistnerhauses19 daselbst, für Instandhaltung des Stadtgrabens, für die Anlegung zweier Weiher … bezahlt worden zu sein. Als Nachfolger Jörg von Rechbergs überträgt Herzog Ludwig der Reiche dem Ludwig von Habsberg die Pfleg Weißenhorn und das Vogt- und Kastneramt daselbst für ein Jahr.

Danach war die Stadt unmittelbar den Herzögen zugeordnet. 1479 ist ein Besuch Herzog Georg des Reichen20 21verzeichnet, bei dem die Stadtordnung von 1474 nochmals bestätigt wurde. Zur Verwaltung dürfte ein Vogt oder Kastner eingesetzt worden sein. Für Weißenhorn wird 1496 ein Peter Schneewinkler als Kastner genannt, wohnhaft in Wettbach 1. Schneewinkler könnte auch schon früher dieses Amt ausgeübt haben. Nach der Übernahme durch die Fugger wurde er 1507 abgesetzt.

1475 Hl.-Geist-Kirche, Zum gestifteten Spital wurde eine Kirche hinzugebaut.

um 1475 Umbau und Erweiterung der Stadtpfarrkirche, Die Kirche wird vom spätromanischen Saalbau zu einer 3-schiffigen Kirche erweitert

1480 Einrichtung einer Golschenschau22 in Weißenhorn. Als die Stadt einen Handel und geschworene Schau aufrichten wollte, musste sie 1479, um das Leinwand- und Golschenwirken in gewünschtem Umfang einzurichten, 400 fl bei dem Ulmer Bürger Sebastian Lieber aufnehmen. Da die Stadt die Summe aus eigenen Mitteln nicht aufbringen konnte, genehmigte der damalige Landesherr, Herzog Georg von Bayern-Landshut, die Geldaufnahme23. Nach dem Erwerb der Stadt durch Jakob Fugger 1507 wurde die Weberei in der Stadt erheblich ausgeweitet.

um 1480 Ein vemutetes Hochwasserereignis um 1480 veränderte den Flusslauf der Roth und führte zu einer Neubebauung der Unteren und der Oberen Mühlstr. Durch das Hochwasser war in der Roth eine Insel entstanden, auf welcher die sog. Garnsiede neu erbaut wurde.

1482 Pfaffenturm Die anderen Türme der Stadtbefestigung werden gebaut.

ab 1487 Bau der Stadtmauer. Die Stadtmauer wird als Wehrmauer mit vorgelagerter Zwingermauer rund um das Altstadtoval errichtet.

Am 24.10.1493 suchte ein Brand im Bereich des Hl.-Geist-Spitals die Stadt heim. Der Brand brach im Haus Wettbach 17 aus und griff schnell auf die Nachbarhäuser über. Das Predigerhaus Hl.-Geist-Str. 5 und der Spitalstadel brannten vollständig ab. Die Ruinen wurden abgebrochen und der Spitalbereich neu aufgebaut. An der Hl.-Geist-Str. wurden 1494 die Grundstücke gekauft und ein neuer Spitalstadel errichtet, die Grundstücke des alten Stadels an der Sebastian-Seiler-Str. wurden verkauft und um 1505 neu bebaut (Sebastian-Seiler-Str. 2).

  1. Die Goldene Bulle von 1356 war das zentrale Verfassungsdokument des Heiligen Römischen Reiches bis 1806. Sie regelte das Kurfürstenkollegium, die Wahlmodalitäten und das Reichsrecht (Verbot unrechter Fehde, Münzregale, Landfriede). Sie blieb bis zum Reichsende 1806 gültig. ↩︎
  2. Ludwig der Bayer (IV., Kaiser 1328–1347) führte mehrere Erbteilungen durch, die die Wittelsbacher-Lande zersplitterten und das HRR schwächten. Während seines Italienzugs regelte Ludwig mit Bruder Rudolf II. und Neffen Ruprecht I. im sog. Hausvertrag von Pavia (1329) die Erbfolge: Ludwig selbstbehielt Oberbayern (München-Landshut-Landshut). Die Pfalz bei Rhein ging an die Rudolfinische Linie. Bei Aussterben einer Linie fiel das Erbe an die andere zurück (Primogeniturregel). ↩︎
  3. Wilhelm I. und Albrecht I. bekamen Straubing-Holland ↩︎
  4. Hans Burkhart; Geschichte der Stadt Weißenhorn; 1988; Mareis Druck GmbH, Weißenhorn, S. 37-48 ↩︎
  5. Hans Burkhart; Geschichte der Stadt Weißenhorn; 1988; Mareis Druck GmbH, Weißenhorn, S. 51 ↩︎
  6. Eduard Wylicil, Bilder aus der Vergangenheit von Weißenhorn, Verlag des Heimat- und Museumsvereins Weißenhorn, 1958 ↩︎
  7. Habel, Bayerische Kunstdenkmale; Stadt und Landkreis Neu-Ulm, 1966, Deutscher Kunstverlag, München ↩︎
  8. Richard Ambs, Archäologische Untersuchungen in der katholischen Filialkirche St. Cyriakus von Grafertshofen“, in: Geschichte im Landkreis Neu-Ulm, 2/96 ↩︎
  9. (Urkunde vom 12.08.1332 von Bischof Ulrich von Schöneck) ↩︎
  10. (A 218-3) ↩︎
  11. (Hierzu auch Wylicil S. 121) ↩︎
  12. OT der Gemeinde Aitrach, Lkr. RV ↩︎
  13. OT der Gemeinde Marxheim. Lkr. DON ↩︎
  14. Agnes, Tochter Friedrichs IV., Burggraf von Nürnberg, heiratete Berthold V. von Neuffen, Graf von Marstetten und Graisbach, um 1336. Sie war dessen 2. Ehefrau. Nach dem Tod ihres Mannes Berthold V heiratete sie 1356 den Grafen Alberr von Werdenberg. Nach Bezahlung der 4000 fl wurde die Verpfändung Weißenhorns samt Zubehör aufgehoben. ↩︎
  15. 1323/24 führte Berthold im Auftrag Ludwigs ein Entsatzheer nach Oberitalien, um die von päpstlichen und welfischen Truppen bedrängten Mailänder zu unterstützen, und ließ sich dort im Namen des Reiches huldigen. Dieses Vorgehen trug wesentlich zur Eskalation des Konflikts zwischen Ludwig dem Bayern und Papst Johannes XXII. bei und führte zu Bertholds Exkommunikation im Jahr 1324. ↩︎
  16. Ludwig IX. der Reiche (* 23. Februar 1417 in Burghausen; † 18. Januar 1479 in Landshut) war Herzog von Bayern-Landshut in den Jahren 1450 bis 1479. Er war der zweite der drei „reichen Herzöge“, die Bayern-Landshut im 15. Jahrhundert regierten. 1463 schloss er nach siegreichem Feldzug den Prager Frieden. 1472 gründete er die Universität Ingolstadt, die spätere Ludwig-Maximilians-Universität München. (Wikipedia) ↩︎
  17. Das Stadtbuch beschreibt die Rechte der Stadt und stellt quasi das ‚Grundgesetz‘ der Stadtordnung dar ↩︎
  18. HST Archiv München, Gerichtsurkunden Marstetten, Fasc.2 Nr.15b ↩︎
  19. Hirtenhauses, Standort unbekannt, vielleicht ist aber auch der Sitz des Verwalters in Wettbach 1 gemeint. ↩︎
  20. Georg der Reiche (* 15. August 1455 in Burghausen; † 1. Dezember 1503 in Ingolstadt) war von 1479 bis zu seinem Tod Herzog von Bayern-Landshut. Er war der dritte und letzte der drei „reichen Herzöge“ aus dem Geschlecht der Wittelsbacher, die Bayern-Landshut im 15. Jahrhundert regierten. Bekannt ist er vor allem durch die Landshuter Hochzeit. Mit seinem Testament beschwor Georg den Landshuter Erbfolgekrieg herauf, der das Herzogtum Bayern schließlich unter territorialen Verlusten wiedervereinigen sollte. (Wikipedia) ↩︎
  21. Wegen der Hochzeit Herzog Georgs mit der polnischen Prinzessin Jadwiga Jagiellonka (Landshuter Hochzeit) wird am Oberen Tor der Stadt Weißenhorn auch die polnische Fahne auf einem Fresko gezeigt. ↩︎
  22. Als Golschen wird ein Leinen- oder Mischgewebe, oft mit blauen Streifen bezeichnet, dessen Erzeugung in Schwaben typisch war. ↩︎
  23. Es ist leider nicht dokumentiert, wo diese Golschenschau stattgefunden hat. ↩︎

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